Logo GEO Epoche
Das Magazin für Geschichte

Geschichte Spaniens Die Geschichte Spaniens von 507 bis 1898

Von der Reconquista zur Eroberung Lateinamerikas, von der Inquisition zur Aufklärung – die wichtigsten Daten und Ereignisse der Geschichte des spanischen Weltreichs im Überblick
In diesem Artikel
Die Entstehung des spanischen Königreichs
Die Eroberung Amerikas und der Aufstieg zur europäischen Hegemonialmacht
Spanien unter Philipp II.
Kulturelle Blüte und Machtverfall
Spanien im 18. Jahrhundert
Das Ende des spanischen Weltreichs

Reconquista

507

Die Westgoten, einer jener Germanenstämme, die während der „Völkerwanderung“ das Gebiet des Römischen Reiches durchstreifen, flüchten nach einer Niederlage auf die Iberische Halbinsel.

587

Der westgotische König Rekkared (reg. 586–601) konvertiert vom arianischen Christentum zum Katholizismus. Er herrscht von Toledo aus über fast die gesamte Iberische Halbinsel.

711

Juli: Ein muslimisches Heer schlägt in Andalusien die Westgoten und nimmt innerhalb von drei Jahren nahezu das gesamte Westgotenreich ein.

722

In Nordspanien formiert sich Widerstand gegen die Muslime: In der Schlacht von Covadonga erringen die Christen einen ersten Erfolg. Im Norden entstehen christliche Reiche, die allmählich ihren Einfluss nach Süden ausdehnen. Zu Beginn dieser reconquista (span., Wiedereroberung) besiedeln Christen die nahezu verlassenen Pufferzonen zum muslimischen Herrschaftsbereich.

756

Abd ar-Rahman (reg. 756–788) eint al-Andalus, das Herrschaftsgebiet der Muslime auf der Halbinsel, und begründet das Emirat von Córdoba.

801

Ein Sohn Karls des Großen erobert Barcelona und die umliegenden Regionen und richtet die Spanische Mark als Grenzbezirk des Frankenreiches ein. Daraus entwickelt sich später die Grafschaft Katalonien.

866

Im Nordwesten der Halbinsel wird Alfons III. (reg. bis 910) König von Asturien. Er kann sein Reich bis zum Fluss Duero ausdehnen und befestigen. Zur Hauptstadt macht er León, nach dem das Königreich fortan benannt ist.

929

Abd ar-Rahman III. , der Emir von Córdoba (reg. 912–961), ernennt sich zum Kalifen – zu einem Nachfolger Mohammeds. Damit stellt er sich in offene Konkurrenz zum Kalifen von Bagdad, der bis dahin als höchster weltlicher und religiöser Führer des Islam galt.

85fbffbeba22cb18084fb4416b0ca3f9

Nach und nach erobern die Katholischen Könige Ferdinand und Isabella das letzte maurische Reich auf der Iberischen Halbinsel. 1489 fällt das stark befestigte Almería in ihre Hände

961

Unter Abd ar-Rahmans Sohn al-Hakam II. (reg. 961–976) erlebt al-Andalus eine kulturelle Blüte, Córdoba wird mit mehr als 100 000 Einwohnern zur bedeutendsten Metropole in Europa.

1000

Sancho III. (um 992 bis 1035) wird König von Navarra. Unter seiner Herrschaft erreicht das Königreich, das sich im 9. Jahrhundert östlich Asturiens herausgebildet hat, seine größte Ausdehnung.

1031

Durch innere Unruhen zerfällt das Kalifat in Teilreiche (Taifas).

1035

Nach dem Tod Sanchos III. wird Navarra unter seinen Söhnen aufgeteilt. So entstehen das Königreich Aragón und die eigenständige Grafschaft Kastilien.

1075

In Santiago de Compostela wird mit dem Bau einer Kathedrale über einem Grab begonnen, in dem angeblich der heilige Jakobus liegt. Hier befindet sich der Endpunkt des Jakobswegs, der fortan Pilger aus ganz Europa nach Spanien führt.

