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Buchtipps: "Französische Revolution"

Lesen Sie hier einige Lektüre-Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion zum Thema "Französische Revolution"
In diesem Artikel
Allgemeine Darstellungen
Ancien Régime und Ludwig XV.
Der "Mehlkrieg" und die Lage der Bauern vor der Revolution
Die Einberufung der Generalstände
Der 14. Juli 1789
Revolutionäre Architektur
Die Flucht des Königs
Kanonade von Valmy und Koalitionskriege
Die Gegenrevolution in der Vendée
Die Terreur
Das Direktorium und der Aufstieg Napoleons

Allgemeine Darstellungen

Axel Kuhn, Die Französische Revolution (Reclam, Stuttgart 1999), 280 Seiten, 7 Euro. Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution (C. H. Beck, München 2004), 123 Seiten, 7,90 Euro.

Wer war Robespierre? Was ist eigentlich am 14. Juli 1789 geschehen? Wann ist Ludwig XVI. hingerichtet worden? Wer sich einen ersten Überblick über den großen Umbruch in Frankreich verschaffen möchte, ist mit einem der beiden Bände gut bedient. Beide stellen die Vorgeschichte und den Verlauf der Revolution dar, bieten zudem Abbildungen aus der Epoche, eine Zeittafel sowie erste weiterführende Literaturtipps. Kuhns Buch ist umfangreicher - im Anhang sind (in deutscher Übersetzung) auch einige wichtige Originaldokumente der Zeit abgedruckt, etwa der Brief, in welchem Ludwig XVI. die Generalstände einberuft und damit unfreiwilligerweise seine eigene Entmachtung einleitet. Dafür bietet Thamers Werk einen rascheren Überblick.

Simon Schama, Der zaudernde Citoyen. Rückschritt und Fortschritt in der Französischen Revolution (Kindler, München 1989), 895 Seiten, antiquarisch etwa 24 Euro.

Die Französische Revolution ist ein Drama auf der Bühne der Weltgeschichte: Mit finsteren Verrätern und Helden, die aus dem Nichts kommen; mit Leidenschaft und Tod; mit stürmischem Auftakt und offenem Ende. Und genau so stellt Schama in seinem gut geschriebenen, detailreichen, opulenten Buch diese Epochenwende auch dar. Kein Ruhmesblatt für deutsche Verleger indes ist die Tatsache, dass dieses Buch nur noch antiquarisch zu bekommen ist.

François Furet / Denis Richet: Die Französische Revolution (S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1989), 574 Seiten, antiquarisch etwa 20 Euro.

Für Historiker der Epoche ist der "Furet/Richet" die Bibel zur Französischen Revolution: Sachlich, umfassend und zuverlässig berichten die beiden renommierten französischen Historiker über das Großereignis in der Geschichte ihres Landes. Nicht mehr auf dem aktuellsten Forschungsstand, doch immer noch empfehlenswert. Aber auch dieses Buch gibt es nur im Antiquariat. Schade.

Ancien Régime und Ludwig XV.

Jacques Levron, Ludwig XV. (Kohlhammer, Stuttgart 1967) 260 Seiten, antiquarisch etwa 16 Euro.

Trotz des bereits fortgeschrittenen Alters immer noch eine der besten Biographien über den Bourbonen-König und seine von Krisen geschüttelte Amtszeit. Levron, anerkannter französischer Historiker, versucht ein ausgewogenes Porträt Ludwigs XV. zu zeichnen, der in der Geschichtsliteratur allzu oft lediglich als vergnügungssüchtiges, arrogantes und zum Regieren unfähiges Staatsoberhaupt dargestellt worden ist.

Viele persönliche und private Details sowie zahlreiche Zitate machen die Darstellung lebendig, während Levron zugleich den sozialen und politischen Hintergrund der Regierungszeit Ludwigs XV., etwa den dramatischen und zermürbenden Konflikt mit dem Pariser Gerichtshof, verständlich beleuchtet. Das Buch schließt mit einer ausführlichen Zeittafel.

Roger Chartier, Die kulturellen Ursprünge der Französischen Revolution (Campus Verlag, Frankfurt 1995) 280 Seiten, keine Preisangabe möglich.

