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Germanen Die Germanen: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
In diesem Artikel
DIE GERMANEN NACHGESCHLAGEN
KIMBERN UND TEUTONEN - DIE KRIEGER AUS DEM NORDEN
VARUSSCHLACHT - MARSCH INS VERDERBEN
DER LIMES - ZWISCHEN DEN WELTEN
MOORLEICHEN - TOD IM NEBELLAND
MACHTKÄMPFE - DAS GEHEIMNIS DER DUNKLEN JAHRE
RUNEN - ZEICHEN UND RÄTSEL
ALLTAG - DAS DORF DER PIONIERE
SEERÄUBER UND PIRATEN - AUF BEUTEFAHRT
WULFILA - IM NAMEN DES HEERN
VÖLKERWANDERUNG - STURM AUF DIE EWIGE STADT
WIDUKIND - DER LETZTE GERMANE
NIBELUNGENSAGE - EIN EPOS AUS URALTER ZEIT

DIE GERMANEN NACHGESCHLAGEN

Heinrich Beck & Heiko Steuer & Dieter Timpe, Germanen, Germania, germanische Altertumskunde (Studienausgabe des Reallexikons der Germanischen Altertumskunde, De Gruyter, Berlin/New York 1998), 258 Seiten, 19,95 Euro.

Am "Reallexikon der Germanischen Altertumskunde" kommt keiner vorbei, der sich näher mit der Geschichte der Germanen beschäftigt. Der Studienband der 1911 begonnenen und mittlerweile auf 35 Bände angewachsenen Lexikonreihe (Preis pro Band: 298 Euro) umfasst den zentralen Artikel „Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde“. Dieser gibt einen kontroversen Überblick über den Forschungsstand zu Geschichte, Sprache und Kultur der Germanen – hochseriös, aber im Stil extrem schwergängig und geradezu: altertümlich.

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Walter Pohl, Die Germanen (Oldenbourg, München 2004), 160 Seiten, 19,80 Euro.

Der 57. Band der "Enzyklopädie Deutscher Geschichte" bietet ebenfalls kein Lesevergnügen. Walter Pohl wendet sich an Menschen, die wirklich und wahrhaftig an der Forschungsdiskussion interessiert sind. Wie in der Reihe üblich, ist das Werk dreigeteilt: Vorneweg liefert der Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Wien einen knappen Überblick über die Geschichte und Kultur der „Germania“ vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. Der Schwerpunkt liegt auf den römisch-germanischen Konfrontationen und ethnischen Verhältnissen. Themen wie Schrift, Religion und Alltagsleben spart der Autor leider komplett aus bzw. geht darauf erst im Abschnitt zum Stand der Forschung ein. Wer eigenständig weiterarbeiten und Quellenstudium betreiben will: Das Buch "Die Germanen" schließt mit einer übersichtlichen Zusammenstellung der relevanten Quellen und Literatur.

Ernst Künzl, Die Germanen. Geheimnisvolle Völker aus dem Norden (Theiss, Stuttgart 2008), 160 Seiten, 29,90 Euro.

Weitaus eingängiger entführt der einstige Direktor der römischen Abteilung im Römisch-Germanischen-Zentralmuseum zu Mainz den Leser in die germanische Vergangenheit. In opulent bebilderten Kapiteln und mit zahlreichen Zitaten aus damaliger Zeit erzählt Künzl anschaulich vom Leben von Stämmen wie den Kimbern und Teutonen, den Cheruskern, Markomannen, Goten und Vandalen, Alamannen und Franken, von ihrem Alltag, ihren Glaubensvorstellungen - und ihrer Kunst.

Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter (Siedler, Berlin 1990), 476 Seiten, 64 Euro.

Reich (schwarz-weiß) bebilderte Schneise durch jene Jahrhunderte, in denen aus der alten Mittelmeerwelt das abendländisch-christliche Europa erwuchs. Eingängig geschrieben, gerade auch dort, wo der Autor Funken aus der historiographischen Reflexion schlägt.

Herwig Wolfram, Die 101 wichtigsten Fragen - Germanen (C.H. Beck, München 2008), 160 Seiten, 9,95 Euro.