1085

König Alfons VI. von Kastilien (1040–1109) erobert Toledo von den Mauren zurück. Damit beherrschen die Christen das Zentrum der Halbinsel.

1086

Ein maurisches Invasionsheer unter Führung nordafrikanischer Kriegermönche, der Almoraviden, erobert die Taifa-Reiche.

1094

15. Juni: Der Heerführer Rodrigo Díaz de Vivar (um 1044–1099), genannt El Cid (von arab. sayyid, Herr), erobert in christlichem Auftrag Valencia und errichtet dort eine eigene Herrschaft.

1137

Der König von Aragón verspricht seine erst einjährige Tochter dem Herrscher von Katalonien zur Frau. Damit verbinden sich beide Reiche zur Krone Aragón.

1139

Alfonso Henriques (1109–1185), Graf von Portugal, lässt sich, gestärkt durch einen Sieg über die Mauren, zum König ausrufen. Bis dahin stand Portugal unter der Oberherrschaft von León.

1146

Die Almohaden, noch radikalere Kriegermönche als die Almoraviden, führen von Afrika ein Heer nach Norden und erobern al-Andalus.

1208

In Palencia, im Norden Kastiliens, gründet König Alfons VIII. (1155–1214) die erste spanische Universität.

1212

16. Juli: In der Schlacht von Las Navas de Tolosa (bei Jaén) unterliegen die Almohaden christlichen Kreuzrittern. Nur in der Region Granada im Süden können sich die Mauren noch halten.

1219

Gründung der bedeutenden Universität von Salamanca.

Die Entstehung des spanischen Königreichs

1230

Ferdinand II. (1199 bis 1252), König von Kastilien, erbt nach dem Tod seines Vaters von diesem auch das Königreich León. Beide Reiche vereinen sich damit dauerhaft.

1246

Der König von Kastilien erkennt die Herrschaft von Muhammad ibn Yusuf ibn Nasr über Granada an. Fortan ist ihm der Emir tributpflichtig. Es kommt zu einer neuen Blüte der maurischen Kultur.

1265

Alfons X. von Kastilien-León (1221–1284) schafft eine Gesetzessammlung, die zur Grundlage der spanischen Rechtsordnung wird.

1282

Peter III. von Aragón (1240–1285) gewinnt die Krone Siziliens; sein Sohn Jakob II. (1267–1327) unterwirft Sardinien. Zudem nehmen 1311 katalanische Truppen Teile Griechenlands ein (bis 1391).

1348

Die Pest wütet in Spanien. Auch Kastiliens König Alfons XI. (1312–1350) fällt ihr zum Opfer.

1402

Im Auftrag Kastiliens beginnen zwei französische Ritter die rund 100 Jahre dauernde Eroberung der Kanaren. Später wird der Archipel vor der afrikanischen Küste zum wichtigen Stützpunkt im Atlantik.

1443

Alfons V. von Aragón (1416–1458) erobert das Königreich Neapel und damit ganz Süditalien. Aragón erreicht den Höhepunkt seiner Macht im Mittelmeer.

1469

19. Oktober: In Valladolid heiraten die kastilische Thronfolgerin Isabella (1451–1504) und Ferdinand, der Kronprinz von Aragón (1452–1516). Nach dem Tod des kastilischen Königs Heinrich IV. fünf Jahre später proklamiert sich Isabella zur Königin von Kastilien. Ferdinand besteigt 1479 den aragonischen Thron. Damit herrschen er und seine Ehefrau gemeinsam über Spanien. Formal bleiben die Reiche Aragón und Kastilien aber getrennt – bis ins 19. Jahrhundert werden die spanischen Monarchen die einzelnen Teilreiche in ihrem offiziellen Herrschertitel aufführen.

1478

Ferdinand und Isabella erhalten vom Papst das Recht, Inquisitoren zu berufen. Damit wird diese seit dem 13. Jahrhundert bestehende kirchliche Institution, die Ketzer verfolgt, zu einem von den Königen kontrollierten staatlichen Glaubensgericht – und zur ersten gemeinsamen Behörde für die Reiche Aragón und Kastilien.

