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Queen of Katwe Das Genie von der Straße

Phiona Mutesi, 20, wuchs in einem Slum in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, auf. Als sie beginnt Schach zu spielen, verändert sich ihr Leben
Phiona Mutesi

Der Hollywoodfilm "Queen of Katwe" (Kinostart: 20. April) erzählt Phiona Mutesis Geschichte

GEO: Wie kamen Sie zum Schach?

PHIONA MUTESI: Als ich neun Jahre alt war, sah ich, wie einige Jugendliche Schach spielten. Das sah sehr merkwürdig aus, ich hatte vorher ja noch nie ein Schachbrett gesehen, ich hatte auch noch nie das Wort „Schach“ gehört. 

Und Sie haben mitgespielt?

Nein, beim ersten Mal nicht, da bin ich weggelaufen. Aber ich war fasziniert, wie ruhig die Spieler vor den Brettern saßen – und wie sie lächelten. Von da an konnte ich es nicht erwarten, auch so glücklich zu sein wie diese Spieler. 

Also begannen Sie, selbst zu spielen.

Ja, aber zunächst war ich nicht sehr am Spiel interessiert. Erst als ich einen Jungen schlug, der bis dahin jedes Spiel gegen mich gewonnen hatte, fühlte ich diese Begeisterung, die bis heute geblieben ist. 

Fünf Jahre später nahmen Sie an der Schacholympiade in Russland teil. Woher kommt Ihr Talent?

Das weiß ich nicht. Aber wenn ich spiele, fühlt es sich an, als sei das Schachbrett ein Teil von mir. Schach ist zu meinem Zuhause geworden, zu meinem Freund.

Wie viel haben Sie trainiert?

In den Ferien etwa fünf Stunden pro Tag, mit meinem Trainer, aber auch mit Büchern und am Computer. Jetzt habe ich die Schule abgeschlossen und möchte Schachgroßmeisterin werden. 

Was haben Sie vom Schach gelernt?

Geduld zu haben und zu träumen. Denn wenn man beim Schach die Geduld verliert, wird man kein Spiel mehr gewinnen. Und wenn du das erste Mal am Schachbrett sitzt, musst du den Traum haben: „Ich will dieses Spiel irgendwann beherrschen!“ Beides hat mir im Leben sehr geholfen, Schach hat mein Leben verändert. 

Wie genau?

Früher kannte ich nur den Slum, heute habe ich die Welt gesehen und erkannt, dass ein anderes Leben möglich ist.