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Ägypten Das alte Ägypten: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
In diesem Artikel
BILDBÄNDE
PYRAMIDENBAU – DER GIGANT VON GISEH
ERSTE ZWISCHENZEIT – DER HERR DER BEIDEN LÄNDER
HIEROGLYPHEN
ZWEITE ZWISCHENZEIT – KAMPF UM DIE EINHEIT
THUTMOSIS III. – AUFSTIEG ZUR WELTMACHT
TOTENKULT – EIN KÖNIG WIRD GOTT
GÖTTERFEST – BESUCH VOM HERRN DES HIMMELS
AMENOPHIS III. – DER VERLORENE TEMPEL
KÜNSTLER – IM DIENST DES SONNENLICHTES
DIE ZANANZA-AFFÄRE – TOD EINES PRINZEN
RAMSES II. – DER ERSTE FRIEDENSVERTRAG
GRABRAUB – FREVEL AN DER JENSEITSWELT
ALEXANDER DER GROSSE – EROBERER AUS DEM NORDEN
KLEOPATRA – DIE LETZTE DER PHARAONEN

ÄGYPTEN NACHGESCHLAGEN

Regine Schulz & Matthias Seidel, Ägypten. Die Welt der Pharaonen (Ullmann/Tandem Verlag Nachdruck, Köln 2005) 540 Seiten, gebunden 19,95 Euro, nur noch antiquarisch erhältlich!

Ein Muss für jeden, der sich mit dem alten Ägypten beschäftigt. Das erstmals 1997 bei Könemann verlegte Buch bietet eine übersichtliche Zusammenstellung aller wesentlichen Bereiche pharaonischer Geschichte, sei es Religion und Staatswesen, Schrift und Sprache oder Alltagsleben und Totenkult. Für dieses ausschließlich von renommierten Ägyptologen verfasste, aber sehr leicht lesbare Buch gilt: Sollten Sie es antiquarisch erstehen können, greifen Sie sofort zu.

Hermann A. Schlögl, Das alte Ägypten (C. H. Beck, 2. Auflage 2005), 144 Seiten, 7,90 Euro.

Knapp und allgemein verständlich erzählt der emeritierte Ägyptologie-Professor Hermann Schlögl die viertausend Jahre währende ägyptische Geschichte von den ersten Anfängen bis zum Beginn der römischen Herrschaft. Anschaulich beschreibt er daneben auch Alltag, Religion und Kultur des Nillandes. Damit bietet er auf 144 Seiten einen komprimierten Rundumschlag - oft jedoch leider recht wissenschaftlich und für den Einsteiger nicht unbedingt leicht zu lesen.

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Sabine Kubisch, Das alte Ägypten (Theiss Verlag, Stuttgart 2008) 191 Seiten, 19,90 Euro.

Sabine Kubisch, promovierte Ägyptologin an der Universität von Heidelberg, erzählt dagegen leicht verständlich und

facettenreich die Geschichte Ägyptens von der Steinzeit bis hin zu Kleopatra und gibt kompakt geschriebene Einblicke in alle wesentlichen Bereiche der Hochkultur am Nil.

John Baines & Jaromir Malek, Bildatlas der Weltkulturen – Ägypten. Kunst, Geschichte und Lebensformen (Bechtermünz Verlag Nachdruck, Augsburg 1998) 239 Seiten, ab ca. 7,00 Euro antiquarisch erhältlich.

Als ausgewiesene Fachleute umreißen Baines und Malek in knapp gefassten Kapiteln die Kultur des alten Ägypten. Der reich illustrierte Bildatlas (Erstauflage 1980) liefert alles, was zum Verständnis des Pharaonenreichs nötig ist: einen chronologischen Abriss über die Geschichte, dazu Karten und einen großzügigen Lexikonteil zu den wichtigsten archäologischen Stätten am Nil. Bestens für den Einstieg geeignet.

Ian Shaw & Paul Nicholson (Hrsg.), Reclams Lexikon des alten Ägypten (Reclam Verlag, Ditzingen 1998) 342 Seiten, gebundene Ausgabe 39,90 Euro.

Als eine reich illustrierte Enzyklopädie des alten Ägypten präsentiert sich das gelungene Übersichtswerk von Shaw und Nicholson. Das Nachschlagewerk bietet ein breites Spektrum an Informationen zu Personen, Orten, historischen Ereignissen, Religion, Verwaltung, Wirtschaft, Landwirtschaft, sozialen Verhältnissen, Wissenschaft und Literatur sowie Kunst und Architektur – auf wissenschaftlichem Niveau. Jeder Artikel ist zudem mit Literaturhinweisen versehen. Ein hervorragendes Nachschlagewerk sowohl für Ägyptologen, als auch für Laien.

Jan Assmann, Ägypten: Eine Sinngeschichte (Fischer Verlag, Frankfurt 1999) 549 Seiten, Taschenbuch 17,90 Euro.

