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Auswandern: Tschüss Deutschland Auswandern: Tschüss Deutschland

Wie lebt es sich im Land von Astrid Lindgren und Henning Mankell? GEO Special sprach mit drei Auswanderern über das Leben in der neuen Heimat

Jörg und Bianca Moberg, 46 und 43, Sauerteigbäcker

„2004 versuchten wir es schon einmal in London. Sehr schnell wurde uns klar, dass die britische Hauptstadt nie zu einer Heimat werden würde. Ein Jahr später zogen wir dann in unser Lieblings-Urlaubsland Schweden. Das war schon immer ein Familientraum. Auch unsere Kinder Sören (17), Jörn (15) und Maj Lena (13) fühlten sich hier wohl und lernten schnell Schwedisch. Das Einzige, was uns nicht gefällt, ist das furchtbar süße schwedische Brot. Aus der Not machten wir eine Tugend: 2005 eröffneten wir eine Sauerteig-Bäckerei in Akersberga. Hier backen wir Brot nach klassischen deutschen Rezepten, das Schwarzwälder Brot oder den Frankenlaib. Verkaufsschlager ist unser Fitnessbröd, eine Roggenmischung mit Kürbiskernen und frisch geriebenen Karotten. Davon verkaufen wir 500 Stück in der Woche. Fast 80 Prozent unserer Kunden kommen von hier. Unser „Brothaus Moberg“ ist also zu einer Vorhut deutscher Brotkultur in Schweden geworden.“

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Backt Brot nach klassischen deutschen Rezepten: Bianca Moberg

Jeena Paradies, 30, Student

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Fand in Bamberg keinen Job, wurde aber in Göteborg glücklich: Jeena Paradies

„Arbeitslos kam ich im Februar 2005 mit meiner damaligen Frau nach Schweden. Inzwischen studiere ich „Computer Studies“ an der Universität Göteborg. Nebenbei arbeite ich als Webentwickler bei einer IT-Firma. Ich habe diesem Land viel zu verdanken, denn hier konnte ich all das machen, was mir in meiner Heimat verwehrt blieb. In Bamberg fand ich keinen Job und studieren konnte ich aufgrund des hohen Numerus Clausus auch nicht. Hier klappte es sofort. Wenn ich die Nachrichten aus Deutschland höre, die Entlassungen und Einsparungen in den Betrieben, zieht mich auch nichts zurück. Besonders gefällt mir die Gelassenheit der Schweden, hier drängelt keiner – man lässt sich Zeit. Neulich, als ich zu Besuch in Deutschland war, spürte ich wieder diese Hektik, dauernd wird man auf dem Bahnhof angerempelt.“

Hiltrud Baier, 48, Autorin

„Nein, mit offenen Armen hat mich Schweden nicht gerade empfangen als ich 2001 hierher kam. Es dauerte sehr lange, bis ich das erste Mal in der Nachbarschaft eingeladen wurde. Und auch beruflich waren meine ersten Jahre in Schweden nicht einfach. Ich musste mich mit Gelegenheitsjobs herumschlagen, als Joga-Lehrerin, Alterpflegerin und Sekretärin. Inzwischen habe ich mich eingelebt und arbeite als freie Autorin in Jokkmokk (Lappland). Schweden ist ein herrliches Land, aber viele Deutsche machen sich Illusionen von dem Leben in Skandinavien. Hier ist bei Weitem nicht alles perfekt. Das Gesundheitssystem mit den langen Wartezeiten für Patienten ist da nur ein Beispiel. Um Auswanderern bei ihren ersten Schritten in Schweden zu helfen, habe ich ein Buch geschrieben: „Schweden für Einsteiger“, in dem ich über meine eigenen Erfahrungen berichte und hilfreiche Tipps für die ersten Monate im neuen Land gebe. Wichtig ist, dass man sich gründlich über die Vor- und Nachteile informiert. Man sollte nicht nach Schweden ziehen, nur weil einem die Natur gefällt und die Leute im letzten Urlaub so freundlich waren.“

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Warnt vor zu großen Illusionen: Hiltrud Baier