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Buchtipps: Die Renaissance in Italien

Lektüre-Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion zum Thema des GEOEPOCHE-Hefts Nr. 19 (09/2005)
In diesem Artikel
RENAISSANCE - NACHGESCHLAGEN
DANTE ALIGHIERI - DURCH HIMMEL UND HÖLLE
HUMANISTEN - ERBEN DER ANTIKE
KOLUMBUS IN GENUA - EIN ENTDECKER UND SEINE STADT
BORGIA - DER SCHRECKEN VON ROM
MACHIAVELLI - DAS WESEN DER MACHT

RENAISSANCE - NACHGESCHLAGEN

Herfried und Marina Münkler, Lexikon der Renaissance (Beck, München 2000) 472 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 10 Euro; erscheint im September 2005 als Taschenbuch

In 82 Artikeln zu Personen, Strömungen und Errungenschaften der Renaissance - von Leon Battista Alberti bis Zentralperspektive - bietet dieses Nachschlagewerk einen knappen, gut lesbaren und gleichzeitig profunden Einstieg in jene Epoche, in der Europa in die Neuzeit aufbrach.

Eugenio Garin (Hrsg.), Der Mensch der Renaissance (Magnus, Reprint Essen 2004) 404 Seiten, 9,95 Euro

Herausgegeben von einem der Altväter europäischer Renaissance-Forschung, porträtieren neun Autoren neun Menschenbilder: den Fürsten, den condottiere ("Söldnerführer"), den Kardinal, den Höfling, den Philosophen und den Magier, den Kaufmann und den Bankier, den Künstler, die Frau, den Reisenden und den Eingeborenen. Ein anschauliches Kaleidoskop aus einer Zeit, in der Intellektuelle die Würde des Individuums gerade erst wiederentdeckten.

Gene Brucker, Florenz in der Renaissance. Stadt, Gesellschaft, Kultur (Rowohlt, Reinbek 1990) 378 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 3 Euro

Florenz: Hier wirken Künstler wie Masaccio, Donatello, Leonardo, Botticelli und Michelangelo. Hier herrschen die Medici. Hier errichtet der Bußprediger Savonarola einen Gotteststaat und verfasst Machiavelli seine Werke über die Technik der Macht. Die Renaissance prägt fast ganz Italien, doch nirgendwo wird diese Epoche so intensiv gestaltet wie in der Stadt am Arno. Und kaum einer hat dies so anschaulich aufgeschrieben wie der Historiker Gene Brucker.

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Volker Reinhardt, Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur (Beck, München 2002) 128 Seiten, 7,90 Euro

Der kürzeste und einfachste Weg, sich des Zeitalters der Medici, der Borgia und der Wiederentdeckung einer idealisierten Antike zu nähern. Die Renaissance als Medienrevolution, verfasst von einem ausgewiesenen Kenner des 14. bis 16. Jahrhunderts in Europa.

RENAISSANCE - BILD(ER)BÄNDE

James H. Beck, Malerei der italienischen Renaissance (Könemann, Köln 1999) 516 Seiten, im modernen Antiquariat für ca. 13 Euro erhältlich

Drei Malergenerationen, dargestellt und beschrieben in Porträts und 450 Farbreproduktionen. Der schnellste und zurzeit wohl kostengünstigste Weg zu Malern und Kunst in den Zeiten der rinascita.

Steffi Roettgen, Wandmalerei der Frührenaissance in Italien 1400-1470 und Wandmalerei der Frührenaissance in Italien 1470-1510 (Hirmer, München 1996) 2 Bände, zusammen 938 Seiten, je 132 Euro

Das Monumentalwerk der Münchner Professorin für Kunstgeschichte ist ein Muss für jeden Liebhaber der Wandmalerei der Renaissance. Klar gegliedert, bekannte wie eher unzugängliche Meisterwerke Stück für Stück beschreibend und darbietend, ergänzt durch atemraubende Überblicks- und Detailaufnahmen inklusive klar strukturierter Wandpläne, lässt dieses Buch weder Fragen noch Wünsche offen.

DANTE ALIGHIERI - DURCH HIMMEL UND HÖLLE

Fritz R. Glunk, Dante (dtv, München 2003) 192 Seiten, 10 Euro

Eine lebendige Beschreibung des Dichterlebens mit farbigen Momentaufnahmen aus dem Florenz des 13. und 14. Jahrhunderts - und zahlreichen Hinweisen auf die Vermutung, dass womöglich auch die arabische Mystik Dantes Schreiben und Denken beeinflusst hat.

