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GEOEPOCHE-Buchtipps: Australien

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion
In diesem Artikel
AUSTRALIEN NACHGESCHLAGEN
ABORIGINES – IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT
ENTDECKUNG – DIE RÄTSELHAFTE KÜSTE
BESIEDELUNG – DIE INSEL DER VERDAMMTEN
ERSTUMSEGELUNG – TERRA INCOGNITA
TREIBJAGD – DER ÜBERLEBENSKAMPF DER UREINWOHNER
GOLD RUSH – LOCKRUF DES GOLDES
DURCHQUERUNG – AUFBRUCH IN DAS OUTBACK
STAATSGRÜNDUNG – DER SCHWERE WEG ZUR EINHEIT
ERSTER WELTKRIEG – DIE SCHLACHT VON GALLIPOLI
FLYING DOCTORS – HILFE AUS DER LUFT
STOLEN GENERATIONS – DIE GERAUBTEN KINDER
ZWEITER WELTKRIEG – BOMBEN AUF DARWIN
SYDNEY OPERA HOUSE – WIE SEGEL ÜBER DEM HAFEN

AUSTRALIEN NACHGESCHLAGEN

Johannes H. Voigt, Australien (C. H. Beck, München 2000), 176 Seiten, 11,50 Euro.

Der ehemalige Professor für Überseegeschichte der Universität Stuttgart Johannes H. Voigt kann mit Recht als Doyen der deutschen Australienstudien bezeichnet werden. Es hätte wohl kaum einen besseren Autor für das Australien-Bändchen der Beck’schen Reihe LÄNDER geben können. Kurzweilig führt der Autor den Leser durch die kurze, gleichwohl aber komplexe Geschichte des Fünften Kontinents, ohne die Ureinwohner aus den Augen zu verlieren, ohne die politischen Entwicklungen zu vernachlässigen, und ohne der Moderne zu wenig Platz einzuräumen. Wem dieses Bändchen zu dünn ist, dem sei das Standardwerk des Autors empfohlen: Geschichte Australiens (Kröner, Stuttgart 1988), 348 Seiten, antiquarisch ab 1,50 Euro erhältlich.

Albrecht Hagemann, Kleine Geschiche Australiens (C. H. Beck, München 2004), 160 Seiten, 9,90 Euro.

Dem Sachbuchautor Hagemann ist mit diesem schmalen Bändchen ein guter Wurf gelungen. In kluger Auswahl hat er die neuesten Forschungsergebnisse zu Australiens Geschichte zusammengetragen. Über die Literaturhinweise kommt der neugierige Leser schnell weiter. Bei der Zeittafel ist allerdings höchste Vorsicht geboten, so kam etwa der erste Sträflingstransport der britischen Krone 1788 in Sydney Cove an, nicht 1778. Und Reverend John Flynn eröffnete 1928 den „Flying Doctor Service“ nicht 1927. Davon einmal abgesehen ist das Buch jedoch empfehlens-, vor allem aber lesenswert.

Stuart Macintyre, A Concise History of Australia (Cambridge University Press, Cambridge 2004), 342 Seiten, 16,95 Euro.

Wer Englisch nicht scheut, ist mit diesem schön erzählten Band aus der Feder des ehemaligen Vorsitzenden der Australian Historical Association sehr gut beraten. Wir schließen uns dem Urteil unserer journalistischen Kollegen an, etwa Nick Richardson von der „Herald-Sun“: „At long last here is an accessible, sensible, learned and digestable history of Australia. It is a triumph of Stuart Macintyre’s notable schloarship that he has come up with a book that is concise - not brief, not abbreviated - sharp and to the point.“

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Jan Bassett, The Oxford Illustrated Dictionary of Australian History (Oxford University Press, Melbourne u.a. 1993), 304 Seiten, antiquarisch ab ca. 36 Euro erhältlich.

Der Name ist Programm. Ein wunderbares Nachschlagewerk, in dem Stichwörter und Kurzerklärungen zu Personen, Institutionen, Orten, Bewegungen, Ereignissen und Dokumenten zu finden sind, die für die australische Geschichte Bedeutung haben; von „Aboriginal Flag“ - der Flagge der australischen Ureinwohner bis zur Minenstadt „Zeehan“ auf Tasmanien.

