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Schalen des Wandels GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Können die Kalkschalen kleinster Meeresgeschöpfe Auskunft über den Zustand entlegener Küstengewässer geben? Mauro Alivernini, Geologe der Friedrich-Schiller-Universität Jena, will das in Westafrika untersuchen - und erhält dafür das "GEO-Expeditionsstipendium".
Foraminiferen

Vielfalt der „Kammerlinge“: Foraminiferen - hier von einem Strand Indonesiens - sind gehäusetragende Einzeller

Der 31-jährige Geologe Mauro Alivernini gewinnt das GEO-Expeditionsstipendium 2016: Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung, die von der GEO-Redaktion zum dritten Mal ausgeschrieben wurde, soll die Feldforschung junger Wissenschaftler unterstützen, die sich ins Unbekannte hinauswagen. Der in Rom geborene und seit 2013 in Jena tätige Alivernini setzte sich dabei in einem breiten Feld aus über 50 hochkarätigen Einsendungen durch, aus dem fünf Finalisten ihre Expeditionsprojekte in Hamburg persönlich vorstellten.

Origineller Ansatz überzeugt die Jury

Mauro Alivernini

Mauro Alivernini

Aliverninis Arbeit "Mit dem Mikroskop am Strand - Ostrakoden und Foraminiferen als Bioindikatoren für den Umweltschutz an der westafrikanischen Küste" überzeugte die Jury mit ihrem originellen, durchdachten Ansatz: Die Schalen unscheinbarer Muschelkrebse und Einzeller könnten der lokalen Bevölkerung in Westafrika maßgeblich helfen, nachhaltige Küstenmanagementpläne zu entwerfen.

So ist in Ghana zum Beispiel bislang nicht abzuschätzen, welche Schäden der derzeitige, rasante Wirtschaftsaufschwung des Landes für die Mangroven-, Lagunen- und Riffgebiete der Küste mit sich bringen wird.

Muschelkrebse und Foraminiferen aber haben so schnelle Generationswechsel und sind in Wasser- und Sedimentproben so leicht zu finden, dass sich an ihren Artenzusammensetzungen oder Schalen-Deformationen schon kleine, vom Menschen verursachte Umweltveränderungen erkennen lassen.

Im Herbst 2017 will Alivernini in einer dreiwöchigen Expedition an bislang unerforschten Probeorten der westafrikanischen Küste dafür ein Grundlagenraster entwickeln. Ein GEO-Team wird die Expedition für eine Reportage begleiten.

 

Stimmen der Jury

"Auch in diesem Jahr hatten wir wieder aus einer unglaublichen Vielfalt von spannenden, engagierten Projekten zu wählen", sagt GEO-Expeditionsreporter Lars Abromeit stellvertretend für die aus erfahrenen Wissenschaftlern und Journalisten besetzte Jury.

"Da fiel die Entscheidung nicht leicht. Uns hat immer wieder beeindruckt, wie begeistert, hartnäckig und methodisch klug viele der jungen Nachwuchsforscher ihre Fragen verfolgen - ob in Klimastudien, bei der Entschlüsselung von Affen-Lauten oder an brodelnden, lavaspeienden Vulkanen der Südsee."

Ob Aliverninis Expedition von Erfolg gekrönt wird? Dazu mehr... bald in GEO.

Die Jury des GEO-Expeditionsstipendiums

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Prof. Angelika Lohwasser, Archäologin und Inhaberin des Lehrstuhls für Ägyptologie an der Universität Münster

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Prof. Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Prof. Friedemann Schrenk, Paläobiologe am Frankfurter Senckenberg-Institut

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Dr. Jacqueline Pichler, Gebirgs- und Expeditionsmedizinerin, Inselspital Bern

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Solvin Zankl, Meeresbiologe und seit vielen Jahren GEO-Fotograf

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Lars Abromeit, GEO-Expeditionsredakteur

GEO-Stipendium 2016 geht an Geologen aus Jena

Dr. Julia Offe, Koordinatorin des GEO-Stipendiums