Gewiss ein Standardwerk der Ägyptologie. Jan Assmann vermittelt dem Leser eingehend die religiösen, kulturellen und politischen Hintergründe der ägyptischen Geschichte. Das Buch des bekannten Heidelberger Ägyptologen und Kulturtheoretikers ist nicht gerade leichte Bettlektüre, doch eröffnet es einen besonders reizvollen Zugang zum Land am Nil

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BILDBÄNDE

Christine Strauß-Seeber, Der Nil. Lebensader des alten Ägypten (Hirmer Verlag, München 2007) 200 Seiten, 60 Euro.

Ägypten sei ein Geschenk des Nil, meinte schon der griechische Historiker Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. Jahr für Jahr überschwemmt der mächtige Strom mit seinen Fluten das Land, düngt die Felder mit fruchtbarem Schlamm, treibt die Menschen an seinen Ufern, ein kompliziertes Bewässerungs- und Vorratssystem zu entwickeln. Aus dem Wechselspiel zwischen Nil und Wüste, Flut und Dürre entsteht die ägyptische Hochkultur. In dem vorliegenden, exquisit bebilderten Band macht sich die Ägyptologin Christine Strauß-Seeber auf zu einer kulturhistorischen Betrachtung des Nil, vom Hymnus an den vergöttlichten Strom über den altägyptischen Kalender bis hin zu Gärten, Teichen und Wirtschaftsleben. Ein großformatiges Werk wie es sein soll: lehrreicher Lesespaß und Augenweide zugleich.

Francesco Tiradritti, Ägyptische Wandmalerei (Hirmer Verlag, München 2007) 392 Seiten, gebunden im Schuber 128 Euro.

Die Wandmalereien in den Gräbern der Pharaonenzeit schlagen jeden Ägyptenreisenden sofort in ihren Bann. Es war also höchste Zeit für ein Buch, das dem „Aegyptophilen“ dieses Vergnügen auch zuhause auf dem Sofa bereitet. Der Autor leitet seit Jahren Ausgrabungen in der thebanischen Totenstadt auf der Westseite des Nil bei Luxor (etwa im Grab eines Beamten des großen Amun-Tempels von Karnak namens Harwa aus dem 7. Jahrhundert v. Chr.). Dort, in Theben-West, finden sich auch die prächtigsten Beispiele ägyptischer Wandmalerei, bewegte Szenen des täglichen Lebens wie Erntearbeiten, Handwerks- und Tempelbetriebe, oder Darstellungen religiöser Feste und Riten. Doch das Buch stellt nicht einfach nur die Genres vor, es führt ein in die Prinzipien der ägyptischen Kunst, in Maltechnik und Proportionskanon. Chronologisch wird dem Leser die Entwicklung der Malkunst von den frühesten Anfängen bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. dargeboten. Einziges Manko dieses wunderbaren Prachtbandes: Für die zahlreichen doppelseitigen Bilder wurde raues Papier verwendet, dass die Qualität der Fotografien störend mindert. Doch das mag - zugegeben - auch Geschmackssache sein.

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Zahi Hawass & Sandro Vannini, Bilder der Unsterblichkeit. Die Totenbücher aus den Königsgräbern in Theben (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2006) 316 Seiten und 15 Klapptafeln, 89,90 Euro.

Den Königen und Königinnen des „Neuen Reiches“ dienten die Texte und Bilder an den Wänden ihrer Gräber in den Tälern der thebanischen Totenstadt als Führer durch das Jenseits und das Leben darin. Mithilfe einer einzigartigen fotografischen Technik, die die Wände verzerrungsfrei abbildet, hat der italienische Fotograf Sandro Vannini alle dekorierten Ruhestätten im Tal der Könige und im Tal der Königinnen dokumentiert. Zahi Hawass, Generalsekretär der Obersten ägyptischen Antikenverwaltung, hat dieses Projekt von Anfang an gefördert. Denn: Die meisten Grabmalereien sind vom Zerfall bedroht. Und so ist Vanninis Arbeit ein wertvoller Beitrag zur Bewahrung des Weltkulturerbes am Nil. Es sind vor allem anderen seine Bilder, die dieses Buch so kostbar machen.

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FRÜHZEIT – DAS ERSTE REICH DER GESCHICHTE

Vivian Davies & Renée Friedman, Unbekanntes Ägypten. Mit neuen Methoden alten Geheimnissen auf der Spur (Theiss Verlag, Stuttgart 1999) 224 Seiten, antiquarisch ab 19,90 Euro.

Wenig nur ist über die Frühzeit Ägyptens bekannt, jene Epoche von etwa 5000 bis 2700 v. Chr., als die Menschen die austrocknende Sahara verließen und an den Nil zogen, dort Kulturen und erste Städte entstanden und aus regionalen Häuptlingen Pharaonen wurden, die einen Territorialstaat gründeten. Doch die neuere Forschung findet immer mehr Überreste, die das Bild zumindest ein wenig deutlicher machen. Dieser prächtig bebilderte Band informiert über die Ergebnisse der Archäologie und zeigt, was alles heute noch über das alte Ägypten zu entdecken ist.

