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Den Menschen verstehen

Leseprobe: Der Mann fürs Leben

Die Art und Weise, wie ein Vater mit seiner Tochter umgeht, beeinflusst ihr Leben fundamental. Selbst wenn sie das Elternhaus schon lange verlassen hat.

Lesen Sie einen Auszug aus der neuen Ausgabe von GEO WISSEN zum Thema "Väter":

Damals, in jenen Tagen, als sie sich so entsetzlich traurig fühlte, als sie das Baby abgetrieben hatte und ihr Mann ohne sie auszugehen begann, suchte Louise nicht etwa Zuflucht bei ihrer Mutter. Oder bei der Großmutter, ihrer geliebten Nanée.

Vielmehr schlich sie sich ins „Ali-Papa“, das Büro ihres Vaters. Dort schluckte sie die Amphetamine, die er als Wachmacher für lange Arbeitstage bereithielt. Denn das, so Louise, habe sich angefühlt, als schleuse sie sich den Vater direkt in den Kopf. „Nichts konnte mir mehr passieren. Seine Amphetamine nehmen war wie eine Transfusion, mein Leben mit seinem verwoben, etwas von seiner Intelligenz und seinem Mut ging auf mich über; er schützte mich, ohne es zu wissen.“

Louise heißt im wirklichen Leben Justine Lévy. Sie ist die Tochter von Bernard-Henri Lévy, dem Mitbegründer der französischen „Nouvelle Philosophie“. Mit ihrem Roman „Nicht so tragisch“ landete Justine Lévy einen Bucherfolg. Kaum verschleiert beschreibt sie in der Figur von Louise, was sich in den Jahren zuvor in ihrem Leben abgespielt hatte. Wie ihre Ehe zu dem aufsteigenden Philosophen Raphaël Enthoven, einem jüngeren Ebenbild ihres Vaters, scheiterte, weil der sich in die Sängerin Carla Bruni verliebte, die spätere Frau des französischen Staatspräsidenten. Wie sie Aufputschmitteln verfiel, fast daran starb, den Entzug schaffte und einen neuen Mann kennenlernte.

Die erstaunlichsten Abschnitte handeln von Louises Vater

Die eindrucksvollsten Passagen im Buch aber sind jene, in denen ihr Vater auftritt. Sie beschreibt, wie er Louise mit harmlosen Bemerkungen „bis ins Mark“ trifft, wie sie vor ihm bestehen will und wie sie ihn innerlich anfleht, ihre wachsende Amphetaminsucht zu bemerken. „Ich schreie aus der Tiefe meiner Augen: Hilf mir, du allein kannst mich retten, mich da herausreißen.“

Was Justine Lévy da erzählt, widerspricht allen früheren Erziehungsmodellen. Denn lange Zeit galt, dass der Vater kaum mehr ist als eine marginale Figur im Leben eines Mädchens. Schließlich ist er weder Rollenmodell noch Konkurrent – wie etwa für den Sohn. Wenn sich Forscher in der Vergangenheit überhaupt um Vater-Tochter-Beziehungen gekümmert hatten, richteten sie ihr Augenmerk auf extreme Fälle, in denen ein Vater sein Kind misshandelt oder sexuell missbraucht hatte.

Seit einiger Zeit aber zeigt sich immer deutlicher, dass die Beziehung zwischen einem Vater und seiner Tochter auch unter normalen Umständen eine besondere ist – und eine besonders wichtige.

Väter stellen wichtige Weichen im Leben ihrer Töchter

Ein Vater ist der erste Mann im Leben eines Mädchens. In dieser Funktion stellt er viele Weichen. In zahllosen Studien hat sich herausgestellt, dass die Art und Weise, wie er mit seiner Tochter umgeht, fundamental beeinflusst, wie sie ihr Leben gestaltet, wie glücklich sie sich dabei fühlt – ja sogar, wie gesund sie ist (und das noch Jahrzehnte, nachdem sie das Elternhaus verlassen hat).

Die meisten Väter sind sich dessen freilich nicht bewusst. Einer Umfrage in den USA zufolge hält sich dort nur rund jeder dritte Vater für grundlegend wichtig für seine Tochter. Auch hierzulande verbringen Väter noch immer mehr Zeit mit Söhnen. Und während Paare länger in einer schwierigen Ehe verharren, wenn diese Jungen hervorgebracht hat, trennen sie sich schneller, wenn ausschließlich Mädchen in der Familie leben. Offenbar glauben Eltern, dass Töchter auch bei der Mutter allein gut aufgehoben sind.

Doch sie irren.

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEO WISSEN zum Thema "Väter" nachlesen.

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"Wir kennen und lieben uns seit 22 Jahren. Sie war immer ein bisschen crazy und hat mich regelmäßig zum totalen Idioten gemacht, etwa wenn ich mir von ihr vorschrieben ließ, welches Hemd ich zu tragen hatte oder welche Autofarbe zulässig war. Ich hoffe, sie macht so weiter." Raimund Kusserow, 64, TV-Produzent

"Er würde am liebsten alles verbieten, was man als Annäherungsversuch anderer Männer an mich interpretieren könnte und was seine Rolle schwächen würde. Für mich ist das schon oft nervig. Aber ich weiß, dass er so ist, weil er mich liebt." Lea Kusserow, 22, Studentin

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