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ABORIGINES – IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT

Ronald M. & Catherine H. Berndt, The Speaking Land: Myth and Story in Aboriginal Australia (Penguin Books, Rochester 1989), 480 Seiten, 17,99 Euro.

Die fast zweihundert Geschichten dieser Anthologie erzählen aus der Sicht der Ureinwohner, wie das Land des Fünften Kontinents entstand. Nebenbei breiten die beiden Anthropologen, die die Geschichten gesammelt haben, damit einen bunten - manchmal auch humorvollen, frivolen oder fantastischen - Bilderbogen vom Leben, Lieben und den Bräuchen der ersten Australier aus, der anschaulich vorführt, wie Traumzeit und Gegenwart miteinander verschmelzen.

Corinna Erckenbrecht, Traumzeit. Die Religion der Ureinwohner Australiens (Herder, Freiburg u.a. 1998), 206 Seiten, zur Zeit leider nur in guten Bibliotheken einsehbar.

Eines der wenigen Bücher zur Religion der Aborigines in deutscher Sprache. Kenntnisreich führt die Kölner Ethnologin darin ein in die komplexe, von Mythen und Magie beseelte Welt der australischen Ureinwohner.

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Gerhard Leitner, Die Aborigines Australiens (C. H. Beck, München 2006), 128 Seiten, 7,90 Euro.

Seit Jahren forscht Gerhard Leitner als Professor für englische Sprachwissenschaft zur Geschichte Australiens, vor allem auch zu den Aborigines. Das kleine Bändchen gibt schnell Einblick in die Lebenswirklichkeit und Geschichte der australischen Ureinwohner, von der vorkolonialen Zeit bis heute. Erschienen in der Beck’schen Reihe WISSEN wie immer der schnellste Einstieg ins Thema.

Josephine Flood, The Original Australians. Story of the aboriginal people (Allen & Unwin, Crows Nest 2006), 306 Seiten, 23 Euro.

Nominiert für den Preis des australischen Premierministers für australische Geschichte 2007 erzählt die renommierte Archäologin Josephine Flood die Geschichte der ersten Australier, und zwar von den Anfängen in mythischer Vorzeit bis zum heutigen Tag. Gut geschrieben. Unbedingt lesenswert.

Jared Diamond, Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies (Norton, New York 1999), 528 Seiten, 12 Euro.

In seinem Klassiker „Guns, Germs and Steel“ (wörtlich „Waffen, Krankheitserreger und Stahl“) geht der amerikanische Evolutionsbiologe grundsätzlich der Frage nach, warum sich verschiedene Teile der Welt in unterschiedlichem Tempo entwickelt haben - und liefert dabei eine Art ökologischer Wirtschaftsgeschichte des Fünften Kontinents, die Australiens Lebensform bei Ankunft der Weißen mit den Ereignissen am Ende der letzten Eiszeit verknüpft. (auf Deutsch: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag).

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ENTDECKUNG – DIE RÄTSELHAFTE KÜSTE

Miriam Estensen, Discovery: The Quest for the Great South Land (Conway Maritime Press, London 1999), 288 Seiten, 20,99 Euro.

Was suchten die Portugiesen, was die Spanier, Niederländer und Engländer in Ostindien? Estensen erzählt spannend, wie das große Südland „Terra Australis“ die Fantasie der Europäer beschäftigt, wie das reale Australien über Jahrhunderte auf Karten Gestalt annimmt, wie Entdecker und Kaufleute seine Küsten erforschen – und was Chinesen und Indonesier möglicherweise schon vor ihnen wussten.

William Eisler, Terra Australis: The Furthest Shore (National Gallery of Australia, Canberra 1991), 239 Seiten, antiquarisch ab 35 Euro erhältlich.

Eisler hat 1988 zum 200. Geburtstag Australiens bereits eine Ausstellung mit dem selben Titel kuratiert und zeichnet in diesem Buch die Entwicklung der Karten von der „Terra Incognita“ nach, zeigt typische Illustrationen wie den Paradiesvogel und präsentiert wertvolle Zeichnungen, die Entdecker von Pflanzen, Tieren und Einheimischen angefertigt haben. Ergänzt werden die Bilder von einer geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Einordnung und vielen Originalquellen wie den schriftlichen Anweisungen der Niederländischen Ostindienkompanie, denen Kapitäne wie Willem Janszoon, der 1606 Australien entdeckte, zu befolgen hatten. Wer sich das Schiff des Niederländers anschauen möchte, der besucht am besten die Homepage der „Duyfken 1606 Replica Foundation“ und schaut nach, in welchem Hafen der Nachbau des Dreimasters gerade liegt.