Günter Dreyer & Daniel Polz (Hrsg.), Begegnung mit der Vergangenheit – 100 Jahre in Ägypten (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2007) 348 Seiten, 49,90 Euro.

Zum hundertsten Jubiläum des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo ist dieser Band erschienen, der eine Vielzahl von Aufsätzen über aktuelle Grabungen am Nil versammelt. Für die Frühzeit besonders interessant: die Beiträge Günter Dreyers über Abydos, eine der frühesten Nekropolen. So hat der renommierte Ägyptologe in der rund 100 Kilometer nördlich des heutigen Luxor am Nil gelegenen Totenstadt die wohl ältesten Schriftzeugnisse der Menschheit entdeckt: etwa 5500 Jahre alte Elfenbeintäfelchen.

Rolf Gundlach, Der Pharao und sein Staat. Die Grundlegung der ägyptischen Königsideologie im 4. und 3. Jahrtausend (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998) 320 Seiten, 24,90 Euro.

Der emeritierte Mainzer Professor für Ägyptologie beschäftigt sich mit Entstehung, Entwicklung und Funktion des ägyptischen Königtums bis zum Ende der 6. Dynastie (2216 v. Chr.). Ausführlich behandelt Rolf Gundlach auch die wenigen Quellen zur Frühzeit und formuliert Thesen etwa darüber, wann der erste Pharao herrschte sowie zur Jahrhunderte dauernden Eroberung des Deltas durch die Oberägypter; einem Prozess, der um 2700 v. Chr. vollendet war. Da eindeutige Belege fehlen, lassen sich die Mutmaßungen allerdings zumeist nicht überprüfen. Für Leser ohne Vorkenntnisse ist das Buch nicht geeignet, sehr interessant ist es hingegen für jene, die sich tiefer in die Materie einfinden möchten.

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PYRAMIDENBAU – DER GIGANT VON GISEH

Michael Haase, Das Vermächtnis des Cheops. Die Geschichte der Großen Pyramide (Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2003) 286 Seiten, 9,90 Euro.

Der Autor hat zahlreiche Sachbücher über die ägyptischen Pyramiden verfasst und gibt die halbjährlich erscheinende Pyramiden-Fachzeitschrift „Sokar“ heraus, in der renommierte Wissenschaftler für Laien verständlich über ihre neuesten Forschungen berichten. „Das Vermächtnis des Cheops“ erzählt Schritt um Schritt vom Bau der Großen Pyramide von Giseh und besticht durch seine Machart: jederzeit klar, anschaulich und verständlich. Für weitere Informationen zur Zeitschrift „Sokar“ und für Buchbestellungen www.verlag-michael-haase.de.

Mark Lehner, Geheimnis der Pyramiden. Neue Erkenntnisse über die bedeutendsten Monumente des Alten Ägypten (Bassermann Verlag, München 2004) 256 Seiten, antiquarisch ab 25 Euro.

Der amerikanische Ägyptologe ist einer der besten Kenner der Pyramiden. Derzeit gräbt Lehner mit seinem Team die Arbeitersiedlungen in Giseh aus. Der reich bebilderte und illustrierte Band reiht die Cheops-Pyramide in die Baugeschichte der altägyptischen Königsgräber ein. In vielen kleinen, übersichtlichen Kapiteln beschreibt Lehner die Arbeitstechniken der Steinmetze und Konstrukteure. Das Buch ist daher auch sehr gut als Nachschlagewerk geeignet.

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Rainer Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1997) 313 Seiten, antiquarisch ab ca. 29 Euro.

Ein Standardwerk der Pyramidenforschung, verfasst von einem der bekanntesten deutschen Ägyptologen. Fundiert und umfassend – leider auch ein wenig spröde in Stil und Darstellung. Für Leser mit Ausdauer.

Peter Jánosi, Die Pyramiden. Mythos und Archäologie (C. H. Beck, München 2004) 128 Seiten, 7,90 Euro.

Die Beck’sche Reihe liefert wie immer den schnellsten Weg zum Wissen. Im Falle der Pyramiden wurde es zusammengetragen von einem Fachmann, der sich seit Jahren mit Fragen der Archäologie und Baugeschichte des Alten Reiches beschäftigt. Absolut empfehlenswert.

ERSTE ZWISCHENZEIT – DER HERR DER BEIDEN LÄNDER

Farouk Gomaà, Ägypten während der Ersten Zwischenzeit (Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1980) 170 Seiten, nur in Fachbibliotheken einsehbar.

