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Geschichte Spaniens Die Missionierung der Philippinen

In Lateinamerika beherrscht das spanische Weltreich seine größten Kolonien: Zwischen 1519 und 1532 unterwerfen Konquistadoren mit rücksichtsloser Gewalt fast den ganzen Kontinent. Doch die iberische Expansion greift auch auf die pazifische Inselwelt Asiens aus – und bleibt dort weitgehend friedlich. Denn einige mutige Mönche setzen sich für die Ureinwohner ein

Um 1580 steht Spanien im Zenit seiner Macht: Denn in diesem Jahr fügt König Philipp II. seinem Reich auch Portugal hinzu und ist damit Herrscher über die gesamte Iberische Halbinsel – der erste seit fast 900 Jahren. Zudem ist Spanien mit seinen Territorien wie den Niederlanden und Süditalien europäische Hegemonialmacht. Und es gebietet über ein weltumspannendes Imperium: fast ganz Lateinamerika gehört dazu sowie nun auch die weit verstreuten portugiesischen Besitzungen etwa an der afrikanischen Westküste und in Asien.

Die Entfernungen in diesem spanischen Weltreich sind riesig. Handelsgüter wie das Silber der Anden oder Depeschen der Zentralregierung in Madrid werden über Tausende von Kilometern transportiert. Ebenso müssen Würdenträger lange Reisen auf sich nehmen, um ihren Amtssitz zu erreichen. Etwa das 12 000 Kilometer von Spanien entfernte Manila, Hauptstadt der Philippinen, das 1580 zum ersten Mal einen Bischof bekommen soll. Ausersehen für diesen Posten ist der Dominikanermönch Domingo de Salazar.

Im Mai 1580 segelt der 68-Jährige von Spanien zunächst nach Mexiko. 20 Ordensbrüder begleiten ihn, zwölf sterben unterwegs. Salazar durchquert Mittelamerika; im März 1581 besteigt er dann in Acapulco die Galeone „San Martin“. Auf der anderen Seite des Pazifiks landet der Geistliche am südöstlichen Ende der Insel Luzón auf den Philippinen, überschreitet Bergpässe und befährt einen Fluss – bis er am 17. September 1581 nach fast 16-monatiger Reise endlich seinen Bischofssitz Manila erreicht.

Zwei Ozeane liegen nun zwischen ihm und seinem König. Ein Brief zum Papst braucht bis zu zwei Jahre. Sollten Probleme auftauchen – Salazar muss sie allein lösen.

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Spaniens Nachbar Portugal erwirbt bedeutenden Kolonialbesitz im Pazifikraum, etwa das chinesische Macau, die Molukken und Teile Indiens. Als Philipp II. 1581 auch in Lissabon zum König gekrönt wird, fallen diese Territorien an das spanische Weltreich (Karte aus dem 17. Jh.)

Die Inseln werden nach Kronprinz Philipp benannt

Am 16. März 1521 hat der Portugiese Ferdinand Magellan als erster Europäer jenen Archipel betreten, den eine spätere spanische Expedition zu Ehren ihres Kronprinzen und zukünftigen Königs Philipp II. „Las Islas Filipinas“ taufte. Erst der Konquistador Miguel López de Legazpi allerdings unterwirft ab 1565 die Philippinen mit einer kleinen Truppe von etwa 500 Mann fast vollständig.

Die Spanier sind indessen nicht die ersten fremden Eindringlinge: Schon seit dem 14. Jahrhundert hatten indische und arabische Muslime Teile der Inselgruppe erobert. Doch nun unterliegen die islamischen Krieger fast überall rasch dem Vorstoß der Europäer. 1571 besiegt Legazpi den muslimischen König von Manila und macht die Stadt zum Gouverneurssitz.

Schnell entwickelt sich die Residenz zur florierenden Hafenstadt. Von hier aus handeln die Spanier mit China und Mexiko – holen Silber aus Lateinamerika und tauschen es gegen Gewürze, Porzellan und Seide ein.

1578 wird Manila dann zum Bischofssitz erhoben. Und Domingo de Salazar auf seine lange Reise geschickt. Schon seit dem ersten Feldzug Legazpis missionieren Mönche der großen Orden die Einheimischen: Dominikaner, Franziskaner, Augustiner und Jesuiten. Denn Philipp II. hat den Konquistador beauftragt, nicht nur Gewürze und Reichtum herbeizuschaffen, sondern auch „den Einwohnern dieser Orte unsren Heiligen Katholischen Glauben zu bringen“. Zu diesem Zweck bestimmt der König Ordensbrüder für die Reise nach den Philippinen. Keine Galeone verlässt Mexiko ohne einen Missionar an Bord.

