Weltraumschutt

Kosmische Kollisionen lassen Staub, Schutt und Metall auf die Erde regnen

15 000 000 Tonnen Staub und Schutt fallen jährlich vom Himmel. Während die Erde mit einer Geschwindigkeit von 10 7000 Kilometern in der Stunde um die Sonne rast, kollidiert sie fortwährend mit interplanetarer Materie. Wenn morgens die Sonne aufgeht und wir gewissermaßen auf dem Bug des Raumschiffs Erde stehen, kommt uns der frontal entgegen. Zum allergrößten Teil ist dieser Beschuss völlig harmlos: Er rieselt, abgebremst in der Atmosphäre, als mikroskopisch feiner Staub zu Boden. Er findet sich im polaren Eis wie in Tiefseesedimenten.

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Die Laboranalyse dieses unzerstört gelandeten Materials ist besonders aufschlussreich. Weil es das älteste Gestein unseres Sonnensystems überhaupt enthält, erlaubt die Kenntnis seiner chemischen Zusammensetzung Rückschlüsse auf die Bedingungen in der Urwolke, aus der sich Sonne und Planeten vor 4,5 Milliarden Jahren gebildet haben.

Spektakulär hingegen kommen die großen Brocken zu Boden. 2 000 000 Tonnen hätte allein jener Metallklumpen auf die Waage gebracht, der vor 50 000 Jahren im heutigen US-Bundesstaat Arizona einschlug. Mit der Gewalt von 30 Millionen Tonnen des Sprengstoffs TNT schlug er einen 175 Meter tiefen und 1200 Meter weiten Krater. Trotzdem war dieser Eisen-Nickel-Koloss nur ein kosmischer Splitter, fortgeschleudert bei einer Rempelei im Asteroidengürtel.

Dort, zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter, kreisen zahllose von Brocken mit Durchmessern von bis zu tausend Kilometern - Bausteine eines verhinderten Planeten. Solche großen Trümmerstücke können auch von Mond und Mars stammen und aus Material dieser Himmelskörper bestehen, das bei dortigen Meteoriten-Einschlägen ins All geschleudert wurde.

10000 Tonnen des jährlichen Meteoroidenaufkommens ziehen beim Eintauchen in die Atmosphäre Leuchtspuren, sogenannte Meteore, nach sich. Jede Nacht lassen sich weltweit 100 Millionen Sternschnuppen mit bloßem Auge beobachten. Einige der leuchtenden Bremsspuren stammen von Körnern von nur einem Hundertstel Gramm Gewicht.

Regelrechte Meteorenschauer ereignen sich, wenn die Erde in die Partikelwolke eines aufgelösten Kometen eindringt. Die meisten Meteoride verglühen vollständig, nur 1000 Tonnen rasen jährlich mit hoher Geschwindigkeit bis zur Erdoberfläche und werden so zu Meteoriten. 950 Tonnen davon bestehen aus steinigem, ähnlich urtümlichem Material wie der interplanetare Staub. Das Alter lässt sich gut bestimmen, weil sich darin bestimmte radioaktive Isotope durch Beschuss mit kosmischer Strahlung angereichert haben.

Im jährlichen Mittel fallen außerdem 80 Tonnen Metall vom Himmel, das vermutlich aus dem Asteroidengürtel stammt. Auf 10 Tonnen wird der Anteil sogenannter Ureilite geschätzt. Diese kompliziert strukturierten Meteorite stammen wahrscheinlich von der äußeren Kruste einiger Asteroiden. Sie enthalten Kohlenstoff in Diamantform, der sich wahrscheinlich bei kosmischen Kollisionen unter enormem Druck gebildet hat. Bisher wurden auf der Erde insgesamt nicht mehr als 10 000 Meteorite gefunden. Ihr wissenschaftlicher Wert übersteigt den Rohstoffpreis allerdings bei weitem.

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