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GEOEPOCHE-Buchtipps: Die Welt im Jahr 1000

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion
In diesem Artikel
DAS JAHR 1000 IM ÜBERBLICK
KAISER OTTO III.: DER TRAUM VOM WELTREICH
ENGLAND: KAMPF GEGEN DIE WIKINGER
KALENDER: DIE VERMESSUNG DER ZEIT
KÖNIGREICH GANA: DIE SPUR DES GOLDES
LEIF ERIKSSON: KURS AMERIKA
CHICHÉN ITZÁ: BLUT FÜR DIE GÖTTER
SCHRIFTSYSTEME: DIE MACHT DER ZEICHEN
CAHOKIA: DIE STADT DES „FALKENFÜRSTEN“
OSTERINSEL: DAS RÄTSEL DER STEINKÖPFE
KRIEGSHANDWERK: DIE KUNST DES TÖTENS
JAPAN: ANGRIFF DER TEMPELKRIEGER
SONG-CHINA: IM REICH DER ZUKUNFT
AVICENNA: HEILER UND HOCHSTAPLER
CHASAREN: DAS KÖNIGREICH DER JUDEN
BYZANZ: MIT SCHWERT UND KREUZ

DAS JAHR 1000 IM ÜBERBLICK

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Johannes Grabmayer, Rückblende. Geschichten aus der Welt vor 1000 Jahren (Wieser Verlag, Klagenfurt 2000), 298 Seiten, antiquarisch erhältlich ab 6 Euro.

Mit dem Schwerpunkt Europa und islamische Welt erzählt der Historiker Grabmayer interessante Geschichten aus einer faszinierenden Zeit: Von Venedigs Aufstieg zur Seemacht, dem Besuch Kaiser Ottos III. in der Gruft Karls des Großen, den Eroberungszügen Mahmuds von Ghazna und von vielem mehr. Leider kommen Afrika, Amerika und Ostasien, wo in China unter der Song-Dynastie die fortschrittlichste Kultur dieser Epoche erblühte, deutlich zu kurz.

Franz-Josef Brüggemeier & Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.), Die Welt im Jahr 1000 (Verlag Herder, Freiburg 2000), 336 Seiten, antiquarisch erhältlich ab 3 Euro.

Das Buch ist thematisch gegliedert (die Kapitel heißen etwa: „Die Landbevölkerung“, „Handel und Wandel“ oder „Bildung und Schulen“), und jeder einzelne Punkt bietet eine Gesamtschau über das Leben auf der Welt im Jahr 1000. Das bringt dem Leser Einblicke in viele Facetten, wirkt häufig aber auch sehr sprunghaft, wenn die Darstellung etwa innerhalb weniger Seiten von Konstantinopel nach Kairo, nach Bagdad, Persien und Kaifeng und ins ebenfalls chinesische Taiyuan hüpft und von dort nach Chichén Itzá in Mexiko, Aachen, wieder zurück nach Konstantinopel und Bagdad usw.

John Man, Atlas of the Year 1000 (Harvard University Press, Cambridge/Massachusetts 1999), 144 Seiten, 15,99 Euro.

Nicht in jedem Aspekt exakt, dennoch ein faszinierender Überblick über die Welt am Ende des ersten Millenniums – von den mexikanischen Tolteken bis nach Byzanz, von Bagdad bis in die japanische Hauptstadt Heian-kyo. Doch auch jene Regionen werden vorgestellt, von denen kaum etwas bekannt ist: so die nordamerikanischen Prärien der Bison jagenden Indianer, die australischen Alpen und Tibet, das um das Jahr 1000 von einem bedeutenden Reich in ein „dunkles Zeitalter“ der Anarchie herabgesunken war. Die zahlreichen Karten machen das Buch höchst anschaulich.

KAISER OTTO III.: DER TRAUM VOM WELTREICH

Ekkehard Eickhoff, Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas (Klett-Cotta, Stuttgart 1999), 482 Seiten, 35 Euro.

Mitreißend geschriebene Biografie, erzählerischer als Althoff, zugleich auf der Höhe der Forschung. Darüber hinaus auch ein breites Panorama der Jahrtausendwende. Unbedingt empfehlenswert.