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BESIEDELUNG – DIE INSEL DER VERDAMMTEN

Arthur Phillip, Australien. Die Gründung der Strafkolonie (Lamuv, Göttingen 2000), 342 Seiten, 8,90 Euro.

Das Bändchen sieht aus wie ein Jugendbuch, ist tatsächlich aber die von Rudolf Plischke bereits vor Jahrzehnten herausgegebene deutsche Übersetzung des Berichts von Arthur Phillip. Der war der Kommandeur der „First Fleet“ von 1788 und erster Gouverneur der Sträflingskolonie in Australien. Noch während seiner Amtszeit verfasste er einen - eher kurzen und ziemlich geschönten - Bericht über die lange Reise von Großbritannien bis zum Fünften Kontinent und über die ersten Monate ebendort. Ein O-Ton aus der Zeit und somit eine gute Ergänzung zum Werk von Hughes. Plischkes Vorwort bietet zudem eine knappe Einführung zum Thema.

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Robert Hughes, The Fatal Shore, (Neuauflage bei Vintage Books, New York 2003), 752 Seiten, 11,99 Euro.

Ein Buch wie ein Kontinent: In epischer Länge und mit dem Atem eines großen Romanciers erzählt Hughes von den ersten acht Jahrzehnten des „weißen“ Australien - von den Jahren, in denen vor allem Sträflinge nach Down Under deportiert wurden. Ihm gelingt dabei eine Chronik manchmal unglaublicher Brutalität und Hartherzigkeit, er berichtet aber ebenso vom Durchhaltewillen und von jenem Optimismus, der schließlich die Gründung einer neuen Nation ermöglicht. Zwar mit kleinen Schwächen im Detail - etwa bei manchen fehlerhaften Minibiografien von Sträflingen, die mit der First Fleet 1788 als Pioniere wider Willen gelandet sind -, doch klar in seinen großen Linien: Es bleibt das Standardwerk zur wilden Frühgeschichte eines werdenden Staates. (auf Deutsch: Australien. Die Besiedelung des Fünften Kontinents erschienen bei Droemer Knaur)

Mollie Gillen, The founders of Australia. A biographical dictionary of the First Fleet (Library of Australian History, Sydney 1989), 608 Seiten, nur antiquarisch erhältlich.

In der Literatur werden bis heute recht unterschiedliche Angaben gemacht über die Anzahl von Passagieren und Crewmitgliedern jenes Schiffskonvois, mit dem 1788 die ersten weißen Siedler nach Australien kamen. Doch hat die australische Autorin Mollie Gillen bereits Ende der 1980er Jahre die genaue Zahl von Strafgefangenen, Soldaten und Seeleuten der „First Fleet“ recherchiert und zahlreiche biografische Details der Kolonisten zusammengetragen. Unter anderem für dieses Werk ist sie von der University of Sydney mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden.

ERSTUMSEGELUNG – TERRA INCOGNITA

Jean Fornaserio et al., Encountering Terra Australis. The Australian Voyages of Nicolas Baudin und Matthew Flinders (Wakefield Press, Kent Town 2004), 411 Seiten, 37,93 Euro.

Zwei große Expeditionen sind in den Jahren 1801 bis 1803 gleichzeitig unterwegs, um den geheimnisvollen Kontinent Australien zu erforschen. Die Autoren dieses Buches verflechten die Geschichten des Engländers Matthew Flinders und des Franzosen Nicolas Baudin und lassen die Rivalen ausführlich selbst zu Wort kommen. So entsteht ein kontrast- und nuancenreiches Bild von Australien, wie es sich den Augen der europäischen Entdecker darbot. Der Band ist mit Karten und Illustrationen aus den Expeditionsberichten üppig bebildert. Besonders schön: die Tier- und Pflanzenzeichnungen von Ferdinand Bauer und Charles-Alexandre Lesueur, beide herausragende Meister ihres Faches.

Miriam Estensen, The Life of Matthew Flinders (Allen & Unwin, Crows Nest 2003), 538 Seiten, 20,99 Euro.

