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Den Menschen verstehen

Katzensprache Eine Phonetikerin entschlüsselt das Miauen und Schnurren

Eine Katze maunzt, knurrt und faucht nicht beliebig. Ihre Laute haben Sinn und System. Die Phonetik-Professorin Susanne Schötz erklärt, was sie bedeuten
Katze

Frau Professor Schötz, was bedeutet bei einer Katze ihr „Miau“?

Ein Miau ist nicht gleich Miau. Als Phonetikerin bin ich geübt, darauf zu achten, wie etwas klingt. Ich analysiere, auf welche Weise Laute zustande kommen, welche Vokale und welche Konsonanten, mit welcher Melodie, Lautstärke oder Rhythmik. Aber auch jeder Laie, der eine Weile einer Katze lauscht, wird rasch merken: Die Lautäußerungen können sehr unterschiedlich sein. Das Spektrum, in dem sich Katzen ausdrücken, ist größer, als man lange glaubte. Es gibt eine kaum zu überschauende Vielfalt von Variationen, vom klingenden Schnurren bis zum lauten Schreien; manchmal schnattern Katzen, manchmal heulen sie, zuweilen zwitschern
sie geradezu. Außerdem variieren sie virtuos die Tonhöhe.

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Wie zum Beispiel?

Obwohl Schnurren wahrscheinlich eigentlich stimmlos ist, können wir die Frequenz der regelmäßigen Vibrationen im Kehlkopf messen. Manche Katzen schnurren sehr tief, im Infraschallbereich, den Menschen nicht hören können. Mit einem hellen Miauen erzielen sie eine Höhe von mehr als 1100 Hertz. Zum Vergleich: Menschen sprechen in der Regel im Frequenzbereich zwischen etwa 75 und 5000 Hertz. Mensch wie Katze vermögen also eine Vielfalt von Melodien zu modulieren. Die versuche ich gemeinsam mit zwei Sprachwissenschaftlern zu entschlüsseln.

Sie entschlüsseln Dialoge zwischen Mensch und Katze?

Genau. Denn Katzen kommunizieren mit dem Menschen ja weitaus häufiger und anders, als sie es untereinander tun – und es können sich auch ganz individuelle Kommunikationsstile zwischen einer einzelnen Katze und ihrem Halter entwickeln.

Wie gehen Sie vor?

Wir konzentrieren uns derzeit auf die Lautmelodien, die die Tiere gegenüber ihren Haltern ausstoßen. Dazu beobachten wir die Katzen und ihre Besitzer in ihrer normalen Umgebung, machen Bild- und Tonaufnahmen. Wir sind also dabei, wenn die Katze gefüttert und gestreichelt oder zum Tierarzt gebracht wird. Auf den Aufzeichnungen sehen wir, in welcher Situation die Katze miaut, gurrt oder schnurrt, wir sehen ihre Körperhaltung und können daran erkennen, welche Bedürfnisse sie in diesem Augenblick wohl umtreiben.

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Was sind Ihre Erkenntnisse?

Zunächst haben wir untersucht, welche Laute Katzen von sich geben – und können bestätigen, was andere Forscher vermutet haben: Es gibt eine Art universeller Katzensprache. Ihr Vokabular lässt sich in drei Kategorien ordnen:

  • Zum einen handelt es sich um Laute, die mit geschlossenem Maul gebildet werden, etwa Schnurren, Gurren oder Murren. Die Laute sind so vielfältig, dass sie in sehr unterschiedlichen Situationen vorkommen.
  • Zum anderen geben Katzen Laute von sich, bei denen ihr Maul erst geöffnet, dann geschlossen wird, etwa Miauen, Heulen, Jaulen. Ihre Bedeutung ist sehr verschieden, sie reicht von Unterwürfigkeit bis Liebessehnsucht.
  • Und schließlich haben wir Laute untersucht, die mit einem offenen, aber gespannten Maul ausgestoßen werden, etwa Knurren, Grollen, Fauchen oder Schnattern. Katzen erzeugen diese Geräusche als Zeichen von Aggression oder gegenüber Beutetieren.
GEO Wissen Nr. 60

Dieser Artikel stammt aus GEO Wissen Nr. 60 "Geliebte Gefährten"

Welcher Laut ist der freundlichste?

Das Gurren. Es ist ein ziemlich kurzes, auf der Zunge gerolltes Geräusch und wird von Katzen vornehmlich bei freundlicher Annäherung, zur Begrüßung, als Bestätigung oder beim Spielen benutzt. Allerdings gibt es auch das in Variationen: mal als tiefes Grunzen oder Brummen, mal als höheres Trillern. Und nicht selten geht das Gurren in Miauen über, es erklingt also so etwas wie „Brrriu“ oder „Mrrrriu“.

Und was bedeutet das Gurren?

Es erklingt meist, wenn eine Katze einen Freund begrüßt, gleichgültig ob Mensch oder Tier. Man kann es interpretieren als „Hallo“, aber auch als Bestätigung („Danke, ich habe das mitbekommen) oder als freundliche Aufforderung („Komm, spiel mit mir“).

Das gesamte Interview lesen Sie in "GEO Wissen Nr. 60 - Geliebte Gefährten". Darin erklärt Susanne Schötz unter anderem, wie sich die Kommunikation zwischen Mensch und Katze verbessern lässt.

Susanne Schötz

Prof. Dr. Susanne Schötz forscht und lehrt im Bereich Phonetik an der schwedischen Universität Lund. Auf ihrer Webseite präsentiert sie Aufnahmen von Lauten in verschiedenen Situationen. Ihr Buch "Die geheime Sprache der Katzen" ist kürzlich erschienen, auch als Hörbuch.