Gerd Althoff, Otto III. (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996), 245 Seiten, nur noch in Bibliotheken erhältlich.

Die Monografie des bekannten Mediävisten besticht durch ihre Behutsamkeit gegenüber den Quellen. Lieber bekennt Althoff sein Nichtwissen, als voreilig Schlüsse zu ziehen. Glasklar, prägnant und hoch informativ. Ein intellektueller Lesespaß.

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ENGLAND: KAMPF GEGEN DIE WIKINGER

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Ryan Lavelle, Aethelred II: King of the English 978-1016 (Tempus Publishing, Gloucestershire 2008), 240 Seiten, 17,99 Euro.

Erhielt König Ethelred II., der 1002 anordnete, die dänischen Siedler in seinem Reich zu töten, seinen Beinamen „der Unberatene” zu recht? War er so inkompetent, wie noch heute viele Historiker meinen? Oder hatte er einfach nur einen äußerst schlechten Start – und dann das Pech, in einer unruhigen Zeit regieren zu müssen? Fern von Klischees und Vorurteilen gegenüber dem ungeliebten König versucht der Autor eine Ehrenrettung – und erzählt dabei die Biografie Ethelreds auf durchaus unterhaltsame Weise.

Robert Lacey & Danny Danziger, The Year 1000. What life was like at the turn of the first millennium (Little, Brown and Company, London 2000), 240 Seiten, 11,99 Euro.

Die Autoren, beide Journalisten, haben sich tief in die überlieferten Quellen eingearbeitet, zahlreiche Interviews mit Historikern geführt und können auf diese Weise einen äußerst lebendigen Eindruck vom englischen Alltag um das Jahr 1000 vermitteln. In lockerem, humorvollem Ton präsentieren sie eine Fülle an Informationen über das Leben unter der Herrschaft Ethelreds II. – ob auf dem Feld, im Kloster oder in der Stadt.

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KALENDER: DIE VERMESSUNG DER ZEIT

Thomas Vogtherr, Zeitrechnung. Von den Sumerern bis zur Swatch (C. H. Beck, München 2006), 128 Seiten, 7,90 Euro. Obwohl es im Untertitel mit dem Zeitgeist kokettiert, bietet das Buch vor allem eine gute Einführung in die mittelalterliche Zeitrechnung. Nach einem Abriss der astronomischen Grundlagen und einem Überblick über Kalender anderer Kulturen widmet sich der Osnabrücker Geschichtsprofessor ausführlich dem christlichen Mittelalter: Unter anderem erklärt er, wie die bis heute gebräuchliche Jahreszählung „nach Christi Geburt“ erfunden wurde – von einem Mönch im 6. Jahrhundert.

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Arno Borst, Computus. Zeit und Zahl in der Geschichte Europas (Wagenbach, Berlin 2004), 192 Seiten, 10,90 Euro. Einer der bedeutendsten deutschen Mittelalterhistoriker begibt sich auf einen Streifzug durch die Geschichte der Zeitmessung von der Antike bis zur Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt auf den Versuchen mittelalterlicher Astronomen, das Osterdatum zu berechnen. Wer sich auf den gelehrten Stil einlässt, lernt nicht nur viel über das mittelalterliche Zeitempfinden, sondern auch über den Ursprung von Dingen, die heute selbstverständlich erscheinen: Kalender, Uhr und Computer.

KÖNIGREICH GANA: DIE SPUR DES GOLDES

Patricia & Frederick McKissack, The Royal Kingdoms of Ghana, Mali and Songhay. Life in Medieval Africa (Verlag Henry Holt, New York 1995), 128 Seiten, 8,99 Euro.

