Zeitraffer von der ISS Alexander Gerst filmt beeindruckendes Polarlicht

Kurz vor seiner Rückkehr von der ISS schickt Alexander Gerst noch einmal traumhafte Bilder aus dem All. Dem deutschen Astronaut gelang ein Aurora-Zeitraffer über Neuseeland

Immer wieder postet der deutsche Astronaut Alexander Gerst spektakuläre Aufnahmen aus dem Weltraum im Internet. Jetzt veröffentlichte die Europäische Raumfahrtagentur ESA in ihrem Youtube-Kanal dieses beeindruckende Zeitraffer-Video, das Gerst in 400 Kilometern Höhe aufgenommen hat. Es zeigt eine große Aurora über Neuseeland.

Seit fünf Monaten ist der Deutsche Teil der Crew auf der Internationalen Raumstation ISS. Schade für seine Fans: Viel Zeit für weitere Aufnahmen wird Gerst nicht mehr bleiben. Am kommenden Montag kehrt der 38-Jährige nach 165 Tagen im All zur Erde zurück.

Wie entstehen Polarlichter?

Die Erde ist eingebettet in ein schützendes Magnetfeld, das sich unter dem Druck des Sonnenwinds, eines permanenten Stroms geladener Partikel, verformt. Gefüllt ist diese Magnetosphäre mit einem Gas aus Elektronen und Ionen, elektrisch geladenen Atomen, das sich bevorzugt in der sogenannten Plasmaschicht sammelt. Der an der Erde vorbeiströmende Sonnenwind wirkt wie ein Dynamo, der innerhalb der Magnethülle ein komplexes System elektrischer Ströme in Gang setzt. Wenn diese Ströme auf die Atmosphäre treffen, lösen sie das magische Leuchten rund um die Pole aus.

Die Geschichte der Aurora-Forschung

1733 Der französische Gelehrte Jean Jacques de Mairan veröffentlicht die erste wissenschaftliche Monografie über das Phänomen – "Traité physique et historique de l’aurore boréale". Darin vertritt er die Auffassung, das Polarlicht werde durch einen leuchtenden Dunst verursacht, der die Sonne in ihrer Äquatorebene umgebe.

1740 Der Schwede Olof Hiorter und sein Landsmann Anders Celsius erkennen, dass während des Auftretens eines Polarlichts eine Magnetnadel unregelmäßig schwankt.

1862 Der deutsch-schweizerische Physiker Hermann Fritz findet heraus, dass helle Polarlichter umso häufiger auftreten, je mehr Sonnenflecken über die Scheibe unseres Zentralgestirns wandern. Die gleiche Beobachtung macht etwa zur selben Zeit der Amerikaner Elias Loomis.

1868 Der schwedische Physiker Anders Ångström zerlegt das Polarlicht mit einem Prisma und weist damit nach, dass es keine Reflexion von Sonnenlicht sein kann.

1896 Der norwegische Physiker Kristian Birkeland behauptet, dass die Leuchterscheinung durch geladene Teilchen ausgelöst wird, die von der Sonne kommen. Zum Beweis beschießt er eine magnetisierte Kugel mit Elektronen und erzeugt so ein Aurora-ähnliches Glimmen.

1959 Die russische Raumsonde Luna-1 belegt die Existenz des Sonnenwindes, den der deutsche Physiker Ludwig Biermann und der amerikanische Astrophysiker Eugene Parker zuvor schon in der Theorie postuliert hatten.

1971 Die NASA-Sonde OSO-7 liefert das erste Bild eines koronalen Massenauswurfs (Coronal Mass Ejection, CME). CMEs rufen auf der Erde geomagnetische Stürme und besonders intensive Polarlichter hervor.

2006 Die NASA startet die Zwillingssonden STEREO-1 und -2, die unseren Heimatstern aus zwei Perspektiven beobachten und damit 3-D-Bilder von Massenauswürfen ermöglichen.