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Die Welt mit anderen Augen sehen

Journalismus: Modern "Times"

112 Jahre lang war die "New York Times" der Leuchtturm des liberalen Amerikas. Jetzt hat auch sie die Zeitungskrise eingeholt. Und das Internet
In diesem Artikel
Journalismus der nächsten Stunde
Die digitale Times steht nie still
Die Ära der "breaking news"
Der Schleusenwärter der Online-Times

Journalismus der nächsten Stunde

An einem Morgen um kurz vor halb elf verlässt Bill Keller, der Chefredakteur der Times, sein Büro auf der dritten Etage des neuen Hauptquartiers der New York Times und geht die Fensterfront entlang, um einen Blick auf die Welt zu werfen. Er geht über den Flur wie ein Chefarzt ohne Kittel. Die Aura des Internisten passt zu seiner Aufgabe.

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Ende 2007 bezog die New York Times ein neues Hauptquartier in Manhattan, 52 Stockwerke hoch und so transparent, als solle die Welt hindurchströmen. Ein Gebäude wie ein Ausrufezeichen: "Wir leben noch!"

Als Keller im Juli 2003 Chefredakteur der Times wurde, kam er als Heiler in die verletzte Redaktion einer verletzten Zeitung. Ein junger Reporter, sein Name war Jayson Blair, hatte freihändig ganze Geschichten erfunden, ohne dass seine Vorgesetzten es merkten. Und die Redaktion hatte, als ihre Regierung den Krieg im Irak mit Lügen über Massenvernichtungswaffen rechtfertigte, nicht hartnäckig genug nachgefragt. Die Fälschungen und Nachlässigkeiten waren Ausnahmen, ein paar Tropfen Unwahrheit in einem Meer der Wahrheit, der sich die Zeitung verpflichtet fühlt wie keine zweite. Doch sie beschädigten die Glaubwürdigkeit der Times, ihren Anspruch, ein erstes, verlässliches Protokoll der Geschichte zu sein.

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Vor allem ab 18 Uhr, wenn die Zeitung produziert wird, sitzen die Redakteure dicht gedrängt im Newsroom. Und doch so luftig im Vergleich zum alten Gebäude der Times, dass sich manche Reporter verloren fühlen

Überleben im Internet-Zeitalter

Zeitgleich wuchs das Internet zu einer Macht von historischen Dimensionen heran, die alle alten Medien hinwegzufegen droht. Sind Zeitungen überflüssig geworden in der digitalen Welt, trennen sich die Nachrichten und das Papier - für immer? Keller soll die Glaubwürdigkeit des Blattes wiederherstellen, ihm eine Zukunft schenken. Sein Lebenslauf liest sich wie eine Vorbereitung auf die Times in Zeiten der tödlichen Bedrohung durch das Internet.

"Was ich am Journalistenleben immer am meisten mochte, ist das Erklären - zu beobachten, wie etwas wirklich Kompliziertes passiert, es zu verstehen und zu erklären. Jetzt muss ich die größte Geschichte meines Lebens verstehen." Als Keller das sagt, klingelt sein Telefon. Er ignoriert es und denkt nach. Über den Satz. Über die Times und die Zeitungen in Amerika. "Es geht um einen Übergang", sagt er dann, als sein Telefon verstummt. "Es geht auch ums Überleben."

Digitale Nachrichten: Journalismus der nächsten Stunde

Am Ende der gläsernen Wand geht Keller nach rechts und betritt den Raum, in dem er den Übergang und das Überleben redigiert. Raum O3E3-246 hat, wie jeder andere im Turm der Times, einen Namen, der beschreibt, was in ihm geschieht. Er trägt den Namen "page one", "Seite eins". Es ist der Raum, in dem die leitenden Redakteure die Lage der Welt besprechen und entscheiden, welchen Ausschnitt der Wirklichkeit sie auf der Titelseite der Times am nächsten Tag abbilden werden.

