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GEOEPOCHE Kriegsende 1945: Buchtipps

Lektüre-Empfehlungen zum Thema von der GEOEPOCHE-Redaktion

ALLGEMEIN

Monika Flacke (Hrsg.), Mythen der Nationen. 1945 - Arena der Erinnerungen (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2004) 2 Bände 970 Seiten 128 EuroAllein in Europa hat der Zweite Weltkrieg 40 Millionen Tote gefordert. Im Mai 1945 liegt die Alte Welt weitgehend in Trümmern. Doch die Bürger der europäischen Staaten müssen weiterleben, müssen ihre Rollen im Krieg bewältigen, seien sie nun Täter oder Opfer gewesen, beteiligt oder nicht. Jede Nation hat dies auf ihre Weise getan, hat versucht zu verdrängen, zu begreifen, sich zu wandeln. Im Katalogband des Deutschen Historischen Museums porträtieren Wissenschaftler die Mythen vom Krieg aus fast 30 Ländern. Ein einmalig umfassendes Standardwerk zum Verständnis des kollektiven Erbes Europas, erweitert um Betrachtungen aus den USA und Israel.

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ENDKAMPF

Joachim Fest, Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Eine historische Skizze (Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2005) 208 Seiten 8,90 EuroDer Publizist und Hitler-Biograf Joachim Fest schildert die letzten Wochen des "Dritten Reiches": von der am 16. April begonnenen sowjetischen Großoffensive auf Berlin bis zur Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, in der Nacht zum 9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst. Fest blickt dabei immer wieder auch auf die Geschehnisse im so genannten Führerbunker unter der Neuen Reichskanzlei, in den sich Hitler und seine letzten Getreuen zurückgezogen haben. Trotz des "oftmals heillosen und großenteils nicht mehr aufklärbaren Durcheinanders der Zeugenaussagen" (Fest) gelingt dem Autor so eine geschlossene und packende Schilderung der letzten Tage Hitlers.

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Traudl Junge, Melissa Müller, Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben (List-Taschenbuch, Berlin 2003) 272 Seiten 7,95 Euro1942 wird die 22-jährige Traudl Junge Adolf Hitlers Sekretärin. Bis zu dessen Tod tippt sie seine Reden, seine Briefe, seine Befehle und zuletzt - im Bunker unter der Reichskanzlei - sein "politisches Testament". 1947 schreibt sie ihre Erinnerungen auf. Doch erst 55 Jahre später, 2002, werden sie veröffentlicht. Traudl Junge setzt sich nicht kritisch mit ihrem ehemaligen Chef auseinander, sondern protokolliert detailreich das alltägliche Leben Hitlers: wie Hitler mit seiner Schäferhündin Blondi spielt, wie er in seinen letzten Tagen immer apathischer wird, wie seine Geliebte Eva Braun noch kurz vor dem gemeinsamen Selbstmord ausschweifend feiert.

KAPITULATION

Marlis G. Steinert, Die 23 Tage der Regierung Dönitz. Die Agonie des Dritten Reiches (Heyne-Taschenbuch, München 1978) 466 Seiten. Zur Zeit nur antiquarisch erhältlich, ab ca. 5,50 Euro (über Eurobuch.com) Marlis G. Steinert schildert die Arbeit der vom 1. bis 23. Mai amtierenden "Regierung Dönitz": von Hitlers Selbstmord über die militärische Kapitulation Deutschlands bis zur Verhaftung des von Hitler ernannten Reichspräsidenten Karl Dönitz und seiner Minister. In einem Prolog beschreibt sie die politischen und militärischen Ereignisse der ersten Monate des Jahres 1945 und charakterisiert in biographischen Skizzen Dönitz und seine engsten Mitarbeiter.

