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Die Welt mit anderen Augen sehen

Studie Wäre eine von Frauen beherrschte Welt friedlicher?

Führen Regentinnen weniger Kriege? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Nein, im Gegenteil
Maria Theresia

Erzherzogin Maria Theresia von Österreich wurde kurz nach ihrer Thronbesteigung angegriffen

Zwei Politikwissenschaftler aus Chicago und Montreal analysierten 193 europäische Regierungen aus den Jahren 1480 bis 1913, davon wurden 34 von Frauen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Königinnen in Kriege zwischen Staaten verwickelt waren, war 27-fach höher als bei Königen. Besonders hoch war der Anteil bei verheirateten Monarchinnen.
Zwar glauben Oeindrila Dube und S. P. Harish, dass Frauen Kriege und Gewalt eigentlich eher ablehnen als Männer. Doch weisen die beiden Forscher darauf hin, dass Staatsführer ihre Entscheidungen generell eher aus strategischen Gründen treffen: Die persönlichen Ansichten über Gewalt sind dabei weniger wichtig als die Überzeugung, was für ihren Staat oder ihr Land richtig wäre.

Weitere Gründe für die Kriege der Königinnen: Zum einen galten sie ihren Feinden womöglich als allzu leichtes Angriffsziel – wie etwa Erzherzogin Maria Theresia von Österreich, die von 1740 bis 1780 regierte. Kurz nach ihrer Thronbesteigung griff Preußenkönig Friedrich der Große ihre Provinz Schlesien an. Sein Kriegsgrund: „Nur kein Weiberregiment in irgend etwas auf Erden!“

Ergebnisse auf heutige Zeit übertragbar?

Umgekehrt sei eine Ursache für die Angriffslust von Königinnen, dass sie schlicht mehr Zeit hatten, sich um die Kriegführung zu kümmern: Einige übertrugen die Staatsgeschäfte während dieser Zeit ihren Ehegatten. Krieg führenden Königen dagegen wäre es selten gestattet gewesen, die Leitung ihres Reiches einfach der Ehefrau zu übergeben.
Dube und Harish gingen zudem der Frage nach, ob die Königinnen sich durch Kriege beweisen wollten, oder ob sie leichter als Könige von Ministern beeinflusst wurden. Dies sehen sie nicht bestätigt.

​Auf die heutige Zeit lassen sich die Ergebnisse nicht direkt übertragen, schreiben sie, verweisen aber auf eine andere Studie. Wurde eine Demokratie zwischen 1970 und 2000 von einer Frau geführt, so waren ihr Verteidigungsetat und das Ausmaß externer Konflikte demnach zwar überdurchschnittlich hoch. Waren jedoch eher mehr Frauen an der Regierung beteiligt, lagen die Verteidigungsausgaben und die Zahl der Konflikte eher niedriger.