Logo GEO Wissen
Den Menschen verstehen

Schulcafé Chilli

Friedrich-Wilhelm-Herschel-Schule, Nürnberg

Am meisten hat Sabine Sinariu imponiert, dass sie mit ihren Mitschülern in einem richtigen Restaurant ausgebildet wurde – wo es weiße Tischdecken gibt mit passenden Servietten und Unmengen verschiedener Gläser. „Dort haben wir gelernt, wo man das Besteck hinlegen muss und wie man richtig abräumt“, erzählt die 15jährige mit Stolz. Aber sie hat noch mehr gelernt: einen Menüplan erstellen, einkaufen, kochen, kassieren, abrechnen. Die Mitarbeiter des Schulcafés „Chilli“ lernen das Geschäft von der Pike auf: „Jeder muss sich bei uns mit allen Tätigkeiten der Gastronomie vertraut machen“, betont die Schulsozialarbeiterin und Projektleiterin Chiara Fürst.

Seit dem Frühjahr 2008 können die rund 450 Schüler der Nürnberger Friedrich-Wilhelm-Herschel-Schule (www.herschel-hauptschule.de/23.html) am Mittag nicht nur gesund und günstig essen. Für fast 40 von ihnen ist das Projekt zugleich ein Training für den Arbeitsmarkt. „Die Jugendlichen lernen, dass jeder seinen Platz hat und man sich aufeinander verlassen können muss“, sagt Chiara Fürst, „sonst funktioniert der Betrieb nicht.“ Unter den Fünft- bis Neuntklässlern bewerben sich viele für das Café, aber nicht jeder wird genommen: „Ich musste ein richtiges Bewerbungsschreiben abliefern und hatte ein Aufnahmegespräch“, erzählt Sabine.

2007 machte die traditionsreiche Hauptschule, an der 80 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien kommen, noch ganz andere Schlagzeilen: Mehrere Jugendgangs gingen aufeinander los, ein Polizist wurde verletzt. Die Schule verstärkte daraufhin ihre Anstrengungen, den Jugendlichen Perspektiven zu bieten „Wir sind besser, als Ihr glaubt!“, titelte die BILD-Zeitung 2008, nachdem das Schulcafé einen Preis auf einer Schülerfirmen-Messe erhielt. Seither sind die „Chillis“ zu einer Nürnberger Attraktion geworden – sogar bei Hochzeiten waren sie schon für das Catering zuständig. Restaurants und Hotels unterstützt das Projekt und sind vielleicht einmal Anlaufstelle für den Berufseinstieg: „Ich weiß jetzt“, sagt die 15jährige Junior-Geschäftsführerin, „dass mir das richtig Spaß machen würde!“

zurück zur Hauptseite