Das Geheimnis der "geborenen" Steine

Wie ein riesiges Kugellager liegen die "Murmeln der Moqui" in der Wüste von Utah. Über ihre Entstehung wird noch gerätselt

Geisterspielzeug seien die Wüstenkugeln - so die Legende. Immer wenn es Nacht wird, besuchten indianische Ahnen die Erde. Und sie spielten Murmeln mit diesen schwarzbraunen Steinen, manche davon so groß wie Tennisbälle. Sobald der Morgen graut, verschwänden die Geister wieder in ihre Welt. Die Kugeln aber ließen sie als Andenken zurück.

Die "Murmeln der Moqui" sind benannt nach den Indianern, auf deren Land sie im Südwesten der USA gefunden wurden. Die weniger romantische Fachbezeichnung: "Eisen-Sandstein-Konkretionen". Die linsen- bis kugelförmigen Gebilde haben eine harte Schale, die zum großen Teil aus Eisenoxid besteht; innen stecken verfestigter Sand und manchmal weitere Schalen. Oft liegen die Kugeln dicht nebeneinander bei Sandsteinformationen - dunkel glänzend wie Kanonengeschosse, sorgsam gesammelt, aber nie abgefeuert.

Wie sich die Moqui-Murmeln gebildet haben, ist noch nicht geklärt. Vermutlich sind sie im Jura-Zeitalter entstanden - vor über 130 Millionen Jahren, in den riesigen Sedimentschichten im Südwesten Amerikas, in die sich auch der Grand Canyon eingegraben hat. Wahrscheinlich lagerten sich im Wasser gelöste Bestandteile um einen Kristallisationskeim an, der so - ähnlich einer wachsenden Perle - ständig an Größe zunahm.

Im porösen Sandstein von Utah, der vor langer Zeit von Grund- und Regenwasser durchtränkt wurde, fiel im Wasser transportiertes Eisen wohl unter bestimmten Bedingungen zu Eisenoxid aus, das sich dann um die Sandkorn-Kerne sammelte. Freigesetzt werden die Murmeln - Fachleute sprechen von "geborenen Steinen" -, wenn der Sandstein um sie herum verwittert ist. Jede Sedimentschicht kann neue Kugeln hervorbringen. Bis sie irgendwann im Sand der Wüste wieder beerdigt werden.

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin 4/2004

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