Schrauben, Handschuhe und ausgediente Oldtimer

Mehr als 100 000 größerer Schrott-Teile jagen in Erdnähe durch das All und gefährden Satelliten und Raumfahrzeuge: Weltraumschrott. Wie entsteht er, welche Auswirkungen hat er, wie kann er zerstört werden?
In diesem Artikel
Zerlöcherte Fensterscheiben

"Orbitaler Schrott", Weltraummüll, wird definiert als jedes von Menschen geschaffene Objekt auf einer Erdumlaufbahn, das keine Funktion mehr erfüllt und auch keine Aufgabe jemals wieder erfüllen wird. Das können Objekte sein wie verlorene Handschuhe, Schrauben, Schraubenschlüssel, Bolzen, Metallbänder, ausgemusterte Satellitenteile und Satelliten.

Müll mit Schweif

Seit Beginn der Raumfahrt 1957, vor nun 46 Jahren, hat sich im Erdorbit, der Umlaufbahn eines Satelliten um einen Himmelskörper, ein große Menge von Space Debris angesammelt. Rund 100 000 Müllteile von mehr als einem Zentimeter Größe umkreisen die Erde in 200 bis 2000 Kilometern Höhe, mit Geschwindigkeiten bis zu 30 000 Kilometern pro Stunde. Radargeräte orteten insgesamt circa 8 000 Müllteile, die größer als zehn Zentimeter sind. Kleinere Teilchen können mit Radargeräten nicht geortet werden. Insgesamt kreisen also 150 000 Teile Weltraumschrott durch das All.

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Schaden an einer Raumfähre, entstanden durch ein Stück Weltraummüll

Künstliche Sternschnuppe

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Die Umlaufbahn eines Schrott-Teils in drei Jahren in einer Simulation

Weltraummüll verglüht am schnellsten in der Erdatmosphäre in einer Höhe von 200 Kilometern, er benötigt ein bis vier Tage um sich selbst zu "recyceln". Bei dem Sturz Richtung Erde hinterlässt das Schrotteilchen eine künstliche Sternschnuppe. Je weiter die Teilchen von der Erde entfernt sind, desto länger kreisen sie im Weltall: Ein Schrotteil, das in 1000 Kilometern Höhe kreist, verglüht erst nach 2000 Jahren.

Anarchie im All Jedem Land ist es selbst überlassen, wie es mit seinem Weltraummüll umgeht. Verbindliche Abkommen gibt es nicht, entsprechend auch keinen Umweltschutz im All. Laut dem Weltraumschrott-Experten Prof. Dr. Walter Flury von der ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt "ist die beste Technik nutzlos, bis die UNO einen Verhaltenskodex verabschiedet. Denn das Aufräumen im All beginnt auf der Erde".

Zerlöcherte Fensterscheiben

Die Gefahren im Orbit werden auf einer Art Weltraum-Wetterkarte zusammengetragen, um Raumfahrtzeuge vor Kollisionen mit Müllteilen zu warnen. Dies gelingt aber nicht immer. Insgesamt mussten bis heute über 80 beschädigte Fensterscheiben von Raumfähren ausgewechselt werden. Inzwischen werden von Forschern Schutzschilder geplant und entworfen, die die Fensterscheiben vor Einschlägen schützen sollen.

Müllvermeidung

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Ein Bild aus vergangenen Tagen, als noch sehr wenig Space Debris die Erde umkreiste

Durch extrem hitzebeständige Schutzschilde aus Silizium sollen Satelliten künftig fähig sein, wieder zur Erde zurückzukehren. Damit würde der Weltraumschrott im All verringert werden und manche Bauteile der Satelliten könnten wiederverwendet werde.

Recyclingversuche In der Zukunft könnte es zwei weitere Möglichkeiten der Müllbeseitigung geben - wenn sie finanziert werden können und technisch umsetzbar sind. Die erste Möglichkeit wäre, dass Laser vom Erdboden aus die Schrotteilchen zerstören. Als zweites käme ein Modell der NASA in Frage, die eine Art "orbitale Müllabfuhr" im All plant. "Schäfer"-Satteliten und "Schäferhund"-Sonden sollen das Aufräumen im Weltraum erledigen. In der Erdumlaufbahn sollen die Roboter nach Weltraumschrott fahnden. Wenn sie etwas finden, schicken sie eine "Schäferhund"-Sonde los. Die Sonde fängt das Schrott-Teil ein, dadurch wird es abgebremst, nähert sich der Erdoberfläche und verglüht schließlich.

Die Maßnahmen der Müllvermeidung und die Recyclingversuche gelten nicht nur für Weltraummüll, sondern auch für alle anderen natürlichen Himmelkörper, wie zum Beispiel Meteoriten, Asteroiden und Kometen die im All ihre Runden drehen.

Bis allerdings das große Aufräumen im All stattfindet, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

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