Kurt Leonhard, Dante Alighieri (Rowohlt, Reinbek 1970) 190 Seiten, 7,50 Euro

Stärker geistesgeschichtlich orientierte Biografie des Genies mit kenntnisreichen Exkursen in die mittelalterliche Philosophie.

Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie (Reclam, Ditzingen 2000) 566 Seiten, 9,60 Euro

Die sachliche, reimlose, auf Effekte verzichtende und dennoch poetische Übersetzung von Hermann Gmelin.

BRUNELLESCHI UND DER DOMBAU - DIE ERFINDUNG DES RAUMES

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Ross King, Das Wunder von Florenz. Architektur und Intrige: Wie die schönste Kuppel der Welt entstand (btb, München 2003) 256 Seiten, 10 Euro

Mehr als ein Jahrhundert, durch Krisen und Kriege hindurch, bauen die Florentiner bereits an einem gigantischen Gotteshaus. Da entwirft der gelernte Goldschmied und Architekt, der Erfinder der Zentralperspektive und Wiederentdecker antiker Bautraditionen, eine Kuppel, so groß und waghalsig, wie es noch keine gegeben hat: Im Sommer 1436 ist il cupolone vollendet. Wie sie gebaut wurde, welchen Widrigkeiten und Intrigen Brunelleschi trotzen musste, erzählt der studierte Kunsthistoriker Ross King kenntnisreich und fast so spannend wie in einem historischen Roman.

Wer indes nicht ohne Architekturtheorie, Konstruktionszeichnungen und Detailfotografien auskommt, sei auf Giovanni und Michele Fanelli, Die Kuppel Brunelleschis. Geschichte und Zukunft eines großen Bauwerks (Mandragora, Florenz 2004) 288 Seiten 24,90 Euro, verwiesen. Brunelleschis Kuppel für Architektur-Aficionados.

CIOMPI - REVOLTE AM ARNO

Ernst Piper, Der Aufstand der Ciompi (Wagenbach, Berlin 2. Auflage 1981) 128 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 4 Euro

Für kurze Zeit konnten die ciompi, die Arbeiter der Wolltuchindustrie, im Sommer 1378 ein Regime in der Stadt am Arno errichten, in dem zum ersten Mal in der Florentiner Geschichte auch weite Teile der Unterschichten vertreten waren. Der Münchner Historiker Ernst Piper bietet eine knappe Darstellung dieser Episode und zugleich ein Porträt der Lebens- und Arbeitswelt der einfachen Menschen in einer der reichsten Renaissance-Metropolen Italiens: interessant, spannend geschrieben und mit vielen Zitaten aus zeitgenössischen Quellen versehen. Allerdings erscheint die wiederholte Auseinandersetzung mit marxistischen Theoretikern und der Frage, ob der Aufstand die erste proletarische Revolution gewesen sei, aus heutiger Sicht doch recht übertrieben und veraltet.

HUMANISTEN - ERBEN DER ANTIKE

Sie verehren Cicero, Vergil und Seneca, Homer, Thukydides und Platon: Humanisten - Intellektuelle -, die in den Schriften des Altertums nach Anleitung suchen für Gegenwart und Zukunft. Bücher über die Humanisten indes füllen ganze Bibliotheken, und das Buch der Bücher gibt es nicht. Aber der von Nicolette Mout herausgegebene Band Die Kultur des Humanismus. Reden, Briefe, Traktate, Gespräche von Petrarca bis Kepler (Beck, München 1998) 420 Seiten, im modernen Antiquariat für ca. 15 Euro erhältlich, ist ein formidabler Anfang.

MONTEFELTRO - EIN FÜRST DES KRIEGES UND DER KUNST

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Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann, Die Nase Italiens. Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino (Wagenbach, Berlin 2005) 240 Seiten, 24,50 Euro

Der condottiere und Kunstmäzen Federico da Montefeltro war ein Meister der Selbstinszenierung. Wie sehr, zeigen die beiden Autoren dieser gerade erschienenen brillanten Studie, die offenlegt, wie geschickt und unablässig der skrupellose Söldnerführer, kaufmännisch versierte Kriegsunternehmer und urteilssichere Kunstfreund an seinem öffentlichen Bild retuschierte. Und aus einer deformierten Nase ein Markenzeichen machte. Pures Lesevergnügen.

LORENZO DE' MEDICI - DER PATE VON FLORENZ

Die beste Einführung für jeden, der sich mit der legendären Familie, die Florenz zur Zeit seiner höchsten kulturellen Blüte beherrschte, befassen will, bietet der handliche Band von

Volker Reinhardt, Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance (Beck, München, 3. Aufl. 2004) 124 Seiten, 7,90 Euro.

