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Geschichte Spaniens Als Spanien die Welt beherrschte: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
In diesem Artikel
DIE GESCHICHTE DES SPANISCHEN WELTREICHS IM ÜBERBLICK
RECONQUISTA
DIE HOCHZEIT FERDINANDS VON ARAGON UND ISABELLAS VON KASTILIEN / 1492 „DAS JAHR DER WUNDER“
JOHANNA „DIE WAHNSINNIGE“
DIE SILBERMINE VON POTOSI
LAS CASAS UND DAS STREITGESPRÄCH UM DIE BEHANDLUNG DER INDIOS
PHILIPP II. – SPANIEN IM ZENIT DER MACHT
DER HERZOG VON ALBA UND DER NIEDERLÄNDISCHE AUFSTAND
DER UNTERGANG DER ARMADA
MIGUEL DE CERVANTES UND DER „DON QUIJOTE“
DIEGO VELAZQUEZ
DER AUFSTAND IN KATALONIEN
DIE SPANISCHE INQUISITION
SIMON BOLIVAR UND DIE BEFREIUNG DER LATEINAMERIKANISCHEN KOLONIEN

DIE GESCHICHTE DES SPANISCHEN WELTREICHS IM ÜBERBLICK

Klaus Herbers, Geschichte Spaniens im Mittelalter. Vom Westgotenreich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2006) 382 Seiten, 32 Euro.

Klaus Herbers, der Geschichte des Mittelalters an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, bietet einen profunden Überblick über 1000 Jahre iberische Geschichte vom Ende der römischen Herrschaft über die Zeit der Maurenherrschaft und der Reconquista bis zur Begründung des modernen Spanien unter den Königen Ferdinand und Isabella Ende des 15. Jahrhunderts. Ein Schwerpunkt der etwas zähen Darstellung ist das Einwirken der unterschiedlichen Kulturen – muslimische Mauren, Juden, Christen – aufeinander. Für ein tieferes Verständnis der Entstehungsbedingungen des spanischen Weltreichs ist das Werk unentbehrlich.

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Walther L. Bernecker und Horst Pietschmann, Geschichte Spaniens (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, 4. Aufl.) 536 Seiten, 44 Euro.

Standardwerk der beiden hervorragenden deutschen Experten für spanische Geschichte. Die Entwicklung von der Entstehung des modernen Spanien unter Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien Ende des 15. Jahrhunderts über den Aufstieg des spanischen Weltreichs bis zu dessen Niedergang beschreibt dabei Horst Pietschmann, emeritierter Professor für iberische und lateinamerikanische Geschichte an der Universität Hamburg.

Walther L. Bernecker, Spanische Geschichte (C. H. Beck Wissen, München 2006) 136 Seiten, 7,90 Euro.

Sehr knapper Überblick über die Geschichte Spaniens von der Gründung der spanischen Monarchie im ausgehenden Mittelalter bis heute. Das Hauptinteresse des Autors liegt allerdings in der neuesten Geschichte – was man dem Buch auch anmerkt, das frühere Zeiten nur kursorisch behandelt.

Horst Pietschmann (Hrsg.), Handbuch der Geschichte Lateinamerikas, Band 1: Mittel-, Südamerika und die Karibik bis 1760 (Verlag Clett-Cotta, Stuttgart 1994) 1063 Seiten, in guten Bibliotheken erhältlich. Spanien hat die Geschichte Lateinamerikas entscheidend geprägt: Im Auftrag der spanischen Krone segelte Christoph Kolumbus 1492, eroberten die Konquistadoren weite Teile des Kontinents, regierten dort 300 Jahre lang Vizekönige. Über indianisches Leben und Gesellschaft vor Kolumbus, die europäische Landnahme in Amerika sowie die spanische (und portugiesische) Kolonialherrschaft informiert ausführlich und zuverlässig dieses Handbuch. Band zwei verfolgt die Geschichte des Kontinents bis 1900 weiter, der dritte ist Lateinamerika im 20. Jahrhundert gewidmet.

Paul Kennedy, Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000 (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000) 976 Seiten, 14,90 Euro.

Das Buch des an der Yale-Universität lehrenden Paul Kennedy machte bei seinem Erscheinen 1987 Furore: Nicht nur versuchte der Historiker allgemeingültige Regeln über die Entwicklung von Großmächten wie dem spanischen Weltreich in der Geschichte herauszuarbeiten – sondern er wandte seine Kenntnisse auch auf deren Zukunft an. So gab er Prognosen über die (damals noch existierende) UdSSR und die USA ab. Und noch immer lohnt die Lektüre dieses Werkes, das zu den meistverkauften Büchern über Geschichte gehört.

