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Die Welt mit anderen Augen sehen

Conakry (Guinea)

Vor nur 150 Jahren wäre Conakry auf einem Satellitenbild kaum zu erkennen gewesen: ein kleines Fischerdorf auf einer Insel vor der Küste Westafrikas. Die Franzosen, die die Insel 1887 von den Briten erhielten, gründen hier die Hauptstadt ihrer Kolonie und verbinden sie über einen Damm mit dem Festland. Der Ort hat zu dieser Zeit nur ein paar Hundert Einwohner, doch die Stadt wächst, frisst sich ins Landesinnereund immer weiter in die Man- grovenwälder vor – die Lebensgrundlage der Bewohner: Die Wälder versorgen sie mit Holz und Nahrung und schützendie Küste vor Erosion. In den vergangenen 30 Jahren sind die Mangroven rund um Conakry dramatisch geschrumpft. Inzwischen wohnen mehr als 1,6 Millionen Menschen in der Metropole.

 

9° 36' 15" N, 13° 34' 58" W

Fläche: 450 km2

Einwohner: 1.667.000

Boca Raton (USA)

Wie ein formvollendet zusam­mengesetztes Mosaik liegt Boca Raton zwischen dem Atlantik und den Sümpfen der Ever­glades, eine Autostunde nördlich von Miami. Wie andere Küstenstädte im US­-Bundes­staat Florida wuchs die Stadt nicht natürlich: Sie wurde ent­worfen, gestaltet, der Natur übergestülpt. Mehr künstlich als kunstvoll hat der Traum vom Eigenheim am Wasser die Landschaft überformt; Golf­plätze, Teiche, Grünstreifen schaffen die Illusion eines Lebens in einem Urlaub, der nie endet. Wer sich diesen Traum leisten kann, wohnt gern geschützt hinter hohen Absperrungen – die „gated communities“ von Boca Raton zählen laut „Forbes“ zu den reichsten der USA.

 

26° 23' 35" N, 80° 9' 33" W

Fläche: 75,4 km2

Einwohner: 84.400

Chinguetti (Mauretanien)

Städte müssen sich, wie Lebewesen, verändernden Umweltbedingungen anpassen. Gelingt ihnen das nicht, drohen siezu verschwinden. Wie die Wüstenstadt Chinguetti, die im Mittelalter ein bedeutender Posten an den Handelsrouten der Sahara war. Heute gehört Chinguetti als einer der vier Ksars, der alten Handelszentren Mauretaniens, zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aus der Stadt ist ein Museum geworden, aus dem Handel Tourismus. Davon leben die wenigen Einwohner, die von einst mehr als 20 000 verblieben sind. Sie verteidigen die Stadt gegen den Sand, der sich unerbittlich über den Ort legt. Die buchstäbliche Verwüstung von Landstrichen, auch als Sahel-Syndrom bezeichnet, ist in ganz Mauretanien ein großes Problem.

 

20° 27' 43" N, 12° 22' 00" W

Fläche: 3,4 km2 (geschätzt)

Einwohner: 4.700

Mandalay (Myanmar)

Strenge Ordnung herrscht im lange militärisch regierten Myanmar, so scheint es der Blick auf Mandalay zu verraten. Doch das starre Straßengitter datiert aus früheren Zeiten: König Mindon ließ 1857 den Palast als Teil seiner neuen Hauptstadt am Fuß des heuti­gen Mandalay Hill anlegen. Er folgte einer alten Prophezeiung des Buddha, der an dieser Stelle die Errichtung einer Stadt vorhergesagt hatte. Die quadra­tische Anlage ließ er durch zwei Kilometer lange Mauern und Wassergräben schützen – vergebens: Kurze Zeit später stürmten britische Truppen den Palast. Der Zweite Weltkrieg und spätere Großbrände zer­ störten danach fast das gesamte historische Mandalay. Erst in den 1990er Jahren ließ die Mi­litärregierung den Königspalast der „Goldenen Stadt“ von Zwangsarbeitern wiederauf­bauen. Inzwischen herrscht eine Zivilregierung in dem ge­beutelten Land.