Knapp, fundiert und kurzweilig zugleich antwortet Wolfram, emeritierter Geschichtsprofessor in Wien, auf so grundsätzliche Fragen wie: Wussten die Germanen, dass sie Germanen waren? Oder: Wie sahen die Germanen aus? Dabei widerlegt er viele noch immer weit verbreitete Klischees – so haben nicht alle Germanen lange Bärte getragen. Und die angebliche Herkunft der Goten aus Skandinavien ist ein Mythos.

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Literaturempfehlungen zu vergangenen Ausgaben

GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

KIMBERN UND TEUTONEN - DIE KRIEGER AUS DEM NORDEN

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Arnulf Krause, Die Geschichte der Germanen (Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2005), 296 Seiten, 19,90 Euro.

Die spärlichen Fakten, die über die Frühzeit der Germanen von etwa 600 bis 50 v. Chr. bekannt sind, präsentiert Krause in unterhaltsamer und verständlicher Weise. Beinahe alles, was wir heute wissen, haben griechische und römische Autoren geschrieben, die von einem unwirtlichen Land berichteten und für dessen Bewohner noch nicht einmal einen Namen fanden – auch nicht, als Kimbern und Teutonen 120 v. Chr. das Imperium angriffen und die Römer damit zum ersten Mal direkten Kontakt mit den Barbaren aus dem Norden hatten. Bis der Feldherr Gaius Julius Caesar um 50 v. Chr. kurzerhand alle Stämme rechts des Rheins zu Germanen erklärte, obwohl diese kaum mehr als die Sprache gemeinsam hatten.

VARUSSCHLACHT - MARSCH INS VERDERBEN

Lutz Walther (Hrsg.), Varus, Varus! Antike Texte zur Schlacht im Teutoburger Wald (Reclam, Ditzingen 2008), 160 Seiten, 4,80 Euro.

Bis heute sind die Texte jener römischer Autoren, die die dramatischen Ereignisse im „saltus Teutoburgensis“ beschrieben, in der Wissenschaft heftig umstritten – und bleiben doch die wichtigsten Quellen zur Varusschlacht. Wer die Katastrophe des Jahres 9 n. Chr. aus erster Hand nacherleben will, ist mit diesem zweisprachigen Bändchen bestens bedient. Neben sorgsam zusammengestellten Quellen bietet Herausgeber Lutz Walther einen lesenswerten Überblick zum aktuellen Stand der Forschung.

Reinhard Wolters, Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien (C.H. Beck, München 2008), 253 Seiten, 18,90 Euro.

Ein weiterer Lichtblick in der Flut der Neuerscheinungen zur Varusschlacht, die sich 2009 zum 2000. Male jährt. Der Tübinger Althistoriker und Archäologe Wolters gilt als einer der besten Kenner der römisch-germanischen Beziehungen und ist mit den historischen, philologischen und archäologischen Quellen zur Katastrophe gründlich vertraut. Sein Buch erhellt die Vorgeschichte, den Verlauf und die Nachwirkungen der Varusschlacht - sowie die Jahrhunderte lange Suche nach dem Kampfort, die für Wolters trotz der zahlreichen Funde in Kalkriese keineswegs abgeschlossen ist.

Rainer Wiegels (Hrsg.), Die Varusschlacht. Wendepunkt der Geschichte? (Theiss, Stuttgart 2007), 132 Seiten, 24,90 Euro.

Was geschah im Jahr 9 n. Chr. in den Wäldern westlich der Weser? Wo fand die Varusschlacht statt? Welche Ursachen und Folgen hatte der Kampf zwischen Römern und Germanen? Der in Osnabrück lehrende Althistoriker und Archäologe Rainer Wiegels forscht seit Jahren zu der legendären Schlacht. In dem von ihm herausgegebenen Sammelband zeichnet er selbst die Genese eines Mythos nach: der Annahme, der Sieg des Cheruskerfürsten Arminius sei von welthistorischer Bedeutung gewesen. Zudem bietet das Buch eine Zusammenfassung der aktuellen archäologischen Erkenntnisse zum vermeintlichen Schlachtfeld bei Kalkriese und zu einstigen Römersiedlungen in Germanien – zwar in trocken-wissenschaftlichem Duktus, aber dafür mit vielen Abbildungen und Karten.