Ein dicker Band für Liebhaber von Biografien und abenteuerlichen Reisen. Miriam Estensen folgt dem Weg von Matthew Flinders aus einem englischen Dorf in die gefahrvollen Gewässer Australiens detailreich und mit viel Zeitkolorit. Sorgfältig recherchiert und gut lesbar.

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TREIBJAGD – DER ÜBERLEBENSKAMPF DER UREINWOHNER

Vivienne Rae-Ellis, Trucanini. Queen or Traitor? (Australian Institute of Aboriginal Studies, Canberra 1981), 195 Seiten, antiquarisch ab 10 Euro erhältlich.

1803, im Jahr vor der Ankunft der Weißen, bevölkern schätzungsweise 5000 Aborigines Tasmanien. Keine drei Jahrzehnte später sind nur noch etwa 200 am Leben. 1876 stirbt Trucanini – die wahrscheinlich Letzte ihres Volkes, deren sämtliche Vorfahren auf der Insel geboren worden waren. Entlang der außergewöhnlichen Biografie von Trucanini – sie ist die Tochter eines Clanchefs – erzählt Rae-Ellis die Geschichte der Ausrottung der tasmanischen Aborigines. Sorgfältig recherchiert, dicht und ohne Pathos.

David Davies, The last of the Tasmanians (Barnes & Noble, New York 1973), 284 Seiten, derzeit nur antiquarisch erhältlich.

„The last of the Tasmanians“ gilt als Klassiker unter den Studien über die Aborigines Tasmaniens. Der Anthropologe Davies entwirft ein genaues Bild ihrer Kultur und ihrer Clangesellschaft. Anhand zeitgenössischer Berichte und Akten des britischen Kolonialamtes, zeigt er, wie die weißen Siedler die schwarzen Ureinwohner gesehen haben – und umgekehrt. Davies dokumentiert, wie durch die europäische Inbesitznahme Tasmaniens Welten aufeinanderprallen. Brutal und unversöhnlich. Bis zum Untergang der Einheimischen.

GOLD RUSH – LOCKRUF DES GOLDES

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Weston Bate, Lucky City: The First Generation at Ballarat 1851-1901 (Melbourne University Press, Carlton 1978), 302 Seiten, antiquarisch ab 21 Euro erhältlich.

Detailstudie über die erste Goldgräberstadt Australiens; akribisch recherchiert, aber dennoch gut lesbar. Mit zahlreichen Abbildungen.

Geoffrey Serle, The Golden Age: A History of the Colony of Victoria 1851-1861 (Melbourne University Press, Melbourne 1995), 472 Seiten, 21,99 Euro.

Breit angelegtes Standardwerk über die erste Dekade des Goldrausches in Victoria und seine revolutionäre Wirkung auf den Fünften Kontinent. Fundiert, souverän und informativ.

John Molony, Eureka (Melbourne University Press, Melbourne 2001), 284 Seiten, 29,99 Euro.

Molony konzentriert sich auf die Vorgeschichte und den Ablauf des Eureka-Aufstandes in Ballarat, bei dem Goldsucher 1854 gegen das Lizenzsystem und für mehr Mitbestimmung kämpften. Die „Eureka Stockade“ ist bis heute die einzige bewaffnete Revolte weißer Australier gegen eine australische Regierung. Angenehm erzählerische Historiographie über ein Schlüsselmoment der australischen Demokratie.

John Molony, Eureka (Melbourne University Express, Melbourne 1993), 208 Seiten, 15,99 Euro.

Carbonis berühmter Augenzeugenbericht über den Aufstand, mit einer kurzen biografischen Einleitung zum italienischen Revolutionär und Goldgräber. Auch als E-Book verfügbar beim „Project Gutenberg Australia“.

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DURCHQUERUNG – AUFBRUCH IN DAS OUTBACK

Sarah Murgatroyd, The Dig tree. The Extraordinary Story of the Ill-fated Burke and Wills 1860 Expedition (Bloomsbury Publishing, London 2003), 384 Seiten, antiquarisch ab ca. 10 Euro erhältlich.

