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Die Grundlagen des Wissens

Die Macht der Zuversicht

Mit Hirnscannern, Gen-Untersuchungen und psychologischen Tests ergründen Forscher, weshalb manche Menschen zuversichtlich in die Zukunft blicken, während andere als Pessimisten an der Welt zweifeln. Sowohl Erbgut als auch kindliche Erfahrungen beeinflussen offenbar, ob jemand Optimist wird. Fest steht: Positiv denkende Menschen sind gesünder und leben länger

Lesen Sie einen Auszug aus der neuen Ausgabe von GEOkompakt zum Thema "Warum wir gut und böse sind":

Voller Ungeduld wartet Martin Seligman auf einen Telefonanruf, als er am 14. August 1996 durch die Rocky Mountains fährt. An diesem Tag entscheidet sich, ob der 54-Jährige zum Vorsitzenden der American Psychological Association (APA) gewählt wird, einer Vereinigung von 150 000 Psychologen. Endlich klingelt sein Mobiltelefon. „Die Abstimmung war nicht ...“, hört er. Dann bricht die Verbindung ab. Obwohl Seligman nicht weiß, wie der Satz endet, verliert er jede Hoffnung.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Seligman da bereits mit Menschen, denen der Lebensmut fehlt – die nicht mehr daran glauben, ihr Schicksal werde sich zum Guten wenden. Nun spürt er selbst, wie Zweifel jede Zuversicht ersticken. Schließlich ruft er einen Kollegen an. Und erfährt, dass seine Befürchtungen grundlos waren – der Psychologenverband hat beschlossen, ihn zum Präsidenten zu ernennen. Und mehr noch: Nie zuvor hat ein Kandidat die Wahl mit so großem Vorsprung gewonnen.

Psychologen fragen vor allem, warum es uns schlecht geht

Dieses Erlebnis, so berichtet der Wissenschaftler später, gibt ihm einen weiteren Anstoß, sich für ein neues Forschungsfeld innerhalb der Psychologie einzusetzen. Denn lange schon ist Seligman davon überzeugt, dass seine Kollegen sich zu sehr darauf konzentrieren, die Ursachen seelischer Schwächen zu ergründen, den Wurzeln von Traumata und Ängsten, Depressionen und Neurosen nachzuspüren.

Psychologen würden, so Seligman, kaum je nach den positiven Kräften der Psyche fragen, sondern vor allem danach, weshalb es uns schlecht gehe, woran unsere Seele leide. Allzu häufig würden sie erst dann aktiv, wenn jemand bereits seelisch erkrankt sei.

Immerhin wissen Forscher damals schon, dass manche Menschen über erstaunliche Fähigkeiten verfügen, die sie fast immun gegen Schwermut und Pessimismus machen – Kinder etwa, die unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen und dennoch stabile Persönlichkeiten entwickeln. Menschen, die trotz Vernachlässigung, Streit und Gewalt in der Familie (mitunter sogar nach einem Missbrauch) keinerlei Traumata zeigen. Und die später weder besonders aggressiv, misstrauisch oder feindselig gegenüber anderen auftreten noch kriminell werden.

Offenbar besitzen diese Menschen eine besondere Widerstandsfähigkeit – Wissenschaftler sprechen von Resilienz (von lat. resilire = abprallen).

Seligman fordert, die Stärken der Seele zu erforschen

Kurz nach seinem Amtsantritt fordert Seligman daher vor der APA, seine Zunft solle endlich die Stärken der Seele, die natürlichen Heilkräfte der Psyche, das Positive, die Quellen der Zuversicht erforschen. „Positive Psychologie“ nennt er die neue Disziplin. Sie soll Antworten auf grundlegende Fragen finden: Weshalb blicken manche Menschen zuversichtlicher als andere in die Zukunft? Warum verlieren einige trotz aller Schicksalsschläge nie ihre positive Weltsicht?

Worin wurzelt dieser unerschütterliche Glaube an das Gute? Was fördert oder schwächt ihn – und wie prägt er unsere Biografie? Hat er einen positiven Einfluss auf unser Leben? Und lässt er sich erlernen? Kurz: Was verbirgt sich hinter dem Phänomen „Optimismus“?

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEOkompakt zum Thema "Warum wir gut und böse sind" nachlesen.

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Manche Menschen verlieren nie den Glauben an das Gute. Weshalb?

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