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DER LIMES - ZWISCHEN DEN WELTEN

Egon Schallmayer (Hrsg.), Hundert Jahre Saalburg. Vom römischen Grenzposten zum europäischen Museum (Philipp von Zabern, Mainz 1997), 198 Seiten, nur antiquarisch erhältlich.

Egon Schallmayer, Direktor des Saalburgmuseums, verantwortete die illustrierte Festschrift zum runden Jubiläum "seines" Hauses. Das Werk soll einen inhaltlichen Spagat leisten: einerseits eine Beschreibung des antiken Kastells sein, andererseits eine Geschichte von der Erforschung und dem Wiederaufbau der Anlage im wilhelminischen Deutschland. Leider widmen sich die von verschiedenen Fachleuten geschriebenen Aufsätze zu Einzelaspekten zunächst der neuzeitlichen Kopie, erst in der zweiten Buchhälfte dem römerzeitlichen Original. Und gerade in jener ersten Hälfte finden sich Texte, deren Nichtexistenz die Welt auch nicht ärmer gemacht hätten (etwa über die Geschichte der ersten Ansichtspostkarten von der Saalburg). Tipp: Die ersten 105 Seiten durchblättern, danach wird es interessant.

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Britta Rabold & Egon Schallmayer & Andreas Thiel, Der Limes: Die Deutsche Limes-Straße vom Rhein bis zur Donau (Theiss, Stuttgart 2000), 160 Seiten, 39,90 Euro.

Ein guter Überblick über den Limes in seiner germanischen Schlechthinnigkeit. Kein wissenschaftlich-tiefgründiges Buch, sondern - nach einer knappen, guten Einführung - ein Werk, das den Limes und die heute noch erkennbaren Relikte jener Grenzfestung Region für Region vorstellt und damit auch zu einer Entdeckungsreise in die Antike des eigenen Landes einlädt.

MOORLEICHEN - TOD IM NEBELLAND

Wijnand van der Sanden, Mumien aus dem Moor: die vor- und frühgeschichtlichen Moorleichen aus Nordwesteuropa (Batavian Lion International, Amsterdam 1996), 200 Seiten, momentan leider nur in guten Bibliotheken einsehbar.

Mehr als 1000 durch das Moor konservierte Leichen von Männern, Frauen und Kindern haben Torfstecher in den letzten Jahrhunderten zu Tage gefördert; vor allem in den Hochmooren Dänemarks, Norddeutschlands, der Niederlande und auf den britischen Inseln. Die meisten der Menschen in den nassen Gräbern haben in der Zeit zwischen etwa 500 vor und 500 nach Christi Geburt gelebt. Und sie sind einen grausamen Tod gestorben: wurden erhängt, stranguliert, erstochen, erschlagen, geköpft.

Warum, ist bis heute nicht eindeutig zu beantworten. Handelte es sich bei den im Moor versenkten Körpern um Menschenopfer? Oder sind sie Ausdruck einer ausgeprägten Totenfurcht? Oder trifft beides zu?

Am besten, Sie machen sich Ihr eigenes Bild. Dafür liefert Wijnand van der Sandens Buch momentan den wohl umfangreichsten Einstieg. Der niederländische Archäologe hat alle Erkenntnisse über die vor- und frühgeschichtlichen Moorleichen aus Nordwesteuropa in übersichtlichen Kapiteln (Todesumstände, Krankheiten, Kleidung, etc.) zusammengetragen. Sein reich bebildertes Werk, das 1996 als Begleitband zu einer großartigen Moorleichen-Ausstellung im dänischen Silkeborg erschien, ermöglicht noch immer den besten und detailliertesten Zugang zu diesem umstrittenen Thema. Aber Achtung: Die Forschung kann in einigen Bereichen bereits weiter reichende Ergebnisse vorlegen. So ist etwa das "Mädchen von Windeby" mittlerweile einwandfrei als Junge identifiziert.