Der Raum für die Seite eins ist ein Fenster in die Zukunft. Die Redakteure sitzen an einem großen ovalen Tisch mit kleinen Mikrofonen, wie die Vorstände eines weltumspannenden Unternehmens. Die Wände um sie herum sind weiß und kahl, nur eine Uhr hängt über ihren Köpfen. Sie zeigt die Zeit in New York. Es ist ihre Weltzeituhr. An der Stirnseite hängt eine Leinwand, auf der ein Bild von der Lage der Welt erscheint. Es dominiert den Raum und schwebt vor den Redakteuren, als blickten sie durch ein Periskop in die Wirklichkeit außerhalb dieser Wände. Es ist die Internetseite der Times.

Die digitale Times steht nie still

Es gibt in der neuen Welt der Zeitung zwei Arten von Stühlen, die schwarzen und die grünen. Die schwarzen sind die produktiven Stühle, auf denen die Redakteure schreiben und redigieren. Die grünen sind die kommunikativen Stühle, auf denen sie reden und reflektieren. Kellers grüner Stuhl steht an der Mitte des Tisches. Ihm gegenüber sitzt der Mann, der das Bild auf der Leinwand formt, das Bild von der Zukunft der Times. Er hat einen gewöhnlichen Namen und einen ungewöhnlichen Titel. Jim Roberts ist der "Editor of Digital News", der Chefredakteur der digitalen Nachrichten. Als würden sich Nachrichten allein durch die Form ihrer Übertragung unterscheiden.

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Morgens um fünf Uhr erreicht die druckfrische Ausgabe der "New York Times" die Kioske der Stadt - aber jeden Tag werden ein paar Exemplare weniger verkauft

Keller legt seinen Notizblock auf den Tisch und setzt sich. Dann wird es still. "Paris?", fragt jemand. "Ja", antwortet eine Stimme aus einem Lautsprecher. "Washington?" "Ja." Die wichtigsten Macher der Times sind versammelt, sie sitzen virtuell an einem Tisch. Aus Paris ist die "International Herald Tribune" zugeschaltet, aus Washington das Hauptstadtbüro. Die Ressortleiter berichten, an welchen Geschichten ihre Reporter arbeiten und wann die Texte auf ihren Bildschirmen voraussichtlich erscheinen werden. Für Jim Roberts ist das der entscheidende Moment. Er darf nicht zurückfallen im Zyklus der Nachrichten. In den prä-digitalen Zeiten konnte die Times sich die Haltung erlauben, dass eine Nachricht erst eine Nachricht war, wenn die Redakteure sie als solche freigaben.

Die Zeitung war eine Instanz, eine Prüfstelle, die den Wert der Nachrichten wog, bis sie genug Gewicht hatte. Und sie konnte sie später drucken, weil sie die Wirklichkeit besser beschrieb als andere Zeitungen, tiefgründiger, wahrhaftiger. Es war die Zeit des Journalismus des nächsten Tages. In den Zeiten des Internets funktioniert das nicht mehr. Die Zyklen der Nachrichten sind kürzer geworden, sie verlangen nach einem Journalismus der nächsten Stunde, und manchmal ist selbst diese Einheit zu groß. Wenn die Times eine neue Geschichte auf ihre Internetseite stellt, beginnt eine Uhr zu ticken. Sie zählt, wie viele Minuten vergangen sind, seit die Geschichte erschien. Die rote Zahl steht unter der Überschrift wie ein Verfallsdatum.

Die digitale Times steht nie still

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Der Newsroom, das Herz der Redaktion: hier verfolgen Reporter die TV-Nachrichten, die ihnen schwer zu schaffen machen: Was bietet die Zeitung, was die Leser nicht schon aus Fernsehen und Internet wissen?