MAUTHAUSEN

Hans Marsalek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen (Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Linz 1995) 376 Seiten 21,80 Euro (zu beziehen über die Gedenkstätte Mauthausen www.mauthausen-memorial.at) Hans Marsalek kennt die Hölle von Mauthausen aus eigener Anschauung: Er wurde im September 1942 dorthin überstellt, und erlangte nach einigen Wochen in verschiedenen Arbeitskommandos einen Posten als Schreiber. Ab Mai 1944 war er Lagerschreiber II des Hauptlagers Mauthausen und erlebte dort im Mai 1945 die Befreiung. Schon ein Jahr später begann er sich maßgeblich für die Errichtung und Erhaltung der Gedenkstätte Mauthausen einzusetzen. Seine Darstellung beruht maßgeblich auf zahlreichen subjektiven Aussagen von Zeitzeugen. Eine der beeindruckendsten Dokumentationen über die Erfahrung mit dem organisierten Tod.

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Wolfgang Benz (Hrsg.), Lexikon des Holocaust (Verlag C. H. Beck, München 2002) 264 Seiten 12,90 EuroZusammen mit 53 weiteren ausgewiesenen Fachleuten hat der Berliner Professor für Antisemitismusforschung in Berlin, Wolfgang Benz, ein unverzichtbares Nachschlagewerk zur Terminologie und Topographie der Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten vorgelegt: in 200 Sachbeiträgen und eben so vielen Kurzbiographien, mit Stichworten von "Aktion Erntefest" über "Massaker" und "Pogrom" bis "Zyklon B". Ein Muss für jeden, der sich wissenschaftlich fundiert über die Geschichte des Holocaust informieren möchte.

ZEITZEUGEN

Anonyma, Eine Frau in Berlin. Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 (btb-Taschenbuch, München 2005) 288 Seiten 9 EuroIn den letzten Tagen des April 1945 folgen auf den Bombenkrieg dunkle, stille Nächte. Die Truppen der Roten Armee sind in der Stadt. Darunter Soldaten, die den deutschen Frauen die Verbrechen an Müttern, Schwestern und Töchtern heimzahlen wollen. Allein in Berlin werden zwischen 95 000 und 130 000 Frauen missbraucht. Eine junge Verlagsangestellte, die anonym bleiben will, hat das Geschehene unmittelbar in ihre Tagebücher gebannt. Ein Zeugnis voller bedrückender Lakonie.

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Walter Kempowski, Das Echolot. Abgesang '45. Ein kollektives Tagebuch (Verlag Albrecht Knaus, München 2005) 512 Seiten 49,90 EuroNach 20 Jahren Echolot ist nun mit "Abgesang '45" der letzte Teil des kollektiven Tagebuchs erschienen, das Walter Kempowski aus zahllosen Aufzeichnungen von Zeitzeugen zusammengestellt hat. Und so zeichnet er die letzten Tage des "Dritten Reiches" nach, mit den ungefilterten Stimmen derjenigen, die diese Tage erlebt und überlebt haben: vom 20. April bis zur endgültigen Kapitulation in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945.

Gerhard Hirschfeld/Irina Renz (Hrsg.), "Vormittags die ersten Amerikaner". Stimmen und Bilder vom Kriegsende 1945 (Klett-Cotta, Stuttgart 2005) 212 Seiten 19 Euro

Bei ihrer Sammlung von Tagebucheintragungen, Briefen und anderen privaten Aufzeichnungen vom Kriegsende haben die beiden Herausgeber von der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart ganz bewusst auf nachträgliche Erinnerungen oder zu viele öffentliche Verlautbarungen verzichtet. "Nur so", so die beiden Historiker, "ließ sich ein hohes Maß an Intimität, Unmittelbarkeit und Authentizität wahren." Jeder Monat wird von einer Zeitleiste mit den entsprechenden historischen Ereignissen eingeleitet. Eine bewegende Chronologie vom Januar 1945 bis zur "Stunde Null".

