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Die Grundlagen des Wissens

Das Fernrohr

"Weil mich ein Blick durchs Okular immer wieder in Staunen versetzt: wenn die Nacht schwarz und der Himmel voller fremder Welten ist." Sebastian Witte, Freier Mitarbeiter

Zwar stellen schon um 1300 Brillenmacher Linsen her, doch niemand kommt auf die Idee, dass sich daraus auch Ferngläser bauen lassen. Erst der Optiker Hans Lipperhey aus dem niederländischen Middelburg stößt 300 Jahre später zufällig auf das Prinzip der Vergrößerung weit entfernter Objekte: Hält man zwei geschliffene Glaslinsen in einem bestimmten Abstand hintereinander und blickt durch beide hindurch, erscheinen Dinge in der Ferne plötzlich

ganz nah.

Die Voraussetzung dafür aber ist, dass die vordere Linse, das Objektiv, nach außen gewölbt (konvex) ist: Sie nimmt das Bild eines Gegenstandes auf und wirft es auf die zweite, augenseitige Linse. Erst dieses nach innen geschliffene (konkave) Okular lässt das Bild auf der Netzhaut des Betrachters vergrößert und scharf erscheinen.

Beide Linsentypen schleift Lipperhey in großer Qualität jeden Tag bei der Brillenherstellung zurecht. Aus ihnen baut er 1608 das erste Fernrohr der Welt: ein unscheinbares, etwa 30 Zentimeter langes Rohr aus Papier, mit Leder verstärkt – und von dreifacher Vergrößerungskraft.

Schon im April 1609 werden Teleskope in Paris verkauft, kurz darauf auch in Mailand und Venedig. Bald verfügen viele Militärs über das neue Werkzeug, denn wohl jeder Heerführer geht davon aus, dass Lipperheys Erfindung den eigenen Truppen entscheidende Vorteile bringen wird.

Als Galileo Galilei von Lipperheys Konstruktion erfährt, entwickelt er selbst Fernrohre, zunächst mit neunfacher, später mit 30-facher Vergrößerung. Mit ihrer Hilfe entdeckt er Mondkrater und Sonnenflecken sowie die Trabanten des Jupiter. Und begründet so die experimentelle Astronomie.

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Blick ins All: ein Fernrohr des Naval Observatoriums in Washington D.C.

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