Zeit ist eine relative Einheit in der Welt von Jim Roberts, dem Editor of Digital News. Wenn man ihn fragt, was er am Morgen zuerst liest, fragt er zurück: "Was ist Morgen?" Wenn in Bagdad der erste Selbstmordattentäter des Tages seine Bombe zündet, fällt in der Metropolitan Opera in New York der letzte Vorhang. Wenn George Bush in Washington schläft, kniet Mahmud Ahmadinedschad in Teheran zum Gebet. Die digitale Times ist nie fertig, sie steht nie still. Roberts ist Redakteur ohne Redaktionsschluss. Ein Phasenjournalismus ist entstanden. Roberts muss den Zyklus der Berichterstattung dem der Nachrichten anpassen, die Geschwindigkeit bestimmt nicht mehr die gedruckte Times. Er braucht schnelle erste Fassungen von Berichten, die in den folgenden Stunden weiterentwickelt werden und in immer neuen Versionen auf der Internetseite erscheinen.

Die Ära der "breaking news"

Die Mechanik des Journalismus ist transparent geworden, die Times entsteht nicht mehr in Dunkelheit. Es ist, als stünden die Leser hinter den Reportern und sähen ihnen beim Schreiben über die Schulter. Es ist die Ära der "breaking news", der unablässigen Eilmeldungen. Im digitalen Informationsregen hat Roberts nicht die Zeit, alle Fragmente einer Geschichte zu sammeln, zu untersuchen, zu filtern. Aber er darf keine Informationen veröffentlichen, ohne sie zu hinterfragen. Das ist das Dilemma des digitalen Redakteurs. Der Name der Times ist wie ein Qualitätssiegel für geprüfte Wahrheit. Deshalb ist Roberts’ Lage so gefährlich: Er kann falsche Informationen in einem Wimpernschlag in der Welt verbreiten, und es beruhigt ihn nicht, dass er sie in einem Wimpernschlag korrigieren kann. Für die Reporter ist es eine erschöpfende Zeit. Sie können nicht stillstehen im Laufrad der Nachrichten.

Konkurrenz für die Times: Blogger und Communities

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Noch immer wird die Seite 1 der Times von Hand skizziert

Keller dirigiert eine Nachrichtenredaktion mit mehr als 1300 Mitarbeitern, darunter einige der bestbezahlten Journalisten der Welt. Er kann, hält er es für richtig, Millionen Dollar investieren, auf dass seine Reporter exklusive Informationen recherchieren. Doch sobald diese im Netz stehen, gehören sie jedem. Kostenlos. Jedem Blogger, jedem Kopisten, jedem, der die teuren Sätze in die eigene Homepage einbauen will. Manche dieser Blogs haben sich zu einer echten Konkurrenz für die Times entwickelt. Die "Huffington Post", gegründet von der gescheiterten Gouverneurskandidatin Arianna Huffington, zählt in guten Monaten zehn Millionen Leser - halb so viele immerhin wie die Website der Times. Jeden Morgen stellt sich Huffington aus den News-Seiten der großen Zeitungen ein eigenes Programm zusammen, begleitet von meinungsstarken Bloggern, die für ihre Texte kein Geld erhalten: Eine Bezahlung ist im Geschäftsmodell nicht vorgesehen.

Online-Umsatz lässt zu wünschen übrig

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Die lange Galerie der Helden: 96 Pulitzer-Preise, die wichtigste Auszeichnung für US-Journalisten, haben Reporter und Fotografen der New York Times seit 1918 gewonnen - mehr als jede andere Zeitung

"Meinung ist billig. Guter Journalismus ist teuer", sagt Arthur Sulzberger Jr, Aufsichtsratsvorsitzender der Times. Doch inzwischen klingt das nicht mehr wie ein Erfolgsrezept, sondern eher wie eine Anleitung zum leichten Geldverlieren. Die Times hat versucht, sich auch den Internet-Journalismus von ihren Lesern bezahlen zu lassen. Doch nur 227.000 Leser waren bereit, dafür 50 Dollar im Jahr zu bezahlen - zum Entsetzen von Medienunternehmen weltweit: Die Verlässlichkeit der Times war ihren Lesern nicht einmal 14 Cent pro Tag wert. Mittlerweile verschenkt die Zeitung ihr wertvollstes Gut wieder kostenlos, in der Hoffnung auf immer mehr User und damit auf mehr Anzeigen im Netz.