1479

4. September: Im Vertrag von Alcaçovas vereinbaren Kastilien und Portugal eine Trennung ihrer Interessensphären im Atlantik. Kastilien ist ausgeschlossen vom Handel im Südatlantik und damit vom Gold Afrikas – und muss seine weiteren Expansionsbestrebungen nach Westen richten.

Die Eroberung Amerikas und der Aufstieg zur europäischen Hegemonialmacht

1492

2. Januar: Emir Abu Abdallah, genannt Boabdil (um 1460 bis 1533), übergibt nach achtmonatiger Belagerung Granada an Ferdinand und Isabella. In zehnjährigen Kämpfen ist die letzte muslimische Herrschaft in Westeuropa von den Christen schrittweise erobert worden. Damit endet die Reconquista, die Halbinsel untersteht vollständig christlichen Herrschern.

31. März: Ferdinand II. und Isabella weisen alle Juden aus. Die Deportation soll die religiöse Einheit auf der Halbinsel festigen. Nur getaufte „Neuchristen“ dürfen in ihrer Heimat bleiben. 1502 werden auch alle Muslime des Landes verwiesen.

3. August: Im Dienste Ferdinands und Isabellas bricht Christoph Kolumbus auf, um im Westen einen Seeweg nach Indien zu finden – und erreicht am 12. Oktober die Bahamas.

18. August: Antonio de Nebrija gibt eine kastilische Grammatik heraus – die erste umfassende Regelsammlung einer europäischen Volkssprache.

1494

7. Juni: Im Vertrag von Tordesillas einigen sich Portugal und Kastilien auf eine Teilung ihrer Interessen im Atlantik. Alle Gebiete rund 2000 Kilometer westlich der Kapverden stehen fortan Kastilien zu, alle Territorien östlich dieser Linie Portugal.

1516

14. März: Karl I., in den Niederlanden aufgewachsener Enkel Isabellas und des kurz zuvor verstorbenen Ferdinand, proklamiert sich zum König von Aragón und Kastilien. Offiziell teilt er sich die Herrschaft mit seiner Mutter Johanna, doch wie schon sein Großvater isoliert Karl die geistig Verwirrte und regiert de facto allein.

1519

Mit einer etwa 500 Mann zählenden Truppe greift Hernando Cortés (1485–1547) die Azteken in Mexiko an. Der Konquistador kann von den Azteken unterdrückte indianische Verbündete gewinnen und so bis 1521 das Großreich unterwerfen, dessen Herrscher Montezuma II. 1520 in spanischer Gefangenschaft ums Leben kommt.

28. Juni: Der spanische König Karl I. wird in Frankfurt als Karl V. zum römisch-deutschen König und damit de facto zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt; er folgt seinem verstorbenen österreichischen Großvater Maximilian I. In Spanien ist der König unbeliebt: Er ist im Ausland aufgewachsen, spricht anfangs nur schlecht Kastilisch und vergibt hohe Ämter an Ausländer. Einige kastilische Städte widersetzen sich seiner Steuerpolitik; während Karl nach Deutschland reist, entbrennt der Aufstand der comunidades: Eine Junta von Bürgern aus 13 oppositionellen Städten übernimmt die Macht in Kastilien. Karls Truppen aber schlagen das Heer der Comunidades am 23. April 1521, die Anführer werden hingerichtet.

1524

Die Krone schafft erste zentrale Verwaltungsstrukturen für Amerika. Karl I. begründet am spanischen Hof den mit Juristen und Geistlichen besetzten „Indienrat“, fortan die höchste Instanz in Fragen der Verwaltung und Gerichtsbarkeit über die westlichen Kolonien.

1529

Karl I. ernennt Francisco Pizarro (1478–1541) zum Generalkapitän von Peru, einem Territorium an der Westküste Lateinamerikas, das der Konquistador auf eigene Kosten erkunden und erobern soll.

1532

Pizarro dringt mit etwa 180 Soldaten in das Landesinnere Perus vor, nutzt Rivalitäten innerhalb der einheimischen Dynastie aus und setzt den Inkaherrscher Atahualpa fest, den er im Juli 1533 hinrichten lässt. Kurz danach nimmt er Cuzco ein, die Hauptstadt des Inkareiches. Von Mexiko und Peru ausgehend, setzen andere Konquistadoren die Eroberungszüge fort.

