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Die Welt mit anderen Augen sehen

East Side Gallery, Mühlenstraße, Friedrichshain

Das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer ist die East Side Gallery in Friedrichshain, mit dem "Bruderkuss" von Dmitry Vrubel. Die Bilder sind Repliken der ursprünglichen Werke von 1990, manche Betonplatten wurden umgesetzt. Das Denkmal steht in Konkurrenz zu lukrativen Investorenplänen.

1. Eberhard Fätkenheuer

ging über die weiße Linie

Eberhard Fätkenheuer hatte sowjetische Raketensilos ausgekundschaftet und Truppenbewegungen der NVA protokolliert. Nach sechs Jahren DDR-Gefängnis folgte der kurze Fußmarsch in die Freiheit. "Gegen Mittag überquerte ich die weiße Linie", erinnert er sich. "Ich hatte mein Leben lang Fluchtideen, habe im Geist Heißluftballons konstruiert und Tunnel gegraben." Nun, endlich, fühlte er sich auf der sicheren Seite. Und doch war da nicht nur Euphorie, sondern auch Existenzangst, Unsicherheit, eine zerbrochene Ehe. In der Villa Schöningen, direkt an der Brücke gelegen, tritt Fätkenheuer heute in "Agentengesprächen" als Zeitzeuge auf. Der größte Agentenaustausch ...

1. Glienicker Brücke, Wannsee/Potsdam

... in der Frontstadt des Kalten Krieges fand am 11. Juni 1985 auf der Glienicker Brücke statt: vier hochrangige Ostspione gegen 23 Spitzel des US-Geheimdienstes CIA.

2. Tetsuo Terasaki

trug das Glücksgefühl bis nach Japan

Eines der schönsten Sinnbilder für die Überwindung der Teilung kommt aus dem Fernen Osten: Zierkirschen, die auf dem ehemaligen Todesstreifen gedeihen. Zu verdanken ist das Blütenmeer dem japanischen TV-Sender Asahi und seinem Korrespondenten Tetsuo Terasaki. 1990 rief er die Sakura-Kampagne ins Leben, und seine Landsleute, fasziniert von den Fernsehbildern aus Berlin, spendeten umgerechnet eine Million Euro für die Bäume. Sakura, die Kirschblüte, ...

2. Kirschbaumallee am Mauerweg, Pankow

... ist in Japan ein Fest von hohem symbolischen Wert - in Berlin soll die zarte Pracht "Frieden und Ruhe in die Herzen der Menschen bringen". Von den etwa 10.000 Bäumen wurden einige auch auf dem Mauerstreifen in Pankow gepflanzt, unweit des Grenzübergangs Bornholmer Straße. Dort fielen am 9. November 1989 um 23.30 Uhr alle Passkontrollen weg, und die Menschen strömten westwärts.

3. Katrin Lengefeld

verwandelt den Mauerstreifen in einen Abenteurspielplatz

Die Naturpädagogin und Künstlerin Katrin Lengefeld hat unweit ihres Ateliers in Frohnau auf dem Mauerstreifen ein Kinderparadies geschaffen. Das Projekt ist mittlerweile eine Institution im Berliner Norden, so normal, so alltäglich. Wie auch der Kinderspielplatz am ehemaligen ...

3. Spielplatz Käthe-Frankenthal-Weg, Neukölln

... Todesstreifen in Neukölln: Wachtürme, Stacheldraht, Schießbefehl. Graue Uniformen, Feldstecher, entsicherte Kalaschnikows. Ein ideologischer Wahn, manifestiert in 167,8 Kilometern Beton, errichtet für 1,822 Milliarden DDR-Mark. Wollte man zu diesem Kältepol des Kalten Krieges eine Gegenwelt entwerfen, sie müsste wohl so aussehen wie der Spielplatz Käthe-Frankenthal-Weg: Ein bunter Bauwagen, daneben Tipi und Feuerstelle, geschnitzte Holzfiguren und ein Baumhaus im Wald.

4. Karola Kleinschmidt

will keine verbotenen Ufer mehr

Die Trainingsstrecke von Karola Kleinschmidt, einst Mitglied der bundesdeutschen Ruder-Nationalmannschaft, lag direkt an der Grenze - die auf dem Griebnitzsee mitten durchs Wasser verlief. Die Bojenmarkierungen waren nicht immer eindeutig. Wer eine Abkürzung nahm, ...