RECONQUISTA

Stephen O’Shea, Sea of Faith: Islam and Christianity in the Medieval Mediterranean World (Walker, New York 2007) 432 Seiten, 10,99 Euro.

Kreuzzug gegen Dschihad, Ritterheere, Gotteskrieger, König und Kalif: Man sollte meinen, dass die epische Schlacht von Las Navas de Tolosa von 1212, die letztlich die Reconquista zugunsten der Christen und gegen die Mauren entschied, das eine oder andere Buch wert ist. Ist sie aber nicht. Als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz relativ leicht erhaltbare weiterführende Literatur sei deshalb dieses Werk des kanadischen Journalisten Stephen O’Shea empfohlen. Er widmet dem Aufeinanderprall in Andalusien bloß ein – gut geschriebenes – Kapitel. Doch dafür ordnet er diesen Konflikt ein in jenen größeren interreligiösen Kampf rund ums Mittelmeer, jenes Ringen, das das Mittelalter (und nicht nur das) entscheidend mitprägte.

GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv

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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

DIE HOCHZEIT FERDINANDS VON ARAGON UND ISABELLAS VON KASTILIEN / 1492 „DAS JAHR DER WUNDER“

Peggy K. Liss, Isabel the Queen. Life and Times (University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2004) 473 Seiten, 19,99 Euro.

Die Standardbiografie über eine große Herrscherin, die durch ihre Heirat mit dem Kronprinzen von Aragón, Ferdinand, ihre energische Vereinheitlichungspolitik und ein häufig rücksichtsloses Vorgehen etwa gegen die Juden das Königreich Spanien schuf.

Joseph Pérez, Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der katholischen Könige (Eugen Diederichs Verlag, München 2002) 382 Seiten, ab 6 Euro (antiquarisch).

Deutlich mehr Raum als Peggy Liss gibt Pérez, ein exzellenter Kenner der Epoche, dem anderen der beiden Katholischen Könige, Ferdinand von Aragón. Das flüssig geschriebene Werk liefert darüber hinaus aber auch ein detailliertes Panorama Spaniens zu dessen Entstehungszeit Ende des 15. Jahrhunderts. Die wohl beste deutschsprachige Darstellung zum Thema.

Bernard Vincent, Das Jahr der Wunder. Spanien 1492 (Klaus Wagenbach, Berlin 1992) 198 Seiten, ab 40 Euro (antiquarisch).

„Jahr der Wunder“ nennt der französische Historiker Bernard Vincent 1492 und folgt darin zeitgenössischen Chronisten. In der Tat musste denen vieles wunderbar vorkommen, was in diesem Geburtsjahr des modernen Spanien geschah: die Eroberung Granadas, der letzten maurischen Festung auf der Iberischen Halbinsel, die Entdeckungsfahrt des Kolumbus nach Amerika, das Erscheinen der ersten kastilischen Grammatik. Eher wie ein übler Spuk hingegen erscheint heute die Vertreibung der Juden aus Spanien, ebenfalls von Ferdinand und Isabella 1492 verfügt.

David Nicolle, Granada 1492. The Twilight of Moorish Spain (Greenwood Press, Westport/Connecticut 2005) 96 Seiten, ab 30 Euro.

Für den militärgeschichtlich Interessierten: Alles über den fast elf Jahre dauernden Feldzug Ferdinands und Isabellas gegen das letzte islamische Königreich auf iberischem Boden, höchst anschaulich dank vieler Karten und Illustrationen.

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JOHANNA „DIE WAHNSINNIGE“

Manuel Fernández Alvarez, Johanna die Wahnsinnige 1479–1555: Königin und Gefangene (beck’sche Reihe, München 2008) 228 Seiten, 12,95 Euro.

Johanna von Kastilien, genannt „die Wahnsinnige“, Tochter Ferdinands und Isabellas, ist eine der bewegendsten Figuren der spanischen Geschichte. Mutter von sechs Kindern, die sie kaum sieht, Witwe mit sechsundzwanzig, abgeschnitten von der Macht, eingeschlossen und über Jahrzehnte hinweg eingesperrt – erst von ihrem Mann, dann vom eigenen Vater, später von ihrem Sohn Karl I. (als Kaiser Karl V.). Manuel Fernández Alvarez, einer der bekanntesten Historiker Spaniens, erzählt ihre tragische Geschichte spannend und mit großer Sympathie.

