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Das Magazin für Geschichte

Stalin Vorschau: Die Reformation

In seiner nächsten Ausgabe wird GEOEPOCHE erzählen, wie Reformatoren die Christenheit spalten und eine Zeit konfessioneller Konflikte herbeiführen. GEOEPOCHE "Die Reformation" erscheint am 14. Oktober 2009

Es ist eine viel zu große Menschenmenge, selbst für diese mächtige Halle: Fast der gesamte deutsche Hochadel – mehr als 200 Herzöge, Fürsten, Grafen – drängt sich am Nachmittag des 18. April 1521 in den Wormser Bischofshof, dazu Hunderte Bürger, die seit dem frühen Morgen angestanden haben.

Martin Luther droht der Scheiterhaufen

Der Mann, den sie alle sehen wollen, kann sich kaum noch zwischen den Schaulustigen durchzwängen: Martin Luther, jener Prediger, der den Papst herausgefordert hat. Der 37-jährige Wittenberger Augustinermönch hat zuvor in 95 Thesen, in Pamphleten und Briefen seinen Zorn über Ablasshandel, Korruption und Verweltlichung der römischen Kirche kundgetan. Und Ungeheuerliches gefordert: Nur noch die Bibel solle Grundlage des Glaubens sein,

nicht mehr die Dekrete des Heiligen Vaters, der in Wirklichkeit der Antichrist sei.

Deshalb hat ihn der Vatikan exkommuniziert. Und nun ist Luther nach Worms befohlen worden, um sich vor dem höchsten weltlichen Machthaber der Christenheit zu rechtfertigen: Kaiser Karl V. Er soll seine ketzerischen Ansichten widerrufen. Sonst droht ihm der Scheiterhaufen.

Der Reformator spaltet, ohne es zu wollen, die Christenheit

Doch der hagere Mönch bleibt standhaft; und der Hinrichtung kann er sich durch Flucht entziehen. Mit seiner theologischen Kritik löst Luther eine Revolution aus, die Europas Fundamente erschüttert: Denn sie spaltet die Kirche, seit einem Jahrtausend Glaubensheimat aller Christen des Abendlandes.

Binnen weniger Jahrzehnte wird der Norden des Kontinents protestantisch, entzieht der englische König sein Reich der Autorität des Papstes, bekennen sich viele Gemeinden in Deutschland und der Schweiz zu den nun entstehenden evangelischen Konfessionen.

Die Landbevölkerung erhebt sich gegen ihre adeligen Herren

Und als mit der römischen Kirche die unangefochtene geistliche Autorität zerfällt, ziehen die Menschen auch die weltlichen Machthaber in Zweifel – denn hat Luther nicht von der Freiheit des Christenmenschen geschrieben? So kommt es, dass 1524 unter anderem die Bauern Schwabens und Thüringens gegen ihre adeligen Herren aufbegehren. Doch die katholischen Fürsten schlagen zurück: In Deutschland zwingt etwa der bayerische Herzog eine evangelische Stadt in den katholischen Glauben zurück. In Frankreich lassen König Karl IX. und seine Mutter Katharina in einer Nacht Tausende Fremdgläubige ermorden.

GEOEPOCHE erzählt von Reformatoren und deren katholischen Gegnern. Von Kaufleuten wie Jakob Fugger, einem der größten Bankiers seiner Zeit, der einem Kaiser die Krone kauft – und durch die Förderung des Ablasshandels Martin Luthers Zorn erregt. Von fanatischen Täufern und der Gründung des Jesuitenordens. Vom Ende der kirchlichen Einheit des Mittelalters. Und vom blutigen Beginn einer neuen Zeit der konfessionellen Spaltung.

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Als Martin Luther 1517 den Ablasshandel der katholischen Kirche angreift, löst er die Reformation aus. Und spaltet, ohne es zu wollen, die Christenheit

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