Etwa im 3. Jahrhundert wird das Kamel in Westafrika eingeführt. Das Tier kann Lasten durch die Sahara tragen und wird so zu einem der wesentlichen Gründe für den Aufstieg des Goldreichs Gana zur Großmacht. Und warum ist gerade das Kamel besonders geeignet, die Wüste zu durchqueren? Weil es äußerst buschige Augenbrauen hat, haarige Ohrmuscheln und die Fähigkeit seine Nasenlöcher zu verschließen, um sich vor Sand und Sonne zu schützen. Solche Details, den Afrikahistorikern oft zu banal, um sie aufzuführen, machen dieses Werk höchst anschaulich – und damit zum idealen Einstieg in die Geschichte des mittelalterlichen Afrika, auch wenn es sich um ein Jugendbuch handelt.

Rudolf Fischer, Gold, Salz und Sklaven. Die Geschichte der großen Sudanreiche Gana, Mali, Songhai (Edition Erdmann, Tübingen 1982), 284 Seiten, nur noch antiquarisch für etwa 15 Euro erhältlich.

Der Historiker und Geograf Rudolf Fischer hat die Regionen, über die er schreibt, über längere Zeit bereist. Er führt den Leser auf einer imaginären Expedition in den Sahel und startet von dort eine anschauliche, mit vielen Originalzitaten gespickte Zeitreise vom frühmittelalterlichen Gana bis hin zu den westafrikanischen Reichen im Zeitalter der Entdeckungen. Sein Buch ist eine gelungene, flüssig lesbare Zusammenschau archäologischer, mündlicher und schriftlicher Zeugnisse.

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LEIF ERIKSSON: KURS AMERIKA

Anne Stine & Helge Ingstad, The Norse Discovery of America (Norwegian University Press, Oslo 1985) 2 Bände, zusammen 1032 Seiten plus Tafeln, antiquarisch ab etwa 115 Euro oder in guten Bibliotheken erhältlich.

Die Bibel für alle, die sich ernsthaft mit der Geschichte der nach Amerika segelnden Wikinger beschäftigen wollen: ziegelsteinrot, ziegelsteingroß, ziegelsteinschwer. Anne Stine und Helge Ingstad, die in den 1960er-Jahren die fast 1000 Jahre alte Wikingersiedlung auf Neufundland wiederentdeckten, berichten hier nicht nur von ihren Funden, sondern handeln alle Aspekte des Themas ab, von mittelalterlichen Chroniken über Schiffsbautechniken der Nordmänner bis hin zu Fragen von Klima und Meeresströmungen. Außerdem sind die beiden wichtigsten mittelalterlichen Texte, die „Grönländersaga“ sowie die „Saga von Erik dem Roten“, in englischer Übersetzung vollständig abgedruckt. Also: Auf ZVAB, ebay und Co. nach dem Werk fahnden, Brieftasche ausquetschen – und kaufen. Es gibt bis heute nichts Besseres.

CHICHÉN ITZÁ: BLUT FÜR DIE GÖTTER

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Robert J. Sharer & Loa P. Traxler, The Ancient Maya (Stanford University Press, Stanford 2006), 931 Seiten, 32 Euro.

Eines der besten Überblickswerke zur Geschichte und Kultur der Maya ist leider nur auf Englisch erhältlich. In ihrem 2006 umfangreich aktualisierten Standardtitel zeichnen die Autoren 2500 Jahre von den Anfängen mayanischer Gesellschaften bis zur spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert nach – und berücksichtigen dabei auch neueste archäologische Funde und wissenschaftliche Studien. Verständlich und gut lesbar, differenziert und detailreich erklärt das Buch die Lebens- und Glaubenswelt der alten Maya, ihre Kulte und Kriege ebenso wie ihre sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Längere Abschnitte sind den Geschehnissen in Chichén Itzá gewidmet, jener um das Jahr 1000 so dominanten Maya-Stadt. Mit vielen – leider nur schwarz-weißen – Abbildungen.

Jeff Karl Kowalski & Cynthia Kristan-Graham (Hrsg.), Twin Tollans: Chichen Itza, Tula, and the Epiclassic to Early Postclassic Mesoamerican World (Dumbarton Oaks, Washington D.C. 2007), 640 Seiten, 55 Euro.