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Alfred Kohler, Karl V. 1500–1558. Eine Biographie (beck’sche reihe, München 2005) 424 Seiten, 16,90 Euro.

Mehr als 25 Jahre hatte sich der Historiker Alfred Kohler mit der Geschichte der Habsburger befasst, bevor er anlässlich des 500. Geburtstages des Kaisers im Jahr 2000 die erste Fassung dieser Biographie vorlegte. Kohler nimmt eine europäische Perspektive ein und zeigt, dass Spanien nur ein Teil in dem komplexen Herrschaftsgebilde war, das Karl V. regierte. Die eindrucksvolle Forschungsarbeit macht deutlich, dass der Sohn von Johanna „der Wahnsinnigen“ und Philipp „dem Schönen“, König von Spanien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, als einer der bedeutendsten Fürsten der frühen Neuzeit noch immer interessant ist.

DIE SILBERMINE VON POTOSI

Peter J. Bakewell, Miners of the Red Mountain. Indian Labor in Potosí, 1545-1650 (University of New Mexico Press 1984) 213 Seiten, in guten Bibliotheken erhältlich.

Immer noch das Standardwerk über Arbeit und Arbeitsbedingungen im Silberbergbau von Potosí, der 1545 eröffneten größten und ergiebigsten Edelmetallmine des spanischen Weltreichs. Peter Bakewell ist einer der profundesten Kenner der lateinamerikanischen Geschichte.

Carlo M. Cipolla, Die Odyssee des spanischen Silbers. Conquistadores, Piraten, Kaufleute (Klaus Wagenbach, Berlin 1998) 126 Seiten, 18,50 Euro.

Die spanischen Eroberer wollten in Amerika vor allem Gold erbeuten. Doch von viel größerer Bedeutung wurde das Silber, das etwa in Potosí (im heutigen Bolivien) zu Zehntausenden Tonnen gefördert wurde. Carlo Cipollas Essay schildert knapp und verständlich, woher dieses Silber kam, was damit geschah – und welche Auswirkungen der Reichtum für die Weltmacht Spanien hatte.

LAS CASAS UND DAS STREITGESPRÄCH UM DIE BEHANDLUNG DER INDIOS

Martin Neumann, Las Casas. Die unglaubliche Geschichte von der Entdeckung der Neuen Welt (Herder, Freiburg im Breisgau 1990) 285 Seiten, um 12 Euro (antiquarisch).

Ein fesselndes, leicht zugängliches Sachbuch, das den Weg des 1474 in Sevilla geborenen Bartolomé de las Casas nachzeichnet: vom Seefahrer, Soldaten und Grundbesitzer, der Indios wie Sklaven für sich arbeiten lässt, zum Mönch und leidenschaftlichen Kämpfer für die Rechte der Ureinwohner. Der Erzählgang folgt dem Lebenslauf Las Casas’ chronologisch und stellt dabei immer wieder Bezüge zum Spanien und Amerika des 16. Jahrhunderts her. Ausgiebige Zitate aus den Schriften des zeitkritischen Mönchs lassen ein lebendiges Bild sowohl dieser umstrittenen Persönlichkeit als auch der Wunder und Grausamkeiten der Eroberung Amerikas entstehen.

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PHILIPP II. – SPANIEN IM ZENIT DER MACHT

Geoffrey Parker, Philip II (Open Court Publishing, Chicago 2002, 4. Aufl.) 260 Seiten, ab etwa 19 Euro (antiquarisch).

Auch wenn der amerikanische Historiker Geoffrey Parker seine Biografie schon Ende der 1970er Jahre geschrieben hat: Das Werk zählt immer noch zu den besten und ausgewogensten Abhandlungen über Philipp II. Parker versucht – nah an der Person des Herrschers und zugleich mit viel Sinn für den historischen Kontext – den mächtigsten spanischen König weder als üblen Tyrannen noch als strahlenden Helden erscheinen zu lassen. Stattdessen werden die Handlungen des Königs aus psychologischen Motiven einerseits und politischen Absichten und Zwängen andererseits anschaulich erklärt. Das Buch wechselt zwischen eher thematischen Abschnitten (etwa zum Arbeitsstil des Monarchen, zu seiner Familie und seinem Alltag) und eher chronologischen, die einen umfassenden aber kompakten Überblick der Ereignisse von Philipps Leben und Herrschaft geben. Auch dank der vielen persönlichen Schriftstücke des Königs, die Parker als Quellen benutzt hat, entsteht ein sehr eingehendes, fast intimes Porträt jenes Mannes, dessen Reich die Erde umspannte.