„Die Periode, die das Alte Reich vom Mittleren Reich trennt, ist zweifellos die dunkelste Epoche der ägyptischen Geschichte.“ Mit diesem Satz beginnt der Tübinger Ägyptologe Farouk Gomaà die Einleitung zu seinem 1980 erschienenen Standardwerk über die Erste Zwischenzeit. Und obwohl diese Aussage nunmehr fast drei Jahrzehnte alt ist, hat sie bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Wenig nur kündet am Nil von den Jahrzehnten, in denen das Reich der Pyramidenbauer zerfallen war in unzählige Gaufürstentümer. Wenig nur kündet auch von jenem Mann, der diese Epoche um 2015 v. Chr. beendet und Ägypten wieder unter der Doppelkrone der Beiden Länder vereint hat. Mentuhotep II. ist den meisten Ägyptenreisenden nur durch die Ruine seines Königstempels im Tal von Deir el-Bahari und als imposante, schwarz-weiß-rot bemalte Statue im Ägyptischen Museum Kairo ein Begriff. Wer ägyptologische Fachliteratur nicht scheut, der mag einen Blick in Ägyptens düsterste Ära wagen. Allen anderen sei abgeraten.

HIEROGLYPHEN

Hartwig Altenmüller, Einführung in die ägyptische Schrift (Buske, Hamburg 2005) 182 Seiten, 9,95 Euro.

Wer etwas mehr lernen will, als nur seinen Namen in Hieroglyphen zu schreiben, dem sei diese knappe Einführung in die „Heiligen Zeichen“ der Ägypter empfohlen. Der renommierte Hamburger Ägyptologe Hartwig Altenmüller wendet sich mit seinem Buch an Schriftinteressierte ohne Vorkenntnisse, aber auch an Studenten der Ägyptologie und verwandter Disziplinen. Am Ende, so die Wunschvorstellung, beherrscht der Leser die ägyptischen Grundzeichen in Schrift und Aussprache, weiß über Entzifferungsgeschichte, Schreibgerät und unterschiedliche Schriften der Pharaonenzeit Bescheid.

Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen (Diederichs, München 1997) 358 Seiten, 29,90 Euro (antiquarisch schon ab ca. 6 Euro).

Dieses Buch ist ein echter Klassiker der ägyptologischen Literatur. In seiner ersten Auflage erschien es 1963 - und hat seither zahlreiche Neuauflagen erfahren. Mit großem Sprachgefühl hat Emma Brunner-Traut die wichtigsten altägyptischen Märchen, Mythen, Fabeln und Wundergeschichten ins Deutsche übertragen, darunter „Der Schiffbrüchige“, „Der Osirismythos“, „Das Brüdermärchen“ oder auch „Die besessene Prinzessin“.

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ZWEITE ZWISCHENZEIT – KAMPF UM DIE EINHEIT

Pharaonen und Fremde. Dynastien im Dunkel (Eigenverlag der Museen der Stadt Wien, Wien 1994) 300 Seiten, antiquarisch ab ca. 20 Euro (etwa bei www.zvab.com).

Kaum jemand kennt sich besser in der Zweiten Zwischenzeit aus als der Wiener Ägyptologe und Archäologe Manfred Bietak. Der Ausgräber von Auaris, der Hauptstadt der aus Syrien und Palästina stammenden Hyksos im östlichen Nildelta, hat gemeinsam mit seinem Team jene Ausstellung konzipiert, deren Katalog eine sehr verständliche Darstellung der Zweiten Zwischenzeit bietet. Hier erfährt der Leser alles Wichtige zum Kampf der oberägyptischen Pharaonen gegen die „Herrscher der Fremdländer“ im Delta. Wer ägyptische Archäologie mag und Probleme der Forschung liebt, kommt hier auf seine Kosten.

Susanne Petschel & Martin von Falck (Hrsg.), Pharao siegt immer. Krieg und Frieden im Alten Ägypten (Verlag Kettler, Bönen 2004) 303 Seiten, antiquarisch ab ca. 30 Euro.

In der Zweiten Zwischenzeit übernehmen die Ägypter aus Vorderasien den leichten, zweirädrigen Streitwagen, das Sichelschwert und den Kompositbogen, neuartige Dolche, Kriegsbeile und Rüstzeug. Niemals zuvor und niemals wieder wandelt sich die Waffentechnik im Pharaonenreich stärker. Überaus kundig haben Susanne Petschel und Martin von Falck die Objekte zur Ausstellung „Pharao siegt immer“ zusammengetragen: etwa Statuen, Reliefs und Skarabäen, die den Pharao als siegreichen Feldherrn zeigen. Auch die Waffen der alten Ägypter sind zu sehen, unter anderem der mit Blattgold verzierte Prunkdolch des Pharao Kamose, aber auch die Äxte der Hyksos. Im Katalog sind alle Objekte mit informativen Kurztexten versehen. Zudem schildern namhafte Ägyptologen in Aufsätzen den neusten Stand der Forschung. Ein Glossar grundlegender Begriffe schließt dieses spannende, anschauliche Werk ab.

