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Das Magazin für Geschichte

Buddhismus: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
In diesem Artikel
ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN UND LEXIKA
DER HISTORISCHE BUDDHA
KÖNIG ASHOKA
BAKTRIEN
SEIDENSTRASSE
DOGEN UND DER JAPANISCHE ZEN
MARCO POLO UND DIE JOSAPHAT-LEGENDE
DAS KHMER-REICH VON ANGKOR
BUDDHISMUS IN SRI LANKA - DER ZAHN BUDDHAS
KRIEG DER TIBETISCHEN MÖNCHE - DER FÜNFTE DALAI LAMA
ANTON GUETH - DER ERSTE DEUTSCHE MÖNCH
DIE FLUCHT DES DALAI LAMA

ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN UND LEXIKA

Heinz Bechert und Richard Gombrich (Hg.), Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart (Beck, München 2002) 400 Seiten, 14,90 Euro. Vor etwa 2500 Jahren erlebte Siddharta Gautama, ein Prinz aus dem Ganges-Tal, eine religiöse Erleuchtung und formulierte daraufhin seine neue Lehre von Leid und dessen Überwindung. Von Nordindien aus verbreitete sich der Buddhismus bald in weiten Teilen Asiens, prägte Menschen und Kulturen und veränderte sich seinerseits je nach Region, zuletzt durch seine Popularität im Westen. Eine Einführung in die Geschichte einer so vielfältigen und komplexen Religion zu verfassen ist nicht einfach.

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Den Autoren dieses Sammelbandes gelingt es trotzdem sehr gut. Internationale Experten, zusammengeführt von dem deutschen Indologen Heinz Bechert und seinem britischen Fachkollegen Richard Gombrich, schreiben wissenschaftlich fundiert über den historischen Buddha, dessen Lehre und die wichtigsten historischen Entwicklungen, Strömungen und Traditionen. Das Buch ist übersichtlich nach den wichtigsten Verbreitungsgebieten gegliedert, behandelt ausführlich unter anderem Indien, Birma, Sri Lanka, Japan, Tibet und China. Es endet mit einem Kapitel über den "Buddhismus in der modernen Welt", das sich sowohl mit jüngeren asiatischen Erneuerungsbewegungen als auch mit dem Buddhismus im Westen beschäftigt. Ein Glossar ergänzt dieses gelungene und umfassende Überblickswerk, das allerdings manchmal schon etwas zu viel Wissen voraussetzt.

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Ursula Gräfe, Buddha (Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2005) 160 Seiten, 7,90 Euro. Eine der besten kurzen Einführungen in Lehre und Geschichte des Buddhismus hat die Japanologin Ursula Gräfe geschrieben. Gegliedert in drei Großkapitel schildert die Autorin das "Leben" des historischen Buddha, dessen "Werk" (die religösen Lehren, die erst nach Buddhas Tod fixiert und bald schon durch andere Texten ergänzt wurden) sowie die "Wirkung", die weitere Geschichte des Buddhismus bis heute, seine Verbreitung und sein Aufstieg zur Weltreligion. Gräfe schafft es, in gut lesbarer Sprache trotz Kürze ein umfassendes Bild zu zeichnen, das den jeweiligen historischen und regionalen Hintergrund miteinbezieht und auch die legendenhafte Aspekte der buddhistischen Historie deutlich macht. Sie schafft es zudem, selbst komplizierte religiöse Sachverhalte verständlich darzustellen - ohne zu trivialisieren. Ein sehr gutes Buch zum raschen Einstieg in den Buddhismus, angereichert durch Fotos, Karten und eine kurze Zeittafel.

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Damien Keown, Lexikon des Buddhismus (Patmos, Düsseldorf 2005) 316 Seiten, 16 Euro.

Franz-Karl Ehrhard und Ingrid Fischer-Schreiber, Das Lexikon des Buddhismus (Goldmann, München 1995) 272 Seiten, antiquarisch ab ca. 8 Euro.

Beide Nachschlagewerke bieten kompakte Informationen zu den wichtigsten Begriffen des Buddhismus. Während das umfangreichere Werk des Engländers Keown streng wissenschaftlich ausgerichtet ist, worunter gelegentlich die Lesbarkeit leidet, verstehen es die deutschen Forscher Ehrhard/Fischer-Schreiber, auch kompliziertere Zusammenhänge verständlich auszudrücken.

