Seid umschlungen, Myriaden

Ein feiner Ring aus Sternen umgibt die Milchstraße - wie eine Begrenzung unserer Galaxie. Er könnte das Resultat einer Verschmelzung unserer Milchstraße mit einer kleineren Galaxie sein

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Erklärt vom Max-Planck-Institut für Astrophysik

Erstellt vom Van Vleck Observatorium (Universität von Connecticut)

Galileo Galileis Blick durch das Fernrohr ließ die Menschheit 1610 erkennen, dass der weiße Wolkenpfad am Nachthimmel kein mystischer Nebel, sondern eine Ansammlung von Sternen ist - Sternen unserer eigenen Galaxie. Dem amerikanischen Astronomen Edwin Hubble verdanken wir das Wissen, dass diese Sterne - im Großen gesehen - wie eine Spirale angeordnet sind, bei der unser Sonnensystem in einem der Spiralarme seine Kreise zieht.

Seit Beginn dieses Jahres nun hat sich der Kenntnisstand über das Aussehen unserer Galaxis nochmals erweitert: Forscher entdeckten nämlich, dass unsere Milchstraße von einem Band aus Sternen bekränzt ist, das die Galaxis womöglich wie ein kompletter Ring umgibt. Ein Wissenschaftler-Team des Observatoriums Straßburg unter der Leitung von Rodrigo Ibata sowie Astronomen des "Sloan Digital Sky Survey" haben unabhängig voneinander außerhalb der galaktischen Scheibe eine überhöhte Ansammlung von Sternen aufgespürt, die einem eigenen Bewegungsmuster folgen und damit nicht der Galaxie selbst zuzurechnen sind. Die Forschergruppen arbeiten an einem internationalen Projekt, bei dem bis zum Jahr 2005 ein Viertel der gesamten Himmelssphäre abgelichtet und kartographiert werden soll.

Der neu entdeckte Leuchtgürtel ist 50-65 000 Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernt; etwa doppelt so weit wie unser Sonnensystem. Bislang war er den Astronomen nicht aufgefallen, da er fast in einer Ebene mit der Milchstraße liegt und ihn daher Staub und zahllose näher liegende und greller leuchtende Sterne weitgehend verbergen. Erst durch großräumige Ablichtungen des Himmels war es überhaupt möglich, die Struktur eines solch weit entfernten Kranzes zu erfassen.

Was dessen Entstehung betrifft, sind zwei Hypothesen denkbar. Der Sternenschwarm könnte durch interne Gravitationsstörungen aus der galaktischen Scheibe herausgestoßen worden sein. Wahrscheinlicher aber ist, so Eva Grebel vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, dass er der Rest einer Zwerggalaxie ist, mit der die Milchstraße vor einigen Milliarden Jahren zusammenstieß. Im Sog der intensiveren Schwerkraft wurde das kleinere Sternensystem zu einem Band auseinandergezogen und um unsere Galaxie geschlungen.

Noch ist nicht hundertprozentig belegt, dass es sich um einen vollständigen Ring handelt; nachgewiesen ist bislang ein Sechstel des Umfangs. Im Sternbild Einhorn wie auch in Richtung Andromeda-Galaxis sowie deren Umgebung war der Sternenstrom in gleicher Dicke, Dichte und Geschwindigkeit zu sehen.

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