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Nahaufnahme: die Pariserin Nahaufnahme: die Pariserin

Einst war sie der Inbegriff der eleganten Frau. Charmant und selbstbewusst, mal ein bisschen luderhaft. Und heute? Was denkt die Pariserin über Liebe, Leidenschaft, das Leben? GEO Special hat sie zu Hause besucht

Sie über ihn

GEO Special: Sprechen wir über die Liebe. Wie muss der Mann sein, der einer Pariserin gefällt? Colombe Lauriot: Ich kann nur sagen, welche Eigenschaften derjenige haben sollte, der mir gefallen will. Welche Schlüsse Sie daraus für die übri­gen Einwohnerinnen von Paris ziehen, ist Ihre Sache.

GEO Special: Einverstanden. Also: Wie stellen Sie sich Ihren persönlichen Idealmann vor?

Colombe Lauriot: Am wichtigsten: Er muss Humor besitzen! Damit meine ich natürlich nicht den notorischen Witze-Reißer. Sondern jemanden, der die Welt aus der notwendigen Distanz heraus betrachtet. Mit einem amüsierten und nachsichtigen Blick. Ohne Hang zu Tragik und Sensationslust. Dieser Mann muss wie ein Philosoph gegen

das Grau im Alltag sein.

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Colombe Lauriot, 25, Kostümbildnerin

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Lauren Bastide, 30, Journalistin

GEO Special: Wäre dies tatsächlich die wichtigste Eigenschaft Ihres Idealtyps? Colombe Lauriot: Na ja, vielleicht sind die beiden folgenden Eigenschaften genauso wichtig. Num­mer zwei: Er muss neugierig sein. Nicht ge­genüber dem, was sein Nachbar gerade treibt, sondern neugierig gegenüber den Geheimnissen der Welt und des Lebens. Zum Beispiel ein Mann, der viel reist: nicht als Geschäftsmann, sondern als einer, der Antworten auf Fragen sucht. Denn ein solcher Mann würde auch mich ständig mit auf Reisen nehmen, und sei es in Paris selbst. Abends würde er mich einladen zu total Ausgefallenem. Etwa zu der letzten Vorstellung eines magischen Zigeuner-Zirkus in irgend­einer schäbi­gen Banlieue. Oder in ein sagenhaft tolles Restaurant, das vor uns noch niemand entdeckt hat. Kurz: Es geht um einen Mann, der mich überrascht.

GEO Special: Und die dritte Eigenschaft? Colombe Lauriot: Eleganz natürlich. Wobei es sich dabei eigentlich um eine Doppel-Eigenschaft handelt. Zum einen muss dieser Mann eine gewisse Sorg­falt und ästhetische Ambi­tion in puncto Kleidung an den Tag legen. Und zum anderem muss seine Eleganz auch in seiner gesamten Haltung zum Ausdruck kom­men. Er darf keine kleinlichen Gesten an sich haben, etwa in meiner Ge-genwart gemeinsam mit dem Ober die Rechnung durchgehen. Oder in Diskussionen rechthaberisch sein. Aber sind dies nicht Eigenschaften, die sich alle Frauen von Männern wünschen? Ganz egal, wo auf der Welt?

Er über sie

Thomas Montale, 51, Publizist Ist ein Mann ernsthaft an einer Pariserin interessiert und sie möglicherweise an ihm, sollte er bedenken, dass auf direk­tem Wege nichts zu gewinnen ist. Sie ist nicht die Art Frau, die sehnlich auf einen Mann gewartet hat. Er trägt die Liebesbeweislast. Die Pariserin verlangt Aufmerksamkeit, emotionale sowieso, aber auch die Einladung zu einem Dîner bei einem Spitzenkoch, etwa Alain Ducasse im Plaza Athénée – also nicht im gewohnten Bistro an der Ecke –, gehört dazu sowie ein mit Überlegung ausgesuchtes Geschenk.

Ist sie romantisch? Ich glau­be eher, es geht ihr um das Selbstwertgefühl. Findet sich die Pariserin vernach­lässigt, so hält sich ihre Tole­ranz in Grenzen. Über Be­gründun­gen wie „zu viel Arbeit“ kann sie nur lächeln, denn meist hat sie selbst einen Beruf, oft einen, der noch anstrengender ist als der des Mannes. Und: Verleihung des Literaturpreises „Prix Goncourt“, der neue Film mit Gérard Depardieu, der TV-Auftritt des Vorzeigephilosophen Bernard-Henri Lévy, die Eröffnung einer Ausstellung im Palais de Tokyo – über all das sollte ein Mann Bescheid wissen, wenn er seine Pariserin nicht schon beim ersten Treffen langweilen will.