4. Heilandskirche, Potsdam-Sacrow

... wurde verhaftet und stundenlang auf DDR-Gebiet verhört. Am Ufer durchschnitten die Sperranlagen das Gelände der Heilandskirche; der filigrane Glockenturm war Teil der Mauer. Die Kirche ist restauriert und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mauer weg, alles gut? Nicht ganz. Karola Kleinschmidt möchte, dass der frühere Postenweg der DDR-Grenztruppen für alle geöffnet wird. Denn das Ufer ist nach wie vor versperrt - jetzt durch Grundbesitzer, die auf exklusiven Seezugang bestehen.

5. Osman Kalin

ertrotzte sich ein Stückchen DDR

Eigentlich ein sehr modernes Konzept: "Guerilla Gardening“, die Aneignung urbanen Raumes für gärtnerische Zwecke. Etwas problematisch allerdings, da Osman Kalin sie auf Staats- gebiet der DDR ausdehnte. Im Kalten Krieg. Er tat es unbekümmert. Direkt hinter seiner Laube lag ein Zipfel DDR, den die Mauerbauer aus ökonomischen Gründen außen vor gelassen hatten. Als er dort Zwiebeln und Knoblauch pflanzte, ...

5. "Baumhaus an der Mauer", Bethaniendamm, Kreuzberg

... wurden Uniformierte vorstellig. Es kam - nur - zum Wortgefecht. "Ich bin ein osmanisches Enkelkind, das nur ein wenig gärtnern möchte auf seine alten Tage", hielt Kalin den Grenzern entgegen. Irgendwann zogen die entnervt ab. Das zweite Wunder: Kalin hat seit dem Mauerfall auch alle baubehördlichen Attacken pariert. Mithilfe der Kreuzberger Bevölkerung, die "Guerilla Gardening" höchst unterstützenswert findet.

6. Jürgen Litfin

will nicht vergessen, was war

Günter Litfin war der erste Mensch, der auf der Flucht aus der DDR erschossen wurde - am 24. August 1961, elf Tage nach Abriegelung der Grenze. Sein Bruder Jürgen erhielt 2002 nach bürokratischem Gezerre die Genehmigung, den Wachturm an der Kieler Straße ...

6. Gedenkstätte Günter Litfin, Kieler Straße 2

... zu einer Gedenkstätte umzubauen. Nun steht er da, der graue Klotz, Mahnmal und Relikt, inmitten eines schicken Neubauviertels mit rosafarbenen Fassaden. Nicht weit vom Humboldthafen, durch den Günter Litfin in die Freiheit schwimmen wollte, als ihn die Kugel traf; das Westufer vor Augen.

7. Yadegar Asisi

machte das Bollwerk zum Kunstwerk

"Das Bild ist keine Anklage", sagt Yadegar Asisi über das Mauerpanorama, vor dem er steht. "Es soll junge Besucher mit der Frage konfrontieren: Hättet ihr euch auch eingerichtet in dieser Normalität?" Ende der 1970er Jahre, im Alter von 23 Jahren, kam der Sohn iranischer Eltern nach Westberlin - in eine Stadt, die scheinbar selbstverständlich mit der Teilung lebte. Diese absurde Alltäglichkeit von einst will er in seinem 60 Meter langen Werk darstellen (zu betrachten in der Rotunde am Checkpoint Charlie). Weil, so Asisi, ja sonst in Berlin kaum noch Spuren der Mauer ...

7. East Side Gallery, Mühlenstraße, Friedrichshain

... zu finden seien. Das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer ist die East Side Gallery in Friedrichshain, mit dem "Bruderkuss" von Dmitry Vrubel. Die Bilder sind Repliken der ursprünglichen Werke von 1990, manche Betonplatten wurden umgesetzt. Das Denkmal steht in Konkurrenz zu lukrativen Investorenplänen.

Wo werden die Erinnerungen wachgehalten?

Am Berliner Mauerweg vor allem. Als Rad- und Wanderroute führt er 160 Kilometer um die ehemalige Halbstadt herum, immer dem ehemaligen Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen und dem Zollweg folgend. Die Route ist ausgeschildert, sie führt zu Schauplätzen der Teilung - und kilometerweit durch idyllische Landschaft. Wichtigstes Mahnmal: die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, mit Dokumentationszentrum und einem 70 Meter langen Stück der Grenzanlage. Der Gedenkort Weiße Kreuze am Spreeufer neben dem Reichstag erinnert an die Maueropfer; auf dem Gelände des Dokumentationszentrums Topografie des Terrors (Niederkirchnerstraße) steht noch ein 200 Meter langes Originalstück der Mauer. Höhepunkt der Veranstaltungen zum 25. Jahrestag des Mauerfalls: Am Wochenende des 9. 11. 2014 wird die "Lichtgrenze" aus illuminierten Ballons den Mauerverlauf auf 15 Kilometer Länge nachzeichnen.

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