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Die Grundlagen des Wissens

Der Fotoapparat

"Die Photographie ist, wie der französische Fotograf Nadar einmal treffend formulierte, eine wunderbare Entdeckung, eine Wissenschaft, welche die größten Geister angezogen, eine Kunst, welche die klügsten Denker angeregt – und doch von jedem Dummkopf betrieben werden kann." Lars Lindemann, Bildredakteur

Auf dem Dachboden eines burgundischen Bauernhofes fängt 1826 das paradoxe Spiel der massenhaften Fixierung von Vergänglichem an. Von einem Mansardenfenster aus gelingt Joseph-Nicéphore Niepce die erste aller Fotografien: ein geisterhaft unscharfes Bild von einem Kornspeicher und einem Hof.

Niepce, der ab 1829 mit dem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre zusammenarbeitet, benutzt eine Camera obscura vor einer mit lichtempfindlichem Bitumen präparierten Zinnplatte, um das Licht- und Schattenbild zu fixieren. Die Belichtungszeit für diesen „Heliograph“ liegt bei rund acht Stunden.

1841 lässt der Engländer William Henry Fox Talbot ein Verfahren patentieren, das er „Calotype“ nennt. Es handelt sich um Aufnahmen mit einem Negativ. Von nun an ist eine Fotografie, anders als bei Niepce und Daguerre, kein Unikat mehr; vom Negativ lassen sich beliebig viele Positive machen – das Licht-Bild wird zum Massenartikel.

Auch die Kamera wandelt sich: Aus sperrigen Prototypen werden handliche Apparate. Zwei Typen setzen sich durch: Während bei der Spiegelreflexkamera das anvisierte Motiv über einen Spiegel umgeleitet und zum Betrachten auf einer Mattscheibe abgebildet wird, besitzt die Sucherkamera dafür einen am Gehäuse angebrachten Schacht, den Sucher. Beide Typen zeichnen die Bilder heutzutage digital auf – Kameras, die einen Film belichten, werden kaum noch verkauft, und der größte Hersteller von analogen Sofortbildkameras meldet 2008 Insolvenz an.

Freilich hat der digitale Wandel auch den Begriff von „fotografischer Realität“ erweitert. Denn die Digitalisierung macht Veränderungen möglich, die sich am fertigen Bild nicht mehr erkennen lassen: Die dokumentarische Qualität von Fotos droht verloren zu gehen.

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