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Manfred Vasold, Philipp II. (Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2001) 157 Seiten, 8,50 Euro.

Wer eine kompakte deutschsprachige Abhandlung als Einstieg in die Welt Philipps II. sucht, sollte dieses Taschenbuch wählen. Es liefert ebenfalls einen wohl austarierten Überblick zu Leben und Wirken des Monarchen. Vasold hat keine eigenen Forschungen betrieben, sondern fasst das Wichtigste aus bereits existierender Literatur zu einer neuen, gut lesbaren und informativen Darstellung zusammen. Das Buch ist in viele kleine Kapitel unterteilt, die nicht immer chronologisch strukturiert sind. Deshalb kommt hier – ähnlich wie bei Parker (siehe oben) – keine wirklich durchgehende Lebenserzählung zustande. Zahlreiche Abbildungen und eine Zeitleiste ergänzen den Text, der auch einen Abschnitt über die kontroverse Beurteilung Philipps II. durch dessen Nachwelt enthält.

DER HERZOG VON ALBA UND DER NIEDERLÄNDISCHE AUFSTAND

Henry Kamen, The Duke of Alba (Yale University Press, New Haven 2004) 216 Seiten, ab 22,99 Euro.

Ränkespiele am Hofe des spanischen Königs, fragwürdige Feldzüge zur Festigung der Beziehungen zwischen den Adelsgeschlechtern, Neid, Missgunst und religiöser Wahn – die Zeiten, in denen aus dem politisch weitsichtigen General Fernando Álvarez de Toledo, dem Herzog von Alba, ein menschenverachteter Getriebener wird, sind beileibe nicht ruhig. Detailgenau und spannend beschreibt Henry Kamen in dieser Biografie den brutalen Kämpfer gegen die aufständischen Niederlande; einen Mann, der gefangen ist in gesellschaftlicher Konvention und übermäßigem Pflichtbewusstsein, dass er blind wird für die Geschehnisse in seiner unmittelbaren Umgebung.

Geoffrey Parker, Der Aufstand der Niederlande (Callwey Verlag, München, 1979), 381 Seiten, ab 7,49 Euro (antiquarisch).

Während Henry Kamens Buch sich auf das unmittelbare Leben des Herzogs von Alba konzentriert, betrachtet Geoffrey Parker die politische Situation der Niederlande von Beginn der spanischen Herrschaft bis zu ihrem Ende. Welche Umstande dazu führen, dass sich die Bevölkerung erhebt und welche wirtschaftlichen und historischen Motive dabei eine Rolle spielen, erzählt Parker zwar mit sachlicher Distanz, das Buch fesselt jedoch durch seine große Fülle an historischen Zeugenaussagen.

DER UNTERGANG DER ARMADA

John Barratt, Armada 1588. The Spanish Assault on England, (Pen & Sword, Barnsley 2005) 182 Seiten, 24,99 Euro.

1588 lässt sich Spanien auf sein ehrgeizigstes Seekriegsunternehmen ein: eine Invasion Englands soll die Machtverhältnisse auf dem Atlantik und in Europa zugunsten der iberischen Weltmacht wenden. Doch der Angriff endet im Desaster. John Barratt schildert klar und anschaulich die Vorgeschichte und den Verlauf des Kampfes. Die Chronik der entscheidenden Tage liest sich packend wie ein Krimi, ist dabei solide gearbeitet und bleibt stets fair.

Colin Martin und Geoffrey Parker, The Spanish Armada (Mandolin, Manchester 1999) 295 Seiten, 17,99 Euro.

Wer es genauer wissen will, greife zu diesem flüssig geschriebenen Band. In leicht verständlicher Erzählweise bietet er zahlreiche faszinierende Details zur Vorbereitung des Unternehmens, zum Leben an Bord, zum Schlachtverlauf, endlich zum Untergang der Armada in den Stürmen vor Irland. Der Leser erfährt nicht nur, was geschehen ist. Sondern auch, wie die Historiker die Flottenfahrt rekonstruieren konnten, was sie auf den Wracks gefunden haben – und welche populären Legenden falsch sind.

