Kosmologie: Kältester Punkt im Universum

Nirgendwo ist es frostiger als im Bumerang-Nebel: minus 272 Grad Celsius. Dem Hubble-Teleskop gelang ein Foto des 5000 Lichtjahre entfernten Eisgebildes
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Kosmisches Gefrierfach: der Bumerang-Nebel

Im Sternbild Centaurus, 47,5 Billiarden Kilometer von der Erde entfernt, befindet sich der planetarische Bumerang-Nebel. Er ist durch Gase entstanden, die von einem sterbenden Stern in den letzten Stadien seines "Lebens" ausgehen. Entdeckt wurde der Bumerang-Nebel 1980 von den Astronomen Keith Taylor und Mike Scarrott. Durch das erdgebundene Teleskop ließ sich seinerzeit nur eine leicht asymmetrische Struktur des Objektes wahrnehmen. Diese erinnerte die Forscher an das australische Wurfholz - und verhalf der Entdeckung zu ihrem Namen. Ein gestochen scharfes Foto vom Frost-Nebel gelang erst dem Weltraumteleskop Hubble. Auf dessen Aufnahme gleicht die Gestalt indes mehr einer Fliege - und unterscheidet sich darin von den übrigen planetarischen Nebeln. Kosmologen spekulieren, dass der Bumerang-Nebel womöglich so jung sei, dass er bislang noch keine der bekannten Strukturen ausbilden konnte.

Für die charakteristische Form sorgen vermutlich Winde, die das eiskalte Gas mit 500 000 Stundenkilometern vom sterbenden Stern wegblasen. Seit 1500 Jahren dürfte der Stern auf diese Weise jährlich etwa ein Tausendstel Sonnenmasse eingebüßt haben. Dies ist zehn bis 100-mal mehr Materie als bei ähnlichen Objekten. Durch diese rasche Expansion wurde der Nebel zur kältesten Region im Universum: 1995 bestimmten Astronomen in Chile die "Körpertemperatur" des Bumerang-Nebels mit minus 272 Grad Celsius - nur ein Grad wärmer als der absolute Nullpunkt.

Selbst die kosmische Hintergrundstrahlung ist noch 1,7 Grad wärmer. Sie entstand 300 000 Jahre nach dem Ur-Knall und war zuerst 5000 Grad heiß. Je weiter sich das All ausdehnte, desto geringer wurde die Temperatur der Hintergrundstrahlung, die man sich wie die Glut des Urknalls vorstellen kann.

Quelle: Hubble European Space Agency Information Centre

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