1535

In Mexiko entsteht das Vizekönigreich Neu-Spanien. Der Vizekönig repräsentiert den spanischen Monarchen und ist oberste politische Autorität der Kolonie.

1543

In den spanischen Besitzungen in Südamerika wird das Vizekönigreich Peru errichtet. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind weite Teile Mittel- und Südamerikas sowie das südliche Nordamerika von Spanien unterworfen.

1545

In Potosí im heutigen Bolivien sowie kurz darauf in Zacatecas und Guanajuato (Mexiko) werden reiche Silberadern entdeckt. Insgesamt erreichen zwischen 1503 und 1660 etwa 17 000 Tonnen amerikanisches Silber Spanien.

1550

In Valladolid treten die Geistlichen Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda zu einem Streitgespräch über die Behandlung der Indios in Amerika durch die spanischen Eroberer an. Las Casas wendet sich gegen Sklavenhaltung und gewaltsame Missionierung, Sepúlveda rechtfertigt diese, da die Indios von Natur aus barbarisch seien. Die Kolonialpolitik indes ändert sich durch den Disput vorerst nicht.

Spanien unter Philipp II.

1556

16. Januar: Karl I. dankt ab und übergibt Spanien, die Niederlande, die italienischen Besitzungen und die überseeischen Kolonien seinem Sohn Philipp II. Karls Bruder Ferdinand I. wird dessen Nachfolger als römisch-deutscher Kaiser.

1561

Philipp II. erhebt das unbedeutende Madrid zur Hauptstadt Spaniens. 45 Kilometer entfernt von der Kapitale lässt der König einen Palast errichten: Der 1584 fertiggestellte Escorial umfasst auch ein Kloster und eine Basilika.

1564

Philipp II. richtet einen regelmäßigen Flottenverkehr zwischen Spanien und der Neuen Welt ein: Zweimal im Jahr sollen militärisch geschützte Konvois nach Panama und Veracruz (Mexiko) segeln und auf der Rückreise Silber transportieren.

1566

Die protestantischen Stände der nördlichen niederländischen Provinzen erheben sich gegen den Versuch Philipps II., den katholischen Glauben in allen Reichsteilen zwangsweise wiederherzustellen. Der spanische Herrscher sendet im Jahr darauf den Heerführer Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba, um die Rebellion niederzuschlagen. Dennoch schwelt der Konflikt bis 1648.

1571

24. Juni: Miguel López de Legazpi erklärt Manila zur Hauptstadt der von ihm eroberten pazifischen Inselgruppe der Philippinen. Der Archipel ist nach Philipp II. benannt.

1580

25. August: Nachdem Philipp II. sich gegen einen anderen Bewerber um den verwaisten Thron durchgesetzt hat, fügt er Portugal seinem Reich hinzu – und damit auch die portugiesischen Kolonien in Asien, Afrika und Südamerika. Portugal bleibt formal selbstständig und ist nur über Philipps Königswürde mit Spanien verbunden.

1588

28. April: Eine spanische Armada sticht in See, um England zu erobern. Dessen Kaperfahrer bedrohen die spanischen Handelsrouten; zudem will Philipp II. das Inselreich für den Katholizismus zurückgewinnen. Mehr als 130 Schiffe transportieren rund 19 000 Soldaten, die sich mit Truppen aus den Spanischen Niederlanden vereinigen sollen. Doch aufgrund heftiger Stürme erleidet die Flotte dramatische Verluste. Zwar bleibt Spanien weiterhin die bedeutendste Seemacht der Welt, der Prestigeverlust aber ist enorm.

Kulturelle Blüte und Machtverfall

1605

Der erste Band von „El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha“ („Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“) von Miguel de Cervantes Saavedra (um 1547–1616) erscheint – wegen seiner Vielschichtigkeit bis heute der bedeutendste Roman der spanischen Literaturgeschichte.