Eine gute, zuweilen leider etwas bieder geschriebene Biografie stammt von einer Redakteurin der italienischen Nationalbiografie. Der "Held" des Bandes kommt dabei überaus positiv weg:

Ingeborg Walter, Der Prächtige. Lorenzo de' Medici und seine Zeit (Piper, München 2005) 336 Seiten, 9,90 Euro.

Gut geschrieben - ironisch und erfrischend respektlos gegenüber dem "Mythos Medici" - ist die Geschichte des Attentates gegen Lorenzo und seinen Bruder, so, wie sie einer der großen Kenner der Renaissance erzählt. Leider folgt das Buch keiner strengen Chronologie, der Autor schlägt Volten und dreht auch hin und wieder inhaltliche Schleifen. Es ist besser, zunächst eines der beiden oben angeführten, sachlicheren Werke zu studieren, bevor man sich hineinstürzt in

Lauro Martines, Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance (Primus, München 2004) 288 Seiten, 24,90 Euro.

KOLUMBUS IN GENUA - EIN ENTDECKER UND SEINE STADT

Steven A. Epstein, Genoa and the Genoese 958-1528 (University of North Carolina Press, Chapel Hill 2001) 416 Seiten, ca. 23 Euro

Epsteins Buch ist eine gedrängte, dennoch gut lesbare und auf neuester Forschung basierende Darstellung der Entwicklung Genuas vom unbedeutenden Hafen zu einem der wichtigsten Handelsplätze des späten Mittelalters und der Hauptstadt eines seegestützten Kolonialreiches im Mare Mediterraneum. Im Mittelpunkt steht die ökonomische Entwicklung: das An- und Abschwellen von Warenströmen, die Veränderungen der Handelswelt und die Reaktionen der Bürgerschaft einer Stadtrepublik, die auf das Meer und den Schiffsverkehr angewiesen war. Genuas größter Sohn, Christoph Kolumbus, taucht in dieser Geschichte zwar nur am Rande auf. Doch das ist insofern angemessen, als er auch nur wenige Jahre in seiner Vaterstadt verbracht hat.

Mehr über Kolumbus' frühe Jahre bietet Paolo Emilio Taviani, Columbus. The Great Adventure (Orion, London 1991) 274 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, z. B. bei www.amazon.co.uk, ab ca. 4 Britischen Pfund.

Taviani, der zu Lebzeiten als der beste Kenner der Vita von Christoph Kolumbus galt, schwelgt in Sinneseindrücken, die sein Held empfangen habe: von den Gerüchen des Meeres und der Gewürze, dem Anblick Genuas, den Geräuschen des Hafens. Und er schreibt über die Träume des Jungen von der Seefahrt und vom Orient. Das ist in hohem Maße anschaulich und unterhaltsam, freilich aber auch sehr spekulativ.

LEONARDO DA VINCI - IM DIENST DES SCHWARZEN FÜRSTEN

Martin Kemp, Leonardo (Beck, München 2005, erscheint im September), ca. 310 Seiten, ca. 27 Euro

Angenehm entspannt und auf sehr persönliche Weise setzt sich der Leonardo-Experte und Professor für Kunstwissenschaft an der University of Oxford, Martin Kemp, mit dem Phänomen Leonardo da Vinci auseinander. In erster Linie ist sein neues Buch eine leichte, unterhaltsame Lektüre. Die rund 70 Abbildungen geben aber auch einen Überblick der bekanntesten Gemälde und Zeichnungen Leonardos.

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Daniel Arasse, Leonardo da Vinci (Dumont, Köln 2002) 544 Seiten, 38 Euro

Ein sehr lesenswertes, reich bebildertes Buch über Leben und Werk Leonardos: Daniel Arasse beschränkt sich nicht darauf, Anekdoten zu erzählen sowie Gemälde und Skizzen zu würdigen. Mit interessanten Thesen versucht der renommierte französische Kunsthistoriker vielmehr, sich dem Menschen Leonardo anzunähern. Auch die kuriosen und unheimlichen Aspekte seiner Persönlichkeit werden dabei schonungslos beleuchtet.

Frank Zöllner, Leonardo da Vinci (Taschen, Köln / Los Angeles 2005) 696 Seiten, 150 Euro

Ein Muss für jeden eingefleischten Leonardo-Fan: Alle Gemälde und Zeichnungen des uomo universale sind in diesem Monumentalwerk großzügig abgebildet. Dazu informative Texte der Kunsthistoriker Frank Zöllner und Johannes Nathan. Das fast einen halben Meter hohe Buch wiegt auch nur rund neun Kilogramm.