 

21° 59' 39" N, 96° 4' 40" O

Fläche: 118 km2

Einwohner: 1.226.000

Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate)

Villen auf 12,5 Quadratkilometern – im Maßstab Abu Dhabis ist die Siedlung New Al Falah östlich des Flughafens ein überschaubares Projekt. Kleinstadtflair, kreisförmig und unterteilt in fünf „Dörfer“, die jeweils ihren eigenen Marktplatz, eine Moschee und Einkaufsmöglichkeiten haben. Schwer zu glauben, dass Abu Dhabi vor 50 Jahren selbst noch ein Dorf war. 1958 begann mit der Erdölförderung eine Entwicklung im Zeitraffer. Heute eine Millionenmetropole, expandiert Abu Dhabi im Zustrom von Arbeitsmigranten immer weiter. Bis 2030 soll die Stadt drei Millionen Einwohner überschreiten. Nur wenige Kilometer von New Al Falah entfernt, entsteht – ebenfalls in Kreisform – das bisher größte Bauprojekt Abu Dhabis: Capital District, eine Stadt in der Stadt für 370 000 Menschen.

 

24° 26' 28" N, 54° 43' 43" O

Fläche: 972 km2

Einwohner: 1.500.000

Wladiwostok (Russland)

Die Plattenbauten der Sowjet­ära haben der Stadt ihr Gesicht gegeben. In langen Riegeln ziehen sie sich an den Hängen rund um die Bucht des Golde­nen Horns entlang. „Stalinkas“ oder „Chruschtschowkas“ werden sie genannt, je nach der Zeit ihrer Entstehung. Chruschtschow hat Wladiwostok einmal mit San Francisco verglichen; damit hatte er wohl weniger die Stadtplanung als die Buchten und die hügelige Landschaft im Sinn. Aufgrund ihrer Lage an der östlichen Peripherie – sieben Zeitzonen und 9288 Kilometer von Moskau entfernt – hat die Stadt bis heute eine wichtige Funktion. Sie ist Russlands Tor zum Pazi­fik und mit ihren Häfen ein be­ deutender Wirtschaftsstandort.

 

43° 6' 2" N, 131° 54' 11" O

Fläche: 331 km2

Einwohner: 592.000

Ouagadougou (Burkina Faso)

An ihren Rändern verliertdie Struktur der Stadt ihre Ordnung. Dort, wo sie eigentlich aufhört, geht sie weiter:im Chaos, in den „informellen Siedlungen“, wie die Slums genannt werden. Wild zusammengewürfelt, meist aus Lehmziegeln gebaut und ohne Strom und Wasser. Ouagadougou franst aus und schiebt sich Jahr für Jahr einige Hundert Meter weiter in die Savanne hinein. Die Bevölkerung wächst rasant, seit Mitte der 1950er Jahrehat sie sich nahezu alle zehn Jahre verdoppelt. Das stelltdie Regierung Burkina Fasos vor große Probleme. Nochist die Urbanisierungsrate in Afrika niedriger als anderswo, doch nirgendwo wachsen die Städte schneller.

 

12° 22' 40" N, 1° 27' 14" W

Fläche: 219 km2

Einwohner: 1.934.000

Alexandria (Ägypten)

Alexandria ist nah am Wasser gebaut. Ferienanlagen wie das Amoun Resort mit seinen roten Dächern und klarblauen Schwimmbädern westlich des historischen Zentrums reichen bis dicht ans Meer. Zu dicht: Die eng bebaute, mehr als 200 Kilometer lange Küsten­ seite des Nildeltas, die von Alexandria bis Port Said reicht, ist durch Erosion und einen stetig steigenden Wasserspiegel gefährdet. Irgendwann wird sie im Mittelmeer versinken.

 

31° 0' 11" N, 29° 36' 1" O

Fläche: 2679 km2

Einwohner: 4.388.000

CITIES – Brennpunkte der Menschheit

Alle Satellitenbilder stammen aus der aktuellen Ausgabge des GEO Magazins Nr. 04/2017 "Gelenke - Die Scharniere des Lebens". Das Heft können Sie bequem im GEO-Shop online bestellen.

 

Die Bilder sind erschienen in: »CITIES – Brennpunkte der Menschheit« von Markus Eisl, Gerald Mansberger, Peter Matzanetz, Paul Schreilechner. 256 Seiten, 49,95 €. Verlag eoVision, Salzburg, in Zusammenarbeit mit Airbus DS