Keine Kettensägen mehr im Urwald der Maori

Staatskonzerne, Naturschützer, Öko-Gegner und das Umweltministerium zankten sich auf Neuseeland jahrelang um ein Reststück Regenwald. Jetzt stoppte Vernunft die Vernichtung des Naturerbes
In diesem Artikel
"Ein Meilenstein" für den Naturschutz

Der Tieflandregenwald an der nässetriefenden Westküste der neuseeländischen Südinsel ist die Heimat uralter Bäume. Viele tragen heute noch die Namen der Ureinwohner, der Maori. So zum Beispiel die Rimu - 1000 Jahre alt werdende Stieleibengewächse. Das urwüchsige Biotop ist ein botanisches Erbe des Süderdteils Gondwanaland, der am Ende des Erdmittelalters zerbrach und Neuseeland von den Südkontinenten abtrennte. So stehen etwa die engsten Verwandten der neuseeländischen Südbuche heute in Südamerika.

Bis 1970 wurde der Raubbau toleriert

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts drangen - als Folge des neuseeländischen Goldrausches - Kohlebergbau, Sägemühlen und die Weidewirtschaft an die Westküste der Südinsel vor. Bis 1970 fiel ein Großteil der abgelegenen Regenwälder der Kettensäge zum Opfer, wovon im übrigen Neuseeland kaum Notiz genommen wurde.

Erst als die Regierung sich anschickte, die letzten unberührten Wälder aus Silber-, Berg- und Rotbuchen der Gattung Nothofagus sowie Koniferen zu Holzspänen für den Export nach Japan verarbeiten zu lassen, erhob sich landesweit Protest.

Flächenrodung mit Napalm

Mehr als ein Zehntel der Bevölkerung brachte mit einer Großkampagne das Vorhaben zu Fall. Und 1983 gelang Neuseelands Umweltschützern ein weiterer Sieg: Der staatliche Forest Service durfte nicht länger Napalm einsetzen, um Urwälder zugunsten der Anpflanzung von Kiefernplantagen abzubrennen.

Aber Timberlands West Coast Ltd., die 1990 für die Westküste der Südinsel gegründete Nachfolgeorganisation des Forest Service, ließ nicht locker und legte bald neue Pläne für den Kahlschlag auf. Das wäre das Ende des übriggebliebenen Tieflandregenwalds gewesen.

Verstaatlichung des Restwaldes

Abermals machten die Naturschützer mobil, allen voran Forest and Bird, Neuseelands größte Umweltorganisation. Deren Kampagnen und zäher Lobbyarbeit ist es zu verdanken, dass jetzt die neuseeländische Regierung einen umweltpolitisch historischen Schritt einleitete: Bis zum 1. April 2002 sind alle verbliebenen 29 Areale mit 130 000 Hektar an urwüchsigen Wäldern von Timberlands in die Hand des neuseeländischen Umweltministeriums, des Department of Conservation (DOC), übergegangen.

Ein einmaliger Naturpark entsteht

Die Regierung zahlt den ökonomisch betroffenen Bewohnern der Westküste umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro Überbrückungsgelder, damit sie sich neue Einkommensquellen erschliessen. Nach anfänglichem Hass auf die "Öko-Nazis", wie die Naturschützer diffamiert wurden, setzen die "West Coaster" inzwischen auf Ökotourismus, der für die regionale Wirtschaft zusehends bedeutender wird. Die geretteten Wälder erweitern zum Teil den Nationalpark Tai Poutini. Er wird dann eine der wenigen Regionen weltweit sein, in der die gesamte Landschaftsfolge vom vergletscherten Hochgebirge über Küstenwälder bis hin zur Stranddüne erhalten und lückenlos geschützt ist.

"Ein Meilenstein" für den Naturschutz

Diese Gebiete bekommen automatisch den Status eines Weltnaturerbes, weil sie im Bereich der South-West New Zealand World Heritage Area liegen.

