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Altes Ägypten Leseprobe: Zeitläufte - Die Geschichte des Pharaonenreiches

Von der archaischen Zeit bis zur letzten Pharaonin Kleopatra – die wichtigsten Daten und Ereignisse der altägyptischen Geschichte im Überblick
In diesem Artikel
VORGESCHICHTE UND ARCHAISCHE ZEIT
ALTES REICH

Lesen Sie einen Ausschnitt aus GEOEPOCHE Nr. 32 "Das alte Ägypten"

VORGESCHICHTE UND ARCHAISCHE ZEIT

(etwa 25 000–2707 v. Chr.)

Die ersten Pharaonen, Herrscher Oberägyptens, erobern auch das Delta und vereinen so das ganze Land

Eine lang anhaltende Trockenheit zwischen 25 000 und 10 000 v. Chr. zwingt Gruppen von Jägern und Sammlern, die in den Grassavannen der Sahara leben, an den Nil. Diese wohl „ersten Ägypter“ nutzen verschiedene Arten von Steinwerkzeug, etwa Flintmesser, dazu auch Speere und Pfeile.

Ende des 11. Jahrtausends v. Chr. wird das Klima wieder feuchter, und so entstehen in der Sahara erneut Lebensräume. Dorthin ziehen die nomadischen Hirten aus dem Niltal seit etwa dem 8. vorchristlichen Jahrtausend.

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Vorgeschichte und archaische Zeit: Das Niltal verläuft mitten in der lebensfeindlichen Wüste. Jährliche Überschwemmungen düngen die Uferzone

Doch im späten 6. Jahrtausend v. Chr. bleiben die Regenfälle wieder aus. Die Besiedlung der Sahara wird, außer in wenigen Oasen, endgültig aufgegeben. Allein in der unmittelbaren Umgebung des Nil kann in Nordostafrika fortan noch in bedeutendem Umfang Landwirtschaft betrieben werden. Hierher kehren die Menschen zurück, werden sesshaft, halten Haustiere und bestellen Äcker (dieser kulturelle Umbruch wird „Neolithische Revolution“ genannt). Dabei lernen sie, das jährliche Hochwasser des Nil – bei dem der Strom die Ufer mit nährstoffreichem Schlamm überspült – für den Getreideanbau zu nutzen.

Die Bewohner der „Beiden Länder“ Oberägypten (Niltal) und Unterägypten (Delta) bilden eine Vielzahl unterschiedlicher Kulturgemeinschaften, die Archäologen nach Hauptfundorten von typischen Überresten (Gerätschaften, Tongefäßen) benennen, etwa nach dem am Nildelta gelegenen Merimde-Benisalame.

Die Menschen der Merimde-Kultur, die seit etwa Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. besteht, stellen Steingeräte nicht mehr nur für den Eigenbedarf her. Ihre Produkte sind auch Tauschobjekte für den Handel bis nach Vorderasien. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Kultur ist ihr Bestattungsritus: Die Toten werden in zusammengekauerter Lage beerdigt, auf der Seite liegend, in flachen Gruben und ohne Grabbeigaben.

Die Angehörigen der ebenfalls unterägyptischen, im 4. Jahrtausend v. Chr. einsetzenden Maadi-Kultur produzieren bereits Angelhaken, Nadeln und einfache Metallwerkzeuge aus Kupfer.

Bildende Kunst und Handwerk erreichen mit der oberägyptischen Naqada-Kultur (ab etwa 4300 v. Chr.) durch Spezialisierung und Arbeitsteilung einen Höhepunkt. Fachleute schaffen filigrane Knochen- und Elfenbeinschnitzereien. Sie bearbeiten Hartgestein für Schminkpaletten und Köpfe von Zeremonialkeulen, fertigen aber, auch aus Gold und Silber Schmuckstücke, die eine neue Qualität erreichen. Gleiches gilt für die Beschaffenheit der Keramikgefäße und Waffen. Durch Verwendung von festerem Ton sind die Gefäße, die in dieser Zeit entstehen, für längere Lagerung von Lebensmitteln geeignet. Waffen und Keramikgefäße sind bei den Menschen dieser Kultur, die einen aufwendigen Totenkult praktizieren, auch kostbare Grabbeigaben.

