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Herzleiden Das Leben zurückerobert

Elmar Sprink, 43, Diplombetriebswirt aus Köln, hat seit seiner Herztransplantation an mehr als 25 Ausdauer-Wettbewerben teilgenommen, darunter auch an dem weltweit härtesten Triathlon: dem "Ironman"
Das Leben zurückerobert

Elmar Sprink denkt oft an jenen ihm unbekannten Menschen, dem er sein neues Leben verdankt. An Sportveranstaltungen nimmt er daher auch als Botschafter für die Organspende teil

Zum Leben zu krank, zum Sterben zu gesund – so ungefähr fühlte ich mich, als ich mich 2011 wegen Atemnot und Schmerzen im Oberbauch ins Krankenhaus bringen ließ. Einige Monate zuvor hatten meine Probleme mit dem Herzen eingesetzt, als ich zu Hause einen Herzstillstand erlitt. Überlebt hatte ich nur, weil Nachbarn mich gefunden und reanimiert haben. Die Ärzte vermuteten eine Herzmuskelentzündung, aber zweifelsfrei festgestellt wurde eine Ursache bis heute nicht.

In den folgenden Monaten wollte ich wieder rasch Sport machen und fit werden, doch beim Laufen und Radfahren ging es nicht mehr so wie vorher, meine Herzleistung sank von Monat zu Monat. Als ich mich in die Klinik einliefern ließ, war sie so niedrig wie niemals zuvor. Das Beste für mich wäre ein Spenderherz, sagten mir die Ärzte. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu warten, im Krankenhaus. An ein Alltagsleben daheim war nicht zu denken.

Das Leben zurückerobert

Immunsuppressiva nimmt der 43-Jährige ein, damit sein Körper das fremde Herz nicht abstößt

Im Februar 2012, zwei Monate nach der Aufnahme in einer Spezialklinik, verschlechterte sich mein Zustand rapide. Mir wurde eine Herzpumpe eingebaut, zudem schlossen mich die Ärzte an eine ECMO an, ein Gerät, das wie eine Herz-Lungen-Maschine funktioniert. Vier Monate lag ich auf der Intensivstation, immer an dieser Maschine, bis am 9. Juni – ich werde den Tag nicht vergessen – der Pfleger hereinkam und sagte: „Es gibt ein neues Herz für dich.“

Seit der Transplantation muss ich mein Immunsystem mit Medikamenten unterdrücken, damit mein Körper das Herz nicht abstößt. Jeder kleine Virusinfekt könnte mein Leben gefährden. Bis heute meide ich daher öffentliche Verkehrsmittel und Menschenmengen in Gebäuden. Aber ich spürte von Anfang an: Das neue Herz ist stark, und ich kann mich darauf verlassen. Im Krankenhaus hatte ich mir überlegt: Wenn ich die Transplantation überlebe, dann werde ich versuchen, einen Triathlon zu absolvieren.

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Medikamente und Joggingschuhe – beides gehört für Sprink zum Alltag

Nach der Entlassung fing ich an zu trainieren. Elf Monate später beendete ich meinen ersten kleinen Triathlon. Und gut zwei Jahre nach der Transplantation schaffte ich etwas, was ich mir nie erträumt hätte, nicht einmal mit einem gesunden eigenen Herzen: Ich kam beim „Ironman“-Wettbewerb auf Hawaii ins Ziel, nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathon – als erster Mensch überhaupt mit einem neuen Herzen.

Seither nehme ich an Sportveranstaltungen als Botschafter für Organspenden teil. Die Lebenserwartung für Herztransplantierte wie mich liegt heute bei durchschnittlich 15 Jahren nach der Operation, der Rekord bei etwas mehr als 30 Jahren. Doch warum sollte ich mit meinem fabelhaften neuen Herzen nicht auch hier eine neue Höchstmarke setzen?

Das Leben zurückerobert

In GEO WISSEN Gesundheit Nr. 2 "Herz" berichten weitere sieben Männer und Frauen von ihren Erfahrungen mit ihrer Herzkrankheit.

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