Dass die Französische Revolution nicht allein durch kurzfristige politische Unruhen und quasi wie aus dem Nichts heraus ausbrach, sondern eine lange kulturelle und intellektuelle Vorgeschichte hatte, ist die Hauptthese von Roger Chartier, einem der wichtigsten französischen Kulturhistoriker. Chartier beschreibt und analysiert in eher essayistischen Kapiteln, wie im Ancien Régime immer mehr Franzosen zu lesen begannen und ein kritisches Bewusstsein entwickelten, wie eine neue politische Öffentlichkeit aufgeklärter Bürger zu einer ernstzunehmenden Macht wurde, wie die Autorität und heilige Aura des Königs auch deswegen im Laufe des 18. Jahrhunderts zusehends bröckelte - bis sie schließlich völlig zerbarst. Warum unscheinbare Spottgedichte eine Revolution vorbereiten können: Das - unter anderem - erläutert Chartier in diesem interessanten, thesenstarken, gut lesbaren Buch - das leider selbst antiquarisch nicht so leicht aufzutreiben ist.

Der "Mehlkrieg" und die Lage der Bauern vor der Revolution

Cynthia A. Bouton, The Flour War. Gender, Class, and Community in Late Ancien Régime Society (Pennsylvania State University Press, Pennsylvania 1993) 336 Seiten, ca. 24 Euro.

Steigt der Brotpreis im Frankreich der Bourbonen, wird die Not der Bauern, Handwerker und Tagelöhner schnell unerträglich - so wie im Frühling 1775, als die letzte große Hungerrevolte des Ancien Régime im Umland von Paris von Ludwig XVI. nur noch mit Gewalt niederzuringen ist: die guerre des farines, der "Krieg ums Mehl". Bouton, Spezialistin für europäische Sozialgeschichte an der amerikanischen Texas A&M University, hat die Vorgänge dieser Revolte akribisch aufgeschlüsselt, hat Zeugenaussagen, Verhörprotokolle und andere Dokumente des "Mehlkriegs" in Frankreichs Archiven gesichtet und zu einem gut lesbaren Fachbuch mit zahlreichen Originalzitaten zusammengetragen. Das Beste, was derzeit zum Thema erhältlich ist.

Brigitte Hochgesand, Das Leben auf dem Land im Benauge des 18. Jahrhunderts: Untersuchungen über vier Dörfer der Grafschaft, 1740 - 1765 (Frankfurt a. M., Peter Lang Verlag 1990) 356 Seiten, 54 Euro.

Wer wissen möchte, wie es sich lebte als Bauer oder Pächter im ländlichen Frankreich des 18. Jahrhunderts, für den ist diese Dissertation eine wahre Fundgrube. Von Pachtsystemen, über Feudalrecht bis zu Heirat und Lebensumwelt wird dem Leser das Material über ein detailliertes Inhaltsverzeichnis sehr leicht zugänglich gemacht. Erfreulich präzise und einfach geschrieben, ein Nachschlagevergnügen.

Die Einberufung der Generalstände

William Doyle, Origins of the French Revolution (Oxford University Press, 3. Auflage 1999), 246 Seiten, ca. 42 Euro.

Warum kam es zur Französischen Revolution? Das ist eine der ältesten und am meisten diskutierten Fragen der Historikerzunft. Doyle, Geschichtsprofessor an der Universität Bristol, lässt die bis heute leidenschaftlich geführte Debatte Revue passieren. Vor allem aber fasst er deren Ergebnisse zusammen und zeichnet so ein facettenreiches Bild der letzten Jahre des Ancien Régime: Doyle untersucht die sozialen und politischen Verhältnisse in Frankreich unter Ludwig XVI., schildert die Krise der Staatsfinanzen und stellt dar, warum diese in eine allgemeine Krise des Staates mündete. Er beschreibt den Widerstand der Privilegierten gegen die Reformversuche der Regierung bis hin zum Zusammentreten der Generalstände und deren erste revolutionären Schritte im Mai und Juni 1789.

Timothy Tackett, Becoming a Revolutionary. The Deputies of the French National Assembly and the Emergence of a Revolutionary Culture (1789-1790) (Pennsylvania State University Press 2006) 376 Seiten, ca. 24 Euro.

Tackett, Professor für Geschichte an der University of California, widmet sich der Frage, wieso die Deputierten der Generalstände, die sich im Mai 1789 in Versailles versammelten, zu Revolutionären gegen König Ludwig XVI. wurden: Schließlich waren die meisten von ihnen wohlhabende Honoratioren, deren ökonomische Lage und bisheriges Leben keineswegs als typischer Nährboden eines Rebellentums zu deuten sind. Und noch bei der Eröffnung der Generalstände am 5. Mai 1789 hofften fast alle, gemeinsam mit dem König einen Ausweg aus der Staatskrise finden zu können.