Neben traditionellen Dorfgemeinschaften entstehen in Oberägypten um diese Zeit die ersten Städte, etwa Hierakonpolis (80 Kilometer südlich des heutigen Luxor). Dessen Häuptling unterwirft um 3400 v. Chr. seine Nachbarn und erhebt sich zum ersten Pharao. Verwaltungsspezialisten am Königshof beaufsichtigen die immer komplexer werdende Wirtschaft. Zudem entwickeln Beamte eine Schrift – zunächst zur Bezeichnung von Gefäßinhalten.

Um 3300 v. Chr. beginnt ein Pharao Oberägyptens mit der Eroberung des Nildeltas; diese kriegerische Expansion, als Prozess der Reichseinigung bezeichnet, wird mehrere Jahrhunderte dauern. Den alten Ägyptern gilt der mythische Menes als erster König des gesamten Landes; der Name des wirklichen Reichseinigers ist allerdings unbekannt.

Königsnekropole der frühesten Pharaonen ist Abydos. Später entsteht in Saqqara ein Elitenfriedhof mit Mastabagräbern (von Mastaba, arabisch = „Bank“); dort lassen sich die meisten Könige der 2. Dynastie, deren Herrschaftszeit um 2853 v. Chr. beginnt, bestatten. Residenzen der häufig umherreisenden Herrscher sind Hierakonpolis und Memphis.

Der letzte Pharao der 2. Dynastie, Chasechemui (2734–2707 v. Chr.), beseitigt in mehreren blutigen Feldzügen den finalen Widerstand in Unterägypten und eint damit das Land endgültig.

ALTES REICH

(2707–2170 v. Chr.)

Das geeinte Reich schmücken die Herrscher mit monumentalen Bauten

Wohl schon am Anfang des Alten Reichs teilen die Pharaonen das gesamte Land in rund 40 Gaue auf; diese Verwaltungsdistrikte werden jeweils von einem Gauvorsteher geführt, den der Monarch einsetzt. Die Bezirke sind gegenüber dem Herrscher steuerpflichtig; Abgaben, vor allem Korn, werden direkt an die Residenz des Königs weitergeleitet und dort gelagert. Während der Nilschwemme oder bei nicht ausreichenden Ernten verteilen Beamte des Pharao das Getreide an die Bevölkerung der Provinzen. Zentral geregelt wird zudem wohl auch die Bewässerung des Ackerlandes. Diese Regulierung der Wirtschaft erfordert eine hoch entwickelte Bürokratie.

Die straffe Administration des Landes, ein gut organisiertes Wirtschaftssystem, hohe logistische Fähigkeiten, aber auch wissenschaftliche Fortschritte in Mathematik, Astronomie und Architektur ermöglichen große Bauvorhaben. Dazu kommt die Stellung des Pharao, der als alleiniger Herrscher nicht nur über sämtliche Rohstoffe und Güter des Landes, sondern auch über die Arbeitskraft all seiner Untertanen verfügt. So kann er monumentale Steinbauten in Auftrag geben.

Pharao Djoser (2707–2687 v. Chr.) ist der erste Herrscher, der mit der Stufenpyramide von Saqqara (südlich des heutigen Kairo) einen massiven Kolossalbau errichten lässt. Die Pyramide ist Teil eines steinernen Grabkomplexes, der dem König als ewig währende Kultbühne dienen soll. Snofru (2639–2604 v. Chr.), erster Herrscher der 4. Dynastie, erbaut nur wenige Jahrzehnte darauf sogar drei Pyramiden, zwei davon in Dahschur.