Viele Jahrzehnte galten Burke und Wills, die 1861 bei dem Versuch ums Leben kamen, als erste Europäer den Kontinent von Süd nach Nord zu durchqueren, als Helden der weißen Entdeckungsgeschichte Australiens. Die inzwischen verstorbene britische Journalistin Sarah Murgatroyd zerstört diesen Mythos in ihrer packend geschriebenen, quellenorientierten Darstellung endgültig. Ihr Buch enthüllt aberwitzige Details des Unternehmens – und macht aus dem Schotten Burke den Mann, der er tatsächlich war: ein von Ehrgeiz getriebener Expeditionsleiter, dessen Fehlentscheidungen nicht nur sein, sondern auch das Leben sieben weiterer Männer kostete.

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Geoffrey Badger, Explorers of Australia (Simon & Schuster, New York 2001), 320 Seiten, antiquarisch ab ca. 26 Euro erhältlich.

Wagemutige Siedler, Abenteurer und Forscher aus Europa beginnen um 1813, die Geheimnisse der „Terra Australis“ zu lüften. Männer wie Edward John Eyre und Charles Sturt, die entlang der Flüsse von der Küste ins Innere vorstoßen – in der Hoffnung, im Herz des Kontinents auf ein gewaltiges Binnenmeer zu stoßen. Geoffrey Badgers Werk bietet einen kompakten, gut lesbaren Überblick über die wichtigsten Entdecker Australiens und ihre zum Teil selbstmörderischen Expeditionen.

Eine hervorragende Internetressource zur Süd-Nord-Expedition von 1860/61 bietet die 2005 gegründete „Burke & Wills Historical Society“. Auf der Homepage sind alle relevanten Quellen übersichtlich geordnet und online verfügbar – darunter Proviant- und Teilnehmerlisten, Tage- und Feldbücher, Berichte und Briefe, Kartenmaterial. Außerdem findet sich auf der Seite eine Übersicht zu weiterführender Literatur. Eine wahre Fundgrube.

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STAATSGRÜNDUNG – DER SCHWERE WEG ZUR EINHEIT

Aedeen Cremin (Hrsg.), 1901: Australian Life at Federation: An Illustrated Chronicle (University of New South Wales Press Ltd, Sydney 2001), 164 Seiten, derzeit nur in Bibliotheken erhältlich oder als kostenpflichtiges Download etwa bei amazon.com.

Der reich bebilderte Sammelband erschien anlässlich des hundertjährigen Bestehens des „Commonwealth of Australia“. 22 Historiker liefern einen Einblick in das Leben zum Zeitpunkt der Gründung des australischen Staatenbundes. In mehr als 50 kurzen Kapiteln beschreiben sie anschaulich den Alltag in Stadt und Land sowie gesellschaftliche und technische Entwicklungen: etwa die Arbeit der Schafscherer, den Bau der transaustralischen Telegrafenleitung, das Leben eines Leuchtturmwärters und seiner Familie in Western Australia, die Feierlichkeiten zur Gründung des Bundes und zur Eröffnung des ersten Parlaments, das öffentliche Gesundheitswesen in den Städten... Zahlreiche Abbildungen von hoher Qualität - historische Fotos, Zeichungen und Gemälde sowie Diagramme und Karten - runden den historischen Einblick ab.

ERSTER WELTKRIEG – DIE SCHLACHT VON GALLIPOLI

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Harvey Broadbent, Gallipoli: the fatal shore (Penguin, Camberwell 2005), 312 Seiten, etwa 18 Euro.

Der in Großbritannien geborene und nach Australien ausgewanderte Historiker und Publizist Broadbent hat zuvor bereits Zeitzeugenberichte von Gallipoli-Veteranen veröffentlicht. Diese Arbeit ist in dieses Buch eingeflossen und macht das fundiert recherchierte, umfassende und analytisch differenzierte Werk überdies sehr anschaulich. In seiner Gesamtdarstellung des so dramatischen Feldzugs im Ersten Weltkrieg behandelt Broadbent nicht nur die australische (und neuseeländische) Seite, sondern auch die britische sowie die türkische. Zudem wird deutlich, welchen Einfluss die Kämpfe im Westen des Osmanischen Reiches auf das australische Nationalbewusstsein ausübten. Sehr gutes, reich bebildertes Einstiegs- und Überblickswerk.

Jonathan King & Michael Bowers, Gallipoli. Untold stories from war correspondent Charles Bean & front-line Anzacs: a 90th anniversary tribute (Random House, Auckland 2005), 324 Seiten, etwa 17 Euro.