Joseph Bialot, Im Winter werden die Tage länger. Wie ich Auschwitz überlebte (Goldmann-Taschenbuch, München 2004) 254 Seiten 8,90 Euro

Am 10. August 1923 wird der Jude Joseph Bialot in Warschau geboren. Bereits 1930 flieht seine Familie nach Frankreich. 1944 wird er mit gefälschten Papieren gefasst und einen Tag nach seinem 21. Geburtstag in das Stammlager von Auschwitz deportiert, wo er Zwangsarbeit leisten muss. Bialot überlebt trotz Krankheit. Und er erlebt die Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Erst Jahrzehnte später beginnt der Schriftsteller und Verfasser von Kriminalromanen seine Erlebnisse aufzuschreiben. Ein literarisch-offener Bericht aus dem berüchtigsten Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

KALTER KRIEG

Wilfried Loth, Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941-1955 (dtv, München 2002) 408 Seiten 15 EuroAm 8. Mai 1945 haben die USA, Großbritannien und die Sowjetunion das "Dritte Reich" gemeinsam besiegt - und gemeinsam sollen die drei Mächte, geht es nach den führenden Politikern in Washington, London und Moskau, auch zukünftig die Verhältnisse in der Welt ordnen. Doch nur wenige Jahre später ist der Globus in zwei feindliche Machtblöcke zerfallen. Seit mehr als 25 Jahren forscht der Historiker Wilfried Loth zu den Ursachen dieses Konflikts, der über ein halbes Jahrhundert lang die Weltpolitik bestimmte. Sein Fazit: Die Schuldfrage lässt sich nicht beantworten. Die USA gaben den Anstoß zur Eskalation, doch die UdSSR fachte den Konflikt auch weiter an. Das Standardwerk zur Teilung der Welt in Ost und West

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FLÜCHTLINGE

Helga Hirsch, Schweres Gepäck (Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2004) 258 Seiten 14 EuroDie Autorin, bis 1995 Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit" in Warschau, hat Vertriebene der zweiten Generation auf der Suche nach ihren biographischen Wurzeln begleitet. So entstanden acht sensibel geschriebene Portraits, welche die Schrecken der Vertreibung im Osten ebenso benennen wie die Zurückweisung der Vertriebenen im Westen. Es entstanden Dokumente über die tektonischen Verwerfungen in den Biographien der Betroffenen. Ein wichtiger Beitrag zu einer schwierigen Debatte.

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Willy Diercks (Hrsg.), Flüchtlingsland Schleswig-Holstein. Erlebnisberichte vom Neuanfang (Verlag Boyens & Co., Heide 2002) 292 Seiten 19 EuroSchleswig-Holstein wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Flüchtlingsland Nr. 1: Die Bevölkerung des dünn besiedelten Landes wuchs um mehr als eine Million Menschen. Für das Buch wurden Zeitzeugenberichte zusammengetragen, die ein beredtes Bild von den Lebensumständen jener Jahre zeichnen - und von den gravierenden Veränderungen, welche die Bevölkerungsexplosion für Land und Leute nach sich zog.

Arno Surminski, Kudenow oder An fremden Wassern weinen (Ullstein-Taschenbuch, Berlin 2000) Roman 464 Seiten 8,95 Euro

"Kock schrie, wie ihn noch niemand hatte schreien hören: ?Du verdammter Polack hast auf meinem Hof nichts zu suchen!' Als Kallweit erwiderte, er glaube ein Recht zu haben, mit den Flüchtlingen in der Scheune sprechen zu dürfen, griff Kock nach der Rübenforke. ?Auf diesem Hof hab' allein ich recht!'" Surminski, in Ostpreußen geboren, war 1947 als Jugendlicher nach Schleswig-Holstein gekommen. In seinem Roman beschreibt er eindringlich das Schicksal der vertriebenen Familie Marenke, die in einem Dorf irgendwo zwischen Hamburg und Lübeck zwangsweise neue Wurzeln schlägt.

K. Erik Franzen/Hans Lemberg, Die Vetriebenen. Hitlers letzte Opfer (Econ-Taschenbuch, Berlin 2002) 288 Seiten 9,95 Euro

Das Buch der Historiker und Osteuropaforscher Lemberg und Franzen entstand als Begleitbuch zu der dreiteiligen ARD-Dokumentation mit demselben Titel. Historisch fundierte Darstellung mit vielen Zeitzeugnissen. Bemerkenswert ist die Einordnung des Geschehens in den größeren politischen Zusammenhang jener Jahre und die vergleichende Betrachtung der Ereignisse in Polen. Faktenreich und gut lesbar geschrieben.