Eine Hoffnung, die sich bislang nur zur Hälfte erfüllt: Zwar lesen inzwischen deutlich mehr Menschen die digitale als die gedruckte Times - aber die gedruckte Zeitung finanziert die Qualität. Das Online-Geschäft bringt nur elf Prozent des Umsatzes. Und falls das nicht weiter wächst, die Papier-Times aber weiter schrumpft? Werden dann weitere Reporter entlassen? Und wann leidet die journalistische Qualität? Keller stellt diese Fragen nicht, nicht öffentlich. Und auch nicht die wichtigste aller Fragen: Wird die Presse irgendwann finanziell zu schwach sein, um ihre traditionelle Rolle als "Vierte Gewalt" wahrzunehmen - als jene Macht, die Alarm schlägt, wenn Parlament, Regierung oder Justiz versagen? Wann wird das Zeitungssterben zur Gefahr für die Demokratie?

Digitales Zeitalter: Es muss schnell gehen

Die Redakteure, deren Nachrichten schneller als die gedruckten verfallen, treffen sich jeden Morgen vor den Zeitungsmachern: Die Online-Journalisten können nicht bis 10:30 Uhr warten, um einen Blick auf die Welt zu werfen. Sie versammeln sich im Zentrum des Turms, im "newsroom" auf der dritten Etage. Sie sitzen nicht auf Stühlen, sie stehen auf dem Gang. "Ich will, dass es schnell geht", sagt Jim Roberts, der Chef der digitalen Nachrichten. "Ich will nicht, dass es förmlich ist." Die Geschwindigkeit und die Form. Die Konferenz führt die großen Veränderungen in der Times und im Journalismus vor.

Der Schleusenwärter der Online-Times

Die Titelgeschichte, die Jim Roberts’ Redakteure an diesem Morgen erarbeiten, kommt von Times-Korrespondenten in Sadr City, einem Stadtteil von Bagdad. Die irakische Regierung geht dort mit Panzern und großen Truppenverbänden vor, um die Macht der Milizen des Provinzmullahs Moktada al-Sadr zu brechen. Eine wichtige Geschichte.

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Im digitalen Zeitalter wird es zunehmend unwirtschaftlich, die rasch verderbliche Ware Nachrichten auf Papier zu drucken

"Sind die Bilder gut?", fragt Roberts. "Es sieht ziemlich cool aus", sagt Seth Carlson und zeigt auf seinen Bildschirm. "Wir könnten eine Diashow daraus machen." Carlson ist der einzige Redakteur, der während der Konferenz nicht auf dem Gang steht. Er muss den Bildschirm im Blick behalten. Er sitzt an einer kritischen Stelle im Schaltplan der Times. Wenn Carlson mit seiner Maus klickt, verändert sich die Internetseite, und auf den Bildschirmen einer Leserschaft, die so groß ist wie die Bevölkerung Australiens, erscheint eine neue Times. 20 Millionen Leser klicken jeden Monat auf www.nytimes.com. Am Tag nach dem "Super Tuesday", der wichtigen Vorausscheidung der Präsidentenwahlen, waren es 37,5 Millionen. Carlson bricht das Klischee von der Times als "gray lady of journalism", der grauen, angestaubten Dame des Journalismus.

Carlson hat den Ziegenbartflaum und die unreine Haut eines Abiturienten. Er trägt ein zerknittertes Hemd, zerschlissene Jeans und Turnschuhe mit schiefen Sohlen. Er ist 29 Jahre alt und sieht aus, als müsse Roberts ihm beim Binden einer Krawatte helfen. In den nächsten sieben Stunden ist Carlson der Schleusenwärter der digitalen Times. Neben dem Bildschirm, auf dem er die Internetseite der Times steuert, stehen zwei Bildschirme, auf denen er die Nachrichten verfolgt, die "CNN" verbreitet, im Fernsehen und auf seiner Internetseite. Es ist ein Referenzpunkt für Carlson, aber kein Maßstab. Als ihn aus der Auslandsredaktion der Times die Nachricht erreicht, dass in Berlin die Philharmonie brennt, stellt er sie auf die Internetseite, bevor CNN darüber berichtet. Das Bild zu der Nachricht ist nicht dramatisch, es zeigt nur ein Gebäude, aus dem Rauch aufsteigt. Aber Carlson betrachtet es mit dem Blick der Times: Er sieht ein Stück Kultur, das in Flammen steht.