DER HISTORISCHE BUDDHA

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Hans Wolfgang Schumann, Der historische Buddha. Leben und Lehren des Gotama (Diederichs, München 2004; aktualisierte Neuausgabe) 320 Seiten, 14,95 Euro Schumann, promovierter Indologe, hat eine umfangreiche, immer wieder neu aufgelegte Darstellung Buddhas vorgelegt. Er schreibt mit Respekt für, aber nicht übertriebener Demut vor dem Religionsstifter und mit deutlicher Sympathie für Indien, seine Kultur und seine Menschen. Er trennt Fakten von Vermutungen und bloßen Spekulationen. Bei der Darstellung der Lehre, die rund die Hälfte des Textumfangs einnimmt, interpretiert er diese von einem strengen Theravada-Standpunkt aus.

Helwig Schmidt-Glintzer (Hg.), Die Reden des Buddha (dtv/ Beck, München 2006; 2. Auflage) 160 Seiten, 6 Euro. Mit einem kurzen Nachwort versehene Auswahl von 37 Lehrreden Buddhas. Vorsicht jedoch: Auch ins Deutsche übertragen und gekürzt wirken jene vor zweieinhalb Jahrtausenden mehr oder weniger so gehaltenen und Jahrhunderte später schriftlich fixierten indischen Reden stellenweise langatmig, hermetisch, rätselhaft.

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Hermann Kulke und Dietmar Rothermund, Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute (Beck, München 2006; Sonderausgabe) 512 Seiten, 19,90 Euro. Wer Buddha verstehen will, muss Indien verstehen. Dies ist ein gut geschriebenes Überblickswerk, von den frühesten menschlichen Spuren auf dem Subkontinent bis zur ambitionierten Atommacht unserer Tage.

KÖNIG ASHOKA

Wer sich auf wenigen Seiten kompakt und zuverlässig über Ashoka und dessen Zeit informieren möchte, sollte zum bereits erwähnten Standardwerk zur indischen Geschichte von Kulke/Rothermund greifen, das es seit kurzem zudem in einer preiswerten Sonderausgabe gibt (siehe "Der historische Buddha"). Weitaus mehr Information bietet:

Romila Thapar, Asoka and the Decline of the Mauryas (Oxford University Press India, New Delhi 1998) 374 Seiten, antiquarisch als Taschenbuch ab ca. 15 Euro.

Um das Leben des indischen Königs Ashoka, der im 3. Jahrhundert v. Chr. in seinem Großreich eine vom Buddhismus inspirierte Morallehre einführte, ranken sich zahlreiche, zum Teil ausschweifende Legenden. In diesem Buch der renommierten Historikerin Romila Thapar werden Dichtung und (wahrscheinliche) Wahrheit am sorgfältigsten voneinander geschieden. Unter allen, insgesamt zumeist etwas älteren Ashoka-Biografien ist diese daher die empfehlenswerteste. Die Neuausgabe des zuerst 1961 erschienenen Buches enthält ein ausführliches Nachwort, das den aktuellen Forschungsstand darstellt.

www.cs.colostate.edu/~malaiya/ashoka.html

Leider existiert keine moderne deutsche Übersetzung der legendären Felsen- und Säulenedikte König Ashokas. Dafür ist unter dieser Internet-Adresse eine Übertragung ins Englische zugänglich - gratis und ausdruckbar. Der Text wurde ediert von der "Buddhist Publication Society" auf Sri Lanka.

BAKTRIEN

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A.K. Narain, The Greeks of Bactria and India. In: The Cambridge Ancient History. Rome and the Mediterranean (Cambridge University Press, Cambridge 1989), S. 388-421, ca. 140 Euro oder in einschlägigen Bibliotheken.

Dieser Aufsatz versammelt auf gut 30 Seiten das wenige, das heute über den baktrischen König Menander, den Herrscher über eine indisch-abendländische Zwitterkultur, bekannt ist. Denn die zuverlässigsten Zeugnisse aus dieser entlegenen Geschichtsepoche des 2. Jahrhunderts v. Chr. sind schöne, aber wortkarge Münzen, die der Monarch prägen ließ.