Hervorgegangen aus einer Fachtagung über das Verhältnis von Chichén Itzá und Tula, jener anderen um das Jahr 1000 bedeutenden Stadt Mesoamerikas, versammelt dieses Buch aktuelle Aufsätze international renommierter Maya-Forscher, etwa des Amerikaners David Freidel, des Mexikaners Rafael Cobos oder des deutschen Professors Nikolai Grube. Die Autoren präsentieren – nicht immer einfach für Laien zugänglich – neueste Erkenntnisse und interessante Details zu Chichén Itzá und geben zugleich Einblicke in ein noch lange nicht erschöpfend bearbeitetes und vielfach kontroverses Wissensgebiet. Mehr oder weniger einig sind sich die hier beteiligten Experten jedenfalls, dass es die früher oft angenommene Eroberung Chichén Itzás durch Tolteken aus Tula so nicht gegeben hat.

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SCHRIFTSYSTEME: DIE MACHT DER ZEICHEN

Steven Roger Fischer, A History of Writing (Reaktion Books, London 2001), 352 Seiten, 19,99 Euro.

Der neuseeländische Sprachwissenschaftler Fischer beginnt seine „Geschichte des Schreibens“ mit bildhaften Vorläufern, aus denen vor mehr als 5000 Jahren in Mesopotamien die erste echte Schrift entstand. Mit einer Fülle von Informationen und Details stellt er die Entwicklung verschiedener Schriftsysteme dar – Wortschriften, Silbenschriften, schließlich Buchstabenschriften und vollständige Alphabete – und, wie sich diese in Jahrtausenden über die Erde ausbreiteten. Auch die materielle Seite der Schriftkultur behält Fischer im Blick: Vom Schreiben auf Papyrus, Pergament oder Papier schlägt er über die Geschichte des Buchdrucks den Bogen bis zum Schreiben im Computerzeitalter – mit einem Ausblick in die Zukunft. Bei alledem scheut Fischer nicht vor gewagten Thesen zurück. Doch er macht seine Vermutungen stets als solche deutlich und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden.

CAHOKIA: DIE STADT DES „FALKENFÜRSTEN“

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Claudia G. Mink, Cahokia. City of the Sun (Cahokia Mounds Museum Society, Collinsville 1992), 80 Seiten, antiquarisch ab 12 Euro.

Das kleine Büchlein dürfte wohl die beste und lesbarste Darstellung über die untergegangene Indianer-Stadt im Osten von St. Louis sein, die 1982 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Welt aufgenommen wurde. In acht Kapiteln werden kurz und übersichtlich die Ursprünge der Metropole dargestellt, die symbolische Bedeutung des Stadtplans und der vielen Erdpyramiden und -hügel erläutert, Gebäude, Kultur und Religion der Menschen vorgestellt. Zahlreiche Bilder und Illustrationen vermitteln eine Ahnung davon, wie das Leben in Cahokia ausgesehen haben könnte.

Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der Cahokia-Mounds-Ausgrabungsstätte www.cahokiamounds.com.

Biloine Young & Melvin Fowler, Cahokia. The Great Native American Metropolis (University of Illinois Press, Champaign 2000), 384 Seiten, 21,99 Euro.

Dies ist ein sehr amerikanisches Werk: Biloine Young, einer der führenden Archäologen in Cahokia, hat sich eine professionelle Schreiberin gesucht, um ein allgemein verständliches Buch über die bis ins 18. Jahrhundert größte Stadt auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten zu schreiben. Herausgekommen ist eine wirklich lesenswerte Rekonstruktion der Ausgrabungsgeschichte der Stadt im vergangenen halben Jahrhundert, die auf diesem Wege die große unbekannte Indianerkultur vorstellt.

Timothy Pauketat, Ancient Cahokia and the Mississippians (Cambridge University Press, Cambridge 2004), 234 Seiten, 24,99 Euro.

Wer sich intensiver mit Cahokia und der Kultur der Mississippi-Indianer auseinandersetzen will, wird an diesem Buch von Timothy Pauketat nicht vorbeikommen. Es versucht aufgrund der Ausgrabungsfunde die Geschichte der Stadt und der außerordentlichen Kultur zu rekonstruieren. Der Archäologe vermittelt ein facettenreiches Bild nicht nur von Cahokia, sondern überhaupt von der Welt der Indianer im Mittleren Westen Amerikas in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends.

