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Artenschutz Animalische Verbrechen

Ein durch Öl vergifteter Pelikan. Ein enthauptetes Nashorn. Illegal geschlagenes Tropenholz. Müssen schwere Straftaten gegen die Natur aufgeklärt werden, ist eine Gruppe Spezialisten gefordert. Ihr Einsatzort: ein Hightech-Labor in der Abgeschiedenheit von Oregon
Animalische Verbrechen

Starb er auf natürliche Weise, oder gibt es Indizien für eine Straftat? Auf der Suche nach der Todesursache untersucht ein Tierpathologe des U. S. Fish and Wildlife Service Forensics Laboratory in Ashland, Oregon, den Kadaver eines Papageien

Forensiker der Tiere

Die beiden Karrieren des Kenneth W. Goddard begannen jeweils mit einem abgetrennten Kopf. Der erste Kopf gehörte einem Rocker, der auf dem Parkplatz hinter einer Bar in Riverside, Kalifornien, gefunden worden war. Es war das Jahr 1969. Ken Goddard hatte gerade sein Studium der Biochemie beendet und war aufgrund einiger Zufälle zur Polizei gekommen, zur Spurensicherung.

Die Kollegen nannten den jungen Kerl, dessen Geheimratsecken so groß waren wie seine Brillengläser, liebevoll mad scientist. Der verrückte Wissenschaftler. Goddard fotografierte den kopflosen Rocker, vermaß und markierte ihn, aber die einzige Frage, an die er bei diesem Mordfall denken konnte, war: Warum? Warum schneidet man einen Kopf ab?

Der zweite Kopf, der den Start seiner zweiten Karriere markierte, gehörte einem Tier. Einem 1000 Kilogramm schweren Walross, dessen Torso an einem steinigen Strand in Alaska lag. Gut 20 Jahre später war das, 1990. Das Haar, das sich Kenneth W. Goddard über die Stirn kämmte, zeigte damals noch keine Spur von Grau.

Goddard untersuchte als Forensiker jetzt nicht mehr Straftaten an Menschen, sondern Vergehen an Tieren. Kurz zuvor hatte er ein auf Todesfälle bei Tieren spezialisiertes Labor einrichten dürfen, in Ashland, Oregon. Am Ende der Welt. Oder jedenfalls am Rande der Interstate 5, aber das kommt fast aufs Gleiche hinaus.

Animalische Verbrechen

Einst streiften sie umher, jetzt werden sie gelagert: Wie in einem Panoptikum des Schreckens liegen in Regalen die konfiszierten Köpfe gewilderter Tiger und Leoparden

Die einzige Frage: Wer hat dieses Tier getötet?

Auf dem Flug über Alaska zu einer großen Zahl tot aufgefundener Walrosse hatte Goddard in einer winzigen Maschine in seinen Schlafsack gekotzt, weil sonst nichts zur Hand war. Am Meer nun hörte er das Röhren eines Motorbootes, von dem aus einige eingeborene Jäger ihn und sein Team bei der Obduktion der Walrosse beobachteten.

Ken Goddard spürte das Adrenalin in seinen Adern, als er in dem stinkenden Haufen aus Fett und Eingeweiden nach einer Kugel suchte. Die Ureinwohner hatten behauptet, die Tiere seien bereits tot aus Richtung Russland angeschwemmt worden. Sie hätten nur die Köpfe abgetrennt. Keine sehr glaubwürdige Story.

Die Inupiat- und Yupik-Eskimo, die seit Ewigkeiten im Nordwesten Alaskas leben, durften zwar Walrosse jagen, aber ausschließlich für den eigenen Verzehr. Bloß: Wer aß überhaupt noch Walrossfleisch in Alaska, es gab doch jetzt McDonald’s. Es war ihnen verboten, das Fleisch verrotten zu lassen und nur die kostbaren Stoßzähne mitzunehmen - auch wenn die viel Geld bringen als geschnitzte Souvenirs in den Touristenshops.

Auf das Warum, das ihn bei den Mordfällen unter den Menschen so gequält hatte, gab es also hier eine angenehm klare Antwort. Die einzige Frage, die Goddard bei den Tieren beantworten musste, war: Wer? Wer hat dieses Tier erschossen? Diese Klarheit gefiel ihm.

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GEO Magazin 06/2016

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Den ganze Artikel lesen Sie im GEO Magazin "Zucker - der süße Konfliktstoff".