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Die Schönschreiberin

Jüngst erschien das GEO SPECIAL Irland. Lesen Sie aus diesem Anlass ein Interview mit Cecilia Ahern, 25, Tochter des Ministerpräsidenten und Bestseller-Autorin. Außerdem: eine Übersicht der Heftthemen

Sind Sie eine sehr irische Autorin?

Eigentlich erzählen meine Bücher universelle Geschichten. Egal, in welchem Land der Leser lebt, er soll sich mit ihnen identifizieren können. Aber was tatsächlich irisch an meinen Büchern sein könnte, ist die Art des Humors.

Können Sie den charakterisieren?

Ich glaube, es ist die Fähigkeit, selbst in schwierigen Situationen noch das Positive zu sehen. Die Iren sind immer zu Späßen aufgelegt und bereit, andere aufzumuntern. Da gibt es schon eine entsprechende Erwartungshaltung: Wenn ich auf Reisen bin und erzähle, dass ich Irin bin, scheinen sich alle spontan zu freuen.

Vielleicht, weil die Iren als so gesellig und trinkfreudig gelten?

Das mag ein Grund sein. Bei Fotoproduktionen im Ausland wollen mich die Leute tatsächlich jedes Mal in einen Pub schleppen. Dabei trinke ich weder Guinness, noch verbringe ich viel Zeit in Kneipen.

Sondern?

Wenn ich wählen dürfte, würde ich zu Hause bleiben und die ganze Zeit schreiben. In den vergangenen Jahren habe ich mich richtig eingeigelt und der Außenwelt Lebewohl gesagt. Aber ich habe gelernt, dass ich mich um Ausgleich bemühen muss. Ich will ja keine Einsiedlerin werden.

Wann haben Bücher begonnen, eine Rolle in Ihrem Leben zu spielen?

Gelesen habe ich schon immer gern. Aber noch lieber habe ich geschrieben. Als Kind führte ich unermüdlich Tagebuch. Darüber, welche Lehrer ich gehasst habe, wer was zu mir gesagt hat, eben über Kleinigkeiten.

Wo sehen Sie sich in der literarischen Tradition Ihres Landes?

Für mich ist das Schreiben eine ganz persönliche Angelegenheit. Es speist sich vor allem aus meiner privaten Leidenschaft, nicht aus meiner Nationalität. Aber es ist natürlich schön, Schriftstellerin in einem Land zu sein, das so viele großartige Autoren hervorgebracht hat.

Wie gestalten Sie den Prozess des Schreibens?

Ich sitze unterm Dach in meinem Arbeitszimmer; von dort habe ich einen wundervollen Blick aufs Meer. Oft mache ich kleine Pausen, stehe auf und schaue aus dem Fenster. Das inspiriert mich. Auch wenn das Schreiben wie eine einsame Sache wirken mag - ich empfinde das nicht so. Ich denke mir den ganzen Tag Menschen aus, erfinde ihre Gespräche.

Und wenn Sie dann doch einmal das Haus verlassen: Werden Sie auf der Straße erkannt?

Manchmal. Aber das Schöne an den Iren ist, dass sie nicht gleich verrückt spielen, wenn sie Prominente sehen. Zurückhaltung ist wohl eine sehr irische Eigenschaft.

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Sie benötigen also keine Bodyguards?

Oh nein! Das Leben einer Schriftstellerin ist nicht sehr

aufregend. Die Leute kommen allenfalls mit positiven Kommentaren auf mich zu. Gefährlich ist das nicht. Und selbst mein Vater ...

... , der irische Ministerpräsident Bertie Ahern ...

... unterhält sich gern auf offener Straße mit den Menschen.

Sehen Sie Ihre Familie oft?

Wir wohnen alle im selben Vorort von Dublin. Meine Mutter und Schwester leben nur fünf Minuten von mir entfernt. Bis zu meinem Vater brauche ich zwanzig Minuten. Und wir telefonieren viel, machmal zehnmal am Tag. Der Sonntag gehört immer meinem Vater und mir. Dann erzählen wir uns, was in der Woche passiert ist. Mir ist das wichtig.

Sie können nicht nur schreiben. Im Jahr 2000 hätten Sie Irland fast beim Eurovision Song Contest vertreten ...

Das war eine verrückte Sache! Unsere Band erhielt einen Plattenvertrag, wir durften ins Tonstudio gehen und reisen. Mit 18 fand ich das natürlich spannend! Leider waren wir ziemlich mies, aber wir hatten Spaß. Singen und Tanzen hat mir schon immer viel bedeutet. Doch wenn ich heute auf eine Bühne gehen müsste, würde mich wahrscheinlich die Panik packen.

An große Auftritte sollten Sie sich vermutlich gewöhnen. Zwei Ihrer Bücher werden momentan in Hollywood verfilmt.

Na ja, als ich Ende 2006 am Set war, hat mich das alles sehr beeindruckt. Ehrlich gesagt: Immer wenn ich nach Los Angeles fliege, denke ich, dass ich mich unwohl fühlen werde. Weil ich diese Vorstellung nicht los werde, dass die Menschen dort umwerfend schön und absolut perfekt sind. Aber wenn ich dann dort bin, ist alles ganz natürlich. Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen - ein bisschen wie in Irland eigentlich. Nur dass es in Los Angeles viel heißer ist.

Die Fragen stellte Stefanie Richter.

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