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MIGUEL DE CERVANTES UND DER „DON QUIJOTE“

William Byron, Cervantes – Der Dichter des Don Quijote und seine Zeit (Piper Verlag, München/Zürich 1982) 605 Seiten, etwa 10 Euro (antiquarisch).

Soldat in der Seeschlacht von Lepanto, Sklave in Algier, Steuereintreiber, Sträfling, erfolgloser Verseschmied und Außenseiter – das Leben des Miguel de Cervantes war mindestens genauso ereignisreich wie das seiner berühmten Figur Don Quijote. William Byron rekonstruiert mit Hilfe von Briefen, amtlichen Dokumenten und Prozessakten die Biografie des spanischen Nationaldichters und behält dabei stets die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe des Landes im Goldenen Zeitalter im Auge. Manchmal etwas behäbig, aber sehr detailliert.

Vladimir Nabokov, Die Kunst des Lesens. Cervantes’ „Don Quijote“ (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1991) 327 Seiten, um 10 Euro (antiquarisch).

Der große Schriftsteller Vladimir Nabokov („Lolita“) hielt in den 50er Jahren an amerikanischen Universitäten Literaturvorlesungen, die später in Buchform erschienen sind. Mit dem Blick des Künstlers, nicht des Wissenschaftlers, hat er dabei auch den „Don Quijote“ einer eigenwilligen Inspektion unterworfen, einschließlich selbst gezeichneter Skizzen der berühmten Windmühlenflügel. Sein Fazit: Das Werk sei eine „veritable Enzyklopädie der Grausamkeit" und „eines der furchtbarsten und barbarischsten Bücher, die je geschrieben wurden". Allerdings mit einer Hauptfigur, die größer sei als das Werk, dem sie entstieg: „Wir lachen nicht mehr über ihn. Sein Wappen ist das Erbarmen, sein Feldzeichen die Schönheit. Er steht für alles, was edel ist und hilflos, rein, selbstlos und ritterlich.“ Sehr lesenswert!

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Miguel de Cervantes Saavedra, Don Quixote von la Mancha: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha, übersetzt von Ludwig Tieck (Fischer, Frankfurt/M. 2008) 1257 Seiten, 14,50 Euro.

„An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Junker, einer von jenen, die einen Speer im Lanzengestell, eine alte Tartsche, einen hagern Gaul und einen Windhund zum Jagen haben.“ So beginnt der erste echte Roman der Literaturgeschichte. Schon direkt nach der Veröffentlichung ein ungeheurer Erfolg, ist der „Don Quijote“ inzwischen das meist gedruckte Werk nach der Bibel. Die Nebenhandlungen mit in unglücklicher Liebe entbrannten Hirten und gefallenen Töchtern lesen sich heute etwas zäh, aber sobald die Hauptfigur wieder auftaucht, ist das Buch noch immer ein großes Vergnügen.

DIEGO VELAZQUEZ

Martin Warnke, Velázquez: Form und Reform (Dumont Buchverlag, Köln 2005) 176 Seiten, 39,90 Euro.

Warnke erklärt Velázquez’ Gemälde vor dem Hintergrund des spanischen Hoflebens und der politischen Entwicklung des Königreiches. Das faktenreiche und anschaulich geschriebene Buch behandelt die Karriere des Malers von den Anfängen in Sevilla bis hin zu Spätwerken wie Las Meninas. Der Leser erfährt, wie Velázquez Hofkünstler wird und das Bescheidenheitsideal der Regierung verkörpern soll, die dem Land ein rigides Sparprogramm auferlegen will. Sowohl für Einsteiger in die spanische Kunst als auch für ihre Kenner eignet sich der fundierte Band bestens.

José López-Rey, Velázquez. Maler der Maler und Werkverzeichnis (Taschen Verlag, Köln 1996) 2 Bände, 620 Seiten, ab 49 Euro (antiquarisch).

Zwar sind die beiden umfangreichen Bücher inzwischen in einigen Details überholt, sie bleiben aber dennoch Standarddarstellungen zu Leben und Werk von Diego Velázquez. Besonders der sorgfältig recherchierte Katalogteil eignet sich gut zum Nachschlagen für alle, die mehr über einzelne Gemälde wissen wollen. Die dazu gehörige Biografie enthält viele wissenswerte Details, etwa über Herkunft des Künstlers aus einer kleinen Familie portugiesischer Einwanderer oder, am Lebensende, über seine Tätigkeit als Hofdekorateur.