Mehr noch: Anderswo auf der Südinsel soll aus den Forsten des Timberlands-Konzerns sogar ein komplett neuer Nationalpark entstehen. So wird bald der überwiegende Teil der rund 800 Kilometer langen Westküste vom Kahurangi-Nationalpark im Norden bis zur Spitze des riesigen Fiordland-Nationalparks im Süden für Motorsägen endgültig tabu sein. Neuseelands Umweltministerin Sandra Lee, die neue Eigentümerin des Naturerbes, kommentiert glücklich: "Das ist ein Meilenstein für den Erhalt der Regenwälder der Welt."

frau
Hintergrund
Schützen & Spenden: Wer wir sind und was wir tun
"GEO schützt den Regenwald e.V." realisiert weltweit Projekte für den Erhalt der tropischen und subtropischen Wälder und für die Menschen, die dort leben. Wie diese Hilfe aussieht und wie Sie sich mit uns engagieren können, lesen Sie hier

Die Nachrichten im Überblick

GEOlino Buchtipps zum Lesen
Rakiura: Bizarre Urwaldwildnis unter dem Polarlicht
Der südlichste Regenwald der Erde steht jetzt unter Naturschutz. Im Nationalpark auf Neuseelands Insel Rakiura wird eine uralte Fauna und Flora vor dem Aussterben bewahrt - etwa die Bodenbrüter Kiwi und Kakapo
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Zurück zur Natur - wenn auch aus zweiter Hand
in Modellprojekt auf den Philippinen wandelt Agrarbrachen in wertvolle Ersatzlebensräume um. Der naturnah angepflanzte Sekundärforst lockt wieder seltene Tiere an und sichert der Waldwirtschaft gute Erträge
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Neue Initiativen zum Schutz des Regenwaldes
Kommunen in der Schweiz und in Frankreich boykottieren Tropenholz. Und in Brasilien droht Strafgeld für die Vergeudung von Lebensmitteln, die auf Urwaldflächen produziert werden
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Amerikas tierreichste Region unter Naturschutz
Das Pantanal im Zentrum Südamerikas ist das größte Süßwasser-Feuchtgebiet der Erde - und ein Dorado für Wilderer und Goldsucher. Jetzt hat Bolivien seinen Landanteil unter den Schutz einer internationalen Konvention gestellt
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Keine Kettensägen mehr im Urwald der Maori
Staatskonzerne, Naturschützer, Öko-Gegner und das Umweltministerium zankten sich auf Neuseeland jahrelang um ein Reststück Regenwald. Jetzt stoppte Vernunft die Vernichtung des Naturerbes
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Wie GEO in Nepal hilft
Ein famoses Beispiel aus dem Himalaya zeigt, wie der Verein 'GEO schützt den Regenwald' auch mit wenig Geld eine ganze Region nach ökologischen Prinzipien entwickeln half - und ihren Bewohnern sozialen Fortschritt brachte
GEOlino Buchtipps zum Lesen
China befördert den globalen Kahlschlag
Um Flutkatastrophen vorzubeugen, hat China das Bäumefällen in seinen eigenen Forsten gestoppt. Statt dessen werden nun gigantische Holzmengen aus den übrigen Ländern Südostasiens und aus Russland importiert
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Solartechnik rettet Edelholz
Eine von deutschen Agrartechnikern entwickelte Trocknungsmethode macht minderwertiges Plantagenholz konkurrenzfähig für den Weltmarkt - und begrenzt so den Einschlag von Edelhölzern

Weitere Themen auf den Seiten des Regenwaldvereins

Produkte von "GEO schützt den Regenwald e.V."
Unsere Produkte
Köstlichkeiten zum Schutz des Waldes
Wildkaffee, Schokolade und Tee aus Projekten von "GEO schützt den Regenwald e.V." in Äthiopien, Ecuador und Nepal. Hier erfahren Sie, wie und wo Sie diese Produkte erwerben können
Projektbeirat und Vorstand
Projektbeirat und Vorstand
GEO-Reporter sind viel gereist und wissen aus eigener Anschauung, wie wichtig der Schutz der Regenwälder ist. Deshalb setzen sich der Projektbeirat und der Vorstand des Vereins aus GEO-Angehörigen zusammen
frau
Hintergrund
Schützen & Spenden: Wer wir sind und was wir tun
"GEO schützt den Regenwald e.V." realisiert weltweit Projekte für den Erhalt der tropischen und subtropischen Wälder und für die Menschen, die dort leben. Wie diese Hilfe aussieht und wie Sie sich mit uns engagieren können, lesen Sie hier
GEO.de Newsletter