1609

9. April: König Philipp III. (1578–1621) weist die Morisken aus Spanien aus. Der Herrscher befürchtet, dass diese zum katholischen Glauben übergetretenen Muslime mit nordafrikanischen Piraten, die häufig die spanische Mittelmeerküste bedrohen, kollaborieren könnten. 273 000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Viele Landstriche werden fast vollkommen entvölkert oder verlieren zumindest eine wirtschaftlich besonders aktive Bevölkerungsgruppe.

1623

Diego Rodríguez de Silva y Velázquez (1599–1660) wird als Maler an den Hof Philipps IV. (1598 bis 1665) bestellt. Schon bald wird der Kleinadelige aus Sevilla zum Lieblingsmaler des Herrschers und zu einem der bedeutendsten Künstler seiner Zeit.

1635

19. Mai: Frankreich erklärt Spanien den Krieg, um den Konkurrenten um die Hegemonie in Europa zu schwächen. Der Konflikt ist Teil des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), in den Philipp IV. bereits durch die Auseinandersetzung in den Niederlanden und seine Unterstützung der österreichischen Habsburger verwickelt ist.

1640

7. Juni: Bauern, Landarbeiter und Handwerker erheben sich in Kataloniens Hauptstadt Barcelona gegen die Politik des Ersten Ministers Philipps IV., Gaspar de Guzmán, Graf von Olivares (1587–1645). Olivares will die traditionellen Sonderrechte der Regionen beschneiden und so die königliche Zentralgewalt stärken. Anfang 1641 rufen die Rebellen eine katalanische Republik aus und unterstellen sich der Hoheit des französischen Königs.

1. Dezember: In Portugal verschwören sich die Adeligen gegen die Herrschaft des spanischen Monarchen Philipp IV. Spaniens Vizekönigin in Lissabon wird gefangen genommen, der portugiesische Herzog von Bragança als Johann IV. zum neuen König ausgerufen. Spanien versucht erfolglos, die Loslösung Portugals militärisch zu verhindern, und erkennt 1668 schließlich dessen Unabhängigkeit an.

1643

19. Mai: Ein Angriff spanischer Truppen von den Niederlanden aus auf die Festung Rocroi im Nordosten Frankreichs endet mit einer verheerenden Niederlage. Dieser Fehlschlag verstärkt die Friedensbereitschaft Philipps IV.

1648

30. Januar: Im Frieden von Münster muss Spanien die Unabhängigkeit der protestantischen Niederlande anerkennen. Der Krieg mit Frankreich geht unterdessen weiter.

1652

Mit dem Fall Barcelonas erobert die spanische Regierung Katalonien endgültig zurück.

1659

7. November: Philipp IV. und Ludwig XIV. beenden im Pyrenäenfrieden den seit 1635 andauernden Krieg. Spanien verliert Teile Flanderns sowie Nordkataloniens; damit werden die Pyrenäen zur Grenze mit Frankreich. Zudem vereinbaren die Monarchen die Heirat des französischen Königs mit der spanischen Infantin María Teresa. Der Friedensschluss bedeutet das Ende der spanischen Hegemonie in Europa.

In Übersee büßt Spanien immer mehr Karibikinseln ein: So erobern die Briten Barbados und Jamaika, die Franzosen Martinique, Guadeloupe und Haiti (den westlichen Teil Hispaniolas).

Spanien im 18. Jahrhundert

1700

1. November: Karl II. stirbt. Der kinderlose Habsburger hat in seinem Testament die Krone an Philipp von Anjou aus der französischen Bourbonen-Dynastie übertragen, den Enkel Ludwigs XIV. Im Februar 1701 zieht der neue Monarch als Philipp V. in Madrid ein. Doch die österreichischen Habsburger fechten den Thronwechsel an, reklamieren die Krone für Erzherzog Karl und erklären 1702 Frankreich und Spanien den Krieg. An ihrer Seite kämpfen die Niederlande und Großbritannien.

1704

Mit der Landung Karls in Lissabon erreicht der Spanische Erbfolgekrieg das iberische Festland, wo sich Aragón auf die Seite des Habsburgers stellt, während Kastilien Philipp V. unterstützt.

