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Die Grundlagen des Wissens

Das Musikinstrument

"Weil es sonst keine Klaviere gäbe" Bettina Süssemilch, Redakteurin Verifikation

Für Evolutionsbiologen und Neurobiologen war es lange schwer zu verstehen, weshalb Menschen Musik mögen. Ein Instrument zu beherrschen, den richtigen Ton zu treffen oder den Gesängen anderer zu lauschen hat keinen offensichtlichen Nutzen und Überlebensvorteil. Kein Tier komponiert Symphonien, und auch der Mensch scheint erst spät in seiner Entwicklung Vergnügen an scheinbar nutzlosen Melodien und Rhythmen gefunden zu haben.

Einen ersten zweifelsfreien Beleg für den Hang zur Musik entdecken Tübinger Archäologen in einer Höhle in der Schwäbischen Alb: zwei Flöten aus Schwanenknochen sowie eine aus Mammutelfenbein. Die Objekte sind bis zu 37000 Jahre alt und damit die ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit. Mindestens drei Grifflöcher hat die Elfenbein-Flöte, und ein Nachbau zeigt, dass sich mit ihr verschiedene Töne erzeugen lassen: vier Grund- und drei überblasene Töne. Zudem hatten ihre Erbauer offenbar bereits ein Gefühl für Harmonien und haben die Löcher so angeordnet, dass melodische Intervalle ertönen.

Ob die Menschen vielleicht auch schon früher auf Holzstämmen und Knochen getrommelt, sich rhythmisch bewegt oder einfache Gesänge angestimmt haben, ist nicht überliefert. Als Erfinder von Musik und Instrumenten gilt daher der moderne Homo sapiens, der vor rund 40000 Jahren in Europa auftaucht. Im Laufe der Jahrzehntausende nimmt sein tönendes Repertoire weiter zu. Neben Flöten und Pfeifen sind es etwa Schlaginstrumente aus Mammutknochen und in der Jungsteinzeit (9000-2200 v. Chr.) Meermuscheln als Trompeten oder mit Häuten bespannte Trommeln aus Ton. Noch in der Jungsteinzeit entsteht der Musikbogen als erstes Saiteninstrument, und in Mesopotamien erklingen um 3000 v. Chr. erstmals Harfe und Leier.

Das musikalische Grundverständnis für Melodien, Rhythmen und Klänge ist, so haben Forscher inzwischen herausgefunden, biologisch im Gehirn angelegt. Musik löst Emotionen aus und könnte daher evolutive Vorteile mit sich gebracht haben, so neue Hypothesen: Musizierende Männer sind attraktiver für Frauen, Mütter können ihre Babys durch Gesang beruhigen, und Musik hält eine Gruppe sozial zusammen.

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Der Klang von Instrumenten weckt Emotionen: der Jazzer Sam Rivers 1965 am Sopransaxofon

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