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Biorhythmus Der Experte Till Roenneberg über Schlafmangel und seine fatalen Folgen

Schichtdienst, zu früher Arbeitsbeginn, Sommerzeit, finstere Büros – immer mehr Menschen leben gegen ihre innere Uhr, sagt der Biologe Till Roenneberg. Und fordert: Wir müssen endlich erkennen, wie wichtig es ist, dass jeder nach seinem eigenen Rhythmus ruht
Der Experte Till Roenneberg über Schlafmangel und seine fatalen Folgen

Till Roenneberg ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und einer der weltweit renommiertesten Chronobiologen. Roenneberg erforscht unter anderem die sozialen Ursachen von Schlafmangel

GEOkompakt: Herr Professor Roenneberg, Millionen Menschen klagen darüber, dass sie nicht genug Schlaf bekommen. Woran liegt das?

Prof. Till Roenneberg: Für viele beginnt der Tag schlicht zu früh. Sie müssen um sechs oder sieben Uhr aufstehen, um rechtzeitig am Arbeitsplatz oder in der Schule zu sein. Zu einer Zeit, da ihr Körper eigentlich noch das Bedürfnis verspürt, weiterzuschlafen. Weil das so ist, sind die meisten von uns auf einen Wecker angewiesen. Wir müssen uns förmlich aus dem Schlaf reißen lassen, um pünktlich wach zu sein.

Könnten wir abends nicht einfach früher ins Bett gehen?

Das funktioniert nicht. Niemand kann sich zwingen, zu einer vorgegebenen Zeit zu schlafen. Im Gegenteil: Jeder Mensch hat ein individuelles Schlaffenster, in dem sein Körper bestmöglich zur Ruhe kommt und zu schlafen vermag. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von verschiedenen Chronotypen. Die Bandbreite der individuellen Schlaffenster ist riesig: Manche Menschen sind überaus früh dran, ihnen fallen zum Beispiel schon um 21 Uhr die Augen zu, morgens um fünf wachen sie mitunter wieder auf. Diesen Typ nennen wir „Lerche“ oder „Frühtyp“. Andere dagegen, die zu den „Eulen“ oder „Spättypen“ zählen, sind bis weit nach Mitternacht munter und haben entsprechend Probleme, am Morgen früh aufzustehen. Extreme Spättypen gehen erst zu Bett, wenn extreme Frühtypen schon wieder wach werden: um vier Uhr nachts. Die Unterschiede beim Chronotyp sind damit ähnlich gewaltig wie die Unterschiede beim Schlafbedürfnis.

Sagt der jeweilige Chronotyp etwas darüber aus, ob jemand wenig oder viel Schlaf benötigt?

Nein. Unter den Früh- und Spättypen gibt es sowohl Kurz- als auch Langschläfer, beides hat nichts miteinander zu tun. Wer Spättyp und Langschläfer ist, hinkt dann besonders stark hinterher. Spättypen, die Kurzschläfer sind, haben entsprechend weniger Probleme. Das individuelle Schlafbedürfnis und der jeweilige Chronotyp haben genetische Grundlagen – wie Haarfarbe oder Körpergröße. Es ist also nicht allein meine Verantwortung, wenn ich ein Spät- oder ein Frühtyp, ein Kurz- oder ein Langschläfer bin.

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GEOkompakt Nr.48 "Schlaf und Traum"