THUTMOSIS III. – AUFSTIEG ZUR WELTMACHT

Angelika Tulhoff, Thutmosis III. 1490–1436 v. Chr. Das ägyptische Weltreich auf dem Höhepunk der Macht (Callwey, München 1984) 279 Seiten, antiquarisch ab ca. 32 Euro.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, eine Figur wie Thutmosis III., von der uns 3500 Jahre trennen, als Mensch erstehen zu lassen. Der historische Graben ist gewaltig und die Vorstellungswelt, in der ein Pharao als König und Gott zugleich lebt, uns nur sehr begrenzt zugänglich. Thutmosis III. lebt in einer anderen Wirklichkeit und nach anderen Gesetzen als seine Deuter. Der Ägyptologin Angelika Tulhoff jedoch gelingt mit ihrer angenehm leicht geschriebenen Biografie etwas Seltenes: Hart entlang der Fakten zeichnet sie ein präzises Bild eines ungewöhnlich gebildeten und tatkräftigen Herrschers. Und eines Menschen, der sich für Naturwissenschaften, für Waffen und für Kunst interessiert. Spekulationen und Deutungen aber meidet sie. Denn angesichts eines derartigen zeitlichen Abstandes versagt unser Vorstellungsvermögen leicht, und Thutmosis III. verwandelt sich eine Gestalt der Einbildungskraft.

Wolfgang Helck, Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. (Harrassowitz, Wiesbaden 1971) 611 Seiten, am besten in der Bibliothek einsehen.

Das Werk des großen deutschen Ägyptologen ist längst ein Klassiker. Äußerst detailliert schildert es die Kriege und die Feldzüge der Pharaonen gegen ihre östlichen Nachbarn. Und die diplomatischen Unternehmungen beider Seiten. Darüber hinaus aber zeigt es auch, wie sich bereits vor 4000 Jahren unterschiedliche Kulturen wechselseitig beeinflussen und durchdringen. Ein grandioses Werk.

TOTENKULT – EIN KÖNIG WIRD GOTT

Zahi Hawass & Sandro Vannini, Tutanchamun. Das legendäre Grab des Pharao (Frederking & Thaler, München 2008) 296 Seiten, 50 Euro.

Im Herbst des Jahres 1922 macht der britische Archäologe Howard Carter den Fund seines Lebens: Er stößt im Tal der Könige auf eine Treppe, die in die Tiefe führt. An deren Ende findet sich eine versiegelte Tür. Und dahinter der größte und kostbarste Grabschatz, der je in Ägypten freigelegt worden ist. Die Menschen am Nil glaubten an ein Weiterleben nach dem Tod, daher statteten sie die Gräber der Verstorbenen mit allem aus, was diesen im Jenseits nützlich sein könnte. Tutanchamun nahm 1323 v. Chr. wahre Reichtümer mit auf seine Reise in die Ewigkeit. Zahi Hawass und Sandro Vannini nehmen den Leser nun mit in diese legendärste aller ägyptischen Rühestätten und lassen vor dem Auge des Betrachters die Grabkammern des Tutanchamun und deren Inhalt in der Reihenfolge ihrer Entdeckung wiederauferstehen, so detailreich und brillant wie es noch nie zuvor gezeigt worden ist. Ein Augenschmaus.

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GÖTTERFEST – BESUCH VOM HERRN DES HIMMELS

Abdel Ghaffar Shedid & Matthias Seidel, Das Grab des Nacht. Kunst und Geschichte eines Beamtengrabes der 18. Dynastie in Theben-West (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1991), 83 Seiten, antiquarisch ab 8,90 Euro.

Der kleinformatige Bildband entführt mitten hinein in die wunderschönen Malereien im Felsgrab des Nacht – eines Beamten und Sternenkundigen, der um 1390 v. Chr. in Theben lebte und wirkte. Abdel Ghaffar Shedid und Matthias Seidel beschreiben detailliert sämtliche Alltags-, Jagd- und Festszenen, die der Grabinhaber zu Lebzeiten für seine Ewigkeitswohnung in Auftrag gab. Noch heute zeugen die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Bildwerke von der Hoffnung des Nacht, einst im Jenseits fortzuleben und mit seinen Verwandten einmal im Jahr das „Schöne Fest vom Wüstental“ zu feiern – die prächtigste Feier Ägyptens zu Ehren der Toten.

Emma Brunner-Traut, Alltag unter Pharaonen. So lebten die alten Ägypter (Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1998), 351 Seiten, antiquarisch ab ca. 7 Euro.

Die Anfang 2008 verstorbene Ägyalte Ägypten: ptologin fand erstmals in den 1960er Jahren mit einem Reiseführer in das Land am Nil eine breite Leserschaft. Auch in ihrem Werk über den altägyptischen Alltag schlägt Brunner-Traut einen lockeren Ton an, erzählt detailreich und episodenhaft von Götterglauben und ärztlicher Kunst, berichtet über Kriminelle, Schulalltag, Liebe und Tod. Einziger Nachteil des packenden Buches sind seine kryptischen Kapitalüberschriften, welche dem Laien eine gezielte Recherche schwer machen.

