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9. Haben Privatschulen Folgen für das öffentliche Schulwesen?

In dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Optimisten hoffen, dass Privatschulen einen heilsamen Wettbewerb entfachen. Er soll die öffentliche Konkurrenz zwingen, sich mehr anzustrengen. So würde das Niveau des gesamten

Schulwesens steigen. Kritiker verweisen darauf, dass Privatschulen, die sich ihre Schüler ja aussuchen dürfen, den Öffentlichen gerade die Leistungsträger entziehen. Zurück in den Staatsschulen blieben überproportional viele Schüler aus sozial schwachen Milieus. Zugleich steige der Druck auf verantwortungsbewusste Eltern, ihr Kind nicht in

eine öffentliche Schule zu schicken.

Negative Auswirkungen auf das staatliche Schulsystem zeigen sich heute bereits in einigen dünn besiedelten Regionen

Ostdeutschlands: Da sie nicht an Auflagen wie Mindestklassengröße und -zahl gebunden sind, haben Privatschulen eine Reihe öffentlicher Lehranstalten beerbt, die wegen zu geringer Schülerzahlen schließen mussten. Das ist für die Kinder am Ort zwar ein Gewinn, doch fehlen sie nun in den nächstgelegenen öffentlichen Einrichtungen. Immer mehr öffentliche Schulen sind dadurch in ihrem Bestand gefährdet. Die Folge könnte sein, dass Eltern auf dem Land künftig keine Alternative zur Privatschule mehr haben – auch wenn ihnen die zu teuer ist oder aus weltanschaulichen Gründen nicht behagt.