Klaus Karttunen, India and the Hellenistic World (Finnish Oriental Society, Helsinki 1997) 448 Seiten, in einschlägigen Bibliotheken.

Wer über die Herrschaftsperiode König Menanders hinaus mehr wissen will über die faszinierende Begegnung von indischer und antik-hellenistischer Kultur, dem sei diese sehr fundierte und abgewogen argumentierende Studie des renommierten Historikers Karttunen ans Herz gelegt. Sie besticht zudem durch ihre Lesbarkeit.

John Boardman, The Diffusion of Classical Art in Antiquity (Thames & Hudson, London 1995) 352 Seiten, ca. 33 Euro.

Kurz nach der Zeitenwende entsteht in der Region Gandhara durch die Vermischung klassisch-antiker und traditioneller indischer Formen ein neuartiger Kunststil. Eine folgenreiche Entwicklung: Denn der Religionsstifter Gautama Buddha wird von Bildhauern nun erstmals - wie bei griechischen Göttern üblich - in Menschengestalt dargestellt. Mit ihren zahlreichen Abbildungen gibt die Studie des britischen Archäologen Boardman eine vorzügliche Darstellung dieser kulturellen Verschmelzung von Antike und Altem Orient.

SEIDENSTRASSE

Peter Hopkirk, Die Seidenstraße (Rowohlt, Reinbek 1990) 292 Seiten, antiquarisch ab ca. 4 Euro.

Um 1900 bricht der ungarisch-britische Archäologe Aurel Stein zu seiner ersten Expedition nach Zentralasien auf: ins noch weitgehend unerforschte Hinterland im Nordwesten Chinas. Einst verlief hier der östliche Abschnitt der Seidenstraße, die China als Handelsroute mit dem Mittelmeer verband - und einer der wichtigsten Verbreitungspfade für den Buddhismus wurde. Hopkirk schildert, wie infolge von Aurel Steins erstem Erkundungszug ein wahres Wettrennen um die buddhistischen Kunstschätze jener abgelegenen Region begann, um Handschriften, Skulpturen und Gemälde. Die hervorragend recherchierte Darstellung liest sich so spannend wie ein Abenteuerroman - und liefert dem gebannten Leser en passant die wichtigsten Fakten zur Geschichte der Seidenstraße und der buddhistischen Missionierung.

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Richard C. Foltz, Religions of the Silk Road. Overland Trade and Cultural Exchange from Antiquity to the Fifteenth Century (Palgrave Mc Millan, London 2000) 208 Seiten, antiquarisch ab ca 15 Euro.

Nicht nur der Buddhismus, auch andere Glaubensrichtungen fanden über die Seidenstraße Verbreitung, vom Manichäismus bis zum Judentum. Wie Glaube, Handelsgeschäft und Politik dabei zusammenwirkten, wie die Ausbreitung im einzelnen vor sich ging und welche Zusammenhänge entscheidend waren für eine erfolgreiche Missionierung, davon erzählt dieser prägnant formulierte Einführungsband des Religionswissenschaftlers Richard C. Foltz.

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René Grousset, Die Reise nach Westen oder Wie Hsüan-tsang den Buddhismus nach China holte (Diederichs, München 2003) 342 Seiten, 16,95 Euro. Die abenteurliche Indienreise des legendären chinesischen Pilgers Hsüan-tsang (Xuanzang) und das Wichtigste zur frühen Geschichte der Seidenstraße und des buddhistisch geprägten alten China: Groussets "Reise nach Westen", 1929 erstmals erschienen, zählt zu den Klassikern der Orientalistik. Nach wie vor mit Gewinn und Genuss zu lesen, schildert das Buch die Seidenstraße in ihrer Glanzzeit im siebten nachchristlichen Jahrhundert.

DOGEN UND DER JAPANISCHE ZEN

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Dogen`s Pure Standards for the Zen Community. A Translation of Eihei Shingi (State University of New York Press, Albany 1996), 272 Seiten, ca. 18 Euro.