Dieter Arnold, Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten (Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996), 239 Seiten, 35,90 Euro.

Wie sind die gewaltigen Säulenhallen zu deuten, die die Heiligtümer im Inneren der Tempel umgeben? Welchem Zweck dienten die kunstvollen Reliefs? Was sind Pylone - und warum ließen die Pharaonen zahllose Obelisken vor den mächtigen Eingangstoren errichten? Dieter Arnold, Architekt und Ägyptologe, widmet sich ausführlich der religiösen Architektur im alten Ägypten. Er beschreibt nicht nur detailreich alle bekannten 130 Tempel, sondern klärt grundlegend über Stilelemente, Bauformen, die Bedeutung des Königskultes und die Aufgaben der Priester in den politischen und wirtschaftlichen Zentren des Reiches auf. Zahlreiche Fotos, Pläne und Rekonstruktionszeichnungen illustrieren den gut lesbaren Band.

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AMENOPHIS III. – DER VERLORENE TEMPEL

David O’Connor & Eric H. Cline (Hrsg.), Amenhotep III. Perspectives on His Reign (University of Michigan Press, Ann Arbor 2001) 448 Seiten, Taschenbuch 20,99 Euro.

Amenophis III. (= Amenhotep III.) hat Ägypten im 14. Jahrhundert v. Chr. mit monumentalen Bauten überzogen wie kein anderer Pharao zuvor. Nur Ramses der Große sollte ihn 100 Jahre später darin übertrumpfen. Als meisterhafter Diplomat, Theologe und Bauherr gehört Amenophis III. zu den herausragendsten Herrscherpersönlichkeiten am Nil - aber auch zu jenen Pharaonen, die kaum jemand kennt. Der von David O’Connor und Eric H. Cline herausgegebene Band beleuchtet detailreich alle Facetten im Leben dieses bisher weitgehend unbeachteten Pharao, schildert seine Biografie, berichtet von seinen Bauten - unter anderem dem „Millionenjahrhaus“ in Theben mit den Memnons-Kolossen - und seinem politischen Geschick, aber auch von seinen theologischen Ideen als Erscheinungsform der Sonne und seiner Rolle als Vater des „Ketzerkönigs“ Echnaton.

Über die aktuellen Ausgrabungen des Millionenjahrhauses Amenophis’ III. im Rücken der Memnons-Kolosse ist noch kein Buch erschienen. Allerdings berichten die Grabungsleiterin Hourig Sourouzian und ihr Ehemann, der ehemalige Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo Rainer Stadelmann, regelmäßig in der populären Fachzeitschrift "Antike Welt" über ihre Arbeiten, zumeist in der Nummer 6 eines jeden Jahres.

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Rita E. Freed et al. (Hrsg.), Pharaohs of the Sun. Akhenaten – Nefertiti – Tutankhamen (Museum of Fine Arts, Boston 1999) 316 Seiten, antiquarisch ab ca. 32 Euro.

Er erhebt den Sonnengott Aton zur höchsten Gottheit, baut eine neue Hauptstadt und revolutioniert die seit mehr als 1000 Jahren geltenden Regeln der Kunst. Niemals zuvor und niemals danach in der Geschichte des Nillandes sind Maler, Bildhauer und Steinmetze so innovativ wie unter der Herrschaft des „Ketzerkönigs“ Echnaton. Seiner Zeit hat das Museum of Fine Arts vor nunmehr fast zehn Jahren eine großartige Ausstellung gewidmet, deren Katalog ist das wohl am Besten bebilderte Werk zu Kunst und Geschichte der Amarna-Zeit.

Dorothea Arnold et al. (Hrsg.), The Royal Women of Amarna. Images of Beauty from Ancient Egypt (Metropolitan Museum of Art, New York 1996), 192 Seiten, antiquarisch bei amazon.com ab ca. 42 US-Dollar.

Ein ganzes Kapitel dieses wundervollen Buches widmet die Herausgeberin dem Haus und der Werkstatt des „Gelobten des Vollendeten Gottes, Aufseher der Arbeit, Bildhauer Thutmosis“, also jenem Künstler, der einst die heute weltberühmte Büste der Königin Nofretete schuf.

KÜNSTLER – IM DIENST DES SONNENLICHTES

Christian Tietze (Hrsg.), Amarna. Lebensräume – Lebensbilder – Weltbilder (Arcus-Verlag, Potsdam 2008) 290 Seiten, 24,50 Euro.