BORGIA - DER SCHRECKEN VON ROM

Volker Reinhardt, Der unheimliche Papst. Alexander VI. Borgia 1431-1503 (Beck, München 2005) 280 Seiten, 22,90 Euro

Angenehm erhebt sich die Biografie Alexanders VI. des Renaissance-Experten Volker Reinhardt aus der Literaturflut über die Borgia: Sie ist faktisch genau, ausgewogen und nimmt nicht an der allgemeinen Dämonisierung des exzentrischen Papstes teil. Trotzdem beschönigt sie dessen Leben und Wirken nicht. Ohne Sensationslust schafft es Reinhardt, die Geschichte des Pontifex und - freilich weniger umfassend - seiner Kinder spannend und pointiert zu erzählen.

Michael Edward Mallett, The Borgias. The Rise and Fall of a Renaissance Dynasty (Academy Chicago Publishers, Reprint Chicago 1987) 368 Seiten, ca. 15 Euro

Eine der besten Gesamtdarstellungen zur Borgia-Familie stammt immer noch von Michael Mallett. Der britische Historiker bietet viel Information zur Lebensumwelt der Borgia und zum Alltag im Vatikan. Er behandelt neben Alexander VI. auch dessen Kinder Lucrezia und Cesare sowie das Schicksal einiger weniger prominenter Familienmitglieder. Allerdings zeigt Mallett bei dem berechtigten Versuch, Legenden zu widerlegen, manchmal die Tendenz, das Verhalten der Papstfamilie zu verharmlosen.

SAVONAROLA - DER ZORN GOTTES

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Girolamo Savonarola, O Florenz! O Rom! O Italien. Predigten, Schriften, Briefe (Manesse, Zürich 2002) 768 Seiten, 24,90 Euro

Mehr als drei Jahre schlägt der charismatische Bußprediger Girolamo Savonarola die Kunstmetropole Florenz in seinen Bann. Diese Sammlung mit Schriften, Briefen und Predigten bringt sozusagen Savonarola im O-Ton. Nachzulesen ist, wie der wortgewaltige Mönch von der Kanzel herab ein göttliches Strafgericht androht, Luxus und Wucher geißelt oder die Florentiner mit dem Versprechen einer goldenen Zukunft für sich einnimmt. Zudem enthält der sorgfältig kommentierte Band eine zeitgenössische Schilderung der Hinrichtung des selbsternannten Propheten.

Joseph Schnitzer, Savonarola. Ein Kulturbild aus der Zeit der Renaissance (Reinhardt, München 1924) 2 Bde., zusammen 1168 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 50 Euro

Die Savonarola-Biografie des katholischen Religionshistorikers Joseph Schnitzer ist bis heute ein unersetzlicher Materialfundus für Savonarola-Forscher - obwohl das monumentale Werk erkennbar parteiisch ist. Schnitzer wertet den "Ketzer" Savonarola zum Reformator auf. Auch deshalb geriet der Autor in Konflikt mit der Amtskirche in Rom und wurde - wie sein Held - mit der Exkommunikation bedroht.

CARDANO - GELEHRT IN VIELEN DISZIPLINEN

Girolamo Cardano, Des Girolamo Cardano von Mailand eigene Lebensbeschreibung. Aus dem Lateinischen übersetzt von Hermann Hefele (Kösel, München 1969) 292 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 50 Euro

Girolamo Cardano ist Arzt, Mathematiker, Traumdeuter. Und ein scharfer Beobachter, der alles und jeden schonungslos offen analysiert - vor allem sich selbst. Und so erinnert sich Cardano in seiner Autobiografie nicht einfach nur an Erfolge und Rückschläge seines Lebens. Er lässt seine Leser auf eine ganz unmittelbare Art an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben, die diesen Text noch heute zu einer spannenden und oft berührenden Lektüre werden lässt - zu einem ganz persönlichen Protokoll eines "normalen" uomo universale.

Anthony Grafton, Cardanos Kosmos (Berlin Verlag, Berlin 1999) 414 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich, ab ca. 5 Euro

Der Autor lehrt Geschichte an der Princeton University und zeichnet den Aufstieg Cardanos zum bekannten Wissenschaftler innerhalb der naturwissenschaftlichen Szenerie der Renaissance anekdotenreich nach. Den Schwerpunkt setzt Grafton auf Cardano als Astrologen, der - um die Möglichkeiten dieser Kunst zu beweisen - auch nicht davor zurückschreckt, selbst Jesus Christus noch nachträglich ein Horoskop zu erstellen.