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Altes Reich: Schon früh schaffen die Pharaonen eine straffe Administration und teilen das Land in etwa 40 Verwaltungsdistrikte ein

Sein Nachfolger Cheops (etwa 2604–2581 v. Chr.) verlegt die königliche Begräbnisstätte von Dahschur nach Giseh und errichtet dort die Große Pyramide. Neben dieser werden auch vier Schiffe in aus dem Fels gehauenen Gruben bestattet, in denen der Herrscher nach seinem Ableben an der Seite des Sonnengottes Tag und Nacht durchqueren soll. Obwohl der König das größte Grabmal der Welt erbaut hat, ist über seine Regierungszeit so gut wie nichts bekannt. Eine kleine Statuette aus Elfenbein ist die einzige überlieferte Darstellung des Cheops. (Einige Forscher sehen auch in dem Sphinx von Giseh ein Abbild des Pharao.)

Unter Cheops’ Sohn Djedefra (2581– 2572 v. Chr.) vollzieht sich ein theologischer Wandel. Der Sonnengott Ra erhebt sich über die übrigen Gottheiten des ägyptischen Pantheon und nimmt die Rolle als Königsgott und Versorger im Jenseits ein. Der Titel „Sohn des Ra“ betont die göttliche Abstammung des Herrschers und wird von nun an fester Bestandteil der königlichen Titulatur.

Pharao Chephren (2572 bis 2546 v. Chr.) lässt in Giseh eine zweite große Pyramide errichten, sein Sohn Mykerinos (2539 bis 2511 v. Chr.) eine dritte.

Userkaf (2504–2496 v. Chr.), der erste König der 5. Dynastie, entsendet Expeditionen nach Süden, über den ersten Nilkatarakt hinaus, sein Nachfolger Sahura (2496–2483 v. Chr.) Wahrscheinlich bis in das sagenumwobene Land Punt (wohl an der Küste Eritreas oder Somalias) und auf den Sinai; in seinem Totentempel finden sich zudem Darstellungen von Feldzügen nach Vorderasien und Libyen.

Die Könige der 5. Dynastie entwickeln eine einmalige Architekturform zu Ehren des Sonnengottes Ra. So lassen sie etwa in der Nähe ihrer Grabpyramiden bei Abusir und in Abu Gurab heilige Bezirke errichten. Im Zentrum eines solchen Sonnenheiligtums steht – von Kapellen, einem Altar und einem Schlachthof für das Opfervieh umgeben – ein monumentaler, gemauerter Obelisk.

Gegen Ende der 5. Dynastie wird der Fruchtbarkeitsgott Osiris in der Vorstellung der Ägypter zum Herrscher des Totenreichs. Von nun an identifizieren sie den verstorbenen König mit ihm. Der Thronfolger nimmt jetzt die Rolle des Horus (Sohn des Osiris) ein. Der Osiris-Kult greift immer weiter aus, später wird Abydos, wo die Ägypter das Grab des Gottes wähnen, zur Pilgerstätte.

Ebenfalls am Ende der 5. Dynastie werden erstmals Pyramidentexte in den Grabkammern der Könige angebracht. Diese magischen Texte sollen dem König einen sicheren Übergang in das Jenseits ermöglichen.

Während der langen Regierungszeit von Pharao Pepi II. (2279–2219 v. Chr.) verfällt die Zentralmacht allmählich. Die Verwaltungselite gewinnt immer größere Eigenständigkeit und erbaut sich prächtige Privatgräber. Der Grundbesitz der Tempel wächst durch königliche Schenkungen. Weil die Heiligtümer abgabenfrei sind, entgehen dem Staat erhebliche Steuereinnahmen.

Auch die Handelswege ins Ausland scheinen unterbrochen worden zu sein: So ist Pepi II. der letzte König des Alten Reichs, von dem Inschriften im phönizischen Byblos zeugen. In Nubien (im heutigen Sudan) brechen Revolten aus.

Die aufwendig und unübersichtlich gewordene Bürokratie, teure Kriegszüge sowie ein neues Selbstbewusstsein der Gauvorsteher, die durch Vererbung ihrer Ämter eigene Dynastien schaffen, führen schließlich zur Auflösung der Zentralregierung.

Den vollständigen Text finden Sie in GEOEPOCHE Nr. 32 "Das alte Ägypten"

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