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DER AUFSTAND IN KATALONIEN

John Huxtable Elliott, The Revolt of the Catalans. A Study in the Decline of Spain (Cambridge University Press 1984) 640 Seiten, 69,99 Euro.

Die umfangreichste Studie über den Aufstand der Katalanen liegt leider nur auf Englisch vor. Der Oxforder Historiker John H. Elliott schildert minutiös die Ereignisse um den Fronleichnamstag 1640, als mit einer blutigen Revolte der Landarbeiter in Barcelona eine allgemeine Erhebung beginnt. Vor allem aber behandelt der Autor ausführlich die Vorgeschichte dieser Rebellion der segadors. Ein wenig enttäuschend hingegen ist die knappe Darstellung der weiteren Entwicklungen. Dennoch ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich gründlich mit dem Thema beschäftigen wollen.

Walther L. Bernecker, Torsten Esser und Peter A. Kraus, Eine kleine Geschichte Kataloniens (Suhrkamp, Frankfurt 2007) 342 Seiten, 10 Euro.

Wer wissen möchte, wie die Geschichte Kataloniens nach dem Aufstand der Segadors vom Fronleichnamstag 1640 weiterging, sollte zu diesem Buch greifen. Der Schwerpunkt liegt im 19. und 20. Jahrhundert, als die Katalanen zunächst ihre kulturelle Eigenständigkeit wiederentdecken und dann nach und nach auch politische Autonomie zurückgewinnen. Das Werk bietet außerdem einen guten ersten Überblick über die Geschichte der Region im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.

DIE SPANISCHE INQUISITION

Henry Kamen, The Spanish Inquisition. A Historical Revision (Yale University Press, New Haven 1999) 392 Seiten, ab 15,99 Euro.

Grundlegendes Werk eines der besten Experten für spanische Geschichte allgemein und besonders die Geschichte der Inquisition, des Glaubensgerichtes, das 1478 zur ersten gemeinsamen Behörde der Reiche Kastilien und Aragón wurde – und bis heute maßgeblich zum düsteren Bild Spaniens als Hort katholischer Intoleranz beiträgt. Dass die Inquisition nicht ganz so scheußlich war, legt Henry Kamen detailliert und ausführlich dar.

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Helen Rawlings, The Spanish Inquisition (Blackwell Publishing, Oxford 2005) 192 Seiten, 35,99 Euro.

Ein systematischer, knapper Überblick des neuesten Forschungsstandes. Mit kühlem Blick analysiert Helen Rawlings die Literatur zum Thema, zeigt Statistiken und diskutiert unter anderem die Opferzahlen, die in den meisten Darstellungen grotesk übertrieben werden: zwar waren es wohl etwa 3000 Menschen, die die Inquisition in den mehr als 300 Jahren ihres Bestehens den Henkern übergab. Doch die Hexenverfolgungen in Mitteleuropa etwa forderten ein Vielfaches dieser Opfer.

SIMON BOLIVAR UND DIE BEFREIUNG DER LATEINAMERIKANISCHEN KOLONIEN

John Lynch, Simón Bolívar. A Life (Yale University Press, New Haven und London 2007) 349 Seiten, Taschenbuchausgabe 18,99 Euro; gebunden 40,99 Euro.

Der inzwischen emeritierte Historiker John Lynch hat lateinamerikanische Geschichte an der Universität London unterrichtet. Mit diesem Buch legt er die erste Bolívar-Biografie seit Langem vor. Lynch ist eine ebenso gelehrte wie elegant geschriebene Studie gelungen. Sie gilt zu Recht als neues Standardwerk über den „Befreier“ der spanischen Kolonien in Südamerika.

Hans-Joachim König, Kleine Geschichte Lateinamerikas (Philipp Reclam jun., Stuttgart 2006) 814 Seiten, 26,90 Euro.

Wer mehr über die Unabhängigkeitskriege in den amerikanischen Kolonien Spaniens wissen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Auf neuestem Forschungsstand und in sehr klarer Darstellung informiert es über die teils recht komplizierten Aufstandsbewegungen in den einzelnen Vizekönigtümern und Provinzen. Eine lohnende Anschaffung – zudem als Nachschlagewerk geeignet, um den historischen Hintergrund aktueller Kontroversen in Lateinamerika besser zu verstehen.

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