Lesenwerte chronik- und collagenhafte Darstellung der Ereignisse von Gallipoli, die viele private Zeugnisse von Frontkämpfern – Briefe, Tagebucheinträge, Erinnerungsstücke – integriert. Insbesondere die Tagebuchnotizen des offiziellen australischen Kriegsberichterstatters Charles Bean tragen das Buch. Bean, selbst einer der wichtigsten Urheber der Anzac-Legende, offenbart dabei den oft harten Kontrast zwischen der Realität an der türkischen Küste und den in Australien verbreiteten offiziellen Berichten. Zahlreiche beeindruckende Bilder aus der Hand des Kriegsfotografen Phillip Schuler komplettieren das Buch.

FLYING DOCTORS – HILFE AUS DER LUFT

Sheryl Persson, The Royal Flying Doctor Service of Australia (Exile Publishing Limited, Wollombi 2007), 96 Seiten, 16,95 AUD.

Das schmale Büchlein ist leicht und unterhaltsam zu lesen und gibt in schnörkelloser Sprache einen guten Überblick der Entstehungsgeschichte der „fliegenden Ärzte“: von der abenteuerlichen Anfangszeit bis in die Gegenwart, in der die Organisation mit einer Flotte von 50 Flugzeugen das gesamte Outback medizinisch versorgt. Neben dem großen Vordenker, Reverend John Flynn, werden auch Alfred Traeger - der Erfinder des Pedal-Generators für die ersten Notruf-Funkgeräte im Busch - sowie die ersten Ärzte, Piloten und Krankenschwestern im Dienst des RFDS gewürdigt.

Ivan Rudolph, John Flynn. Of Flying Doctors and Frontier Faith (Harper Collins Publishers, Victoria 1996), 284 Seiten, 29,95 AUD.

Rudolphs Abhandlung über John Flynn und seine Vision liest sich spannend wie ein Roman. Das Buch ist reich an Anekdoten, und lebt von der Nähe, die der Autor zu seinem „Titelhelden“ herzustellen vermag. Manche Streitgespräche Flynns mit Siedlern oder Sponsoren werden gar in direkter Rede wiedergegeben. Auch die topographischen und sozialen Hintergründe, die zur Gründung der „fliegenden Ärzte“ geführt haben, beleuchtet der Autor. Dafür verzichtet Rudolph etwa auf ein Stichwortverzeichnis im Anhang. Als Urlaubslektüre für Outback-Fans ist dieses Buch hervorragend geeignet. Als Nachschlagewerk, oder um sich in kurzer Zeit einen Einblick ins Thema „fliegende Ärzte“ zu verschaffen, hingegen weniger.

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STOLEN GENERATIONS – DIE GERAUBTEN KINDER

A. Dirk Moses (Hrsg.), Genocide and Settler Society: Frontier Violence and Stolen Indigenous Children in Australian History (Berghahn Books, New York/Oxford 2004), 344 Seiten, 16,99 Euro.

Der Sammelband beschäftigt sich - aus akademischer Sicht - vor allem mit den ideologischen Hintergründen: Welche Politik, welche Wissenschaft und welche Rhetorik haben die vielfältigen Versuche begleitet, aus Australien einen weißen Kontinent zu machen? Dabei gehen vor allem die Beiträge des Star-Politologen Robert Manne und des Geschichtswissenschaftlers Russell McGregor ausführlich auf die „Stolen Generations“ ein.

Die umfassendste und zugleich erschütterndste Darstellung der staatlichen Entführungspraxis ist jedoch der Regierungsbericht Bringing Them Home aus dem 1997 (hier als Download). Auf seinen 524 Seiten versammelt der Bericht nicht nur Zeugenaussagen von quälender Eindringlichkeit, sondern untersucht auch die psychischen und sozialen Folgen der gewaltsamen Assimilationspolitik und macht Vorschläge zu deren Überwindung - die allerdings noch immer nur äußerst zögerlich umgesetzt werden.

Doris Pilkington Garimara, Long Walk Home: Die wahre Geschichte einer Flucht quer durch die Wüste Australiens (Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2003), 160 Seiten, 7,90 Euro.

