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Den Menschen verstehen

Kinder als Forscher

Grundschule in der Alten Forst, Hamburg

Wenn ein Kind musikalisch ist, bekommt es Klavierunterricht. Ist es sportlich, geht es in einen Sportverein. Aber was ist mit Kindern mit einer naturwissenschaftlichen Begabung? Und wie kommt es, dass die Experimentierkünste der frühen Jahre – die kühne Bauklotzarchitektur und die wilden Backwerke – mit Beginn der Schulzeit plötzlich versiegen?

Die Fähigkeit, das Funktionieren der Welt analytisch zu hinterfragen, müsse unbedingt gefördert werden, sagte sich Gesine Liese, Mutter zweier Kinder. Also entwickelte sie mit ihrem Mann Andreas Liese, Professor für Technische Biokatalyse an der TU Hamburg-Harburg und der Ingenieurin Julia Husung ein „Kinderforscher-Projekt“ für Grundschulen, das inzwischen von der Körber-Stiftung gefördert wird.

„Der Kern ist ein Experimentier-Kasten samt Arbeitsblätter und Anleitung“, erklärt Gesine Liese, „den jede Lehrerin, auch wenn sie keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat, mit den Kindern ausprobieren kann.“ Die Schüler hantieren dabei nicht mit Chemikalien, sondern mit Dingen aus dem Alltag. Trockenhefe zum Beispiel: „Warum geht Hefeteig manchmal auf, aber oft auch nicht?“ fragt Liese. „Die Kinder sollen herausfinden, dass die Temperatur eine Rolle spielt und es hilft, wenn man Zucker dazu gibt.“

Mit mehreren Partnerschulen in Hamburg, zum Beispiel der Grundschule in der Alten Forst, vereinbarte Liese folgendes Programm: Eine Lehrerin suchte Schüler aus, denen sie das „Kinderforscher“-Programm anbot. An einem Nachmittag wurde experimentiert. Eine Woche später fuhr das Team dann zur Universität, um das Gelernte zu vertiefen. Zum Beispiel die Frage zu klären, warum Mandarinen aus der Dose immer so perfekt geschält sind. Die Antwort: Sie werden bei der Verarbeitung in einem Enzym gebadet, das die Haut löst, ohne das Fruchtfleisch anzugreifen. Und so ging es im Wechsel zwischen Schule und Uni weiter. „Nicht alle Kinder haben immer alles verstanden“, sagt Lehrerin Christine Eckmann von der Grundschule in der Alten Forst. „Aber alle waren fasziniert und aufmerksam.“

Auch in anderen Städten gibt es Interessenten für das preisgekrönte Projekt. Gesine Lieses Ziel ist es, eine gemeinnützige GmbH für kleine Forscher in ganz Deutschland zu gründen. Motiviert zu dem Projekt hatte sie ihre eigene Geschichte: Unter Rechenschwäche leidend entdeckte die in den USA aufgewachsene Lehrerin erst spät ihre Begeisterung für Zahlen, an der Universität. Und studierte dann in Stanford Mathematik.

Mehr Informationen unter: www.kinderforscher.de

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Das „Kinderforscher-Projekt“ für Grundschulen regt junge Experimentierkünstler zu analytischem Denken an

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