Unterwasserarchäologie Auf Zeitreise in den Hafen der Pharaonen

Tempel und Statuen, goldene Artefakte, Dutzende Schiffswracks entdeckte der Archäologe Franck Goddio in der Bucht von Abukir: das Vermächtnis der sagenumwobenen Stadt Herakleion, die einst für Ägypten das „Tor zur Welt“ war. GEO-Expeditionsreporter Lars Abromeit durfte die Arbeit des Teams unter Wasser begleiten
Auf Zeitreise in den Hafen der Pharaonen

Was ist das Besondere an den Ruinen Herakleions?

Lars Abromeit: Herakleion oder „Thonis“, wie die Stadt in den Quellen manchmal genannt wird, war in der Spätzeit der Pharaonen lange der wichtigste Dreh- und Angelpunkt von Ägypten zum östlichen Mittelmeerraum, also zum Machtgebiet Griechenlands. Seit dem 8. Jahrhundert nach Christus aber galt die Hafenstadt als verschollen; und viele glaubten schon, sie sei eigentlich nur ein Mythos. Bis der französische Archäologe Franck Goddio sie mit hochempfindlichen Suchgeräten tatsächlich aufgespürt hat: sieben Meter unter den Wellen, mitten in der Bucht von Abukir bei Alexandria. Dort in der Tiefe haben die Spuren der Pharaonen sich perfekt erhalten. Ruinen, Schmuck, Statuen, Holzartefakte, Knochen von Opfertieren. Es ist eine einzigartige Zeitkapsel – als seien die Priester und Seefahrer gerade erst fortgesegelt.

Wie ist es da unten, in dieser versunkenen Stadt?

Ziemlich trüb! Aus dem Nildelta kommen so viele Schwebstoffe ins Wasser, das man meistens nur zwei bis vier Meter weit schauen kann, manchmal auch weniger. Aber die Szenerie, durch die man sich da vorantastet, ist schon irre. Steine, die man im ersten Moment für ein Riff hält, entpuppen sich plötzlich als jahrtausendealte Tempelmauern, als Säulenfragmente oder als Pharaonenstatuen, um die Fischschwärme kreisen. Überall liegen Keramikscherben herum, besiedelt von Krabben. Unter dem Sand treten Reste von Schiffsplanken zu Tage; und die Taucher legen oft Gold- oder Silberschmuck frei. Man braucht Fantasie, aber dann kann man sich ausmalen, wie hier einst wohl die Priester des Gottes Amun-Gereb um den Segen des Himmels beteten; und wie Dutzende Schiffe aus Griechenland oder Zypern hier anlegten.

Auf Zeitreise in den Hafen der Pharaonen

Angesichts der Sichtverhältnisse waren die Ausflüge ins Pharaonenreich selbst für den erfahrenen Taucher Lars Abromeit (l.) eine Herausforderung. Christoph Gerigk arbeitet bereits seit 1998 als Fotograf im Team von Franck Goddio.

Wie können die Archäologen aus den Relikten das Stadtleben rekonstruieren?

Es ist ein gigantisches Puzzle, das sich erst im Computer und im Kopf von Franck Goddio seit nun 14 Jahren langsam zusammenfügt. Unter Wasser sieht man ja immer nur winzige Bruchstücke. Goddio sammelt dann an Bord die Funde und Berichte von allen Tauchern und überträgt sie in eine Karte. Die ist das „Gedächtnis“ der Expedition. Auf ihr nimmt die Stadt wieder Form an. Der einzige, der das alles noch einigermaßen durchschaut, ist Goddio selber. Er entscheidet dann, wo im nächsten Jahr weitergegraben wird. Keine einfache Frage, denn unter Wasser ist alles ja viel komplizierter – und damit auch teurer - als bei einer Ausgrabung an Land.

Was passiert mit den Funden?

Sie müssen sehr vorsichtig geborgen und restauriert werden. Einige sind so empfindlich, dass sie ohne eine spezielle chemische Behandlung beim Trocknen sofort zerfallen würden. Dafür ist eine Restauratorin während der Expedition mit an Bord; und die weitere Behandlung und Archivierung der Funde erfolgt dann in Alexandria im Labor. Mittlerweile sind dabei rund 14000 Relikte zusammengekommen: eine unglaubliche, schwer zu ordnende Vielfalt.

Wo kann man die Ergebnisse der Forschung sehen?

Das Ägyptische Museum in Kairo arbeitet gerade an einer neuen Abteilung für Unterwasserarchäologie, in der unter anderem die schönsten Schätze Herakleions Platz finden werden. Außerdem plant Goddios Team eine neue Ausstellung, die auch in Deutschland zu sehen sein soll - als Nachfolger quasi zu jener von 2006, die in Berlin fast eine Halbe Million Besucher hatte. Das alte Ägypten übt auf viele eben doch eine ganz besondere Faszination aus. Und seit ich da unten war, muss ich sagen: auf mich nun auch. So eine Zeitreise erlebt man nicht alle Tage.

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