Seit der Entdeckung seiner Kapitale Achetaton, dem heutigen Tell el-Amarna in Mittelägypten, fesselt die Person des „Ketzerpharao“ Echnaton die Gemüter. Jenes Pharao, der ab 1351 v. Chr. nicht nur die ägyptische Götterwelt revolutioniert hat, sondern auch die Kunst. Der Katalog zur Ausstellung „Echnaton und Amarna“ im Römisch-Germanischen Museum zu Köln versucht wie die Schau selbst, „der Vision und dem Anspruch der neuen Stadtgründung in Modellen und originalen Zeugnissen der Amarna-Zeit nachzuspüren“. Insbesondere die Lebensbilder, die renommierte Fachleute altägyptischen Persönlichkeiten wie dem Bildhauer und Schöpfer der Nofretete-Büste Thutmosis, dessen Arbeitern, dem General Ramose oder dem Hohepriester Merira auf den Leib geschrieben haben, geben beredt Auskunft von jenen wenigen Jahrzehnten in der Geschichte des Pharaonenreiches, als es nur den einen Gott am Nil geben sollte: Aton, die Sonnenscheibe.

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DIE ZANANZA-AFFÄRE – TOD EINES PRINZEN

Trevor R. Bryce, The Death of Niphururiya and Its Aftermath, in: The Journal of Egyptian Archaeology 76 (Egypt Exploration Society, London 1990), Seiten 97-105, nur in Fachbibliotheken einsehbar.

Die Affäre um den hethitischen Prinzen Zananza, der auf dem Weg an den Nil zu Tode kommt, gehört zu den ungelösten Problemen der Altertumswissenschaft. Denn noch immer rätseln die Forscher, welche ägyptische Königswitwe der Amarna-Zeit wohl den Großkönig der Hethiter in einem Brief um einen Sohn als Gemahl gebeten haben könnte. Der Hethitologe Trevor Bryce rekonstruiert in seinem Artikel eine mögliche Variante der Ereignisse - und entscheidet sich für Anchesenamun, die Witwe Tutanchamuns. Die beste Darstellung der Affäre.

Bob Brier, Der Mordfall Tutanchamun. Eine wahre Geschichte (Piper Verlag, München 2001) 350 Seiten, Taschenbuch 9,90 Euro.

Pharao Tutanchamun fiel einem heimtückischen Mordanschlag seines Nachfolgers Haremhab zum Opfer – so die reißerische These des New Yorker Paläopathologen Brier, für die er hauptsächlich radiologische Indizien als Beweise anführt. Seine Mord-These ist längst überholt. Allerdings ist seine Darstellung des geschichtlichen Umfeldes das einzige deutschsprachige Werk zur Zananza-Affäre. Der Tod des Tutanchamun gibt der Wissenschaft nach wie vor Rätsel auf.

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RAMSES II. – DER ERSTE FRIEDENSVERTRAG

Horst Klengel, Hattuschili und Ramses (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002) 180 Seiten, 39,80 Euro.

Zwei Herrscher ringen im 13. Jahrhundert v. Chr. um den Zugang zu den Küstenregionen am östlichen Mittelmeer, dem Schnittpunkt großer Handelsstraßen von und nach Asien. Ramses II. will das Reich der Ägypter nach Norden, Hattuschili III. das Reich der Hethiter nach Süden ausdehnen. Die Konfrontation 1274 v. Chr. eskaliert zu einer blutigen Schlacht – ehe die Kontrahenten eine Wende um 180 Grad vollziehen. Sie tauschen Botschaften auf Tontafeln aus, um eine Entspannung vorzubereiten. Schließen dann einen Friedensvertrag, der sogar zum Verteidigungsbündnis wird. Und besiegeln die neue Freundschaft mit einer dynastischen Hochzeit. Das Buch schildert detailreich, wie in jener Zeit zwischen den Großmächten Diplomatie betrieben wurde.

Katrin Schmidt, Friede durch Vertrag (Peter Lang, Frankfurt a. M. 2002) 161 Seiten, 41,10 Euro.

Im Jahr 1259 v. Chr. schließen Ägypter und Hethiter den ersten Friedensvertrag der Geschichte, der keinen Sieger und Besiegten kennt; zumindest ist der Nachwelt kein älteres Dokument erhalten geblieben. Die Autorin analysiert den Inhalt der Klauseln, die streng paritätisch abgefasst sind – beide Seiten sollen das Gesicht wahren. Den Hauptstreitpunkt, die Grenze zwischen den beiden Machtbereichen, wird schlicht ausgeklammert; eine Strategie, die in den Jahrtausenden danach noch häufig angewendet werden wird.

GRABRAUB – FREVEL AN DER JENSEITSWELT

Michael Höveler-Müller, Das Gold der Horusfalken. Auf den Spuren ägyptischer Grabräuber (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2007) 88 Seiten, 19,90 Euro.

Auf unterhaltsame, wenn auch nicht immer spannende Weise entrollt der Autor die berühmten Grabräuber-Papyri aus der Zeit Ramses‘ IX. und XI. Der Ägyptologe Michael Höveler-Müller gibt dem Leser alles an die Hand, was nötig ist, für das Verständnis der Gerichtsprozesse, er entführt in das Theben des Neuen Reiches, berichtet über die Arbeiter an den Gräbern im Tal der Könige. Viele Passagen aus den Originalquellen fließen als Neuübersetzung in seinen Text ein. Zahlreiche Fotos und Abbildungen von den teilweise noch heute erhaltenen Schauplätzen erhöhen die Anschaulichkeit des Bandes.