Michael Gebühr, Moorleichen in Schleswig-Holstein (Verein zur Förderung des Archäologischen Landesmuseums e.V., Schloss Gottorf Schleswig 2002), 60 Seiten, antiquarisch ab etwa 20 Euro (beispielsweise über www.zvab.com).

Der renommierte Vor- und Frühgeschichtler Michael Gebühr hat sich sein gesamtes wissenschaftliches Leben lang immer wieder mit den eisenzeitlichen Moorleichen Schleswig-Holsteins befasst. Die wichtigsten dieser Funde behandelt er in diesem wunderbar klar strukturierten und gut geschriebenen Bändchen: die Moorleichen von Rendswühren, Damendorf, Osterby und Windeby. Lassen Sie sich von der geringen Seitenzahl nicht abhalten, der Band im attraktiven Quartformat ist all sein Geld wert.

Mechthild Freudenberg (Hrsg.), Tod und Jenseits: Totenbrauchtum in Schleswig-Holstein von der Jungsteinzeit bis zur Eisenzeit (Archäologisches Landesmuseum in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig 2006), 106 Seiten, 27 Euro.

Der Katalog zur gleichnamigen Dauerausstellung in Schloss Gottorf ist der perfekte Einstieg zu Kult, Totenglauben und Begräbnissitten der Menschen im frühen Schleswig-Holstein - und damit auch zur Gedankenwelt der Germanen.

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MACHTKÄMPFE - DAS GEHEIMNIS DER DUNKLEN JAHRE

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Nationalmuseum Kopenhagen (Hrsg.), Sieg und Triumpf. Der Norden im Schatten des Römischen Reiches (Nationalmuseum Kopenhagen, Kopenhagen 2003), 452 Seiten, ca. 25 Euro. Das Buch kann nur über den Museumsshop des dänischen Nationalmuseums bezogen werden (E-Mail: butik@natmus.dk).

Eigentlich ein Ausstellungskatalog, tatsächlich aber ein Standardwerk – trotz des kuriosen Tippfehlers im Titel: 25 namhafte Wissenschaftler haben an diesem Band mitgeschrieben, herausgekommen ist ein sehr lesbares und verständliches Werk über die so genannte Römische Eisenzeit (Zeitenwende bis ca. 400 n. Chr.) im Norden Germaniens. In den einzelnen Kapiteln geht es um Kriege und Mooropfer, um Runenschriften und germanische Befestigungsanlagen, aber auch um die römische Sicht der Dinge oder um den dänischen Archäologen Conrad Engelhardt, der 1863 in einem Moor bei Süderbrarup das riesige Nydam-Boot barg (heute zu sehen im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf).

Jørgen Ilkjær, Illerup Ådal – ein archäologischer Zauberspiegel (Moesgård Museum, 2002), 152 Seiten, antiquarisch ab ca. 28 Euro.


Ein Buch wie eine Zeitreise: Anhand der bedeutenden Waffenfunde, die bis 1985 im Tal des dänischen Flüsschens Illerup Å gemacht wurden, lässt Prof. Dr. Jørgen Ilkjær, Kurator des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Moesgård, die Zeit vor 1800 Jahren wieder auferstehen. In jenem dunklen Zeitalter Germaniens wurden im Osten Jütlands gewaltige Schlachten geschlagen, wurden Kriege geführt, die sich über viele Jahrzehnte hinzogen. Anschaulich beschreibt der Autor, wie aus dem Kamm eines Kriegers auf die Herkunft des Mannes geschlossen werden kann oder was Gürtelschnallen und Schildbuckel über die Struktur germanischer Heere verraten. Selbst die Namen von Kombattanten und deren Stellung in der militärischen Hierarchie konnten die Archäologen aus dem Illerup-Fund ermitteln. So wird das mit vielen Farbfotos bebilderte Buch zur lebendigen Dokumentation einer wissenschaftlichen Spurensuche.

RUNEN - ZEICHEN UND RÄTSEL

Klaus Düwel, Runenkunde (Metzler, Stuttgart/Weimar 2008), 270 Seiten, 14,95 Euro.