MACHIAVELLI - DAS WESEN DER MACHT

Niccolò Machiavelli, Il Principe / Der Fürst. Italienisch/Deutsch (Reclam, Ditzingen 1986) 256 Seiten, 6 Euro

"Il Principe": Kaum ein Buch ist je so mit seinem Verfasser gleichgesetzt worden wie "Der Fürst" mit Machiavelli, dem theoretischen Wegbereiter des "absoluten" Staates, in dem nichts über das Politische als herrschendes Prinzip zu stellen ist. Der Fürst muss jegliche Moral für seinen Machterhalt zu opfern bereit sein - ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Klassiker der politischen Theorie - und faszinierendes Dokument eines pessimistischen Menschenbildes, das die Jahrhunderte überdauern sollte.

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Friederike Hausmann, Machiavelli und Florenz. Eine Welt in Briefen (dtv, München 2001) 158 Seiten, 10 Euro

Der Philosoph, Politiker und Dichter Machiavelli fröhnte wie die anderen Intellektuellen seiner Zeit der Kunst des Briefeschreibens. Aber er verfasste nicht wie üblich pure rhetorische Selbstdarstellungen, er schrieb ganz modern über seine Gefühle, die Politik und seine strategischen Vorstellungen als Person des öffentlichen Lebens. Einige seiner Briefe hat die promovierte Historikerin Friederike Hausmann zusammengestellt und teilweise erstmalig ins Deutsche übersetzt. Mit den detailreichen Kommentaren der Autorin fügen sie sich zu einem bunten Panoptikum der toskanischen Metropole, ihres Alltagslebens, ihrer Feste und Intrigen.

Herfried Münkler, Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz (Piper, München 2004), 506 Seiten, 16,90 Euro

Der Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin, Herfried Münkler, vermeidet in seinem Buch über Niccolò Machiavelli vorschnelle Urteile. Er beschreibt den zwischen alle Fronten geratenen Staatsmann und politischen Autor vor dem Hintergrund der italienischen Geschichte des 15. und 16. Jahrhunderts

RAFFAELLO SANTI - PROPAGANDA FÜR DEN PAPST

Pierluigi DeVecchi, Raffael (Hirmer, München 2002) 384 Seiten, 125 Euro

Der üppig bebilderte Band ist die aktuellste Monografie über Raffael und ein Standardwerk zugleich. Der Autor vollzieht nicht nur Lebensweg und alle Werkphasen des Künstlers penibel nach, er gibt auch detaillierten Einblick in den Werkstattprozess des Malers, der mit Zeichnungen und Entwürfen ausführlich dokumentiert wird. DeVecchi feiert Raffael nicht als vom Himmel gefallenes Genie. Lieber beleuchtet er das historische Umfeld, seine politischen Verbindungen wie seine künstlerischen Vorbilder.

Dagmar Feghelm, Ich, Raffael (Prestel, München 2005) 158 Seiten, 49,95 Euro

Raffael für Einsteiger: Der Band birgt keine neuen Erkenntnisse, liefert aber eine brauchbare und gut lesbare Sammlung von Fakten, Dokumenten und Anekdoten. Im Zentrum steht weniger das Werk als vielmehr die Person Raffaels. Wer Genaueres über die Gemälde und ihren historischen Hintergrund wissen will, sollte sich an die sauber recherchierte Literaturliste im Anhang halten.

Giorgio Vasari, Das Leben des Raffael (Wagenbach, Berlin 2004) 192 Seiten, 12,90 Euro

Der Kunstschriftsteller Giorgio Vasari setzte im 16. Jahrhundert alles daran, den Maler zum Halbgott zu stilisieren: So assoziiert er Raffaels Todestag am 6. April mit dem Tod Christi und legt nah, Raffael habe mit seinem letzten Werk, der "Verklärung Christi", schon seiner eigenen Himmelsfahrt vorgegriffen. Der nun neu auf Deutsch erschienene Text liest sich wie ein Roman. Zum Glück klärt der ausführliche Kommentarteil auf, was nach heutigem Wissensstand Fakt ist - und was nur gut erfunden.

TRIDENTINUM - AM SCHEIDEWEG DES GLAUBENS

Wolfgang Reinhard, Glaube und Macht. Kirche und Politik im Zeitalter der Konfessionalisierung (Herder, Freiburg 2004) 128 Seiten, 8,90 Euro

Vier Essays des Altmeisters und Historikerpreisträgers Wolfgang Reinhard, in denen es allerdings mehr um die Folgen von Trient als das Ereignis an sich geht. Nett, geistreich und handlich.