Thomas Eric Peet, The Great Tomb-Robberies of the Twentieth Egyptian Dynasty (Oxford 1930, Nachdruck Georg Olms Verlag Hildesheim u.a. 2006) 188 Seiten, 178 Euro.

DER Klassiker zum Thema. Diese ältere Edition ist immer noch die erste Adresse für einen Zugang zu den Original-Papyri – mit zahlreichen Tafeln und in englischer Übersetzung. Eine vollständige deutsche Ausgabe steht noch aus. Die antiken Fragmente sind von Peet mustergültig kommentiert. Doch der hohe Preis macht eher den Besuch einer guten Fachbibliothek empfehlenswert.

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ALEXANDER DER GROSSE – EROBERER AUS DEM NORDEN

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Pedro Barceló, Alexander der Große (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007) 296 Seiten, 29,90 Euro.

Eine übersichtliche Biografie des makedonischen Königs. Barceló erzählt Alexanders Leben chronologisch und versucht, wo es geht, den Menschen hinter dem Mythos sichtbar zu machen. Kapitel zur Rezeption des Makedonen und zu den Nachwirkungen seiner Politik ergänzen den Band.

Klaus P. Kuhlmann, Das Ammoneion (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1988), 177 Seiten, antiquarisch erhältlich oder in der Bibliothek einsehen.

Der Ammon-Tempel in Siwa ist ein Glücksfall in der Alexander-Forschung: Er bietet handfeste Beweise jenseits des blumigen „Alexanderromans“ und späterer Geschichtsschreiber. Der Archäologe Klaus Peter Kuhlmann gräbt seit mehr als 20 Jahren in Siwa. In seinem Buch beschreibt er Archäologie, Geschichte und Kultpraxis des Orakels – spannend und plastisch auch für Laien.

KLEOPATRA – DIE LETZTE DER PHARAONEN

Günter Grimm, Alexandria – Die erste Königsstadt der hellenistischen Welt (Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1998), 168 Seiten, antiquarisch ab ca. 25 Euro.

Von wohl keiner antiken Metropole haben sich so wenig Spuren erhalten wie von Alexandria. Der Leuchtturm von Pharos, die berühmte Bibliothek, der Palast Kleopatras und das Grab des Stadtgründers Alexander dem Großen – alles von Eroberern zerstört oder überbaut, von Erdbeben vernichtet und im Meer versunken. Günter Grimm, Professor für Archäologie in Trier, gelingt es mit Hilfe der antiken Quellen dennoch, die Hauptstadt überzeugend und sinnlich wiederauferstehen zu lassen. Der großformatige Bildband enthält viele Zeichnungen, Fotografien, Zitate sowie einen Stadtplan, und beschreibt zudem die Geschichte des ptolemäischen Herrschergeschlechts – von Ptolemaios I. bis Kleopatra VII., der letzten Königin Ägyptens.

Wolfgang Schuller, Kleopatra – Königin in drei Kulturen (Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006) 240 Seiten, 19,90 Euro.

Der Untertitel verrät es schon – Wolfgang Schuller begnügt sich nicht mit der verzerrten Perspektive der römischen Geschichtsschreibung auf Kleopatra, sondern beschäftigt sich auch mit ihrer kulturellen Herkunft als Griechin und vor allem ihrer Rolle als ägyptischer Königin. In der Mitte des Buches findet sich die eigentliche Biografie; davor schildert der Autor kurz aber prägnant die Welt, in der sie lebte sowie die 3000 Jahre alten Traditionen Ägyptens. Im letzten Teil geht es unter anderem auch um die Kulturgeschichte Kleopatras – von den Schmähungen eines Horaz bis zur Hollywoodverfilmung mit Elizabeth Taylor. Einfühlsam, plausibel und auch für den Laien immer verständlich.

Joyce Tyldesley, Cleopatra: Last Queen of Egypt (Profile Books, London 2008) 320 Seiten, 26,99 Euro.

Diese brandneue Biografie der Ägyptologin Joyce Tyldesley war im Januar 2008 „Book of The Week“ bei der BBC. In chronologischer Reihenfolge berichtet die Autorin von den Lebensstationen Kleopatras und prüft unterwegs die zahllosen Mythen und Legenden um den Charakter der Königin auf ihre Glaubwürdigkeit. Besonderes Augenmerk richtet Tyldesley in ihrem modernen und oft humorvollen Buch auf Kleopatras Äußeres, ihre ethnische Zugehörigkeit („zwischen 25 und 100 Prozent makedonisch“) und auf die geschickte Verschmelzung der Königin mit der Göttin Isis, mit der sie ihren Status als göttliche Mutter des künftigen Regenten Ptolemaios Kaisar vor ihren Untertanen zu legitimieren suchte.

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