1223 reist der japanische Mönch Dogen nach China. Dort lernt er eine besonders strenge Art des Zen-Buddhismus kennen. Zurück in seiner Heimat entwickelt er die Soto-Zen-Schule. Deren Grundlage ist die ausdauernde Meditation im Hocksitz. 1244 gründet Dogen das Kloster Eiheiji, wo er eine ideale Zen-Gemeinschaft schafft. Für das Klosterleben verfasst Dogen ein umfangreiches Regelwerk, das in diesem Buch in englischer Übersetzung zu großen Teilen abgedruckt ist. Die enthaltenen Regeln bestimmen bis heute den Alltag und das Verhalten der Mönche - bis hin zum korrekten Zähneputzen. Dank zahlreicher Anmerkungen, Erklärungen und eines ausführlichen Glossars der japanischen Begriffe ist diese Ausgabe gut verständlich - und vermittelt einen einzigartigen Eindruck vom Leben in einem japanischen Zen-Kloster.

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Heinrich Dumoulin, Geschichte des Zen-Buddhismus. Bd. II: Japan (Francke, Bern 1986), 522 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich. Der 1995 verstorbene deutsche Religionswissenschaftler Dumoulin widmet einen großen Teil dieses Standardwerkes Dogen, dem Gründer der Soto-Zen-Schule. Im Mittelpunkt stehen dessen religiösen Studien. Dogens Leben wird lediglich kurz erzählt - es gibt allerdings auch nur wenig Überliefertes zu diesem bedeutenden Denker des Buddhismus. Der Autor berichtet zudem von den anderen Zen-Schulen Japans, etwa der Rinzai-Schule, in der Dogens Zeitgenosse Eisai (der die Gewohnheit des Teetrinkens nach Japan brachte) eine hervorragende Rolle spielte. Ausführlich betrachtet Dumoulin zudem den großen Einfluss des Zen auf die japanische Kunst und Kultur.

MARCO POLO UND DIE JOSAPHAT-LEGENDE

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Marina Münkler, Marco Polo. Leben und Legende (Beck, München 1998) 126 Seiten, 7,90 Euro. Eine sehr gute Kurzbiographie über den berühmten Reisenden und Erkunder Asiens, der von seinen Abenteuern im späten 13. Jahrhundert auch die Legende des historischen Buddha mitbringt. Münkler thematisisert zudem die äußerst schwierige Frage, was an Marco Polos Person und Geschichte Mythos und was an ihr wirklich Realität war. Faktenreich und dabei trotzdem leicht zu lesen.

Albrecht Classen, Kulturelle und religiöse Kontakte zwischen dem christlichen Europa und dem buddhistischen Indien im Mittelalter. Erschienen in der Zeitschrift für Erzählforschung "Fabula" 41/2000, S. 203-228. Der Sprachwissenschaftler Classen verfolgt den Weg der Buddha-Legende von Asien ins mittelalterliche Abendland nach und zeigt, wie aus dem Religionsstifter der christliche Heilige Josaphat wurde. Ein lehrreicher, spannender Aufsatz über frühe Berührungspunkte von Ost und West - und über die schonungslose Aneignung buddhistischer Legenden durch das Christentum.

DAS KHMER-REICH VON ANGKOR

Robert Philpotts, Reporting Angkor. Chou Ta-Kuan in Cambodia, 1296-1297 (Blackwater Press, London 1996), 96 Seiten, ca. 15 Euro.

1296 reist der chinesische Gesandte Zhang Daguan nach Angkor, ins mächtige südostasiatische Reich der Khmer - und trifft auf eine quirlige Hauptstadt. Zhang lässt sich durch die Straßen treiben, besucht die Häuser der Adligen und Reichen und nimmt an Festen und Audienzen am Palast des Königs teil. Sein Bericht über den einjährigen Aufenthalt ist von unschätzbarem Wert: "Sitten in Kambodscha" - so der aus dem Chinesischen übersetzte Originaltitel von Zhang Daguans Schrift - ist, abgesehen von Inschriften, das einzige textliche Zeugnis aus dem Khmer-Reich jener Tage. Der Diplomat beschreibt Bräuche und soziale Hierarchien, Bauwerke, Flora und Fauna. Die Ausgabe von Robert Philpotts ist bebildert und kommentiert strittige Übersetzungen aus dem Chinesischen.