Die Germanen hinterließen weder Urkunden noch Chroniken - und kannten keine Schrift, bis in den Jahrzehnten nach der Zeitenwende ein bis heute rätselhaftes Zeichensystem entstand: die Runen. Klaus Düwels Buch liegt mittlerweile in der vierten Auflage vor – ein Standardwerk, zwar trocken und wissenschaftlich, dafür aber erschöpfend. Der Philologe stellt die verschiedenen Theorien zur Herkunft der Runen dar, erklärt, warum die Deutung der oft sehr kurzen Inschriften so schwierig ist, und umreißt auch die Geschichte der Runologie.

Ulrich Hunger, Die Runenkunde im Dritten Reich (Peter Lang, Frankfurt a. Main/New York 1984), 508 Seiten, zur Zeit nur in guten Bibliotheken einsehbar.

Was hielt Heinrich Himmler, Leiter der SS-Abteilung "Ahnenerbe", von der Wissenschaft? Nichts. Forschung musste in der Hauptsache politisch genehm und ihre Ergebnisse dem NS-Machtapparat dienlich sein. Ulrich Hunger hat untersucht, wie die Nationalsozialisten die Runenkunde vereinnahmt haben. In seiner Dissertation beschreibt er detailliert, wie die Runen zu völkischen Zeichen wurden, welche Ziele die Nazis in der Runenkunde verfolgten und wie sich Wissenschaftler benutzen ließen.

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ALLTAG - DAS DORF DER PIONIERE

Werner Haarnagel, Die Grabung Feddersen Wierde (Steiner-Verlag, Wiesbaden 1979), 364 Seiten (hat allein der Textband), vergriffen und nur in Fachbibliotheken einsehbar.

In den Jahren 1955 bis 1963 legten Archäologen die Wurt Feddersen Wierde frei – ein Marschdorf, das sich ab 50 v. Chr. an der Wesermündung erhob. 450 Jahre trotzten die Siedler auf ihrem Vorposten Sturmfluten, bestellten Äcker, züchteten Rinder, Schweine und Schafe. Der Bericht über die historische Ausgrabung, die den Forschern bahnbrechende Erkenntnisse über das germanische Alltagsleben brachte, ist staubtrocken und faktengesättigt. Eine wissenschaftliche Pioniertat - kein Lesevergnügen, aber unverzichtbar.

Dieter Bischop & Peter Krull & Manfred Rech, Siedler, Söldner und Piraten (Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, Bremen 2000), 136 Seiten, auch dieses Werk ist leider vergriffen.

Populäre und eingängige Darstellung über die Chauken und Sachsen in Norddeutschland – jene germanischen Stämme, denen die Siedler auf der Wurt Feddersen Wierde angehörten. Reich bebildert und informativ.

Matthias D. Schön, Feddersen Wierde, Fallward, Flögeln. Archäologie im Museum Burg Bederkesa, Landkreis Cuxhaven (Museum Burg Bederkesa, Cuxhaven 1999), 192 Seiten, in Bibliotheken und möglicherweise über das Museum www.burg-bederkesa.de erhältlich.

Kurze Texte und zahlreiche Abbildungen zu Funden aus der Wurt-Siedlung, die im Museum Burg Bederkesa aufbewahrt werden. Gut geeignet für einen ersten Überblick.

SEERÄUBER UND PIRATEN - AUF BEUTEFAHRT

Michael Gebühr, Nydam und Thorsberg. Opferplätze der Eisenzeit. Begleitheft zur Ausstellung (Verein zur Förderung des Archäologischen Landesmuseums e.V., Schloss Gottorf, Schleswig 2000), 42 Seiten, antiquarisch etwa 14 Euro.

In diesem komprimierten, bildreichen Bändchen zu den Waffenopferfunden in Nydam und Thorsberg stellt der renommierte Archäologe Gebühr – gemeinsam mit anderen Experten – auch das berühmte Germanen-Boot von Nydam vor. Er liefert die wichtigsten Informationen zum Boot selbst, erzählt aber auch, wie es im 19. Jahrhundert im Moor entdeckt und als bedeutendes Relikt bald zum Streitfall zwischen Dänemark und Deutschland wurde. Vor allem aber geht es in dem Bändchen um die germanische Eisenzeit – und um die Kämpfe, bei denen Schiffe wie dieses Krieger an fremde Gestade brachten. Das Boot ist im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig zu besichtigen – der Höhepunkt der Ausstellung zu den Opferfunden.

