Logo GEO Wissen Gesundheit

Psychotherapie Welcher Therapeut ist der richtige für mich?

Für die Behandlung seelischer Leiden sind verschiedene Berufsgruppen zuständig*. Dabei unterscheidet man vor allem die Psychologischen Psychotherapeuten von den Ärztlichen Psychotherapeuten.
Therapie

Neben Psychologen dürfen Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen seelische Leiden behandeln

Psychologische Psychotherapeuten bieten die mit Abstand meisten Therapien an. Sie haben Psychologie studiert, jedoch keine akademische Schulung in Medizin. Nach dem Studium müssen sie eine mindestens dreijährige psychotherapeutische Ausbildung an einer Universität oder einem staatlich anerkannten Institut absolvieren. Mit der Abschlussprüfung erhalten sie die Zulassung zur eigenverantwortlichen Ausübung von Psychotherapie, allerdings nur nach dem Verfahren, das Inhalt ihrer Ausbildung war. Mehr als jeder Zweite von ihnen arbeitet verhaltenstherapeutisch. Medikamente dürfen Psychologische Psychotherapeuten nicht verschreiben oder anwenden. Sie arbeiten entweder in einer Privatpraxis oder an Kliniken. Speziell zur Behandlung von Minderjährigen gibt es eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Voraussetzung ist hierfür ein Abschluss in  Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik.

Ärztliche Psychotherapeuten haben Medizin studiert und eine Facharztausbildung absolviert, die sie zur Psychotherapie berechtigt, oder eine entsprechende Zusatzqualifikation erworben; als Ärzte dürfen sie Medikamente verschreiben. Man unterscheidet mehrere Gruppen:

  • Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie haben nach ihrem Studium eine Weiterbildung in Psychotherapie absolviert, zu der mindestens 1500  Behandlungsstunden und Supervision gehören. In der Vergangenheit bevorzugten sie oftmals psychoanalytische Verfahren. Heutzutage arbeiten viele auch mit Methoden der Verhaltenstherapie. Wie Psychologische Psychotherapeuten kümmern sie sich hauptsächlich um Betroffene mit Depressionen, Ängsten und Anpassungsstörungen, aber auch um Patienten mit Psychosen. Die meisten behandeln in ihrer eigenen Praxis, eine Minderheit in Kliniken.
     
  • Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie haben eine Weiterbildung in Psychotherapie absolviert, die mit 240 Behandlungsstunden deutlich kürzer ist als die der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Doch sie verfügen über umfangreiche Kompetenzen in der Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen. Ihre Tätigkeit ist breit gefächert, sodass sie in der Regel sehr viele Patienten haben und Sprechstunden wie ein Hausarzt abhalten. Sie sind sowohl für Notfälle zuständig als auch für die langfristige psychotherapeutische Begleitung von chronisch Kranken. Zur Behandlung von Minderjährigen gibt es eine spezielle Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
Welcher Therapeut ist der richtige für mich?

In GEO WISSEN Gesundheit erklärt Harald J. Freyberger, worauf man bei der Wahl des Therapeuten achten sollte - hier direkt bestellen

  • Ärzte mit einem Zusatztitel wie „Psychotherapie“, „Psychoanalyse“ oder „Psychotherapie fachgebunden“ sind niedergelassene Fachärzte, die Zusatzqualifikationen in einem psychotherapeutischen Verfahren erworben haben, doch müssen sie vergleichsweise wenig Behandlungsstunden nachweisen. Ihre Aufgabe besteht darin, das Zusammenwirken von psychischen Faktoren mit körperlichen Erkrankungen ihres Fachgebiets zu erkennen und in die Behandlung einzubeziehen. Unter den Ärzten mit solchen Zusatzqualifikationen finden sich Allgemeinmediziner, aber auch Orthopäden, Frauenärzte, Kardiologen und andere Fachärzte.
     
  •  Fachärzte für Neurologie verfügen über psychiatrische Kenntnisse und Erfahrungen, ihre Domäne sind jedoch körperliche Leiden wie etwa die Parkinson-Krankheit, Lähmungen und Demenzerkrankungen. Sie haben nur dann eine Zulassung zur Psychotherapie, wenn sie eine entsprechende Zusatz-Weiterbildung abgeschlossen haben.
     
  • Fachärzte für Nervenheilkunde. Unter diesem Begriff wurden früher die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie zusammengefasst. Der Titel wird heute nicht mehr vergeben, doch viele niedergelassene Ärzte praktizieren weiterhin unter dieser Bezeichnung. Auch sie brauchen eine Zusatzqualifikation, um Psychotherapie ausüben zu dürfen. 

* Genannt sind nur Berufsgruppen, die aufgrund ihrer Qualifikation psychotherapeutische Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen dürfen.

Erschöpfung
Erschöpfung
Wenn der Körper immer müde ist
Seelische und körperliche Erschöpfung müssen nicht immer auf Burnout hinweisen - Gründe liegen häufig in der körperlichen und nicht in der seelischen Gesundheit
Diese Wirkstoffe stecken in Antidepressiva
Psychopharmaka
Diese Wirkstoffe stecken in Antidepressiva
Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland nehmen täglich Tabletten gegen ihre Depression. Doch welche Wirkstoffe stecken in den kleinen Tabletten? Und welche Nebenwirkungen lösen sie aus?