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Ferdinand Magellan umsegelt im Auftrag der spanischen Krone die Welt. 1521 landet er als erster Europäer auf den Philippinen – und wird im Kampf gegen die Ureinwohner getötet (zeitgenössischer Kupferstich)

Bischof Salazar ist ein eifriger Kleriker: er gründet ein Priesterseminar, ein Krankenhaus, lässt eine Kathedrale errichten. Und er setzt sich gegenüber den Administratoren vor Ort und dem König für die Rechte der Filipinos ein; 1591 segelt er sogar nach Spanien zurück, um dem Monarchen seine Sorgen über den Zustand der Kirche auf den entlegenen Inseln vorzutragen. Er klagt über brutale Richter, die unnötig harte Strafen verhängen würden, darüber, dass Ureinwohner in die Wälder fliehen, um der Sklaverei zu entgehen.

Drei Jahre später stirbt Domingo de Salazar in Madrid; die päpstliche Bulle, die seine Erhebung zum Erzbischof ankündigt, erreicht ihn nicht mehr. Doch die Mission des greisen Geistlichen hat Erfolg: Wohl auch wegen seiner Fürsprache wiederholt sich auf den Philippinen nicht die brutale Missionierung Lateinamerikas.

Der spanische König verteilt die Inseln an Mönchsorden

Möglicherweise haben die Spanier auch aus der Eroberung Südamerikas gelernt, die in manchen Gebieten 90 Prozent der einheimischen Bevölkerung das Leben kostete. Zumindest versuchen sie, die Stammesführer friedlich von den Vorzügen der spanischen Herrschaft und des christlichen Glaubens zu überzeugen. Bis auf einige Strafexpeditionen und Scharmützel kommt es zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die lokalen Häuptlinge nehmen einer nach dem anderen freundschaftliche Beziehungen zu den Spaniern auf.

Philipp II. teilt die Inseln unter den Mönchsorden auf; das südlichste Eiland Mindanao etwa fällt an die Jesuiten. Die Missionare siedeln die Ureinwohner um in neue Dörfer mit einer Kirche im Zentrum. Das Ziel: alle Einheimischen bajo de la campana – unter die Kirchenglocke. Die Filipinos leisten keinen Widerstand: Die verstreuten Dorfgemeinschaften haben keinen gemeinsamen Anführer, der sie im Kampf gegen die Umsiedlung vereinigen könnte.

Ordensbrüder sind auf Befehl des Königs die Herren des Landes, viele Filipinos bekommen nie einen anderen Spanier zu Gesicht; bis Mitte des 18. Jahrhunderts verbietet das Gesetz spanischen Zivilisten, sich außerhalb Manilas und weniger anderer Städte anzusiedeln. Die Mönche sammeln die Abgaben für die Krone ein, sie sprechen die Sprachen der Eingeborenen, sind Lehrer, Richter – und Beschützer: Oft dient die Kirche gleichzeitig als Wachturm, um die christlichen Dörfer vor Überfällen ihrer muslimischen Nachbarn zu warnen.

Bis 1898 bleiben die Philippinen unter spanischer Herrschaft

Die spanische Herrschaft auf den Philippinen bleibt jahrhundertlang so gut wie unangefochten, während die einstige Weltmacht fast alle anderen Kolonien bis Anfang des 19. Jahrhunderts einbüßt; 1812 gewährt Madrid den Filipinos sogar die spanische Staatsbürgerschaft.

Doch 1898 verliert das abgedankte spanische Weltreich einen Krieg gegen die USA – und damit auch seine letzte pazifische Kolonie. Immerhin bezahlen die Vereinigten Staaten 20 Millionen Dollar Entschädigung an Madrid. (Von der Herrschaft ihrer neuen, amerikanischen Kolonialherren werden sich die Filipinos erst 1946 befreien können.) Heute, 110 Jahre nach dem Ende der spanischen Herrschaft, sind die Philippinen das katholischste Land Asiens: 83 Prozent der rund 91 Millionen Einwohner folgen demselben Glauben wie Domingo de Salazar, ihr erster Bischof.

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Die nach Philipp II. benannten Philippinen (Bildmitte) sind Spaniens wichtigste asiatische Kolonie. Sie gehören bis 1898 zum spanischen Weltreich – mehr als 330 Jahre

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