Western Australia, 1931: Pedantisch verfolgt Auber Octavius Neville, der „Chief Protector of Aborigines“, seine Aufgabe als staatlicher Vormund der Aborigines. Nach einem Gesetz von 1905 hat der Chief Protector darüber zu befinden, welchen Ehepartner ein Ureinwohner heiraten darf, und er entscheidet, welche Kinder bei ihren Eltern bleiben dürfen und welche in Heimen umerzogen werden. Vor allem hellhäutige Kinder gibt er zur Pflege oder Adoption in weiße Familien. Nevilles Ziel: Den Aborigine-Anteil durch immerwährende „Kreuzung“ mit Weißen langsam zu verdrängen. In seinem Auftrag nehmen Polizisten die etwa 14-jährige Molly Craig, deren jüngere Schwester Daisy und ihre Cousine Gracie ihren Müttern weg und bringen sie in ein 1000 Kilometer entferntes Umerziehungslager. Doch den Kindern gelingt die Flucht. Doris Pilkington Garimara, Molly Craigs Tochter, hat die Lebensgeschichte ihrer Mutter aufgeschrieben.

ZWEITER WELTKRIEG – BOMBEN AUF DARWIN

Jack Mulholland, Darwin Bombed. The Unit History of 14 Heavy Anti Aircraft Battery (Australian Military History Publications, Loftus 1999), 160 Seiten, antiquarisch ab US $ 73,40 erhältlich.

Am 19. Februar 1942 bombardierten japanische Flugzeuge Darwin, die nördlichste Stadt Australiens. Der Tag hat sich als Schock ins nationale Gedächtnis gebrannt: Zum ersten Mal suchte der Krieg den Fünften Kontinent direkt heim. Das Büchlein ist einer von mehreren Augenzeugenberichten. Aber es zählt sicher zu den eindruckvollsten, weil es die Geschichte des furchtbaren Angriffs und der Kriegsmonate konsequent aus einer Perspektive erzählt: von ganz unten. Jack Mullholland war damals einfacher Kanonier an einem Flakgeschütz auf den Klippen über dem Hafen von Darwin. Schnörkellos schildert er das anspruchslose Leben im tropischen Norden Australiens, die Stunden des Bombardements und die anschließende Massenflucht. Nüchtern bilanziert er zugleich Versagen und Heroismus der Männer, die Australien damals verteidigen sollten.

Peter Stanley, Invading Australia. Japan and the Battle for Australia, 1942 (Viking, Camberwell 2008), 320 Seiten, 35 AUD.

1942 war ein Wendejahr in der australischen Geschichte: Bombenangriffe auf Städte im Norden des Kontinents, Sydney unter Beschuss von U-Booten. Das hatte Australien noch nicht erlebt. Zum ersten Mal fühlte die junge Nation sich in ihrer Existenz bedroht: Die Invasion japanischer Truppen schien bevorzustehen. Tatsächlich drohte sie nie. Peter Stanley, ein angesehener australischer Historiker, räumt in dem lesenswerten Buch mit einem nationalen Mythos auf. Er legt dar, warum Regierung und Militärführung Australiens sehr bald wussten, dass die unmittelbare Gefahr einer Landung nicht bestand – und warum sie dennoch die Ängste in der Bevölkerung davor schürten.

SYDNEY OPERA HOUSE – WIE SEGEL ÜBER DEM HAFEN

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Philip Drew, Sydney Opera House: Jørn Utzon. Architecture in Detail (Phaidon, Berlin 2002), 60 Seiten, 12 Euro.

Philip Drew, ein renommierter Architekturkritiker, skizziert in einem umfangreichen Essay die Baugeschichte des Musiktheaters – beschreibt das ästhetische Konzept des Architekten Jørn Utzon, die technischen Herausforderungen, die er und seine Mitarbeiter bewältigen mussten sowie die politischen Anfeindungen, die den dänischen Baumeister schließlich veranlassten, noch vor Vollendung des Opernhauses Australien wieder zu verlassen. Zudem dokumentieren mehr als 100 Fotografien und Zeichnungen die Genese des Sydney Opera House vom Entwurf bis zum fertigen Bauwerk. Ein must-have für Architektur-Fans.

Wer sich schnell online Überblick verschaffen will, ist mit der hauseigenen Internetseite der Oper von Sydney gut beraten. Sie liefert in der Sektion „History“ eine bebilderte, tabellarisch gegliederte Geschichte des Sydney Opera House, dessen Umgebung seit der Landung der ersten weißen Siedler mit der „First Fleet“ in der Bucht von Sydney im Januar 1788 bis zum Tod des Architekten Jørn Utzon im Jahre 2008.

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GEO Nr. 05/97