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Angkor - Göttliches Erbe Kambodschas (Prestel, München 2006), 336 Seiten, 59 Euro.

Schon das bloße Blättern macht Freude: In großzügiger Optik präsentiert der Katalog zur gleichnamigen Bonner Austellung rund 170 Exponate aus den Städten und Tempeln der Khmer, die von einer der glanzvollsten Kulturepochen der Menschheit zeugen. Im Mittelpunkt steht das Reich von Angkor mit der Tempelstadt Angkor Wat. Neben hervorragenden Abbildungen, Lageplänen und Grundrissen enthält der Katalog Beiträge renommierter Wissenschaftler zu unterschiedlichen Themen - etwa zur Architektur und der ausgeklügelten Wasserwirtschaft der Khmer.

BUDDHISMUS IN SRI LANKA - DER ZAHN BUDDHAS

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Michael B. Carrithers, "Sie werden die Herren der Insel sein": Buddhismus in Sri Lanka, in: Heinz Bechert und Richard Gombrich (Hg.), Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart (Beck, München 2002) 400 Seiten, 14,90 Euro. Der Anthropologe aus Durham bietet eine Einführung in die mehr als 2000-jährige Geschichte des buddhistischen Sri Lanka in bester britischer Tradition: lesbar, präzise und mit einem wachen Sinn fürs Konkrete - in einem Überblicksband, der zum Weiterlesen verführt (siehe auch "Allgemeine Darstellungen und Lexika").

Helmut v. Glasenapp, Der Buddhismus in Indien und im Fernen Osten. Schicksale und Lebensformen einer Erlösungsreligion (Atlantis, Berlin und Zürich 1936) 402 Seiten, antiquarisch ab ca. 50 Euro erhältlich. Der frühe Indologe Helmut von Glasenapp verbindet Historisches über den Buddhismus mit einem Bericht über eine Reise nach Asien. Gut lesbar erzählt von Glasenapp dabei auch von jenem Heiligtum in Kandy, in dem die Buddhisten Sri Lankas einen Zahn Buddhas als Reliquie verehren. Der Autor skizziert zudem die geschichtlichen Ereignisse und Mythen, die den heiligen Zahn umgeben - so etwa dessen Raub durch die Portugiesen im Jahr 1560.

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Peter Feldbauer, Estado da India. Die Portugiesen in Asien 1498 - 1620 (Mandelbaum, Wien 2003), 224 Seiten, 15,80 Euro. Was brachte die Portugiesen nach Asien, was trieben sie dort, warum scheiterten sie? Die nüchterne Studie des Wiener Historikers über das portugiesische Kolonialreich im Osten gibt Antworten auf dem neuesten Stand.

Heinz Bechert, Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den Ländern des Theravada-Buddhismus, Bd. 1: Grundlagen. Ceylon (Göttingen 1988, ursprgl. 1966), 404 Seiten, antiquarisch erhältlich oder in einschlägigen Bibliotheken. Für alle, die es genau wissen wollen und den Gang in die Bibliothek nicht scheuen. Lohn der Mühe ist ein umfassender, trotz des gewissen Alters der Studie immer noch gültiger Einblick in Wesen und Werden des Buddhismus in Sri Lanka, geschrieben von dem deutschen Experten zum Thema schlechthin.

KRIEG DER TIBETISCHEN MÖNCHE - DER FÜNFTE DALAI LAMA

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Roland Barraux, Die Geschichte der Dalai-Lamas. Göttliches Mitleid und irdische Politik (Komet, Köln 1995) 336 Seiten 12,95 Euro.

Vom Führer eines buddhistischen Ordens zum politischen und religiösen Weltstar: In einer Reihe von Biographien zeigt Roland Barraux, von 1985 bis 1990 Botschafter Frankreichs in Nepal, wie die 14 Dalai Lamas nicht nur das geistliche Leben ihres Volkes bestimmt haben, sondern auch die wechselvolle Geschichte Tibets zwischen den Machtblöcken ihrer Zeit.

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Martin Brauen, Die Dalai Lamas (Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2005), 304 Seiten, 39,80 Euro.