WULFILA - IM NAMEN DES HEERN

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Herwig Wolfram, Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. Entwurf einer historischen Ethnographie (C. H. Beck, München 2001), 596 Seiten, 49,90 Euro.

Das Standardwerk zu den Goten. Wolfram erzählt lebendig, analysiert präzise. So entsteht eine kritische Geschichte des Volks, besser: des Völkergemenges, das von Felix Dahns "Ein Kampf um Rom" bis zu "Asterix und die Goten" als Inbegriff des Germanentums galt.

Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte (C. H. Beck, München 2005), 128 Seiten, 7,90 Euro.

Das Standardwerk als Ausgabe für die Jackett-Tasche: Der Fachmann erweist sich als Meister der Verdichtung. Wolframs Entschuldigung, dass er manche Sätze aus seinem Buch "Die Goten" wieder verwendet, nimmt man ohne weiteres an. Denn sie sind wirklich gelungen.

René Goscinny & Albert Uderzo, Asterix und die Goten (Egmont Ehapa, Berlin 1996), 47 Seiten, 10 Euro.

Historisch nicht immer präzise, dabei höchst vergnügliche Skizze der gotisch-teutonischen Allemands. Empfehlenswert schon wegen des Charmes, den Farben und Strich des frühen Uderzo ausstrahlen.

VÖLKERWANDERUNG - STURM AUF DIE EWIGE STADT

Peter Heather, Der Untergang des Römischen Weltreichs (Klett-Cotta, Stuttgart 2007), 640 Seiten, 34,50 Euro.

Peter Heather ist Professor für Geschichte in London und spezialisiert auf die Spätantike und das frühe Mittelalter. In seinem 2007 auf Deutsch erschienenen Werk beleuchtet er die Zeit der Völkerwanderung - jene gewaltigen Umwälzungen, die 375 n. Chr. mit dem Einfall der Hunnen begannen und binnen zwei Jahrhunderten ganz Europa veränderten. Durch die Auswertung neuer archäologischer Funde und die Betonung der Rolle der asiatischen Reiterkrieger erweitert der britische Historiker das Verständnis von der Völkerwanderung um neue Sichtweisen. Wer das Buch liest, verschafft sich einen umfassenden Überblick über die Quellen und den aktuellen Stand der Forschung zum Ende des Römischen Reiches. Und das bei ausgesprochen hohem Lesevergnügen. Denn Heather ist nicht nur ein scharfer Analytiker, sondern auch ein glänzender Erzähler.

Matthias Knaut & Dieter Quast (Hrsg.), Die Völkerwanderung. Europa zwischen Antike und Mittelalter (Theiss, Stuttgart 2005), 104 Seiten, 24,90 Euro.

Ein Sammelband, der knapp und doch umfassend ein präzises Bild der wichtigsten Akteure der Völkerwanderung liefert - darunter Goten, Vandalen, Burgunder, Angelsachsen. Renommierte Autoren präsentieren eine Fülle archäologischen Materials und dokumentarischer Befunde, die die Zeit zwischen Antike und Mittelalter erhellen – und beschäftigen sich kritisch mit dem Begriff der "Völkerwanderung". In Themenkästen werden zudem archäologische Untersuchungsmethoden und die wichtigsten Fundorte in Deutschland vorgestellt.

Michael Kulikowski, Die Goten vor Rom (Theiss, Stuttgart erscheint im Februar 2009), 208 Seiten, 24,90 Euro.

Der Geschichtsprofessor an der Universität von Tennessee-Knoxville ist ein Spezialist für die Spätantike und schließt mit seinem Buch eine empfindliche Lücke: Bisher ist kaum jemals zusammengetragen worden, was sich tatsächlich im Jahre 410 zutrug, als der Gotenkönig Alarich die Ewige Stadt einnahm. Wie es überhaupt dazu kam, das erzählt der Autor auf bereits hochgelobte Weise.