Das Buch bietet zunächst eine kollektive Biographie der Deputierten, schildert ihren sozialen sowie ideologischen Hintergrund. Sodann zeigt der Autor die Gründe der revolutionären Dynamik, welche vom Dritten Stand der Bürger und Bauern ausging. Der Dritte Stand reagierte damit auf das Verhalten der anderen Beteiligten: etwa des Königs und der Regierung, welche die Generalstände als ein Gremium behandelten, das ihre (begrenzten) Reformvorstellungen nur abzunicken habe. Oder des Adels und der hohen Geistlichkeit, die nicht von ihrer überproportionalen Repräsentation lassen wollten und den Dritten Stand dazu provozierten, sich als alleinige Vertretung des ganzen Landes zur Nationalversammlung zu erklären.

Der 14. Juli 1789

Schulze, Winfried, Der 14. Juli 1789. Biographie eines Tages. (Klett-Cotta 2. Aufl. Stuttgart 1989) 250 Seiten, antiquarisch ab etwa 14 Euro.

Der renommierte deutsche Historiker schreibt die Biographie eines revolutionären Tages - nebst Vorgeschichte und Mini-Porträts der Hauptpersonen dieses Dramas. Wir erfahren etwa, warum König Ludwig XVI. jenen fatalen Fehler begeht, seinen beliebtesten Minister zu entlassen - und wie das Volk von Paris darauf reagiert. Das ganze liest sich recht locker, allerdings sollte man, um wirklich zu verstehen, was in jenem Sommer 1789 vor sich gegangen ist, zuvor eine der oben genannnten Einführungen zur Geschichte der Französischen Revolution studiert haben.

David Garrioch, The Making of Revolutionary Paris (University of California Press Berkeley 2002), 396 Seiten, ca. 44 Euro.

Wie viele Einwohner hatte Paris? Wo kauften Arbeiter ein Brot? In welchen Wohnungen lebten Marktfrauen? Und wo kamen die blinden Bettler her, die allmorgendlich ihre festen Plätze auf den Straßen einnahmen? Diese Studie über die Stadt Paris und den Alltag ihrer Bewohner beschreibt das Leben der feinen und der nicht so feinen Bürger der Kapitale am Vorabend der Revolution - und die Veränderungen, welche die Stadt durch eben diese Umwälzungen erfahren hat.

Revolutionäre Architektur

Annie Jacques, Jean-Pierre Moilleseaux, Les architectes de la liberté (Gallimard Paris 1988), 176 Seiten, ca. 13 Euro.

Im Taschenbuchformat, doch reich illustriert bietet dieses Werk der beiden französischen Kunsthistoriker eine solide Einführung in die kühnen architektonischen Visionen eines Etienne-Louis Boullée und seiner Zeitgenossen. Ihre gedachten Monumente wurden selten in ihrer Epoche realisiert - wohl aber, entsprechend verändert, von den Baumeistern der Moderne. Auch diese Nachwirkung skizziert dieses Buch.

Die Flucht des Königs

Evelyne Lever, Ludwig XVI. (Klett-Cotta Stuttgart 1988) 534 Seiten, antiquarisch etwa 20 Euro.

Evelyne Levers Lebensbeschreibung Ludwig XVI. ist bis heute die wohl detailreichste Biographie über den Monarchen: Wir erfahren, dass der 1754 Geborene von der Mutter vernachlässigt und vom Vater - etwa bei Lernschwäche - streng bestraft wurde, von der gefühlsmäßigen Abhängigkeit, die ihn an seine Ehefrau Marie-Antoinette band, und vom großen Einfluss der Gemahlin auf seine Politik. Schließlich erfahren von der Pannenserie, welche die Flucht der königlichen Familie aus dem revolutionären Paris im Sommer 1791 kurz vor dem Ziel scheitern ließ, und vom schweigenden Empfang, den die Pariser Ludwig bei seiner erzwungenen Rückkehr in die Hauptstadt bereiteten - ein Zeichen für den endgültigen Bruch zwischen dem Volk und seinem König.

Henri Sanson, Tagebücher der Henker von Paris. 1685-1847 (Nikol Verlagsgesellschaft Berlin 2004), 528 Seiten, 12,95 Euro (Sonderausgabe).

Die Sansons waren die berühmteste Henkerdynastie Frankreichs, vielleicht sogar ganz Europas. Von 1685-1847 stellte die Familie die Scharfrichter von Paris. Unter ihrer Guillotine fiel der Kopf von König Ludwig XVI. Aber auch Revolutionären wie Robespierre ließen sie "das Haupt von den Schultern herabtanzen". So erzählen die Henker von Paris die Geschichte der Französischen Revolution auf ihre Weise: vom "Purpur des Schafotts" und dem "Zepter des Todes" her - dem Fallbeil.

