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Ernährung Verzichten heilt: Warum Fasten so gesund ist

Fasten ist viel mehr als nicht essen. Forscher stellen verblüfft fest, welch starke Effekte systematischer Verzicht auf unseren Körper hat. Und wie segensreich er auf den Verlauf von Krankheiten wirkt. GEO-Redakteurin Hania Luczak im Interview über ihre Titelgeschichte "Wenn Hunger zum Freund wird" im aktuellen GEO-Magazin
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Nicht unbedingt weniger essen, sondern seltener: Wer täglich fasten möchte, sorgt für 16-stündigen Nahrungsverzicht

Fasten – ist das nicht gegen die Natur, wo wir doch essen müssen um leistungsfähig zu bleiben, um zu überleben?

Bis zu meinen Recherchen habe ich ähnlich empfunden. Fasten? Eine gesundheitsschädliche Prozedur für Schlankheitsfanatiker oder Anti-Genuss-Asketen. So in etwa dachte ich, als man mir riet, mal aufs Essen zu verzichten. Kein Wunder. In einer Familie aufgewachsen, in der sich alles um den reichlich gedeckten Tisch abspielte, auf dem immer etwas Gutes stand – gegart und gewürzt mit Gesprächen, Genuss und Gemeinschaft... Dabei gehört Fasten genauso zur Natur wie das Essen. Tiere und Menschen aller Kulturen tun es, gewollt und ungewollt. Es ist ein evolutionsbiologisch überaus sinnvolles Prinzip. Es hilft uns seit jeher, selbst Hungerzeiten leitungsfähig fürs Jagen und Sammeln zu überstehen – und es stößt im Körper heilsame Prozesse an.

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Wie kann Fasten zu unserer Gesundheit beitragen?

Der freiwillige Nahrungsentzug wirkt nicht nur verjüngend und regenerierend. Auch die medizinische Bedeutung wird immer klarer. Denn Fasten wirkt wie ein – heilsamer – Schock auf den Körper. Er stellt die Physiologie auf den Kopf und löst ganze Kaskaden von biochemischen Reaktionen aus. So werden etwa spezielle Reinigungsmechanismen angeregt: sozusagen die Müllabfuhr und das Recyclingsystem der Zellen. Oder: Fasten hemmt nachweislich Entzündungen und senkt hohen Blutdruck. Oder: Fasten kann, wie neuste Forschungen zeigen, selbst bei Krebsleiden helfen.

Gefastet wurde doch schon immer. Warum wird das Thema erst jetzt von der Wissenschaft erkannt?

Weil die Erkenntnisse in der Fastenforschung gerade regelrecht durch die Decke gehen. So lässt Erforschung der fantastischen molekularen Abfallentsorgung des Körpers jetzt sogar das so lange von der Medizin abgelehnte Konzept der „Schlacken“ in einem neuen Licht erscheinen. Noch bedeutender sind die Ergebnisse großartiger neuer Experimente, die etwa zeigen: Beim Fasten werden Alters- und Krebsgene in der Erbsubstanz ruhig gestellt. Und ganz wichtig: Wissenschaftler erkunden neue, einfache Fastenarten für Jedermann.

Aber zu fasten schafft doch nur, wer viel Freizeit hat. Oder kann ich den Verzicht auch in meinen Arbeitsalltag einbauen?

Ja, das ist auch eine spannende neue Erkenntnis. Nicht nur lange intensive Fastenkuren wirken, die mit kundiger Begleitung durchgeführt werden sollten. Auch kurze Phasen ohne Essen tun ihr Gutes. So genügt es oft schon, ab und zu mal einen Fastentag einzulegen, etwa einmal pro Woche. Oder manchmal nur ein paar Stunden am Tag nicht zu essen - 16 Stunden Nahrungsverzicht klingt zwar viel, doch beim gelegentlichen Verzicht auf Abendessen oder Frühstück bekommt man diese Zeitspanne mühelos zusammen. Die wichtigste Botschaft aus den Forschungsinstituten lautet also: Nicht die Kalorien auf dem Teller zählen, sondern die Stunden ohne Nahrung.

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Eines ist der GEO-Redakteurin und Biochemikerin Dr. Hania Luczak gelungen: Kollegen, die bei der Arbeit an ihrer Titel-Geschichte beteiligt waren, fasten jetzt 16 Stunden täglich – ohne Leistungsknick

Was unterscheidet Fasten eigentlich von Diät?

Im Gegensatz zu Diäten geht es beim Fasten eben nicht ausschließlich um eine Gewichtsabnahme, sondern in erster Linie um Entgiftung, Ausscheidung und Regeneration. Außerdem: Der physiologische Unterschied zwischen Nahrungsverzicht und Diät ist groß: Beim Fasten stellt der Körper schnell auf die Fettverbrennung um. Dabei werden im Endeffekt nicht mehr Zucker, sondern sogenannte Ketone als Energiequelle benutzt. Dieser besondere „Fasten-Stoffwechsel“ hat positive Effekte bis hin zur Neurogenese, der Neubildung von Gehirnzellen. Ob und wann dies bei verschiedenen Diäten geschieht, ist zweifelhaft. Weiter: Diäten beinhalten immer auch die Gefahr der Mangelernährung, weil man nicht auf seinen Körper hören darf (eine Diät verbietet meist bestimmte Nahrungsmittel) und der Heißhunger nach etwas bedeutet oft, dass der Körper einen Mangel in Appetit „übersetzt“. Beim Fasten kann man essen, was man will - außer man fastet gerade.

Hat das Fasten auch eine psychologische Wirkung? Gibt es das sogenannte "Fasten-High" wirklich?

Und wie! Ich kann es nach meinem „Selbstversuch“ nur bestätigen. Wo Forscher lakonisch Serotoninkonzentration und Stimmungsaufhellung messen und von Stressreduktion und Parasympatikus sprechen – macht sich nach zwei, drei Tagen des Darbens eine regelrechte Fasteneuphorie breit. Aber man muss schon durchhalten, mit Gemüsebrühe, Fruchtsaft, Tee und Wasser. Dann wird man, wie im Artikel beschrieben, belohnt mit einer unvergesslichen Gewissheit.

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