Neue Initiativen zum Schutz des Regenwaldes

Kommunen in der Schweiz und in Frankreich boykottieren Tropenholz. Und in Brasilien droht Strafgeld für die Vergeudung von Lebensmitteln, die auf Urwaldflächen produziert werden
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Wer nicht aufisst, zahlt

Der Bann tropischen Hartholzes macht besonders in der Schweiz immer mehr Schule. 300 eidgenössische Gemeinden haben sich bisher verpflichtet, bei ihren öffentlichen Bauvorhaben oder beim Ankauf kommunalen Mobiliars keine aus Holzraubbau stammenden Importe mehr zu verwenden. Der Verzicht gilt vorrangig für Hölzer aus den Regenwäldern Brasiliens, Kameruns und Malaysias. Denn dort wird trotz hoffnungsvoller Ansätze sozial verträgliche sowie ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft noch immer kaum betrieben, sondern der Restbestand an Urwäldern rücksichtslos geplündert - zu Lasten der Urbevölkerung, wie zum Beispiel der Waldindianer Amazoniens.

Kastanie statt Meranti

Die Basler Umweltschutzorganisation Bruno-Manser-Fonds (BMF) hatte 1997 landesweit mit einer Kampagne unter dem Motto "Global denken - lokal handeln" den Prozess des Umdenkens in Gang gesetzt. Exotische Hölzer wie Teak, Nyatoh, Meranti oder Padouk sollten künftig durch einheimische Hölzer wie Kastanie, Buche, Lärche oder Robinie ersetzt werden. Mit ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung wollen die Gemeindeväter auch den Bürgern ein gutes Beispiel sein. Die 300 unterschiedlich großen Kommunen könnten eine beachtliche Breitenwirkung erzielen, denn sie umfassen zusammen immerhin 2,84 Millionen Einwohner, mehr als die Hälfte der schweizerischen Gesamtbevölkerung.

Kein Exotenholz mehr in Paris

In Frankreich folgt man jetzt dem eidgenössischen Vorbild. So beschlossen im September 2001 sechs Gemeinden des Département Isère ebenfalls den Verzicht auf Raubbauholz. Und einen Monat später verkündete der Stadtrat von Paris, er wolle Holz aus nicht-nachhaltiger Nutzung oder von bedrohten Baumarten künftig nicht mehr in öffentlichen Bauten verwenden. Diese Absichtserklärung ist freilich noch kein rechtsverbindlicher Beschluss. Anders als in der Freien und Hansestadt Hamburg, wo das Verbot der Verwendung tropischer Hölzer in Bauvorhaben des Senats schon seit 1996 rechtskräftig ist.

Wer nicht aufisst, zahlt

In Brasilien, einem der größten Exportländer von Raubbauholz, soll dem Kahlschlag in den Regenwäldern auf eine höchst originelle Weise Einhalt geboten werden: Wer im Wirtshaus seinen Teller nicht leer isst, muss den doppelten Preis bezahlen. In besseren Restaurants, etwa

den auf üppigen Fleischverzehr spezialisierten Churrascarias, fliegt jeder dritte Bissen in den Müll. Dessen Entsorgung, so haben Food-Manager ausgerechnet, kommt den Betrieb teurer zu stehen als ein Gast, der sogar noch Speise nachfordert. Die auf den ersten Blick skurrile Kalkulation hat einen plausiblen Hintergrund: weniger Fleischverbrauch, weniger Rinder, weniger Weide, weniger Waldverlust. Denn die vierbeinigen Lieferanten der saftigen Steaks stehen zumeist auf riesigen Brachlandflächen, die in den Regenwäldern brandgerodet wurden.

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