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WIDUKIND - DER LETZTE GERMANE

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Torsten Capelle, Widukinds heidnische Vorfahren. Das Werden der Sachsen im Überblick (Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2008), 80 Seiten, 12,40 Euro.

Viel ist nicht überliefert von Widukind, der den Widerstand der Sachsen gegen das Großmachtstreben Karls des Großen organisierte und den Frankenherrscher zum längsten Krieg seines Lebens zwang. Vor allem mithilfe archäologischer Funde rekonstruiert Torsten Capelle anschaulich die Lebenswelt der Sachsen von ihrer ersten Erwähnung in griechischen Schriften bis ins 9. Jahrhundert, als der bedeutende Germanenstamm im Reich der Franken aufging.

Matthias Springer, Die Sachsen (Kohlhammer, Stuttgart 2004), 308 Seiten, 18 Euro.

Zweifellos nicht für denjenigen geeignet, der ein populärwissenschaftliches Werk zur leichten Unterhaltung erwartet. Wer sich aber ein fundiertes Bild der Sachsen und ihrer Geschichte machen möchte, für den ist das Buch des in Magdeburg Geschichte lehrenden Professors das richtige. Ausführliche Beschreibungen des Verlaufs der Sachsenkriege finden sich darin ebenso wie Ausführungen zu den politischen Verhältnissen im Lande der Sachsen und ihrer Religion.

Karl Paetow, Die Wittekindsage (Sponholtz-Verlag, Hannover 1994), 132 Seiten, 6,90 Euro.

Immer wieder haben die Taten des Rebellen Widukind die Fantasie der Nachwelt beflügelt. Autor Paetow hat über lange Zeit die Sagen über den Sachsenführer gesammelt und in diesem kleinen Band neu erzählt. So erfährt der Leser beispielsweise, wie der Ort Bergkirchen nach zu seinem Namen kam - und das Sachsenross ins westfälische Wappen.

Besichtigungstipp: Widukind-Museum Enger

Lediglich in einigen fränkischen Quellen wird der Sachse Widukind erwähnt. Dennoch ist es dem Widukind-Museum Enger gelungen, auf mehreren Ebenen einen eindrucksvollen Kosmos um jenen Mann entstehen zu lassen, der vom Widerstandkämpfer zum unsterblichen Mythos wurde. Einen Schwerpunkt bildet die Zeit der Sachsenkriege, in die das Museum seine Besucher mit zahlreichen multimedialen Mitteln entführt. Nachgebildet sind auch das mutmaßliche Grab des Sachsenführer Widukinds sowie die Gebeine, die Archäologen bei Grabungen Anfang der 1970er Jahre entdeckten. Lohnenswert!

Widukind Museum Enger, Kirchplatz 10, 32130 Enger, Tel. 0 52 24-91 09 95. 
 Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag: 15-18 Uhr;
Sonn- und Feiertags: 11-18 Uhr.

www.widukind-museum-enger.de

NIBELUNGENSAGE - EIN EPOS AUS URALTER ZEIT

Jörg Oberste, Der Schatz der Nibelungen - Mythos und Geschichte (Lübbe, Bergisch Gladbach 2008), 304 Seiten, 19,95 Euro.

Angenehm geschrieben, gut illustriert, recht klar gegliedert: Oberstes Buch ist die beste Anlaufstelle für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema befassen. Inhalt und Verfasserfrage des Nibelungenliedes behandelt er ebenso wie nordische Vorläufer der Sage oder die spätere Wirkungsgeschichte, bis hin zur NS-Zeit und der Verfremdung durch den "Herrn der Ringe".

Volker Gallè (Hrsg.), Die Burgunder. Ethnogenese und Assimilation eines Volkes (Worms-Verlag, Worms 2008), 426 Seiten, 24,80 Euro.

Die Burgunder sind in der Dichtung die tragischen Helden des Nibelungenliedes - doch wer waren sie in Wahrheit? Wer ist dieser Stamm? Wie sah ihr Reich aus? Was ist von ihnen geblieben? In 15 Beiträgen begeben sich Wissenschaftler auf die Spurensuche nach einem doch nicht ganz untergegangenen Volk.

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