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Mojave-Wüste Wo Bastler mächtige Raketen zünden

In der Mojave-Wüste in Kalifornien treffen sich 250 Bastler und zünden mächtige Raketen mit explosivem Treibstoff. Was könnte dabei schon schiefgehen?
Raketenbastler

Geballte Power: Bevor die Bastler ihre Raketen in den Himmel schießen dürfen, müssen sie sich bei der Startkontrolle anmelden

Aus der Distanz könnte man das Ding für einen eingeklappten Sonnenschirm halten. Unten das Metallgestell mit den drei Beinen auf dem harten Sandboden. Oben flackert das Gelb des Körpers in der flirrend heißen Wüstenluft.

Dann ein lautes Zischen. Es klingt, als würde ein Düsenjäger im Tiefflug über das Tal jagen.

Der Sonnenschirm, der keiner ist, steigt in den fast wolkenlosen Himmel über Kalifornien, er zieht einen Feuerschweif hinter sich her, zurück bleibt eine dicke Rauchsäule. Wenn alles gut geht (was nicht immer der Fall ist), wird sich der Flugkörper kurze Zeit später am Fallschirm, der im Heck der Rakete steckt, zu Boden senken.

Raketenbastler

»... Two. One. Lift-off!«: Fast sechs Kilometer hoch steigen die stärksten Flugkörper

Juni in der Mojave-Wüste, Raketenzeit. Immer wieder jagen im Lucerne Valley im Süden des US­-Bundesstaats Kalifor­nien die selbst gebastelten Flugkörper gen Himmel.

Die stärksten Raketen erreichen eine Flughöhe von fast sechs Kilometern. Das Spektakel heißt „Large, Dangerous Rocket Ships“ (auf deutsch: „Große, gefährliche Raketenschiffe“) und ist eine der größten Veranstaltungen dieser Art. Um die 250 Raketenbauer nehmen teil, einige reisen sogar aus Australien und Südamerika an. Veranstaltet wird die Flugschau von Tripo­li, einem weltweiten Verband für Hobby­ Raketentechniker.

Raketenbastler

Gebirgszüge, dazwischen Wüste: Außer den Raketen kann hier nichts kaputtgehen

Im Regelwerk für die „high power ro­cketry“ werden Raketen entsprechend ih­rer Leistungskraft kategorisiert. Die kleins­ten und schwächsten kommen nur auf eine Länge von rund 30 Zentimetern – die darf jeder zünden, auch Kinder.

Die stärksten sind bis zu sechs Meter lang und mitunter Hunderte Kilogramm schwer. Um sie abzufeuern, müssen die Mitglieder über Jahre streng Protokoll über ihre Bastelei führen, einen theoreti­schen Test bestehen und sich Schritt für Schritt beweisen.

Raketenbastler

Ja, wo fliegen sie denn? Bunte Wimpel halten die Zuschauer auf Sicherheitsabstand. Das ist auch dringend notwendig

Die strengen Sicherheitsregeln haben ihren Grund, wie das Raketenspektakel zeigt. Ist der Zünder ausgelöst, gibt es für die Bastler keine Möglichkeit, die Gewalt der Verbrennung zu kontrollieren. Manche Rakete fängt auf halber Höhe Feuer und stürzt zurück ins Startfeld, wo sie beim Aufprall auf dem Wüstenboden zerplatzt.

Auch der starke Wüstenwind macht den Startern zu schaffen – deshalb sperrt die Flugaufsicht den Flugraum im kilo­meterweiten Umkreis. Sicherheitshalber.

Wer mehr von Sean Lemoines Fotos sehen möchte, schaut am besten auf seiner Webseite vorbei oder folgt ihm auf Facebook.

Den Artikel finden Sie im GEO Magazin Nr. 03/2017 "Dalai Lama - Die Bilanz eines heiligen Lebens". Das Heft können Sie bequem im GEO-Shop online bestellen.

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