Kanonade von Valmy und Koalitionskriege

T. C. W. Blanning, The Origins of the French Revolutionary Wars, 1787-1802 (London 1996) 304 Seiten, ca. 23 Euro.

Blanning analysiert das politische und militärische Verhältnis der europäischen Staaten vor 1789. Detailliert geht er auf die Kriegsinteressen der einzelnen Länder ein. Die hitzige Kriegsdebatte in Frankreich bildet einen interessanten Schwerpunkt. Ein Standardwerk zu den Ursprüngen der Revolutionskriege, das leider nicht ganz leicht zu lesen ist. Dafür genügt es höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen.

Johann Wolfgang von Goethe, Kampagne in Frankreich (dtv, München 1976) antiquarisch ab ca. 5 Euro.

Johann Wolfgang von Goethe auf Reisen - dieses Mal im Gefolge des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Dichter ist Augenzeuge des Feldzugs nach Frankreich. Jahre später berichtet er von Soldaten, Märschen und Belagerungen, beschreibt die Farben und Töne des Krieges. Am 20. September 1792 beobachtet Goethe die Kanonade bei Valmy. "Kampagne in Frankreich" bietet ungewöhnliche Einblicke in den Kriegsalltag und ist spannend zu lesen.

Die Gegenrevolution in der Vendée

Jean-Clément Martin, Für eine Typologie der Ereignisse. Das Beispiel des Vendéekrieges, in: Struktur und Ereignis, hrsg. v. Andreas Suter und Manfred Hettling (Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001), S. 208-223, 39,90 Euro.

Jean-Clément Martin lehrt an dem renommierten Institut d'histoire de la Révolution française der Pariser Sorbonne und hat zahlreiche Arbeiten über den Vendée-Aufstand veröffentlicht. In diesem auf Deutsch erschienenen Aufsatz lässt sich auf wenigen Seiten nachlesen, wie der lokale Aufstand von den Revolutionären im Pariser Konvent zur nationalen Bedrohung "dramatisiert" wurde, die es mit allen Mitteln des Krieges zu bekämpfen galt. Martin zeigt: Die "Vendée" als gegenrevolutionäres Feindbild wurde in Paris geschaffen.

Die Terreur

David Andress, The Terror. Civil War in the French Revolution (Little, Brown, 2005) 448 Seiten, ca. 30 Euro.

David Andress, Historiker an der Universität Portsmouth, interpretiert die Schreckensherrschaft der Jahre 1793/94 vor allem als Ausdruck eines das ganze Land erfassenden Bürgerkriegs. Seine anschauliche und den neuesten Forschungsstand wiedergebende Schilderung der Akteure der terreur und ihrer Taten fällt durchaus schonungslos aus, doch verfällt Andress dabei nicht dem antirevolutionären Eifer vieler anderer Autoren.

Das Direktorium und der Aufstieg Napoleons

William Doyle, The Oxford History of the French Revolution (University Press, Oxford 1989) 496 Seiten, antiquarisch etwa 10 Euro.

Auf knapp 70 Seiten gibt Doyle einen gedrängten, aber zuverlässigen Überblick über den Aufstieg Napoleons und die Zeit des Direktoriums. Eine sehr gute Ergänzung dazu sind die einschlägigen Artikel und Biografien im neueren, von François Furet und Mona Ozouf herausgegebenen Kritischen Wörterbuch der Französischen Revolution. 2 Bde. (Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1996), 1712 Seiten, 72 Euro. Die zweibändige Taschenbuchausgabe (ebenfalls Suhrkamp) ist antiquarisch ab 42 Euro erhältlich.

Laure Junot Duchesse d'Abrantès, Histoire des salons de Paris (Paris 1836-1838).

Im dritten Band ihrer breit angelegten Gesellschaftsgeschichte schildert die französische Adlige auch die Tanzwut nach dem Ende der Terreur und die legendären bals à la victime im Winter 1794/1795, die sie als elfjähriges Kind zusammen mit ihrer Mutter selbst besucht haben will. Ein eigenes Kapitel ist dem eleganten Salon des einflussreichsten Direktors Paul de Barras gewidmet. Das rare Buch ist seitenweise in der Online-Datenbank Gallica der französischen Nationalbibliothek abrufbar (gallica.bnf.fr). Sehr farbige Skizzen und Reportagen über Glanz und Elend des Direktoriums sind in dem ebenfalls dort verfügbaren Le nouveau Paris von Louis-Sébastien Mercier zu finden. Es ist auch als neuere Buchausgabe erhältlich: Louis-Sébastien Mercier: Le nouveau Paris (Mercure de France, Paris 1994), 1952 Seiten, ca. 80 Euro.