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Das Magazin für Geschichte

GEOEPOCHE feiert Geburtstag!

Chefredakteur Michael Schaper erzählt, wie alles begann - und warum sich die Redaktionsmannschaft für die Jubiläums-Ausgabe "Die Welt im Jahr 1000" zu einer ganz besonderen Zeitreise entschieden hat

Liebe Leserin, Lieber Leser,

vor 15 Jahren begann die GEO-Redaktion, Reporta­gen zu publizieren, in denen historische Ereignis­se minutiös rekonstruiert wurden. So der Untergang der "Titanic" 1912 oder der Überfall auf Pearl Harbor 1941. Diese Beiträge stießen auf großes Interesse, weil die Leser in ihnen all das fanden, was sie im eigenen Geschichtsunterricht offenbar heftig vermisst hatten: Drama, Spannung, atmosphärische Dichte.

Vor allem aber: Diese Texte türmten nicht Datenberg auf Datenberg, sondern handelten von Menschen und deren Schicksalen, waren keine ex cathedra und aus weitem Abstand geschriebenen Essays, sondern Nahaufnahmen der jeweils Beteiligten und Betroffenen. Sie waren weder ab­strakt noch auf staubige Weise gelehrsam, sondern konkret und voller Details, mit denen die Autoren den Alltag längst vergangener Epochen wiederauferstehen ließen.

Kurz: Die historischen Rückblenden erzählten Geschichten – nur eben aus der Abteilung Non-Fiction.

Im Jahr 1999 beschloss die Redaktion, die Langstrecke zu wagen und ein monothematisches Geschichtsmagazin zu gründen: GEOEPOCHE.

Fortan ging es, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr um ein einziges Ereignis, sondern meist um ein Zeitalter, manchmal sogar um eine ganze Kultur. Waren auf knapp 170 Seiten bisweilen mehrere Tausend Jahre Geschichte vorzustellen – so im Fall des Alten Ägypten oder Chinas. Doch das Vorgehen der Autoren blieb im Prinzip gleich: den Leser reisen zu lassen in eine Zeit vor unserer Zeit.

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Das GEOEPOCHE-Team (von links nach rechts): Jens-Rainer Berg, Frank Otto, Cay Rademacher, Ursula Arens, Christian Gargerle, Insa Bethke, Tatjana Lorenz, Anja Herold, Andreas Sedlmair, Lenka Brandt, Olaf Mischer, Michael Schaper, Stefanie Peters, Roman Rahmacher, Rainer Droste und Dirk Krömer

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Die Erstausgabe von GEOEPOCHE: "Das Millennium - Bilanz eines Jahrtausends"

Seit der Erstausgabe sind nun zehn Jahre vergangen, und heute ist GEOEPOCHE eines der erfolgreichsten Geschichtsmagazine weltweit: Alle zwei Monate greifen im Durchschnitt mehr als 150 000 Leser zu einer neuen Aus­gabe, 23 der bislang erschienenen 34 Magazine sind ver­griffen, manche der frühen Hefte werden unter Liebhabern für 50 Euro und mehr gehandelt.

Diese Wertschätzung freut uns, denn es ist Ihre Anerkennung für den enormen Aufwand, den wir betreiben, um die Geschichten hinter der Geschichte sowohl ­anschaulich wie historisch korrekt zu präsentieren – etwa, wenn

wir gemeinsam mit unseren Illustratoren in monatelanger Arbeit einen ägyptischen Prozessionszug aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. rekonstruieren. Oder wenn unsere Veri­fi­kations­redakteure jedes Detail einer 60 Manuskriptseiten langen Reportage über die ersten Tage der Französischen Revolution überprüfen, um sicherzustellen, dass Sie sich auf das, was Sie bei uns ­lesen, verlassen können.

Zum Jubiläum unseres Magazins hat sich die Redaktion nun einem anderen runden Geburtstag gewidmet: dem Jahr 1000 n. Chr. Erstmals arbeiten wir in einer Ausgabe nicht eine ganze Kultur auf oder ein Zeitalter (oder einen Tag, wie im Fall des 11. September 2001), sondern nehmen uns ein Jahr vor und betrachten Geschichte gleichsam horizontal, indem wir einmal um den Globus reisen und rekon­struieren, was sich damals mehr oder minder gleichzeitig im Abendland, in Afrika, Amerika und Asien zutrug.

Etwa in England, wo um das Jahr 1000 die Kämpfe zwischen den Einheimischen und marodierenden Wikingern eskalierten: der Anfang vom Ende der angelsächsischen Herrschaft. Oder am Rande der Sahara, wo sich zu jener Zeit der legendäre Wohlstand des Goldreichs von Gana herumsprach und prompt muslimische Invasoren anlockte. Oder am Mississippi, wo Cahokia aufblühte, die größte Stadt der nordamerikanischen Indianer.

Und eines wird spätestens auf Seite 124 des Heftes deutlich: Die kulturelle und ökonomische Supermacht jener Zeit war China. Ein Reich, in dem es bereits Millionenstädte gab und ein effizientes Beamtenheer. In dem große Verlage Bücher in Millionenauflagen herausbrachten und buntes Papiergeld den Handel beflügelte. In dem sich Bohrtürme in den Himmel erhoben, Schleusen das Landschaftsgefälle zu überwinden halfen und wo mehr Eisen produziert wurde als im England der frühen Indu­striellen Revolution rund 800 Jahre später. Kurz: ein Reich, das dem Rest der Welt um Jahrhunderte voraus war.

Sie hat Spaß gemacht, diese Reise zurück in die Zeit und einmal rund um den Globus. Von manchen der in diesem Heft beschriebenen Ereignissen hatte ich noch nie gehört – so von einem Angriff buddhistischer Tempelkrieger auf die Truppen des japanischen Regenten. Und auch die Existenz eines jüdischen Großreichs in den Steppen jenseits des Schwarzen Meeres war mir unbekannt, ehe ich die Reportage über das Imperium der Chasaren las.

Ich habe wieder einmal viel gelernt bei dieser Heftproduktion. Und freue mich schon darauf, unsere Reise quer durch ein Jahr beim nächsten GEOEPOCHE-Jubiläum fortzusetzen.

Herzlich Ihr

Michael Schaper

Chefredakteur

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Die Jubiläumsausgabe von GEOEPOCHE: "Die Welt im Jahr 1000"

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