1706

Karl erobert Madrid; Philipp V. und sein Hof fliehen vorübergehend.

1713

Das kriegsmüde Großbritannien und die Niederlande schließen den Frieden von Utrecht mit Spanien und Frankreich. Nun muss auch Karl im Frieden von Rastatt 1714 seinen Kontrahenten Philipp V. als König von Spanien anerkennen. Damit haben sich die Bourbonen auf dem spanischen Thron etabliert. Diese Friedensschlüsse bedeuten für Spanien den endgültigen Verlust der südlichen Niederlande, Sardiniens und Gibraltars sowie den vorübergehenden Verzicht auf Neapel, Sizilien und Menorca.

1750

Portugal und Spanien einigen sich auf einen Grenzverlauf in Südamerika, womit Brasilien ungefähr seine heutige Form erhält. Der Vertrag von Tordesillas von 1494 wird damit hinfällig.

1759

In Sevilla wird die erste dauerhafte Stierkampfarena gebaut. Aus dem ritualisierten Wettstreit der Adeligen, bei dem diese zu Pferd mit einem Bullen kämpfen, gehen im 18. Jahrhundert die ersten matadores wie Francisco Romero (1700–1763) hervor – Männer aus dem Volk, die zu Fuß gegen einen Stier kämpfen.

1762

Spanien tritt an der Seite Frankreichs in den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) ein, in dem eine österreichisch-französische Koalition gegen Preußen und England kämpft. Die Briten besetzen Manila und Havanna. Im Frieden von Paris 1763 erhält Spanien zwar beide Hafenstädte zurück, muss aber Florida an Großbritannien abtreten. Als Ersatz erhält es das Louisiana-Territorium von Frankreich, gibt es aber in einem Vertrag von 1800 wieder zurück.

1767

27. Februar Karl III. (1716–1788) weist die Jesuiten aus Spanien und Hispanoamerika aus. Die Jesuiten stehen dem Absolutismus kritisch gegenüber und billigen sogar den Tyrannenmord. Ihr Einfluss ist groß, da sie zahlreiche Schulen und Universitäten betreiben.

1793

Spanien kämpft in einer Koalition der Monarchien gegen das revolutionäre Frankreich, schließt aber 1795 nach mehreren Niederlagen einen Separatfrieden. Als sich daraufhin Großbritannien gegen Spanien wendet, verbündet sich Madrid notgedrungen mit Paris. Auch diese Kriegsbeteiligung endet mit einer Niederlage.

Das Ende des spanischen Weltreichs

1805

Im Dritten Koalitionskrieg steht Spanien erneut auf der Seite Frankreichs gegen Großbritannien. In der entscheidenden Seeschlacht von Trafalgar am 21. Oktober unterliegt eine spanisch-französische Flotte den Briten unter Admiral Nelson.

1807

27. Oktober: In einem Geheimabkommen gestattet Karl IV. (1748–1819) dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte, seine Truppen durch Spanien in das feindliche Portugal zu führen. Napoleon aber nutzt die Situation aus und lässt seine Soldaten auch Spanien besetzen.

1808

26.–30. April: Napoleon zwingt Karl IV. und dessen Sohn, der seit wenigen Wochen als Ferdinand VII. (1774–1833) regiert, zur Abdankung. Neuer König wird Napoleons Bruder Joseph Bonaparte (1768–1844).

2. Mai In Madrid erhebt sich das Volk gegen den erzwungenen Machtwechsel. Großbritannien unterstützt den Widerstand der Spanier. Es kommt zu einem langjährigen Guerillakampf (von span. guerilla, „kleiner Krieg“).

1810

Die Schwäche ihres Mutterlandes nutzen unzufriedene Hispanoamerikaner für Aufstände – etwa in Mexiko und Venezuela, wo sich der Kreole (in Amerika geborene Spanier) Simón Bolívar (1783 bis 1830) schon bald an die Spitze der Bewegung stellt.

1811

Die kreolischen Rebellen in Venezuela erklären das Land für unabhängig. Doch schon im Jahr darauf erobern die Spanier Venezuela zurück, Bolívar muss ins Ausland fliehen.