OSTERINSEL: DAS RÄTSEL DER STEINKÖPFE

John Flenley & Paul Bahn, The Enigmas of Easter Island (Oxford University Press, Oxford 2003), 274 Seiten, um 150 Euro.

Die Geschichte der Osterinsel ist voller Geheimnisse: Woher kamen die ersten Siedler? Warum begannen die Menschen, gewaltige Steinstatuen zu bauen? Und was ist dran an der Theorie, dass in der Vorgeschichte neben den Polynesiern auch Südamerikaner zu der winzigen Insel segelten? Wer sich über solche und andere Fragen gründlich informieren will, sollte in diesem – leider nur auf Englisch erschienenen und sehr teuren – Buch nachschlagen. Die beiden Autoren haben eine Fülle an Material zusammengetragen – ein Standardwerk.

Andreas Mieth & Hans-Rudolf Bork, Easter Island – Rapa Nui. Scientific Pathways to Secrets of the Past (Verlag Schmidt & Klaunig, Kiel 2004), 112 Seiten, in guten Bibliotheken erhältlich.

Ursprünglich war die Osterinsel fast vollständig von einem Palmenwald bedeckt. Doch als im 18. Jahrhundert die Europäer eintreffen, steht auf dem Eiland im Südpazifik so gut wie kein Baum mehr. Die Kieler Öko-Wissenschaftler Mieth und Bork versuchen in diesem schmalen Band, die Ursachen des Palmensterbens nachzuzeichnen. Das in englischer Sprache geschriebene und gut lesbare Buch basiert zu einem großen Teil auf eigenen Forschungen und enthält außerdem ein knappes, sehr informatives Kapitel über die Inselgeschichte – ideal für einen ersten Überblick.

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KRIEGSHANDWERK: DIE KUNST DES TÖTENS

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Kelly DeVries, Medieval Military Technology (Broadview Press, Peterborough 1991), 240 Seiten, antiquarisch ab 18,99 Euro. Kompakt, aber unterhaltsam fasst der US-Historiker die Militärtechnik des Mittelalters vom Streithammer bis zur Kanone zusammen. Seine Schilderungen der Waffen und Rüstungen, von Artillerie, Befestigungsanlagen und Kriegsschiffen belegt er mit zeitgenössischen Zitaten und zeichnet so ein lebendiges Bild der wichtigsten Streitmächte dieses kriegerischen Zeitalters.

Nicholas Hooper & Matthew Bennett, Cambridge Illustrated Atlas of Warfare: The Middle Ages, 768-1487 (Cambridge University Press, Cambridge 1996), 192 Seiten, 53,99 Euro. Der nach Konfliktgebieten gegliederte Atlas macht mit zahlreichen Karten und Bildern die militärischen Verwicklungen im mittelalterlichen Europa nachvollziehbar. Die mitunter etwas akademischen Texte sind reich an historischen Fakten. Wichtige Schlachten werden einzeln erläutert, ein Anhang beschreibt die Entwicklung von Militäreinheiten wie Kavallerie und Infanterie, von Bewaffnung und Belagerungsgerät. Ein faszinierendes Nachschlagewerk, das durch seine Informationsfülle auch weniger bekannte Kapitel der Geschichte erschließt.

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JAPAN: ANGRIFF DER TEMPELKRIEGER

John Dougill, Kyoto. A Cultural and Literary History (Signal Books, Oxford 2006), 242 Seiten, um 15 Euro.

Facettenreiches Stadtporträt, zugleich ein lebendig erzählter Geschichtsführer – die Liebeserklärung eines britischen Gelehrten, der Kyoto gegen Oxford tauschte. Ideal für den historisch Interessierten, der lieber im heimischen Lesesessel zur Pflaumenblüte in die alte kaiserliche Residenz reist (der Kirschblütenenkult kam später), als sich nach vorhergegangener Leibesvisitation stundenlang in eine fliegende Blechröhre sperren zu lassen.

Donald H. Shively & William H. McCullough (Hrsg.), The Cambridge History of Japan. Band 2: Heian Japan (Cambridge University Press, Cambridge 1999), 754 Seiten, 135 Euro.

