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Wie lebt es sich eigentlich als...

Vollzeit-Nessie-Forscher? Um Nessie zu finden, hat Steven Feltham seinen Job gekündigt, sein Haus verkauft, seine Beziehung beendet. Seine neueste Theorie: Es gibt das Ungeheuer gleich mehrfach

GEO Special: Was war das für ein Tag, an dem Sie beschlossen haben, Ihr

Leben ausgerechnet Nessie zu widmen?

Steven Feltham: Ach, die Entscheidung fiel plötzlich ganz leicht. In meinem damaligen Job als Alarmanlagen-Installateur hatte ich mit unzähligen reichen Rentnern gesprochen, die alle bereuten, nicht ihren Traum gelebt zu haben. So wollte ich nicht enden. Also ging ich 1991 zu meinen Eltern und sagte: Ich steige aus eurem Geschäft aus - stattdessen suche ich nach dem Monster. Seit ich diesen besonderen See mit sieben Jahren zum ersten Mal sah, war mir klar, dass ich genau das wollte. Mein Vater hat damals den Fehler gemacht, mir einen

Stapel Sichtungsberichte zu kaufen. Den habe ich noch.

GEO Special: Und wie oft haben Sie Nessie in all den Jahren gesehen?

Steven Feltham: Nur einmal, 1992 oder 1993 war das. Ich sah eine Bewegung im Wasser, wie die Gischtwelle eines Jetskis.

GEO Special: Bisschen mager, außerdem kamen Hunderte Forscher zu dem Schluss, dass Nessie nicht existiert. Entmutigt Sie das nicht?

Steven Feltham: Nein, diese Heerscharen von Forschern haben ja nicht

beweisen können, dass es Nessie nicht gibt

GEO Special: Wie oft wurde Nessie im vergangenen Jahr gesichtet?

Steven Feltham: Ich habe von einer Sichtung gehört, nahe des Clansman-Hotels im Nordosten des Lochs. Es gab Jahre, da waren es zwölf.

GEO Special: Und wie sieht Nessie Ihrer Meinung nach aus?

Steven Feltham: Meine Theorie diesbezüglich ändert sich ständig. Plesiosaurus, Seeschlange, Ungeheuer? Nein. Im Moment halte ich

einen Europäischen Wels für am wahrscheinlichsten. Denn diese Fischart wurde Ende des 19. Jahrhunderts in britischen Seen ausgesetzt – eigentlich, um dann wieder geangelt zu werden. Anderswo berichtet man sich von bis zu fünf Meter langen und über 300 Kilogramm schweren Welsen. Allerdings gibt es keinen Nachweis dafür, dass Welse auch im Loch Ness freigelassen wurden. Falls doch, dann würde das endlich die Merkwürdigkeiten erklären, die Menschen hier erleben. Und es wäre auch verständlich, warum es immer

weniger Sichtungen gibt: Die Population stirbt aus.

GEO Special: Die Population? Also gibt es gleich mehrere Nessies?

Steven Feltham: Natürlich! Nichts ist unmöglich. Vielleicht glaube ich bald

sogar, dass ein Raumschiff auf dem Boden des Sees liegt und für das Unerklärbare verantwortlich ist.

GEO Special: Aber die sehen ganz klassisch nach Ungeheuer aus!

Steven Feltham: Nun ja, ich brauche etwas zu essen, weshalb ich mich dem populären Bild von Nessie nähern musste, auch wenn ich überzeugt bin: So sieht Nessie nicht aus. Der Europäische Wels verkauft sich schlechter.

GEO Special: Sie leben also Ihren Traum. Sind Sie zufrieden?

Steven Feltham: Definitiv! Ich gehöre zu den zehn glücklichsten Menschen auf der Welt.

GEO Special: Irgendwas, das Sie sich wünschen?

Steven Feltham: Oh ja, ich lebe seit Jahren in einem Wohnwagen, und eine

Badewanne wäre nun wirklich schön. Im Augenblick schöpfe ich das Duschwasser direkt aus dem Loch, erhitze es und über¬gieße mich draußen mit einem Eimer. Aber klar, wenn ich die Wahl zwischen Badewanne und Nessie-Sichtung hätte: Ich würde definitiv Nessie wählen.

Das Interview führte Lisa Hemmerich