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Die Grundlagen des Wissens

Schlaftabletten Welche Stoffe wirken und mit welchen Risiken man rechnen muss

Schlaftabletten können helfen, eine kurze Zeit der Ruhelosigkeit zu überbrücken, aber langfristig überwiegen die Risiken. Gängige Schlafmittel im Überblick
Tabletten

Die wirksamsten Schlaftabletten machen auf Dauer abhängig

Viele Menschen mit Schlafstörungen lassen sich Tabletten verschreiben. Doch Mediziner warnen, dass deren Wirkstoffe schwere Nebenwirkungen haben können. Wer seinen Arzt um die Verordnung eines solchen Medikaments bittet, sollte bedenken, dass diese Mittel immer nur kurzfristig helfen können. Die wichtigsten Wirkstoffgruppen:

  • Benzodiazepine verstärken den Effekt eines Signalstoffes im Gehirn, der beruhigend und schlafauslösend wirkt
  • Z-Substanzen wirken ähnlich, haben aber vermutlich ein niedrigeres Suchtpotenzial
  • Antidepressiva umfassen als Gruppe Wirkstoffe, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen
  • Melatonin ist ein körpereigenes Schlafhormon, das in synthetischer Form verschrieben wird
  • Antihistaminika dämpfen eigentlich allergische Reaktionen, machen aber teils auch schläfrig

Zu den Benzodiazepinen zählen Valium (Lorazepam), Tetrazepam und Oxazepam. Doch von diesen Substanzen raten Mediziner zunehmend ab. Zum einen wegen des hohen Suchtpotenzials: Schon nach wenigen Wochen können sie zu Abhängigkeit führen. Zum anderen unterdrücken sie den für die Erholung besonders wichtigen Tiefschlaf, verschieben den REM-Schlaf und können mitunter Ängstlichkeit auslösen oder sogar die ursprünglichen Schlafstörungen noch verstärken.

Schlaf und Traum: Wie in der Nacht unsere Kräfte wachsen. Was wir aus unseren Träumen lernen. In GEO kompakt Nr. 48/2016:

Daher verschreiben Ärzte mittlerweile lieber die Z-Substanzen (deren Wirkstoffnamen alle mit Z beginnen, zum Beispiel Zopiclon, Zolpidem oder Zaleplon). Auch sie verändern das Schlafprofil und führen wohl auf Dauer in eine Abhängigkeit, die Gefahr scheint jedoch geringer als bei Benzodiazepinen zu sein. Allerdings stehen die Mittel im Verdacht, eine Art Schlafwandeln auszulösen. Auch sie sollten nur für zwei bis vier Wochen verschrieben werden.

Nebenwirkungen bei Antidepressiva

In einigen Fällen empfehlen Mediziner stattdessen Antidepressiva (etwa Doxepin oder Trimipramin), die dämpfend wirken und schläfrig machen – aber nicht süchtig. Allerdings ist mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Kopfschmerzen und einem Verlust an Potenz und Libido zu rechnen.

Menschen ab 55 Jahren, deren Schlaflosigkeit keine klar diagnostizierte Ursache hat, sondern wohl allein auf den Rückgang des vom Körper produzierten Schlafhormons Melatonin zurückgeht, können sich eine synthetische Variante dieses Stoffes verschreiben lassen. Über einen kurzen Zeitraum eingenommen, vermag das Medikament in Einzelfällen Schlafprobleme zu lindern.

Zudem kursieren im Internet Tipps und Angebote für melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Für deren Wirkung und auch langfristige Unschädlichkeit fehlen aber wissenschaftliche Belege, daher ist von der Einnahme abzuraten.

Als meist nicht rezeptpflichtige Schlafmittel werden manchmal auch Antihistaminika eingesetzt, etwa Doxylamin oder Diphenhydramin. Eine Nebenwirkung dieser Substanzen ist der (allerdings schwache) sedierende Effekt.

Wirken auch pflanzliche Arzneimittel?

Stark zugenommen hat in den letzten Jahren der Umsatz rezeptfreier, pflanzlicher Arzneimittel – etwa in Form von Tropfen, Kapseln, Tabletten oder Tee. Eindeutig belegt ist die Wirkung zwar für keine dieser Substanzen, dennoch berichten zahlreiche Anwender von positiven Erfahrungen mit Präparaten, die Baldrianextrakt enthalten – zumal die unbedenklich sind. Die Hersteller weisen allerdings darauf hin, dass eine Wirkung oft erst nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Einnahme einsetzt.

Schlaftees können eine zusätzliche „Ritualwirkung“ entfalten: Allein deren Zubereitung vermag Körper und Seele am Abend zu beruhigen. Insgesamt also können effektive Schlafmittel dazu beitragen, dem Organismus kurzfristig zu einer Ruhepause zu verhelfen. Doch sollte der Patient sie nicht dauerhaft einnehmen. Bei länger andauernden Schlafstörungen empfiehlt sich eine individuelle Beratung, etwa durch Spezialisten in einem Schlafzentrum.

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