Internet: Jeder kann zur Meinungsbildung beitragen

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Ein sinnliches, aber teures Vergnügen: Die dicke Sonntagsausgabe der Times kostet vier Dollar am Kiosk. Wer die Website per Mobiltelefon aufruft, ist aktueller informiert und bezahlt nichts dafür

Weil es in der prä-digitalen Ära für Informationssucher kaum Alternativen gab zur Zeitung, konnten die Times und andere Blätter prächtig leben von der Verbindung unterschiedlicher Inhalte, von "diesem liebenswerten altmodischen Bündel aus Zellulose und Tinte" und Nachrichten, wie Bill Keller es bezeichnet. Nun wird das Bündel aufgeschnürt, zerpflückt vom Internet. Was bislang in einer Zeitung vereint war, verteilt sich nun auf Dutzende, auf Hunderte spezialisierter Websites, die jeweils viel weniger bieten als eine Zeitung, nämlich oft nur ein Thema, dieses aber viel ausführlicher behandeln. Die Zeitung wird ersetzt durch ein schier endloses Netz von Nischen, "communities", Spezialinteressen, Foren, Herzensangelegenheiten. Dieses Netz könnte die Sulzbergers strangulieren.

Und andere befreien. Vor allem junge Leser, darunter die politisch am stärksten engagierten, feiern das Internet als Medium, in dem sie sich austauschen jenseits der Vorgaben, der Deutungshoheit der alten Medien. Nicht mehr wenige Redakteure der Times und der Nachrichtensendungen des Fernsehens kontrollieren, was das Land liest und sieht, sondern alle Bürger können nun an der Meinungsbildung mitwirken - der Traum von der gänzlich befreiten Meinung. Doch wer wird dann noch hinter die Kulissen schauen, tiefer bohren, die dunklen Seiten der Macht ausleuchten? Es waren Reporter der "Washington Post", der großen Times-Konkurrentin, die 1972 den Watergate-Skandal aufdeckten, der Richard Nixon sein Amt kostete.

Das Schiff, das über Wasser bleibt?

Wenn die Zeitungen sterben, wer wird der Macht die Wahrheit sagen? Blogger? Netz-Communities? Die Huffington Post? Diese Sorge treibt auch das Milliardärsehepaar Marion und Herbert Sandler um. Im Januar des Jahres 2008 gründeten sie in Manhattan "ProPublica", einen Pool investigativer Reporter, statteten sie mit jährlich zehn Millionen Dollar aus und der Aufgabe, unabhängig von jedem kommerziellen Druck die Skandale der amerikanischen Politik aufzudecken. Andere Initiativen sammeln von Lesern Spenden für Reporterreisen. Ist der Journalismus bereits auf milde Gaben angewiesen? So weit ist es noch lange nicht, sagt Bill Keller. Die Times bleibe auch in Zukunft unersetzlich, glaubt er: "Information ist wertvoll; aber Information allein ist verwirrend und überfordert. Unsere Rolle ist es, den Menschen zu helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, und das Wichtige zu verstehen und einzuordnen." Dies ist: die größte Geschichte im Leben von Bill Keller. Er will sie noch lange erzählen. "Die Krise hat auch Vorteile für uns", sagt er. "Es wird einfacher, gute Leute zu gewinnen." Die New York Times sei immer ein attraktiver Arbeitgeber gewesen, aber heute sei sie es noch mehr denn je: "Viele glauben, wir sind das Schiff, das über Wasser bleiben wird."

Die Homepage der New York Times