Umfassend, kompakt, zugleich lesbar: Interessanter kann historische Information kaum dargeboten werden. Wer herrschte im Japan der Heian-Zeit (794-1185). Und wie? Was glaubten die Menschen, wie wohnten sie, was aßen sie? Preislich freilich eher ein Fall für den Bibliotheksbesuch.

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Mikael S. Adolphson, The Gates of Power. Monks, Courtiers, and Warriors in premodern Japan (University of Hawaii Press, Honolulu 2000), 456 Seiten, um 50 Euro.

Der in Schweden geborene, in Stanford und Kyoto ausgebildete Japan-Spezialist Adolphson erklärt die Machtverhältnisse des frühen Japan. Wer mit dem Buddhismus allein den weisen Pazifismus des Dalai Lama in Verbindung bringt, wappne sich für einige Überraschungen – denn die Mönche etwa der Klöster auf dem Berg Hiei gehören vom 8. bis zum 16. Jahrhundert zu den wichtigsten und aggressivsten Kämpfern Nippons um politischen Einfluss.

SONG-CHINA: IM REICH DER ZUKUNFT

Robert Temple, The Genius of China: 3,000 Years of Science, Discovery, & Invention (Bindu Books, Rochester/Vermont 2007), 288 Seiten, ab 26,99 Euro.

Die Jahrtausendwende war für das Reich der Mitte der Gipfelpunkt einer 5000-jährigen Geschichte großer Erfindungen, die erst Jahrhunderte später in den Westen gelingen sollten – ein Reichtum, den Joseph Needham, der Pionier der chinesischen Technologiegeschichte, in seinem 15-bändigen Epochalwerk „Science and Civilization in China“ in großartiger Ausführlichkeit beschreibt. Robert Temple ist es gelungen, die wichtigsten dieser Erfindungen auf knapp 300 Seiten zu komprimieren – ein kühnes Unternehmen, das Needham im Vorwort zu Recht als „brillante Zusammenfassung“ rühmt.

Shen Kuo, Pinselunterhaltungen am Traumbach. Das gesamte Wissen des alten China (Diederichs, München 2007), 288 Seiten, antiquarisch ab 10 Euro.

Die Beamten der Song-Dynastie waren nicht nur Bürokraten, sondern oft auch Dichter, Manager und Ingenieure, bisweilen gar Universalgenies vom Schlage Leonardo da Vincis. Einer von ihnen war Shen Kuo (1031-1095), der sich, gebildet in allen Wissensgebieten, als Landgewinner und Deichbau-Ingenieur hervortat, als Polizeiinspektor, Finanzkommissar und Direktor des kaiserlichen Observatoriums. In seinen anekdotischen „Pinselunterhaltungen“ zeichnet er ein farbiges Bild seiner Zeit, referiert über Poesie, Musik und Malerei ebenso wie über Naturwissenschaft, Technik, Gesetzgebung, Finanzpolitik und gesellschaftliches Leben der Song-Dynastie.

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AVICENNA: HEILER UND HOCHSTAPLER

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Gotthard Strohmaier, Avicenna (C.H. Beck, München 2006), 184 Seiten, 12,90 Euro. Kompakte, aber bestens informierte Biografie auf neuestem Forschungsstand. Strohmaier liefert eine dichte und substanzielle Nacherzählung der Vita sowie einzelne Kapitel zu den Wissensgebieten, auf denen der persische Universalgelehrte Ibn Sina (980-1037), im Abendland Avicenna genannt, brillierte. Der Berliner Arabist geht auch auf die lange Wirkungsgeschichte des Wissenschaftlers ein, der Medizin und Philosophie in der arabischen Welt und im Okzident für Jahrhunderte beeinflusst hat.

Roshdi Rashed, Encyclopedia of the History of Arabic Science (Routledge Chapman & Hall, London und New York 1996), 3 Bände, zusammen 1105 Seiten, 488,99 Euro.

