Mit Saris gegen die Cholera

Unglaublich, aber wahr: Mit Baumwollfasern lassen sich Seuchen auslösende Bakterien aus dem Wasser filtern

Als Anwar Huq in Bangladesh Menschen beobachtete, die mit einem alten Baumwollrock Insekten aus einer hausgemachten Limonade filterten, kam dem Mikrobiologen von der University of Maryland in Baltimore eine Idee: Könnte man einen Sari nicht auch als Wasserfilter nutzen, um den Erreger der in dieser Region verbreiteten Cholera aus dem Trinkwasser zu entfernen?

Auf den ersten Blick ein unsinniger Plan. Denn durch die Gewebe-Maschen von einem fünfzigstel Millimeter Durchmesser schlüpfen die um ein Vielfaches kleineren Mikroben mühelos hindurch. Nicht aber die Algen, die kleinen Krebstierchen (Ruderfußkrebse) und deren Eier, an denen die Cholera-Erreger normalerweise hängen. Das fanden Anwar Huq und seine Kollegen einwandfrei unter dem Elektronenmikroskop bestätigt.

Laboruntersuchungen bewiesen die Tauglichkeit der Theorie: Ein mindestens viermal gefalteter Sari holt zusammen mit dem Plankton und den Krebsen mehr als 99 Prozent aller Cholera-Erreger aus dem Wasser. Da die Fasern eines Baumwollrocks mit häufigem Waschen weicher werden, verringert sich die Porengröße; ein alter, billiger Sari ist damit sogar ein besserer Filter als ein neues Stück Baumwolle. Und mindestens so gut wie ein vergleichsweise teures Netz aus Nylon.

Rund 130000 Menschen in 65 Dörfern haben nach sorgfältigem Filter-Falt-Training etwa anderthalb Jahre lang die Methode angewandt - mit durchschlagendem Erfolg: In den Dörfern, in denen die Menschen den Sari-Filter benutzen, gingen die Cholera-Fälle um 48 Prozent zurück.

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin 4/2003

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GEO Nr. 04/03
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