Zum 70. Geburtstag des 14. Dalai Lama im Juli 2005 erschien dieser reich bebilderte Band, der neben opulenten Einblicken in die tibetische Kunstgeschichte Erhellendes über das geistliche Amt selbst liefert - über das System der Reinkarnationen, die mythologischen Hintergründe ihrer Lebensgeschichten und die komplizierten Hierarchien, wie sie etwa im Verhältnis des Dalai Lama zur Institution des Panchen Lama aufscheinen.

ANTON GUETH - DER ERSTE DEUTSCHE MÖNCH

Hellmuth Hecker (Hg.) Der erste deutsche Bhikkhu. Das bewegte Leben des Ehrwürdigen Nyanatiloka (1878-1957) und seine Schüler (Universitätsdruck, Konstanz 1995) 364 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich.

Die Autobiografie, die Nyanatiloka alias Florus Anton Walther Gueth, der erste buddhistische Mönch aus Deutschland, hinterlassen hat, ist eine aufregende Lektüre selbst für solche Leser, denen ein konsequent nach religiösen und spirituellen Prinzipien geführtes Leben fremd oder unvorstellbar erscheint. Denn was der Asket für seine Überzeugung auf sich genommen hat, wird kaum jemanden gleichgültig lassen. Weil das Manuskript bereits mit dem Jahr 1926 abbricht, hat der Buddhismus-Forscher Hellmuth Hecker den Lebensbericht - auf sehr gelungene Weise -vollendet: mit Skizzen und brieflichen Zeugnissen von Gueths wichtigsten ehemaligen Schüler und Wegbegleiter sowie von Besuchern auf der Einsiedelei in Ceylon, mit privaten Fotos und amtlichen Dokumenten. Ein Buch, das mehr Ernst und Glaubwürdigkeit vermittelt als schöngeistige Bekenntnis-Schriften.

DIE FLUCHT DES DALAI LAMA

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Dalai Lama, Das Buch der Freiheit. Die Autobiographie des Friedensnobelpreisträgers (Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2004) 416 Seiten, 8,95 Euro. Von vielen Tibetern wird der Dalai Lama gottgleich verehrt. Doch die Autobiographie des Dalai Lama erzählt das Leben eines Bauernjungen, der im Alter von kaum drei Jahren zum Gottkönig bestimmt wird. Der als 15-Jähriger mit der Großmacht China verhandelt und der schließlich nach Indien fliehen muss. So ist das "Buch der Freiheit" die Lebensgeschichte eines Mönches, der Angst kennt und Zweifel. Und der offen über seine Erfahrungen berichtet.

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Isabel Hilton, Die Suche nach dem Panchen Lama. Auf den Spuren eines verschwundenen Kindes (Piper, München 2003) 414 Seiten, 10,90 Euro. Im Mai 1995 verschleppt die chinesische Geheimpolizei ein sechsjähriges Kind aus Tibet. Nur ein paar Fotografien bleiben von dem Jungen, der für gläubige Tibeter die elfte Inkarnation des Panchen Lama ist. Die neben dem Dalai Lama höchste religiöse Persönlichkeit Tibets. Noch im Jahr 1995 beginnt die amerikanische Journalistin und Chinakennerin Isabel Hilton, das Schicksal des verschwundenen Panchen Lama zu recherchieren. Dabei geht sie weit in der Geschichte Tibets zurück und berichtet in ihrem Buch auch von dem chinesischen Einmarsch in Tibet, der Flucht des Dalai Lama und von dem Machtkampf zwischen der religiösen Führung des Landes und den chinesischen Kommunisten. Denn es wird einmal die Aufgabe des Panchen Lama sein, den Nachfolger des Dalai Lama zu bestätigen. "Die Suche nach dem Panchen Lama" ist ein herausragendes Buch. Ein Buch für alle, die mehr wissen wollen über Tibet. Jenseits frommer Legenden und buddhistischer Hagiographien.

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Karénina Kollmar-Paulenz, Kleine Geschichte Tibets (Beck, München 2006) 216 Seiten, 12,90 Euro. Die Studie der Professorin für Religionswissenschaften an der Universität Bern ist ein Buch für alle, die einen gut lesbaren Überblick über die Geschiche Tibets erhalten wollen, eines Landes, in dem die weltliche und die geistliche Herrschaft bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Weise verzahnt waren.