Vorzügliche Quelle zum Stand der arabischen Wissenschaften um das Jahr 1000, übersichtlich nach Disziplinen geordnete, aber anspruchsvolle Beiträge, aufgeschlüsselt durch guten Index. Leider teuer, aber ja zum Glück kostengünstig in Bibliotheken einsehbar.

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CHASAREN: DAS KÖNIGREICH DER JUDEN

Peter B. Golden (Hrsg.), The world of the Khazars (Brill Academic Publishers, Boston/Leiden 2007), 460 Seiten, etwa 160 Euro.

Es gibt kaum wissenschaftliche Literatur zu den Chasaren, dem jüdischen Großreich in Südrussland, und die wenigen Werke sind oft nicht gänzlich objektiv. Wer angesichts der Spekulationen und Vorurteile in den Monografien nicht sicher ist, was er glauben kann, dem hilft diese aufschlussreiche Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze weiter. Sie ist das Ergebnis einer internationalen Chasaren-Konferenz in Israel im Jahr 1999. Die Autoren behandeln unter anderem die Frage, woher die Chasaren kamen.

Weitere Informationen im Internet unter www.khazaria.com. Diese etwas unaufgeräumte, aber sehr ausführliche Seite des amerikanischen Hobbyhistorikers Kevin Alan Brooke, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, versammelt alles, was es zum Thema im Netz gibt. Außerdem beantwortet Brooke die wichtigsten Fragen zum jüdischen Großreich und lässt unterschiedliche Forschermeinungen zu Wort kommen.

BYZANZ: MIT SCHWERT UND KREUZ

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Peter Schreiner, Konstantinopel – Geschichte und Archäologie (C. H. Beck, München 2007), 128 Seiten, 7,90 Euro.

Obwohl nur ein schmales Taschenbuch, bietet dieser Band aus der Reihe „Wissen“ des Beck-Verlages einen sehr informativen Überblick über die Geschichte und Entwicklung Konstantinopels von der Gründung im Jahr 330 bis zur Eroberung durch die Osmanen 1453. Weil sich aus byzantinischer Zeit wenig erhalten hat und sich heute an Ort und Stelle das moderne Istanbul erhebt, ist die Forschung vor allem auf schriftliche Quellen angewiesen. Dennoch gelingt es Peter Schreiner, Professor emeritus für Byzantinistik in Köln, die Hauptstadt des oströmischen Reiches wieder auferstehen zu lassen: Vom kaiserlichen Hof über Handel, Kultur und Religion bis zum Leben des einfachen Volkes behandelt das Buch alle wichtigen Aspekte der Stadtgeschichte.

Catherine Holmes, Basil II and the Governance of Empire (Oxford University Press, Oxford 2005), 625 Seiten, 155,99 Euro.

Von Basileios II., genannt der „Bulgarenschlächter“, ist nicht viel bekannt: Der byzantinische Kaiser (976-1025) legte wenig Wert auf Kunst und Kultur an seinem Hof, wohl auch deshalb sind kaum zeitgenössische Berichte über ihn erhalten. Dieses Buch ist die erste umfangreiche moderne Darstellung zu Basileios. Allerdings handelt es sich um ein sehr wissenschaftliches Werk, das vor allem an der Analyse und Geschichte der historischen Quellen interessiert ist. Im letzten Teil liefert die Autorin Catherine Holmes eine interessante und fundierte Rekonstruktion des Lebens des Herrschers.

Stefan Wolle, Wladimir der Heilige (Verlags-Anstalt Union, Berlin 1991), 200 Seiten, nur antiquarisch erhältlich, etwa 5 Euro.

Im Gegenzug zur Heirat mit der Schwester des byzantinischen Kaisers Basileios II. lässt Fürst Wladimir im Jahr 989 sich und sein Volk im orthodoxen Ritus taufen. Ein Ereignis von historischer Bedeutung: Von nun an stehen die Kiewer Rus, die Vorläufer der heutigen Russen, unter dem geistlichen Einfluss der Kirche von Konstantinopel. In seiner Biografie schildert Stefan Wolle gut lesbar das Leben Wladimirs, Ursprünge und Götterwelt der Rus und ihre Entwicklung zu einer christlichen Nation.

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