1812

Mit einer Offensive des britischen Generals Arthur Wellesley, des späteren Herzogs von Wellington, und Napoleons Niederlage in Russland gerät Frankreich in die Defensive.

18. März: Eine Versammlung von Gesandten der spanischen Regionen, zu denen auch einige Vertreter aus Übersee gehören, verabschiedet im unbesetzten Cádiz nach rund 18 Monaten Beratung die erste spanische Verfassung. Sie soll nach dem Willen ihrer Schöpfer die Grundlage einer neuen bürgerlichen Gesellschaft werden, die auch Hispanoamerika umfasst. Liberale Prinzipien wie Volkssouveränität und Gewaltenteilung sind in dem Dokument festgeschrieben; die Macht des Königs soll eingeschränkt, die Rechte der Bürger gestärkt werden.

1813

Joseph Bonaparte muss nach der endgültigen Niederlage der Franzosen das Land verlassen.

1814

Ferdinand VII. kehrt aus französischer Gefangenschaft auf den spanischen Thron zurück – und hebt gleich zu Beginn seiner Herrschaft die liberale Verfassung von Cádiz auf.

1815

Ferdinand VII. entsendet 10 000 Mann zur Niederschlagung der Aufstände in Amerika – die größte spanische Streitmacht, die je über den Atlantik fährt. Bis 1817 schlagen sie die Rebellion in Venezuela und den benachbarten Gebieten nieder.

1816

Die Gebiete um Buenos Aires im heutigen Argentinien erklären sich als Vereinigte Provinzen von Río de la Plata unabhängig.

1817

Mit verstärkten Truppen nimmt Bolívar den Kampf wieder auf und schlägt die Spanier zwei Jahre später entscheidend. Daraufhin rufen die Aufständischen die Republik Kolumbien aus (umfasst die Gebiete der heutigen Staaten Panama, Kolumbien, Ecuador und Venezuela).

1820

1. Januar: Der Oberst Rafael del Riego (1785–1823) erzwingt in Spanien mit einem Staatsstreich, die Verfassung von Cádiz wieder in Kraft zu setzen. Nach drei Jahren installiert Ferdinand VII. abermals seine Herrschaft – wenn auch nur mithilfe französischer Truppen. Solche Militärrevolten kennzeichnen fortan Spaniens Innenpolitik im 19. Jahrhundert: Mindestens fünfmal putschen Militärs gegen die Regierung.

1821

7. September: Simón Bolívar, der Anführer des hispanoamerikanischen Aufstands gegen die spanische Herrschaft, wird in Bogotá zum ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Kolumbien gewählt.

1822

In Mexiko führt eine Allianz zwischen Royalisten und Revolutionären zur Ausrufung eines kurzlebigen Kaiserreichs unter der Herrschaft eines Kreolen: Agustín I. Mit Ausnahme des heutigen Bolivien und weniger Inseln sind alle Teile Hispanoamerikas jetzt unabhängig. Lediglich die Philippinen, Guam, Puerto Rico und Kuba bleiben als spanische Kolonien bestehen.

1824

Mexiko wird nach dem Sturz des Kaisers Agustín I. zur Republik.

1834

15. Juli: Die Regentin Maria Christina (1806–1878), die für ihre minderjährige Tochter Isabella II. (1830–1904) herrscht, schafft die Inquisition endgültig ab. 1826 hatten die Glaubensrichter in Valencia ihr letztes Todesurteil verkündet und damit europaweit einen Skandal ausgelöst.

1898

15. Februar: Die Explosion des amerikanischen Kriegsschiffes „Maine“ im Hafen von Havanna (möglicherweise ein Unfall, möglicherweise ein Anschlag) löst den Spanisch-Amerikanischen Krieg aus. Spanien unterliegt der aufsteigenden Weltmacht USA in weniger als vier Monaten und verliert mit den Philippinen, Guam, Puerto Rico und Kuba seine letzten Kolonien – fast 400 Jahre nach seinem Aufstieg an die Spitze Europas.